Müdigkeit: Ab wann wird sie zum Problem?

Wer das ganze Berufsleben lang immer früh aufstehen und sich mit Müdigkeit ins Büro quälen musste, ist froh und glücklich über den Renteneintritt. Doch auch dann sind viele Menschen vom Problem der permanenten Müdigkeit betroffen.

Es hängt also nicht immer mit unserem Arbeitsalltag zusammen, wenn wir schlapp und antriebslos sind. Meist sind andere Gründe dafür verantwortlich.

Welche das sind und was Sie gegen chronische Müdigkeitsanfälle tun können, verraten wir Ihnen hier.

Müdigkeit: Ab wann wird sie zum Problem?

Ist andauernde Müdigkeit ein Problem?

Wer unter häufiger Müdigkeit leidet, bekommt meist zu wenig Schlaf. So weit, so logisch. Doch Müdigkeitsanfälle können auch andere Ursachen haben. Manchmal deuten sie auf bestimmte Krankheiten hin, seien diese physischer oder psychischer Natur. Und selbst wenn ein Schlafdefizit die Ursache ist, so ist immer noch nicht geklärt, warum die Betroffenen so wenig schlafen können.

Die Frage ist, ab wann die Müdigkeit zu Problem wird. Mit Sicherheit nicht, wenn wir nach einem ausgiebigen Mahl das Bedürfnis verspüren, uns ein wenig hinzulegen. Manchmal hilft auch ein wenig frische Luft, ein Spaziergang oder ausreichend zu trinken (zum Beispiel Tee). Doch wenn permanenter Stress oder ein chronischer Infekt uns den gesunden Schlaf rauben, sollten wir uns schon eher Gedanken über unseren Lebensstil machen.

Sobald für die stetige Müdigkeit kein objektiver Grund vorzuliegen scheint, wird es Zeit, diese von einem Arzt abklären zu lassen. Denn Müdigkeit, die über Wochen oder gar Monate anhält, kann unser Immunsystem schwächen, aber uns insbesondere eine Menge an Lebensfreude rauben. Betroffene können sich schwer zu Aktivitäten motivieren – häufig zeigen sie Symptome einer Depression. Dies kann dann auch einer Gründe für die Antriebslosigkeit sein.

Müdigkeit aufgrund von schlechtem Schlaf

In den meisten Fällen entsteht Müdigkeit entweder aufgrund von zu wenig oder von schlechtem Schlaf. Dafür können viele Dinge verantwortlich sein. Zum Beispiel:

  • Schlechte Schlafhygiene und fehlende Rituale vor dem Schlafengehen
  • Übermäßige Bildschirmnutzung vor dem Zubettgehen
  • Zu späte Bettzeiten und / oder zu frühes Aufstehen
  • Wechselnder Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Schlafapnoe beziehungsweise Schnarchen
  • Zu warmes Schlafzimmer
  • Schlechte und unbequeme Matratze

Lesetipp: Was Sie gegen Schlafstörungen tun können.

Müdigkeit aus anderen Gründen

Zuweilen kommt es vor, dass Betroffene durchaus gut schlafen, oft sogar fast zu viel. Dennoch sind sie den Tag über müde und fühlen sich schlapp. Einige empfinden sich tagsüber sogar wie gerädert. Dann könnten womöglich folgende Gründe für die Müdigkeit vorliegen:

  • Bewegungsmangel und / oder Frischluftmangel
  • Zu fettes, üppiges Essen beziehungsweise Übergewicht
  • Mangelernährung oder zu wenig Flüssigkeitszufuhr
  • Psychische Belastungen wie Ängste, Stress, Trauer oder Langeweile
  • Umweltbelastung
  • Unterfunktion der Schilddrüse
  • Diabetes
  • Blutarmut
  • Herzinsuffizienz
  • Erste Anzeichen auf Krebs
  • Kopfschmerzen
  • Zu niedriger Blutdruck
  • Übermäßiger Alkoholkonsum
  • Nebenwirkungen von Medikamenten
  • Chronisches Erschöpfungssyndrom (CFS)

Gerade das chronische Erschöpfungssyndrom ist dabei nur schwer zu fassen und diagnostizieren. Meist ist es von Schlafstörungen sowie Muskel- oder Halsschmerzen begleitet. Mediziner erforschen derzeit noch die genaue Ursache und Herkunft des Erschöpfungssyndroms.

Ist Müdigkeit ein Fall für den Arzt?

Nicht immer ist nötig, gleich zum Arzt zu gehen, wenn Sie zwei oder drei Nächte nicht gut geschlafen haben und unter Müdigkeit zu leiden. Doch je länger dieser Zustand anhält beziehungsweise je häufiger er auftritt, umso eher sollten Sie ein Gespräch mit Ihrem Hausarzt suchen.

Dabei ist es jedoch wichtig zu wissen, dass der Schlafbedarf im Alter abnimmt. Mit Anfang / Mitte 20 hat der Mensch noch ein durchschnittliches Schlafbedürfnis von acht bis neun Stunden, um die 40 sind es im Schnitt ungefähr noch sieben Stunden und viele 70- oder 80-Jährige kommen mit sechs oder weniger Stunden Schlaf aus, ohne übermäßig müde zu sein. Grund ist der im Alter verlangsamte Stoffwechsel.

Dennoch lässt sich das nicht verallgemeinern: Es ist das Wesen der Durchschnittswerte, dass es sowohl im oberen wie um unteren Bereich Ausreißer gibt. So benötigte zum Beispiel Donald Trump nach eigenen Angaben lediglich vier Stunden Schlaf pro Nacht. Ob dies nun ein gutes Vorbild ist für ein ausgeglichenes Auftreten, mag jedoch an dieser Stelle jeder für sich beurteilen…

Im Vordergrund sollte also nicht primär die Menge des Schlafes stehen, sondern wie Sie sich damit fühlen. Wenn Ihr Körper stets signalisiert, dass er ohne Koffeinkick, ohne Auszeit, ohne stetige Erholung zu nichts zu gebrauchen ist, dann ist es wichtig, dass sich das ein Arzt genauer ansieht.

Auch wenn weitere Symptome zusammen mit der Müdigkeit auftreten, kann einen Arztbesuch vernünftig erscheinen:

  • Permanenter Nachtschweiß
  • Trockene Schleimhäute
  • Blutiger Stuhl
  • Starke Durstgefühle
  • Geschwollene Lymphknoten
  • Andauernde Unkonzentriertheit
  • Schnelle Erschöpfung ohne körperliche Anstrengung
  • Fehlen von wachen, munteren Phasen im Tagesablauf
  • Deutliche Veränderung der Müdigkeit innerhalb von kurzer Zeit

Therapie bei andauernder Müdigkeit

Ihr Arzt wird zunächst ein Anamnesegespräch mit Ihnen führen. Dabei wird er Sie nach Dauer, Verlauf und Entwicklung der Müdigkeit befragen sowie nach weiteren Beschwerden und Beeinträchtigungen. Selbstverständlich spielen Ihre Schlafgewohnheiten auch eine ausführliche Rolle sowie Ihre persönliche Situation und Ihr Lebenshintergrund.

Zudem wird der Arzt Ihre Medikation checken und Ihren Allgemeinzustand in Augenschein nehmen. Dazu gehören das Messen des Blutdrucks und des -zuckers, Ihr Gewicht sowie der Herzschlag. Ebenfalls werden die Lymphknoten abgetastet und die Reflexe getestet.

Je nach Anfangsverdacht kann eine Blutabnahme beziehungsweise das Untersuchen einer Stuhl- und Urinprobe genaueren Aufschluss bringen. Um das Herz und das Gehirn genauer zu untersuchen, können EKG (Elektrokardiogramm) und EEG (Aufzeichnung der Hirnströme) zum Einsatz kommen.

So kann sich der Arzt ein genaues Bild von Ihrem Gesundheitszustand machen und je nach Diagnose eine geeignete Therapie einleiten. Beispielsweise:

  • Medikamente
    Ist die Ursache für die Müdigkeit, dass der Körper gegen einen hartnäckigen Infekt ankämpft, kann dieser Kampf mit Medikamenten (beispielsweise Antibiotika oder fiebersenkende Mittel) unterstützt werden. Auch eine Unterfunktion der Schilddrüse lässt sich medikamentös gut behandeln.
  • Nahrungsergänzungsmittel
    Bei Blutarmut oder Mangelernährung kann die ärztliche Verschreibung von Nahrungsergänzung sinnvoll sein. So können in vielen Fällen Vitamin B12, Vitamin D, Eisen oder Folsäure schon wunderbar helfen. Von einer Selbstmedikation ist hierbei jedoch dringend abzuraten.
  • Ernährungsumstellung
    Mitunter kann es sogar reichen, dass Sie sich anders ernähren. Viele Patienten wurden Ihre Müdigkeit los, in dem sie zum Beispiel eher auf Vollkornprodukte, grünes Gemüse, rote Beete oder Nüsse gesetzt haben anstatt auf Zucker und Alkohol. Da man dadurch ganz nebenbei gesund abnehmen kann, lässt sich so auch eine etwaige Schlafapnoe besser in den Griff bekommen.
  • Psychotherapie
    Liegt die Ursache im psychischen Bereich, kann eine Psychotherapie helfen. Hier bietet sich entweder eine Verhaltenstherapie oder eine tiefenpsychologische Therapieform an. Ein Psychiater beziehungsweise ein Psychologe Ihres Vertrauens kann hier weiterhelfen, allerdings ist dies ein längerer Prozess, der nicht sofort Wirkung zeigen dürfte, sondern eher nach und nach.

Ist die Ursache gravierender (zum Beispiel bei einer Herzerkrankung oder bei Krebs), reichen diese Therapien selbstverständlich nicht mehr aus. Dann kommen spezielle Verfahren zur Anwendung.

Tipps gegen Müdigkeit

Wenn Sie häufig müde sind, aber nicht die Notwendigkeit besteht, einen Arzt aufzusuchen, dann haben wir noch weitere Tipps für Sie, wie Sie wieder fit und frisch werden können:

  • Gestalten Sie Ihren Tag so gut es geht nach Ihrem persönlichen Biorhythmus – Powernapping inklusive.
  • Ernähren Sie sich fettarm und vitaminreich.
  • Trinken Sie über Tag verteilt genügend. Circa zwei Liter sollten es schon sein.
  • Verzichten Sie auf müde machende Suchtstoffe wie Alkohol oder Nikotin.
  • Bewegen Sie sich an der frischen Luft, beispielsweise durch Spazieren, Nordic Walking, Wandern.
  • Duschen Sie kalt und warm im Wechsel, um den Kreislauf anzuregen.
  • Erlernen Sie Entspannungstechniken. Yoga, Meditation oder Autogenes Training können gegen Müdigkeit helfen.
  • Pflegen Sie eine entsprechende Schlafhygiene mit festen Zeiten und Ritualen.
  • Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit nicht zu sehr auf die Müdigkeit, sondern geben Sie sich einen Ruck, Ihren Fokus auf andere Dinge zu legen, die Ihnen Freude machen. Hobbys zum Beispiel.

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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informiert Sie nur allgemein. Er kann und soll eine medizinisch-ärztliche Beratung nicht ersetzen. Vor der Einnahme eines Medikamentes lesen Sie bitte die Packungsbeilage sorgfältig durch und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

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4. Dezember 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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