Medikamente per Klick: Darauf bitte achten!

Ums Internet kursieren diverse Gerüchte. Medikamente per Klick bestellen – taugt das was? Die persönliche Beratung fällt weg, zudem gibt es immer wieder Nachrichtenmeldungen über gefälschte Medikamente und allerlei obskuren Handel. Wir wollen an dieser Stelle die Vor- und Nachteile von Internetbestellungen erläutern. Außerdem zeigen wir, worauf Sie achten müssen, wenn Sie Medikamente online günstig kaufen wollen…

Medikamente per Klick: Darauf bitte achten!

Erfahrungen mit Medikamenten per Klick

Manche betrachten das Internet als eine der segensreichsten Erfindungen des 20. Jahrhunderts. Wer wollte – und das ist eher eine gruselige Vorstellung – könnte mit dem Internet nahezu alles erledigen, ohne jemals das Haus zu verlassen. Internetbasiertes Arbeit ist möglich, Lieferdienste von Supermärkten und Versandkaufhäusern versorgen mit den Dingen des täglichen Lebens und auch Medikamente per Klick zu ordern, ist mittlerweile selbstverständlich.

Das war nicht immer so. Auch jetzt noch gibt es nur eine Handvoll Länder, in denen Sie Medikamente per Klick bestellen können:

  • Deutschland
  • Dänemark
  • Estland
  • Finnland
  • Niederlande
  • Schweden
  • Vereinigtes Königreich

Lange haben sich niedergelassene Apotheken in Deutschland davor gesträubt, den Versandhandel auf Medikamente auszudehnen. Zu risikoreich erschien es vielen Apothekern und Ärzten – wer gibt eine Garantie, dass die verschickten Produkte auch tatsächlich die strengen Qualitätskriterien erfüllen?

Groß ist das Vertrauen hierzulande in stationäre Apotheken. Der Apotheker wird oftmals ebenso hoch geschätzt wie der behandelnde Arzt.

Erst seit 2004, also gerade mal 16 Jahren, ist es durch eine Novellierung des Arzneimittelgesetzes (AMG) und des Apothekengesetzes (ApoG) möglich geworden, Medikamente per Klick zu bestellen.

Vor- und Nachteile von Medikamenten per Klick

Vorteile

  • Anonymität

    Es juckt und brennt an Stellen, die Sie anderen Menschen nicht unbedingt schildern möchten? Die Potenz lässt nach? Kein Problem, in einer Versandapotheke sieht Sie kein Mensch, niemand erkennt Sie als Stammkunden und vor allem erfährt auch der Kunde hinter oder neben Ihnen nichts von Ihren Malessen. Peinliche Momente und verlegenes Herumdrucksen bleiben Ihnen dank weitestgehender Anonymität erspart.

  • Preisvergleich

    Ein bisschen unangenehm ist es ja doch, wenn Sie beispielsweise bei rezeptfreien Produkten erst jedes Mal den Preis erfragen müssen, um sich anschließend für die günstigste Alternative zu entscheiden. Wobei oft gar nicht klar ist, ob es die günstigste Option ist. In Supermärkten sind die Produkte frei zugänglich und müssen ausgezeichnet sein. In Apotheken befindet sich ein Großteil hinter der Theke, entzieht sich also dem direkten Zugriff der Kunden. Nicht so, wenn Sie Ihre Medikamente per Klick bestellen: Hier gibt es die Möglichkeit, die Produkte verschiedener Anbieter miteinander zu vergleichen. Noch einfacher wird es, wenn Sie Preisvergleichsseiten aufrufen.

  • Preise

    Die Preise an sich sind mitunter deutlich geringer als wenn Sie das gleiche Produkt in einer traditionellen Apotheke kaufen. Der Grund dafür ist, dass die Miete eines Ladenlokals wegfällt, auch braucht es für etwaige Kommissioniertätigkeiten keine studierten Apotheker oder Pharmazeuten.

  • Öffnungszeiten

    Wer seine Medikamente per Klick bestellt, kann das rund um die Uhr tun. Versandapotheken haben keine Öffnungszeiten. Zwar wird Ihnen nicht nachts um drei Uhr der Einschlaftee vorbeigebracht, aber es fallen ungünstige Öffnungszeiten, Parkplatzsuche und lange Schlangen weg.

Nachteile

  • Dauer

    Eine Versandapotheke kann niemals so schnell sein wie der Moment, in dem Sie in Ihrer Apotheke stehen und das Medikament überreicht bekommen. Allerdings müssen zwei Aspekte bei diesem Nachteil berücksichtigt werden: Zum einen haben auch traditionelle Apotheken nicht jedes Medikament vorrätig, müssen also teilweise bestellen und nachliefern. Zum zweiten können Sie selbst durch vorausschauendes Handeln und Planen mögliche Engpässe verhindern. Selbst rezeptpflichtige Medikamente müssen nicht bis zur letzten Tablette aufgebraucht sein, bis Sie sich ein neues Rezept besorgen. Bei chronischen Erkrankungen und Bestellungen für Produkte, die Sie regelmäßig benötigen, können Sie diesen Nachteil also ausgleichen.

  • Beratung

    Manchmal ist an einen Arzttermin gar nicht zu denken. Für kleinere Beschwerden wie Erkältungen braucht es ohnehin keine detaillierte Erklärungen. Deshalb fungieren nicht wenige Apotheker als Arztersatz. Genau diese Beratung fällt allerdings weg, wenn Sie Ihre Medikamente per Klick bestellen. Wer genau weiß, was er braucht, den mag das nicht weiter stören. Unpraktisch ist das hingegen, wenn sich Rezepturen oder Zusammensetzungen ändern.

  • Liefergebühren

    Medikamente per Klick zu bestellen ist nicht kostenlos. Viele Versandapotheken schenken Ihren Kunden zwar die Liefergebühr – vor allem, wenn ein bestimmter Betrag erreicht wird. Aber das ist genau das Problem: Sie wollen einfach nur eine Hautsalbe, müssen aber erst für 75 Euro einkaufen, damit Sie die Versandkosten sparen? Bei solchen kleinen Bestellungen erhöht sich somit der Preis ganz ordentlich, so dass ein vermeintlicher Preisvorteil schnell ins Gegenteil verkehrt wird.

  • Rezepturarzneimittel

    Last not least erhalten Sie mit einer Bestellung im Internet nur sogenannte verkehrsfähige Arzneimittel (neben Artikeln, die nicht apothekenpflichtig, aber nur dort erhältlich sind – wie beispielsweise besondere Kosmetika). Das heißt, individuell in einer Apotheke hergestellte, sogenannte Rezepturarzneimittel sind davon ausgenommen.

Ist Medikamente im Internet bestellen strafbar?

Ist Medikamente im Internet bestellen strafbar?Ein klares: Das kommt darauf an! Wenn Sie ein Rezept für ein entsprechendes Arzneimittel haben und das bestellen, ist alles gut. Das wird per Post geschickt und fertig ist die Laube. Noch einfacher wird es, sobald das E-Rezept eingeführt ist: Dann können Sie direkt per E-Mail oder womöglich sogar per Whatsapp-Nachricht das Rezept weiterleiten, Verzögerungen durch den Postweg sind dann Geschichte.

Die Möglichkeit, Medikamente per Klick zu bestellen, hat allerdings einen Haken. Nicht umsonst wird das Internet teilweise als rechtsfreie Zone kritisiert und so ist es theoretisch denkbar, dass Sie sich strafbar machen ohne es zu ahnen.

Ein relativ nachvollziehbarer Fall liegt vor, wenn Produkte aus dem Ausland erworben werden, die hierzulande rezeptpflichtig sind, weil sie beispielsweise dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) unterliegen. Strafbar machen Sie sich aber auch, wenn Sie gegen § 6a des Arzneimittelgesetzes verstoßen.

Das wäre der Fall, wenn Sie beispielsweise Testosteron zu Dopingzwecken im Internet bestellen. Vom Verbot betroffen ist nicht nur der Versender, sondern auch Sie als Empfänger, so dass Sie mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe rechnen müssen.

Strafbar machen Sie sich auch, wenn Sie als Privatperson apothekenpflichtige Medikamente an Dritte verkaufen. Das betrifft solche Produkte, die zwar rezeptfrei erwerblich sind, aber eben nur in Apotheken von Apothekern verkauft werden dürfen.

Gefahren und Risiken bei Medikamenten per Klick

Die Deutschen kaufen besonders gerne Arzneimittel online. Einer internationalen Umfrage zufolge liegt der Anteil der Deutschen, die Medikamente per Klick bestellen, bei 61 Prozent. Mit Blick auf die Arzneimittelsicherheit ist zu sagen, dass Medikamente aus Deutschland problemlos bestellt werden können.

Nach Angaben des Zolls tauchen regelmäßig nur dann Probleme auf, wenn ausländische Anbieter involviert sind. Mit Arzneimittelfälschungen rechnen sollten Sie bei hinlänglich bekannten Spam-Mails. Solche bieten vorzugsweise Potenzmittel und Brustvergrößerungen an und weisen so ziemlich alle Kriterien für mangelnde Seriosität auf.

Über solche Mails mag man vielleicht noch lachen. Wenn aber lebensnotwendige Medikamente völlig wirkungslose oder sogar schädliche Inhaltsstoffe aufweisen, bleibt einem das Lachen spätestens im Halse stecken.

Das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information hat einige Punkte zusammengefasst, die Sie beachten sollten, um solchen Fälschungen aus dem Weg zu gehen:

  • Achten Sie darauf, dass bei verschreibungspflichtigen Medikamenten ein Rezept verlangt wird.
  • Kontrollieren Sie, ob es sich beim Versandhändler um eine Apotheke handelt (oft gibt es eine Adresse mit Ladenlokal).
  • Seien Sie misstrauisch, wenn der Preis stark vom handelsüblichen Preis abweicht.
  • Schauen Sie nach dem Impressum – eine Webseite ohne Angaben zu Inhaber, Adresse, zuständige Aufsichtsbehörde und zuständige Apothekerkammer ist ein schlechtes Zeichen.
  • Lassen Sie die Finger von Medikamenten, die in Deutschland nicht zugelassen sind (bei Unsicherheit fragen Sie in einer Apotheke im Ort).
  • Erkennen Sie Hinweise für mangelnde Seriosität wie reißerische Versprechungen, die Wunderheilung, Sonderangebote und dergleichen versprechen.
  • Achtung: Nehmen Sie keinesfalls Medikamente aus angebrochenen Packungen oder ohne Originalverpackung zu sich.
[Bildnachweis: VGstockstudio by Shutterstock.com]
15. Januar 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

Die Herbstlust-Redaktion besteht aus erfahrenen Autoren mit langjähriger Berufserfahrung. Trotz sorgfältiger Recherche erheben die Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informieren lediglich allgemein. Der vorliegende Artikel kann eine fachliche oder ärztliche Beratung nicht ersetzen.

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