Neugier: Wollen Sie gerne alles wissen?

Sind Sie neugierig? Dafür müssen Sie sich nicht schämen, denn Neugier ist per se nicht negativ. Im Gegenteil: Nur durch die Neugierde konnte sich die Menschheit weiterentwickeln. Doch wann und warum ist Neugier positiv? Und verändert sie sich im Alter, wenn unser Leben in eingefahrenen Bahnen verläuft? Und falls sie nachlässt: Wie können wir unsere Neugier zurückgewinnen? Wir waren neugierig, was es mit diesem Thema auf sich hat und hoffen, mit dem folgenden Artikel auch Ihre Neugierde geweckt zu haben.

Neugier: Wollen Sie gerne alles wissen?

Die Neugier ist der Katze Tod?

Das Zitat „Neugier ist der Katze Tod“ (aus dem Englischen: „Curiosity killed the cat“) leitet sich aus der Volksweisheit ab, dass zu viel Neugier gefährlich sei. Es rührt daher, dass sich Katzen, die gerne alles entdecken möchten und überall nach Beute suchen, mitunter irgendwo herunterfallen, einem Stromschlag oder ähnlichen Lebensgefahren ausgesetzt sein können.

Und in der Tat machen auch wir Menschen in unserem Leben durch unsere Neugier mitunter schmerzliche Erfahrungen: Dass eine heiße Herdplatte Schmerzen verursacht, wissen wir nicht durch Erzählungen, sondern durch eigene Erfahrungen als Kind.

Ist Neugier positiv oder negativ?

Schließt sich also die Frage an, ob Neugierde positiv oder negativ ist. Dies ist mit Sicherheit nicht so einfach und pauschal zu beantworten. Bleiben wir beim obigen Beispiel mit der Herdplatte: Die Erfahrung selbst ist schmerzhaft, also negativ.

Aber sie bringt uns weiter um das Wissen, wo zukünftig Gefahren lauern können und wo wir vorsichtig sein müssen.

Es geht also nicht um die Neugier selbst – diese kann nie positiv oder negativ sein. Es werden vielmehr die Folgeerfahrungen bewertet, die sich von Fall zu Fall und von Person zu Person unterscheiden.

Übertriebene Neugier: Beurteilung im Alltag

„Ich bin nicht neugierig, ich will nur alles wissen.“ Oder: „Ich bin nur interessiert an meiner Umwelt.“ Wer kennt diese Sprüche nicht, die halb entschuldigend, halb ironisch mühsam die eigene Neugier rechtfertigen sollen. Doch warum betrachten wir die Neugierde eigentlich in vielen Fällen immer noch als etwas Negatives? Wenn wir uns die wortwörtliche Bedeutung des Begriffs ansehen, so steckt dahinter nämlich lediglich die Gier nach etwas Neuem.

Ein arabisches Sprichwort besagt: „Nur ein Tag, an dem Du nichts Neues erfahren hast, ist ein verlorener Tag.“ Da ist schon etwas Wahres dran. Denn für die meisten Menschen besteht ein großer Sinn im Leben darin, Dinge zu erfahren und zu erlernen. Diese Offenheit ist die Grundvoraussetzung zum Lernen und für den wichtigen Umgang mit Veränderungen.

Doch zuweilen assoziieren wir Neugier tatsächlich mit etwas Negativem. Nämlich dann, wenn es nicht darum geht, Probleme zu lösen, sondern sich die Neugierde lediglich danach richtet, was andere Personen so treiben. Dann wirkt der Wissensdrang eher banal, vordergründig zweckfrei und vor allem: übertrieben.

Positive Aspekte der Neugier

Aber so einfach ist es dennoch nicht: Zwar geht es in diesen Fällen nicht darum, neue Dinge im Leben auszuprobieren, doch selbst das Eintauchen in Klatsch- und Tratschgeschichten hat eine wichtige Funktion: Dahinter steckt nicht mehr und nicht weniger als der Wunsch nach gesellschaftlicher Teilhabe – selbst wenn andere Menschen dies als übergriffig empfinden, da der Nachbar wieder einmal seine sprichwörtliche Nase in etwas steckt, das ihn nichts angeht.

Sinn und Zweck der Neugierde ist eben auch, dass wir uns bisweilen die Finger verbrennen, Grenzen austesten und damit mitunter negative Erfahrungen machen. Doch jede Erfahrung ist ein Lernerfolg. Daher ist Neugier für unser Leben so wichtig:

  • Neugier lässt uns neue Welten entdecken.
    Neugier fördert die Fantasie. Gerade durch das Lesen neuer Bücher entdecken wir andere Blickwinkel und schärfen unsere Vorstellungskraft. Die Neugier auf Musik und neue Stilrichtungen fördert zum Beispiel unsere emotionale Vielseitigkeit und Flexibilität.
  • Neugier macht uns zu einem interessanten Gesprächspartner.
    Wer viel nachfragt und vor allem ehrlich am Gegenüber interessiert ist, wird als angenehmer und sympathischer Zeitgenosse wahrgenommen. Eben keiner, der sich ständig in den Mittelpunkt stellen möchte, sondern jemand, der den anderen das Wort lässt und zuhören kann – eine immer seltener gewordene Tugend.
  • Neugier fördert unsere Toleranz.
    Wer sich offen und unvoreingenommen für andere Sichtweisen, Ideen und Gedanken zeigt, bleibt aufgeschlossen und entwickelt mehr Empathie für seine Umgebung. Auf diese Weise finden Neugierige schneller neue Freunde und bringen mehr Abwechslung in ihr Leben.
  • Neugier macht uns authentisch.
    Menschen, die voller Neugier stecken, müssen sich nicht verstellen. Im Gegenteil: Durch ihre Neugier sind sie stets auf der Suche nach frischen Ideen und Gedanken und müssen nicht so tun, als wüssten sie schon alles. Daher geraten sie weniger schnell in die Defensive, ihre eigene Haltung verteidigen zu müssen. Das Interesse an Neuem macht uns im Endeffekt selbstsicherer und souveräner.

Wie entsteht Neugier?

Kinder müssen jeden Tag neugierig sein. Dies gehört zu ihrer natürlichen Entwicklung. Sie saugen alles auf, was ihnen die Welt bietet, sind neugierig, wissbegierig, wollen den Dingen auf den Grund gehen, Geheimnisse lüften und Fragen stellen. Zuweilen nerven sie damit Ihre Eltern oder bringen sie in Erklärungsnöte doch Kinder kennen weder Konventionen noch Tabus.

Und genau diese Zeit ist es, die den Umgang mit der Neugier für unser restliches Leben bestimmt: Wer als Kind für allzu große Neugierde eher Rügen und Strafen kassiert hat, wird mit dem Alter zwangsläufig vorsichtiger. Die einst gesunde Neugier verkehrt sich nun in ihr Gegenteil. Da wird erst einmal gefiltert, analysiert, geprüft und bewertet, um auf Nummer Sicher zu gehen.

Verliert man seine Neugier im Alter?

Und so ist es tatsächlich so, dass viele Menschen mit zunehmendem Alter ihre Neugier verlieren. In gewisser Hinsicht bleiben sie in vielen Bereichen in ihrem Wissen stehen und wirken mit Zeit eher altklug und selbstgefällig. So verbauen sie sich zahlreiche Chancen und verzichten daher häufig auf die Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit.

Viele wissen dabei gar nicht, was sie alles verpassen: Neugier ist eben nicht nur Risiko, sondern auch Spaß und Abenteuer. Doch nicht wenige Menschen bevorzugen die Sicherheit und die vermeintliche Kontrolle. Unvorhersehbares macht vielen Erwachsenen Angst – ganz im Gegensatz zu Kindern.

Selbstverständlich ist das nicht bei jedem Menschen der Fall. Doch in gewisser Hinsicht sind wir in vielen Bereichen zu einer Null-Risiko-Gesellschaft geworden, die weitgehend auf Neugier im Erwachsenenalter verzichtet und diese höchstens für Kinder gutheißt. Doch wenn alles beim Alten bleibt, bedeutet das oftmals auch Langeweile.

Wie kann man Neugier wecken?

Aus diesem Grund ist es wichtig, dass wir uns trotz gewisser gesellschaftlicher Grundtendenzen, an Althergebrachtem festzuhalten, unsere Neugier bewahren beziehungsweise zurückgewinnen. Dies ist zwar tägliche Arbeit, doch sie lohnt sich (siehe oben). Die gute Nachricht ist: Da die Neugier in uns steckt, müssen wir sie nicht neu entwickeln, sondern lediglich aufwecken und ihr regelmäßige Nahrung geben.

Einige Tipps können uns dabei helfen:

  • Lesen Sie Bücher oder hören Sie ein Hörbuch. Und zwar aus verschiedenen Genres.
  • Probieren Sie ein neues Hobby aus.
  • Engagieren Sie sich (zum Beispiel in einem Seniorenbeirat).
  • Beginnen Sie ein neues Projekt: eine große Reise oder ein Seniorenstudium beispielsweise.
  • Probieren Sie kulinarisch etwas Neues aus. Testen Sie ein neues Restaurant oder probieren Sie exotische Früchte.
  • Bewegen Sie sich. Geistig aber auch körperlich. Nur in einem gesunden Körper kann ein gesunder Geist wohnen. Darum ist Sport so wichtig.
  • Verbringen Sie Ihre Zeit mit Ihren Freunden unterschiedlich. Es muss nicht immer das Bier in der Stammkneipe sein. Wie wäre es zum Beispiel mit geselligen Abenden?
  • Hinterfragen Sie Rituale. Manche sind wichtig, andere mitunter überholt oder völlig sinnentleert.
  • Fragen gehört zum Reden. Hinterfragen Sie daher mehr. „Wieso, weshalb, warum“ sollte nicht nur der Sesamstraße vorbehalten sein.

Die Vorteile von Neugier im Alter

Von unserem Wesen her ist die Neugier immer darauf angelegt, nach einer besserer Lösung, einem einfacheren Lebensweg zu suchen. In gewisser Hinsicht ist dafür eine positive Lebenseinstellung, ein positives Denken nötig: der Glaube daran, dass alles besser werden kann.

Neugierige Menschen beharren nicht auf dem Status Quo oder leiten ihre Energie dahin, diesen zu beklagen, sondern sie glauben an und suchen nach mehr Lebensfreude und Glück. Und sie ruhen sich selten auf dem Erreichten aus. Stattdessen reflektieren sie sich und stecken sich regelmäßig neue Ziele.

Das hat seine Vorteile: Bei einer Langzeitstudie, an der rund 2000 Senioren zwischen 60 und 86 Jahren beteiligt waren, kam heraus: Neugier bescherte den Probanden eine deutlich höhere Lebenserwartung. Und das sogar unabhängig von Risikofaktoren wie Rauchen, ungesunder Ernährung oder Erkrankungen.

Dabei scheint auch ein wichtiger Faktor zu sein, dass Neugier und Wissen Hand in Hand gehen. Man kann nicht neugierig bleiben, ohne etwas zu lernen. Dieses Wissen und diese Grundhaltung irgendwann weiterzugeben, macht einen im Alter zu einem gefragten Ratgeber und verschafft Ihnen nebenbei ein Hochgefühl.

Krankhafte Neugier: Psychologie dahinter

Der Begriff „krankhaft“ wird umgangssprachlich schnell benutzt. Auch und gerade in Zusammenhang mit der Neugier. Und zwar immer dann, wenn wir uns von der Neugier anderer Menschen gestört, belästigt oder gar ertappt fühlen.

In der Psychologie geht man mit der Begrifflichkeit „krankhaft“ deutlich sparsamer um. Psychologen verwenden ihn in Zusammenhang mit Zwängen, denen der Betroffene unterliegt und gegen die er sich nicht wehren kann. So zum Beispiel im Bereich des Stalking. Es handelt sich bei krankhafter Neugier also um eine psychische Krankheit, die therapiert werden muss.

Die Betroffenen können nicht mehr unterscheiden, wann eine (oft strafbare) Grenze erreicht ist. Die Neugierde quält sie immer weiter – auch wenn sie bereits schon zu negativen Erfahrungen geführt hat. Um im obigen Beispiel mit der Herdplatte zu bleiben: Krankhafte Neugier ist dann erreicht, wenn trotz des Schmerzes immer wieder auf diese Herdplatte drauf gefasst wird, weil der Trieb der Betroffenen nichts anderes zulässt.

Wie heißt es richtig: Neugierde oder Neugier?

In der deutschen Sprache werden die Begriffe Neugierde und Neugier laut Duden synonym verwendet. Es ist also egal, ob Sie „Neugierde“ oder „Neugier“ sagen.

Neugier: Zitate und Sprüche

Einige Sprüche und Zitate berühmter Denker zum Thema Neugier:

  • „Die Neugier steht immer an erster Stelle eines Problems, das gelöst werden will.“ (Galileo Galilei)
  • „Wenn die Neugier sich auf ernsthafte Dinge richtet, dann nennt man sie Wissensdrang“ (Marie von Ebner Eschenbach)
  • „Die größte Sehenswürdigkeit, die es gibt, ist die Welt – sieh sie dir an.“ (Kurt Tucholsky)
  • „Zu fragen bin ich da, nicht zu antworten“ (Henrik Ibsen)
  • „Die Liebe besteht zu drei Vierteln aus Neugier.“ (Giacomo Casanova)
  • „Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig.“ (Albert Einstein)

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[Bildnachweis: Prostock Studio by Shutterstock.com]
29. November 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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