Nachbarn: So gelingt eine gute Nachbarschaft

Nachbarn können hilfreich oder aber auch unendlich nervtötend sein. Im Gegensatz zu unseren Freunden haben wir uns die Nachbarn selten ausgesucht und müssen sie so nehmen, wie sie sind.

Doch wie gelingt eine gute Nachbarschaft? Und welche Grenzen gibt es? Was sind meine Reche und Pflichten in Bezug auf die Nachbarn?

Wir beleuchten das Thema genauer und geben Tipps, damit Sie eine gute Nachbarschaft pflegen können und nicht im Streit enden…

Nachbarn: So gelingt eine gute Nachbarschaft

Nachbarn: Fluch oder Segen?

Das Wort „Nachbar“ leitet sich aus dem Althochdeutschen ab. Dort bezeichnete um das achte Jahrhundert herum der Begriff „Nahgibur“ den nächstgelegenen Bauern. Mit der Zeit wurde daraus das Deutsche „Nachbar“ beziehungsweise das Englische „Neighbour“.

Ein guter Nachbar kann durchaus eine große Unterstützung im täglichen Leben sein. So können die Nachbarn zum Beispiel…:

  • …bei Abwesenheit danach schauen, dass kein Einbrecher sich an der eigenen Wohnung zu schaffen macht.
  • …im Urlaub gegenseitig die Blumen gießen, Päckchen annehmen oder den Briefkasten leeren.
  • …ein angenehmes Schwätzchen halten oder sogar ein gemeinsames Fest feiern.
  • …bei Krankheit einen Einkauf erledigen.

Allerdings nervt viele Menschen auch, dass sich so mancher Nachbar in Dinge einmischt, die ihn nichts angehen und die Privatsphäre überschreitet. Nicht selten geraten Beteiligte darüber in Streit oder über andere Dinge wie Pflanzenwuchs, Parkvergehen, Lärm- oder Geruchsbelästigung.



Sprüche und Zitate

Der liebe Gott sieht alles, der Nachbar noch mehr.

(Deutsches Sprichwort)

Zwischen diese beiden Extremen bewegt sich Nachbarschaft oft in Deutschland. Es gibt Nachbarn, die extrem engagiert sind und sogar Nachbarschaftshilfen beziehungsweise -initiativen gründen. Und es gibt Nachbarn, die froh sind, wenn sie ihre Ruhe haben.

Beides ist das gute Recht eines jeden Menschen. Abr zumindest ein Grundmaß an sozialem Miteinander sollte durchaus gegeben sein. Und sei es nur auf der Basis, sich gegenseitig zu grüßen.



Sprüche und Zitate

Liebe deinen Nachbarn, aber reiße den Zaun nicht ein.

(Deutsches Sprichwort)

Tipps für eine gute Nachbarschaft

Um zu einer guten Nachbarschaft zu finden, in der sich alle Beteiligten wohl fühlen, muss natürlich zunächst einmal die zwischenmenschliche Wellenlänge stimmen. Dazu können Sie selbst einiges beitragen, denn wer seinen Mitmenschen freundlich und unvoreingenommen begegnet, erntet meist auch entsprechend positive Reaktionen.

  • Einstellung
    Nehmen Sie nicht gleich das Schlimmste von Ihren Nachbarn an. Bedenken Sie: Auch Ihre Nachbarn haben eine Existenzberechtigung und auch sie haben Menschen, die sie mögen. Kein Mensch hat nur schlechte Angewohnheiten. Im Gegenteil: Die meisten wollen einfach ein friedliches und schönes Heim um sich dort zu erholen.
  • Ruhezeiten
    Bedenken Sie, dass es an Sonn- und Feiertagen ganztägig sowie jede Nacht zwischen 22.00 und 6.00 Uhr und Mittags zwischen 13.00 und 15.00 gesetzliche Ruhezeiten gibt. Auf Rasenmähen, Partys oder ähnliches sollten Sie dann verzichten. Aber auch wenn Sie ein Haustier haben, sollten Sie möglichst für Ruhe sorgen.
  • Feiern
    Wenn Sie doch einmal feiern möchten, dann sprechen Sie vorher mit Ihren Nachbarn. Eine faire, ruhige und gleichberechtigte Kommunikation auf gleicher Augenhöhe sollte ohnehin Standard sein. Vielleicht können Sie Ihre Nachbarn sogar zum geplanten Grillfest einladen?
  • Pflanzen
    Wenn Sie Pflanzen haben, dann achten Sie darauf, dass diese nicht zum Nachbarn hinüber wachsen und womöglich sogar sein Heim beschädigen oder zumindest sein Wohlbefinden stören. Eine gewisse Pflege gehört daher dazu.
  • Aufmerksamkeiten
    Ein kleines Glas selbstgemachter Marmelade oder Kuchen, eine Schale frisches Obst oder ein paar selbst gezogene Kräuter… Was Sie auch immer wählen: Kleine Geschenke erhalten die gute Nachbarschaft. Dabei ist es die Geste, die zählt und nicht der große Wert.
  • Treffen
    Ein kurzer Plausch vor der Haustür hat schon zu vielen schönen Nachbarschaften geführt. Manche Nachbarn verbringen sogar regelmäßig gesellige Abende miteinander. Andere veranstalten gemeinsame Bücherbörsen oder Straßenverkäufe. Wenn Sie sich verstehen, sind den gemeinsamen Aktivitäten keine Grenzen gesetzt.
  • Beschweren
    Wenn Sie sich einwandfrei verhalten aber Ihre Nachbarn mal über die Strenge schlagen, dann kommen Sie nicht gleich mit der Moralkeule oder machen Ihr Gegenüber womöglich auf eine andere Art nieder. Sagen Sie klar und deutlich, wodurch Sie sich gestört fühlen und vor allem: Warum. Mit einem Lächeln frühzeitig vorgebracht, hat das Reden so manchen Streit schon im Keim erstickt.

Bei aller guter Nachbarschaft gilt aber: Halten Sie auch gewisse Grenzen ein. Sie sollten Ihre Nachbarn nicht mit Ihrer Güte und Ihren Vorschlägen für gemeinsame Aktionen überrumpeln oder überfordern.



Sprüche und Zitate

Ein Zaun verbindet Nachbarn, sein Fehlen entzweit sie schnell.

(Erhard Blanck, deutscher Heilpraktiker, Schriftsteller und Maler)

Nachbarschaftsnetzwerke

Wer über den direkten Nachbarn hinaus denkt, der kann auch in seinem weitläufigeren Wohnumfeld nette Menschen kennen lernen. Meist finden sich hier auch Bedarfsgemeinschaften nach dem Motto: „Hilfst du mir, so helfe ich dir“.

Netzwerke zwischen Nachbarn können sich über unterschiedliche Wege bilden:

  • Über Angebote im Internet wie zum Beispiel Nebenan.de oder Nachbarschaft.net.
  • Über Bürger- und Quartierstreffs beziehungsweise Nachbarschaftswerke
  • Über Stadtteilfeste
  • Über Vereine im Wohnquartier

Bedenken Sie dabei aber, dass insbesondere gegenseitige Hilfeleistungen wirklich nur eine Unterstützung darstellen und nicht in den Bereich der Schwarzarbeit münden sollen. Gefälligkeiten sollten also nicht auf einen Gewinn ausgerichtet sein.



Sprüche und Zitate

So viele Menschen, wie es böse Nachbarn gibt, gibt’s gar nicht.

(Walter Ludin, Schweizer Autor und Mönch)

Nachbarschaftsstreit

Wenn es doch einmal zum Streit kommt, dann muss es nicht sofort der Gang zum Anwalt sein. Gegenseitiges Reden und vor allem gegenseitiges Zuhören hat schon viele Nachbarn wieder miteinander versöhnt. Wer das nicht ohne fremde Hilfe schafft, sollte einen Mediator zu Hilfe nehmen oder sich an eine örtliche Schlichtungsstelle wenden.

Meist sind die Auslöser für Nachbarschaftsstreitigkeiten banal und bauschen sich mit der Zeit auf, wenn wir quasi jedes Verhalten des anderen auf die Goldwaage legen. Wir sammeln gewissermaßen „Ärger-Rabattmarken“ und übersehen dabei die positiven Seiten des anderen. Dabei schaukeln sich nichtige Anlässe schnell hoch. Dies beruht dann meist auf Gegenseitigkeit und jeder nimmt das Schlimmste vom anderen an.



Sprüche und Zitate

Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.

(Friedrich Schiller)

Rechte und Pflichten als Nachbar

Damit Sie wissen, was erlaubt ist und was nicht, hier ein kleiner Überblick über die meisten Streitthemen:

  • Kinder
    Im üblichen Rahmen und außerhalb der Ruhezeiten stellen Kinder keine Ruhestörung dar. Wenn diese also in Nachbars Garten etwas lauter spielen, dann dulden Sie es.
  • Grenzen
    Gerade bei Über- oder Anbauten lohnt ein Blick in den Bebauungsplan. Wenn Ihre Baumaßnahmen über fremdes Grundstück führen, dann treffen Sie vorher eine schriftliche und gemeinsame Vereinbarung darüber. Es besteht in Deutschland keine Pflicht, sein Grundstück per Zaun abzugrenzen, auch wenn man dies manchmal meinen mag…
  • Pflanzen
    Pflanzenwuchs sollte das Nachbargrundstück möglichst nicht tangieren. Das heißt, Sie müssen Äste und Wurzeln rechtzeitig kürzen. Herabfallendes Laub muss allerdings im Herbst hingenommen werden. Wenn Früchte auf des Nachbarn Seite wachsen, gehören diese ihm, selbst wenn der Baum auf Ihrem Grundstück steht. Allerdings nur, wenn diese von selbst abfallen. Pflücken darf er sie nicht.
  • Lärm
    Auch hier gelten die gesetzliche Ruhezeiten. Wenn nächtlicher Lärm über Zimmerlautstärke Ihnen den Schlaf raubt, dürfen Sie sich durchaus beschweren und Ihre Nachbarn zur Unterlassung auffordern. Duschen, Waschen, Staubsaugen oder ähnliches gehören nicht dazu. Der Laubbläser, der Rasenmäher und was sonst noch an Krachmachern im Baumarkt erhältlich ist, aber sehr wohl. Für diese sehr lauten Geräte gilt sogar eine verlängerte Ruhezeit von 17.00 bis 9.00 Uhr plus die übliche Mittagsruhe. Wer sich regelmäßig gestört fühlt, sollte ein Lärmprotokoll führen.
  • Tiere
    Bei den Tieren gilt in puncto Lautstärke das Gleiche wie bei Kindern und bei anderen Lärmquellen. Was mögliche Hinterlassenschaften vor Ihrer Haustür angeht, ist dies aber sehr wohl ein Beschwerdegrund. Ebenso, wenn Ihre Nachbarn giftige Tiere halten, von denen bei Ausbruch eine Gefahr ausgeht.
  • Geruch
    Grilldüfte aber auch landwirtschaftliche Gerüche müssen Sie dulden, solange sie ortsüblich sind. Übermäßiger Qualm und Gestank jedoch nicht. Hier dürfen Sie sich beschweren. Dies gilt auch für Komposthaufen.

Für nähere Infos empfehlen wir das Buch der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: „Meine Rechte und Pflichten als Nachbar“. Der Ratgeber ist für 9,90 Euro plus Porto unter folgender E-Mail-Adresse zu beziehen: publikationen@vz-nrw.de.

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[Bildnachweis: Pressmaster by Shutterstock.com]
16. Dezember 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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