Nachbarn: Vorteile, Tipps, Rechte & Pflichten

Nachbarn suchen wir uns selten aus. Bestimmte Themen führen fast immer zu Streit: Ruhestörung, Treppenhausreinigung, Kinder, Haustiere. Wichtig daher, seine Rechte und Pflichten zu kennen. Wir beleuchten das Thema genauer, zeigen Sprüche über Nachbarn und geben Tipps. Wie gute Nachbarschaft gelingt, was Sie tun können, wenn Nachbarn mobben…

Nachbarn: Vorteile, Tipps, Rechte & Pflichten

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Rechte und Pflichten als Nachbar

Die eigene Freiheit endet dort, wo die des Nachbarn beginnt. Damit Sie wissen, was gesetzlich erlaubt ist und was nicht, hier ein Überblick über die häufigsten Streitthemen:

Lärm: Nachbarn zu laut

Es gelten die gesetzlichen Ruhezeiten. Wenn nächtlicher Lärm über Zimmerlautstärke Ihnen den Schlaf raubt, dürfen Sie sich beschweren und Ihre Nachbarn zur Unterlassung auffordern. Duschen, Waschen, Staubsaugen oder Ähnliches gehören nicht dazu. Der Laubbläser, der Rasenmäher und sonstige Krachmacher aber sehr wohl. Für diese sehr lauten Geräte gilt sogar eine verlängerte Ruhezeit von 17.00 bis 9.00 Uhr plus die übliche Mittagsruhe. Wer sich regelmäßig gestört fühlt, sollte ein Lärmprotokoll führen.

Geruch: Nachbarn grillen jeden Tag

Die Rechtsprechung ist da uneins: Einige Gerichte meinen, Grilldüfte und landwirtschaftliche Gerüche müssen geduldet werden, solange sie ortsüblich sind. Was die Häufigkeit von zu duldenden Rauchschwaden jedoch anbelangt, entscheiden die Gerichte sehr unterschiedlich. Übermäßigen Qualm und Gestank müssen Sie jedoch in keinem Fall akzeptieren. Hier dürfen Sie sich beschweren. Dies gilt ebenfalls für Komposthaufen.

Parkplatz: Auto steht im Weg

Dritthäufigstes Streitthema unter Nachbarn sind falsch abgestellte Fahrzeuge. Die einen blockieren die Ausfahrt, die nächsten parken auf reservierten Parkplätzen. Wer auf Privatgrundstücken unerlaubt parkt, muss sich nicht wundern, wenn ein Abschleppdienst sein Auto entfernt. Allerdings empfiehlt sich im Sinne guter Nachbarschaft, den Nachbarn mit einem Zettel zunächst darauf aufmerksam zu machen und nochmal Gnade vor Recht ergehen zu lassen. Im öffentlichen Verkehrsraum übrigens – etwa auf einem Bürgersteig – darf nur die Polizei abschleppen.

Kinder: Nachbarskinder sind laut

Im üblichen Rahmen und außerhalb der Ruhezeiten stellen Kinder keine Ruhestörung dar. Wenn diese in Nachbars Garten etwas lauter spielen, dann dulden Sie es bitte. Auch in der Wohnung gilt, dass Rennen und Spielen zum „vertragsgemäßen Gebrauch der Mietwohnung gehören“: Heißt, diesen Lärm müssen Sie ertragen. Anders sieht es bei Gemeinschaftsräumen (Treppenhaus, Keller, Waschräume) oder im Aufzug aus. Hierbei handelt es sich nicht um Spielplätze, daher müssen Mieter das Spielen dort nicht hinnehmen.

Grenzen: Abgrenzungen nicht zwingend

Gerade bei Über- oder Anbauten lohnt ein Blick in den Bebauungsplan. Wenn Ihre Baumaßnahmen über fremdes Grundstück führen, dann treffen Sie vorher eine schriftliche und gemeinsame Vereinbarung darüber. Es besteht in Deutschland keine Pflicht, sein Grundstück per Zaun abzugrenzen, auch wenn dies manchmal so scheinen mag…

Pflanzen: Wuchs über das Grundstück hinaus

Pflanzenwuchs sollte das Nachbargrundstück möglichst nicht tangieren. Das heißt, Sie müssen Äste und Wurzeln rechtzeitig kürzen. Herabfallendes Laub muss allerdings im Herbst hingenommen und beseitigt werden. Wer es zurückschmeißt, macht sich strafbar. Das entschied das Stuttgarter Oberlandesgericht bereits 1985. Wenn Früchte auf des Nachbarn Seite wachsen, gehören diese ihm, selbst wenn der Baum auf Ihrem Grundstück steht. Dies gilt jedoch nur, wenn diese von selbst abfallen. Pflücken darf er sie nicht.

Tiere: Beschwerde je nach Gefahr

Bei den Tieren gilt in puncto Lautstärke das Gleiche wie bei Kindern und bei anderen Lärmquellen: Bis zu einem gewissen Grad müssen Sie den Lärm hinnehmen. Heißt aber auch: Stundenlanges Gebell ist ebenso wenig hinnehmbar wie bestialischer Gestank aus der Nachbarwohnung. Und was mögliche Hinterlassenschaften vor Ihrer Haustür angeht: Die sind sehr wohl ein Beschwerdegrund. Ebenso, wenn Ihre Nachbarn giftige Tiere halten, von denen bei Ausbruch eine Gefahr ausgeht.

Videoüberwachung: Grundstück sichern

Immer häufiger greifen Menschen zur Videoüberwachung. Das ist legitim, wenn Sie Ihr Eigenheim schützen wollen. Es gilt allerdings dabei Folgendes zu beachten: Öffentlichen Raum, also Gehwege oder Ähnliches verstoßen gegen die Persönlichkeitsrechte anderer. Gleiches gilt für Nachbargrundstücke. Ihre Kamera muss so (fest) angebracht sein, dass sie keinesfalls den Nachbarn oder sein Grundstück filmt. Sie darf auch nicht entsprechend verstellbar sein – anderenfalls bekommen Sie Ärger.

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Nachbarn mobben: Nachbarschaftsstreit beilegen

Plötzlich fehlt die Fußmatte, ein Blumenkübel ist zerbrochen oder die Treppe wird nicht geputzt: Anlässe für Ärger gibt es zur Genüge. Wenn Nachbarn mobben, sollten Sie aktiv werden. Was Sie tun können:

  • Gespräch suchen
    Wenn es doch einmal zum Streit kommt, dann muss es nicht sofort der Gang zum Anwalt sein. Ein Gespräch sollte immer an erster Stelle stehen. Gegenseitiges Zuhören und unvoreingenommenes Interesse am anderen hat schon viele Nachbarn wieder miteinander versöhnt.
  • Perspektive wechseln
    Meist sind die Auslöser für Nachbarschaftsstreitigkeiten banal und bauschen sich mit der Zeit auf. In der Folge wird jedes Verhalten des anderen auf die Goldwaage gelegt. Wenn Sie sich dies bewusst machen und versuchen, die Dinge aus der Perspektive Ihres Nachbarn zu sehen, ist ein erster Schritt zu mehr Frieden bereits getan.
  • Rechte klären
    Bleiben Gespräche und Perspektivwechsel erfolglos, sollten Sie Ihre Rechte klären: Fragen Sie beim Vermieter beziehungsweise der Hausverwaltung nach, lesen Sie im Mietvertrag nach. Wer im eigenen Haus wohnt, kann sich bei der Gemeinde erkundigen, welches Verhalten des Nachbarn noch akzeptabel beziehungsweise rechtlich erlaubt ist.
  • Verhalten dokumentieren
    Damit Ihr Anliegen entsprechend Gewicht erhält, sollten Sie Protokoll führen: Über ausfallendes Verhalten Ihres Nachbarn oder anderweitige Vorkommnisse.
  • Unterstützung suchen
    Wer den Nachbarschaftsstreit nicht ohne fremde Hilfe beilegen kann, sollte einen Mediator suchen oder sich an eine örtliche Schlichtungsstelle wenden.

Bedeutung: Was versteht man unter Nachbarn?

Im Mittelalter bezeichnete man mit dem althochdeutschen ‚Nahgibur‘ den nächstgelegenen Bauern. Mit der Zeit wurde daraus das deutsche ‚Nachbar‘ (englisch = ’neighbour‘). Heutzutage sind damit Bewohner gemeint, die entweder im gleichen Haus oder auf dem Nebengrundstück wohnen.

Häufig wird der Begriff der Nachbarschaft sogar etwas weiter gefasst und bezieht die Bewohner eines Quartiers oder eines Viertels mit ein. Die Nachbarn werden synonym oft auch als Anwohner oder Anrainer bezeichnet.


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Vorteile guter Nachbarschaft

Die räumliche Nähe zu anderen Menschen bietet Vorteile und kann eine große Unterstützung im täglichen Leben sein. Daher empfiehlt es sich, auf gute Nachbarschaft zu setzen. Behilflich sein können die Nachbarn zum Beispiel in diesen Situationen:

  • Kontrolle
    In Ihrer Abwesenheit nach dem Rechten schauen und sicherstellen, dass kein Einbrecher sich an der eigenen Wohnung zu schaffen macht.
  • Urlaubsvertretung
    Ist einer im Urlaub, gießt man die Blumen, nimmt Päckchen an oder leert den Briefkasten.
  • Bekanntschaft
    Mit Nachbarn lässt sich häufig ein angenehmes Schwätzchen halten oder sogar ein gemeinsames Fest feiern. Manche Nachbarn werden sogar zu Freunden.
  • Unterstützung
    Bei Krankheit erledigen Nachbarn einen Einkauf oder gehen zur Apotheke.

Meine Rechte als Nachbar

Für nähere Infos empfehlen wir das Buch der Verbraucherzentrale „Meine Rechte als Nachbar“. Der Ratgeber kostet 14,90 Euro und ist im Buchhandel, im Onlineshop unter www.ratgeber-verbraucherzentrale.de oder unter 0211 / 38 09-555 zu bestellen.


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Sich den Nachbarn vorstellen: Tipps beim Umzug

Sie planen demnächst umzuziehen? Dann wäre es ein feiner Charakterzug, sich seinen neuen Nachbarn vorzustellen. So können Sie vorgehen:

  • Vorabinformation geben
    Verfassen Sie eine kurze Nachricht, in der Sie sich vorstellen. Die Nachricht können Sie in die Briefkästen werfen oder (besonders bei größeren Häusern) im Hausflur aufhängen. Informieren Sie darin Ihre Nachbarn über den bevorstehenden Umzug. Bitten Sie außerdem um Verständnis, dass es am Umzugstag etwas lauter und staubig zugehen wird. Entschuldigen Sie sich vorab für anstehende Renovierungsarbeiten.
  • Umzugstag nutzen
    Am Umzugstag selbst geht es oft mehrmals durchs Treppenhaus, vermutlich begegnen Sie dort bereits einigen Nachbarn. Nutzen Sie die Gelegenheit, sich dann diesen kurz vorzustellen. Manchmal erhält man so bereits wertvolle Informationen (Nachbarschaftsveranstaltungen, Grillpartys oder Ähnliches). Zudem gewinnen beide Seiten einen Eindruck voneinander.
  • Einladung schicken
    Ist Ruhe eingekehrt und hat man sich eingelebt, organisieren viele eine Einweihungsfeier. Eine nette Geste wäre, nicht nur Freunde und Familie, sondern auch die Nachbarn dazu einzuladen. So schlagen Sie zwei Fliegen mit einer Klappe: Keiner ärgert sich über möglichen Lärm, weil er selbst auf der Feier ist. Und Sie haben Gelegenheit, sich als netter Gastgeber zu präsentieren und die Nachbarn kennenzulernen.

Diese Tipps gelten besonders beim Umzug in ein Mietshaus. Aber auch beim Umzug ins Eigenheim freuen sich Ihre Nachbarn von nebenan sicher über eine Einladung zur Einweihungsfeier.

Tipps für eine gute Nachbarschaft

Um zu einer guten Nachbarschaft zu finden, in der sich alle Beteiligten wohl fühlen, muss die zwischenmenschliche Wellenlänge stimmen. Dazu können Sie selbst einiges beitragen, denn wer seinen Mitmenschen freundlich und unvoreingenommen begegnet, erntet entsprechend positive Reaktionen.

  • Einstellung

    Kein Mensch hat nur schlechte Angewohnheiten. Im Gegenteil: Die meisten wollen einfach ein friedliches und schönes Heim um sich dort zu erholen. Wer den Menschen offen und positiv begegnet, weckt gleich Sympathie.

  • Ruhezeiten

    Bedenken Sie, dass es gesetzliche Ruhezeiten gibt. Diese sind an Sonn- und Feiertagen ganztägig, in der Nacht zwischen 22.00 und 6.00 Uhr und mittags zwischen 13.00 und 15.00 Uhr. Auf Rasenmähen, Partys oder Ähnliches sollten Sie dann verzichten. Wenn Sie ein Haustier haben, sollten sich diese ebenfalls möglichst ruhig verhalten.

  • Feiern

    Wenn Sie doch einmal feiern möchten, dann sprechen Sie vorher mit Ihren Nachbarn. Eine faire, ruhige und gleichberechtigte Kommunikation auf Augenhöhe sollte ohnehin Standard sein. Vielleicht können Sie Ihre Nachbarn sogar zum geplanten Grillfest einladen?

  • Pflanzen

    Wer im Eigenheim wohnt, sollte darauf achten, dass seine Pflanzen nicht zum Nachbarn hinüberwachsen. Sie könnten womöglich sein Heim beschädigen oder zumindest sein Wohlbefinden stören. Regelmäßige Pflege von Bäumen und Sträuchern ist somit unerlässlich.

  • Aufmerksamkeiten

    Ein kleines Glas selbstgemachter Marmelade oder Kuchen, eine Schale frisches Obst oder ein paar selbstgezogene Kräuter… Was Sie immer wählen: Kleine Geschenke erhalten die gute Nachbarschaft. Dabei ist es die Geste, die zählt und nicht der große Wert.

  • Treffen

    Ein kurzer Plausch vor der Haustür hat schon zu vielen schönen Nachbarschaften geführt. Manche Nachbarn verbringen sogar regelmäßig gesellige Abende miteinander. Andere veranstalten gemeinsame Bücherbörsen oder Straßenverkäufe. Wenn Sie sich verstehen, sind den gemeinsamen Aktivitäten keine Grenzen gesetzt.

  • Beschwerden

    Sollten Ihre Nachbarn über die Stränge schlagen, dann drohen Sie nicht sofort mit der Polizei. Erklären Sie deutlich, wodurch und warum Sie sich gestört fühlen. Mit einem Lächeln frühzeitig vorgebracht, hat das Reden miteinander so manchen Streit schon im Keim erstickt.

Bei aller guter Nachbarschaft gilt aber: Halten Sie Grenzen ein. Sie sollten Ihre Nachbarn nicht mit Ihrer Güte und Ihren Vorschlägen für gemeinsame Aktionen überrumpeln oder überfordern.

Nachbarschaftsnetzwerke

Wer über den direkten Nachbarn hinaus denkt, der kann sogar in seinem weitläufigeren Wohnumfeld nette Menschen kennenlernen. Meist finden sich hier Bedarfsgemeinschaften nach dem Motto: „Hilfst du mir, so helfe ich dir“. Netzwerke zwischen Nachbarn können sich über unterschiedliche Wege bilden:

  • Angebote im Internet wie zum Beispiel Nebenan.de oder Nachbarschaft.net
  • Bürger- und Quartiertreffs beziehungsweise Nachbarschaftswerke
  • Tauschringe
  • Stadtteilfeste
  • Vereine im Wohnquartier

Vorsicht: Gegenseitige Hilfeleistungen sollten wirklich nur eine Unterstützung darstellen. Gefälligkeiten, die auf einen finanziellen Gewinn ausgerichtet sind, können leicht in den Bereich der Schwarzarbeit münden.

Meine Nachbarn: Sprüche über die Nachbarschaft

Sprüche über Nachbarn gibt es viele. Wir haben die besten für Sie herausgesucht. Zum Schmunzeln, Wiedererkennen oder vielleicht sogar als Gesprächsöffner mit Ihrem Nachbarn:

  • „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“ (Friedrich Schiller)
  • „So viele Menschen, wie es böse Nachbarn gibt, gibt’s gar nicht. (Walter Ludin)“
  • „Ein Zaun verbindet Nachbarn, sein Fehlen entzweit sie schnell. (Erhard Blanck)“
  • „Liebe deinen Nachbarn, aber reiße den Zaun nicht ein.“ (unbekannt)
  • „Der liebe Gott sieht alles, der Nachbar noch mehr. (Deutsches Sprichwort)“
  • „Die wahre Kunst der Voraussicht liegt in der Wahl der Nachbarn, nicht der Häuser.“ (unbekannt)
  • „Es ist leicht, weit entfernte Menschen zu lieben. Es ist aber nicht immer leicht, diejenigen zu lieben, die gleich neben uns wohnen.“ (Mutter Theresa)
  • „Tue Gutes: Dein Nachbar erfährt es nie. Tue Böses: Man weiß es auf hundert Meilen.“ (Chinesisches Sprichwort)
  • „Wer nicht genug Geld hat, das Nachbargrundstück zu kaufen, der soll Gesangstunden nehmen.“ (Georg Thomalla)
  • „Hilf zeitig, wo du helfen kannst. Hilf dem Nachbarn löschen, ehe das Feuer auch dein Dach ergreift.“ (Aesop)
  • „Wenn dein Nachbar hungert, kommen seine Mäuse in deinen Keller.“ (Hans Kasper)
  • „Wenn kein Feind mehr da ist, dann sucht man ihn im Nachbarn.“ (Bertolt Brecht)
  • „Die Kirche sagt, Du sollst Deinen Nachbarn lieben. Ich bin überzeugt, dass sie meinen Nachbarn nicht kennt.“ (Peter Ustinov)

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