MRSA: Definition, Symptome, Therapie

Die vier Buchstaben MRSA stehen fĂŒr Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus. Seit Jahren ist MRSA ein Synonym fĂŒr einen tödlichen Krankenhauskeim. Was viele nicht wissen: Die MRSA-Bakterien siedeln auch auf gesunden Menschen.

Vorkommen im Nasenvorhof, Rachen, Achseln oder Leisten sind keine Seltenheit. Gelangen die MRSA-Bakterien jedoch ĂŒber Wunden oder SchleimhĂ€ute in den Körper, können sie eine lebensbedrohliche Erkrankung auslösen.

Wir gehen folgenden Fragen nach: Welchen Verlauf nimmt eine MRSA-Infektion? Welche Symptome zeigt sie? Wie Sie sich vor MRSA schĂŒtzen können und welche Therapie im Krankheitsfall angewandt wird…

MRSA: Definition, Symptome, Therapie

Definition: Was bedeutet MRSA?

Beim Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus handelt es sich um ein Bakterium aus der Gruppe der grampositiven Staphylokokken. Der Begriff setzt sich aus den altgriechischen Wörtern staphylĂ© fĂŒr Traube oder Weintraube kĂłkkos fĂŒr Kern oder Beere zusammen.

Seinen Namen verdanken die Bakterien ihrem kugelförmigen Aussehen beziehungsweise ihrer Anordnung wie Weintrauben. Der lateinische Zusatz aureus (fĂŒr Deutsch „golden“) weist auf die orangegelbe FĂ€rbung der Staphylokokken.

Diese Bakterien gehören zu den Mikroorganismen am Körper des Menschen, etwa 30 Prozent aller Menschen sind TrĂ€ger von MRSA auf der Haut und den oberen Atemwegen. Das heißt ihr Vorkommen allein ist kein Grund zur Beunruhigung.

Sie haben allerdings das Potenzial, verschiedene Infektionen wie eine LungenentzĂŒndung oder HirnhautentzĂŒndung bis hin zur Sepsis auszulösen. Diese Besiedlung asymptomatisch bezeichnet.

Ihre GefĂ€hrlichkeit liegt darin begrĂŒndet, dass mit MRSA Bakterien vorliegen, die auf die Behandlung mit dem Antibiotikum Methicillin nicht mehr ansprechen, also Methicillin-resistent sind. Andere StĂ€mme der Staphylokokken hingegen sprechen auf Antibiotika an und werden als Methicillin-sensibel (MSSA) bezeichnet.

Übertragungswege von MRSA auf den Menschen

MRSA werden vor allem auf diese Arten ĂŒbertragen:

  • HĂ€nde
    Einer der HauptĂŒbertragungswege von Mensch zu Mensch sind die HĂ€nde. Sie können sich ĂŒber andere Menschen anstecken, die an MRSA erkrankt sind oder einfach nur die Staphylokokken auf der Haut tragen. Somit können Sie sich als TrĂ€ger auch selbst infizieren, indem die Bakterien von den HĂ€nden in die SchleimhĂ€ute oder eine Wunde geraten.
  • GegenstĂ€nde
    Wer MRSA-TrĂ€ger ist, verteilt die Bakterien leicht auf GegenstĂ€nden, die hĂ€ufig angefasst werden. Dazu gehören TĂŒrklinken, Griffe und Telefonhörer, aber auch BettwĂ€sche und Ablagen. Einige OberflĂ€chen (aus Plastik sowie Edelstahllegierungen) begĂŒnstigen die Ansiedlung von MRSA.
  • Tiere
    Ein Übertragungsweg kann der Kontakt mit Nutztieren sein. Da Antibiotika vor allem in der industriellen Landwirtschaft massiv zum Einsatz kommen, finden sich hier viele MRSA-Keime. Eine Ansteckung ist sowohl durch BerĂŒhrung als auch Verzehr von kolonisiertem Fleisch möglich.

Symptome bei Erkrankung mit MRSA

Nicht jede Besiedlung verursacht Beschwerden. Erst wenn das Bakterium ins Körperinnere gelangt, kommt es zu einer MRSA-Infektion. Bis die Krankheit ausbricht, können nur wenige Stunden vergehen. Die Betroffenen zeigen dann sehr unterschiedliche Symptome.

AbhÀngig ist das vom Eintrittsort des Bakteriums beziehungsweise wo die Infektion ausgelöst wird:

  • Haut- und Wundinfektionen, darunter GeschwĂŒre und Abszesse (besonders nach einer Operation)
  • EntzĂŒndungen im Bereich von Mittelohr, Nasennebenhöhlen, Nasenvorhof, Hirnhaut oder BrustdrĂŒse
  • LungenentzĂŒndung (MRSA-Pneumonie)
  • Harnwegsinfektion
  • Blutstrominfektion (Sepsis)
  • Kreislauf- oder Nierenversagen
  • Hohes Fieber

Problematik: Wer ist von MRSA betroffen?

Trat MRSA bis Mitte der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts vor allem in KrankenhĂ€usern auf, ist es mittlerweile auch zunehmend außerhalb verbreitet. Man unterscheiden zwischen verschiedenen MRSA-Typen:

HA-MRSA (hospital acquired): CA-MRSA (community acquired): LA-MRSA (livestock associated):
mit dem Krankenhaus assoziiertes MRSA mit dem ambulanten Bereich assoziiertes MRSA mit der Tiermast assoziiertes MRSA

Ein Risiko stellt MRSA vor allem fĂŒr Menschen mit geschwĂ€chten Immunsystem dar, weshalb KrankenhĂ€user etwaige Befunde an das Gesundheitsamt melden mĂŒssen. Dort sind es vor allem chirurgische Intensivstationen, Abteilungen fĂŒr Brandverletzungen und Neugeborenenstationen, die betroffen sind.

Wenngleich der der aus dem Krankenhaus erworbene MRSA-Keim auf dem RĂŒckzug ist, macht er einen Großteil der MRSA-Infektionen aus. Damit ist es vor allem fĂŒr Schwangere, Neugeborene und kleine Kinder sowie Ă€ltere Menschen eine potenzielle Bedrohung.

Neben Patienten in KrankenhĂ€usern und Pflegeheimbewohner hat ein erhöhtes Risiko, an MRSA zu erkranken, wer…

  • eine Dialyse erhĂ€lt,
  • an Diabetes erkrankt ist,
  • regelmĂ€ĂŸig mit MRSA in Kontakt kommt – beispielsweise beruflich im Krankenhaus oder in der Nutztierhaltung,
  • durch einen Beamtmungsschlauch Sauerstoff erhĂ€lt,
  • einen Gelenkersatz bekommen hat,
  • an einem Katheter liegt,
  • frische Wunden hat,
  • kĂŒrzlich mit einer Antibiotikatherapie behandelt wurde.

Ursachen fĂŒr die Ausbreitung von MRSA

Die Behandlung von MRSA stellt eine hohe Herausforderung an die moderne Medizin. UrsĂ€chlich dafĂŒr ist der in der Vergangenheit oft leichtfertige und falsche Gebrauch mit Antibiotika. Diese waren bei ihrer Entdeckung ein Segen fĂŒr die Menschheit.

Mittlerweile wirken viele Antibiotika nicht mehr, weshalb MRSA oft auch mit Multi-resistenter Staphylococcus aureus ĂŒbersetzt wird. Wo sich Multiresistenz entwickelt, kann MRSA lebensbedrohlich werden. Die Wahrscheinlichkeit, sich auf Intensivstationen mit dem Erreger anzustecken, liegt in den USA bei 50, in Frankreich und SĂŒdeuropa bei 30 Prozent.

In Deutschland liegt das Risiko zwischen 15 und 20 Prozent, regional gibt es erhebliche Unterschiede. Die hĂ€ufigsten GrĂŒnde fĂŒr mangelnde Wirksamkeit von Antibiotika sind:

  • Falsche Medikamenteneinnahme
    Bei kaum einem Medikament kommt es so sehr darauf an, dass es exakt nach Dosierungsanleitung genommen wird wie bei Antibiotika. Nimmt ein Patient das Antibiotikum nur unregelmĂ€ĂŸig ein oder bricht die Behandlung bei den ersten Anzeichen von Besserung ab, werden nicht alle Erreger abgetötet. Besonders resistente Bakterien ĂŒberleben und vererben ihre Resistenzen an nachfolgende Generationen. MRSA-Bakterien können sich so leichter entwickeln.
  • ÜbermĂ€ĂŸiger Einsatz
    Neben dem Verhalten des Patienten kommt dem behandelnden Arzt eine entscheidende Rolle zu. Zwei Fehler lassen sich im Verschreibungsverhalten beobachten:

    • Es werden unnötigerweise Antibiotika verschrieben. Antibiotika wirken nur bei bakteriellen Infektionen. Oft werden sie aber auch bei viralen Erkrankungen verschrieben. Bakterien sind somit unnötig dem Antibiotikum ausgesetzt und können so Resistenzen gegen die Wirkstoffe entwickeln.
    • Es werden zu schnell Breitbandantibiotika verschrieben. Breitbandantibiotika erfassen ein breites Spektrum an Bakterien. Damit werden allerdings wiederum Bakterien Wirkstoffen ausgesetzt, die gar nicht verwendet werden mĂŒssten, weil beispielsweise ein ĂŒbliches Penicillin noch wirksam wĂ€re. Die ĂŒbrigen Bakterien haben Gelegenheit, Resistenzen zu entwickeln. In Folge sind sie im Notfall unempfindlich gegen das Breitbandantibiotikum.
  • Industrielle Viehhaltung
    In der herkömmlichen Massentierhaltung kommen Antibiotika regelmĂ€ĂŸig zum Einsatz. Die Tierhaltung auf engstem Raum fördert die rasante Verbreitung von Keimen. Teilweise werden Antibiotika vorbeugend verabreicht, weil besonders anfĂ€llige Tiere wie Puten anderenfalls schnell erkranken. Geringe Dosen dieser Wirkstoffe landen schließlich beim Verbraucher auf dem Teller und begĂŒnstigen Resistenzen bei den Bakterien.

Diagnose und Therapie von MRSA

Ob jemand MRSA hat, lĂ€sst sich leicht durch einen MRSA Test feststellen. DafĂŒr kann mit einem WattestĂ€bchen ein Abstrich an folgenden Körperregionen gemacht werden:

  • MRSA auf den SchleimhĂ€uten (Nasenhöhle, Nasenvorhof, Rachen)
  • MRSA in Wunden
  • MRSA in Kathetereintrittsstellen
  • MRSA auf der Haut (zum Beispiel am Haaransatz auf der Stirn)
  • MRSA unter den Achseln
  • MRSA in der Leistengegend
  • MRSA im Stuhl
  • MRSA im Urin
  • MRSA im Blut
  • MRSA in der HirnflĂŒssigkeit

Des Weiteren kann hinter den Ohren sowie in der vorderen und hinteren Schweißrinne ein MRSA Test gemacht werden.

Ist der MRSA-Test positiv, gibt es verschiedene Möglichkeiten zur Behandlung. Sofern lediglich eine Besiedlung mit MRSA-Keinem vorliegt, reicht hÀufig eine zweiwöchige sogenannte MRSA-Sanierung (wahlweise auch als MRSA-Dekolonisation oder MRSA-Dekontamination bezeichnet).

Die Behandlung umfasst vier Punkte:

  • Antibiotika
    Je nach Schweregrad wird auf sogenannte Reserveantibiotika zurĂŒckgegriffen. Diese werden im absoluten Notfall verabreicht, wenn kein anderes Antibiotikum mehr anschlĂ€gt. Oft haben sie heftige Nebenwirkungen.
  • Isolation
    Handelt es sich um einen Patienten im Krankenhaus, ist eine Isolation von anderen oberstes Gebot.
  • Hygiene
    Strengste Hygienemaßnahmen stellen sicher, dass eine KeimĂŒbertragung verhindert wird. Dazu gehören Desinfektionsmittel, Mundschutz, Haarschutz und Einmalhandschuhe sowie Einmalgeschirr. Nur bestimmtes Krankenhauspersonal hat Zugang zum Patienten und betritt den Bereich durch Schleusen.
  • Zusatzmaßnahmen
    UnterstĂŒtzende Maßnahmen sind eine GanzkörperwĂ€sche und HaarwĂ€sche mit antiseptischer Waschlotion sowie eine antiseptische MundspĂŒllösung. Auch spezielle Schleimhautsalben unterbinden die Verbreitung von MRSA.

Diese Maßnahmen wird mittels Abstrich der Erfolg ĂŒberprĂŒft. Dazu werden auch regelmĂ€ĂŸige Pausen in der Therapie gemacht, um sicherzugehen, dass keine Besiedlung mehr vorliegt.

Die wirksamste Therapie gegen MRSA ist allerdings PrĂ€vention: GrĂŒndliche und vor allem regelmĂ€ĂŸige Handhygiene mit Seife und warmen Wasser sind Grundvoraussetzung.

ErgĂ€nzt werden kann durch Desinfektionsmittel – beispielsweise beim Besuch im Krankenhaus oder Pflegeheim. Ein bewussterer Fleischkonsum und die ordnungsgemĂ€ĂŸe Anwendung von Antibiotika tut ihr Übriges dazu.

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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf VollstÀndigkeit und informiert Sie nur allgemein. Er kann und soll eine medizinisch-Àrztliche Beratung nicht ersetzen. Vor der Einnahme eines Medikamentes lesen Sie bitte die Packungsbeilage sorgfÀltig durch und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

21. Juni 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

Die Herbstlust-Redaktion besteht aus erfahrenen Autoren mit langjÀhriger Berufserfahrung. Trotz sorgfÀltiger Recherche erheben die Artikel keinen Anspruch auf VollstÀndigkeit und informieren lediglich allgemein. Der vorliegende Artikel kann eine fachliche oder Àrztliche Beratung nicht ersetzen.

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