Nostalgie: Warum früher vermeintlich alles besser war

Wie schön ist es doch, in Nostalgie zu schwelgen. Früher war nämlich ohnehin alles viel besser. Und diese Erinnerungen machen uns bewusst, dass die Welt heute doch ach so schlecht ist. Nur: Ist das wirklich so? Täuscht uns Nostalgie nicht über vieles hinweg? Blenden wir dadurch Negatives in der Vergangenheit aus? Und wenn dem so ist: Ist Nostalgie dann positiv oder negativ? Gar eine Krankheit? Wir beleuchten, was die Psychologie zur Nostalgie sagt, wie sich die Definition im Laufe der Zeit verändert hat und zeigen Beispiele, wie uns Nostalgie helfen kann. Werden Sie mit uns ein wenig nostalgisch.

Nostalgie: Warum früher vermeintlich alles besser war

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Nostalgie Psychologie: Was bedeutet Nostalgie einfach erklärt?

Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts galt Nostalgie als Krankheit. Sie war per Definition eine neurologische und später psychiatrische Störung. Die Grenzen zur Melancholie und der Depression waren fließend.

Dieses Bild hat sich sowohl in der Psychologie als auch in der Bevölkerung gewandelt. Die Werbung setzt vielen Jahren auf die Nostalgie-Welle. Sei es der Retro-Look in der Mode, Nostalgie-Shows im Fernsehen oder Produkte die als traditionell daher kommen wie zum Beispiel der regelmäßig bei einer Fast-Food-Kette angebotene 50ies-Burger.

Und wer denkt nicht gerne zurück an seine Nostalgie im Kinderzimmer? Die vermeintlich unbeschwerte Kinder- und Jugendzeit, in der unsere Eltern alles im Griff hatten und die Welt noch klar in Gut und Böse zu unterteilen war. Und tatsächlich: Wenn wir die heutige schnelllebige und differenzierte Welt betrachten, kann man schnell nostalgisch sein.

Nostalgie ist daher heute keine Krankheit mehr, sondern vielmehr ein sentimentales, wehmütiges Zurücksehnen – die gedankliche Hinwendung an vergangene Zeiten. Diese Erinnerungen werden im Rückblick meist verklärt und idealisiert.

Ist Nostalgie positiv oder negativ?

Der Grund, warum früher die Nostalgie ausschließlich negativ gesehen wurde, lag darin, dass man darin eine Angst und daher ein Hindernis vor dem Fortschritt vermutete. Heute ist man da weiter. Die Forschung hat inzwischen belegt, dass das sich beides keineswegs ausschließen muss.

Im Gegenteil: Die Rückbesinnung gilt inzwischen als etwas, das eine große Rolle in unserem sozialen Zusammenleben einnimmt. Durch eine gemeinsame Erinnerung bildet sich eine Art Kitt in unserer Gesellschaft.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass wir uns auf gewisse emotionale Erfahrungen als Gemeinsamkeit einigen können. Die einzelnen Erinnerungen an die Vergangenheit mögen sehr persönlich sein. Das gesellschaftliche Regelwerk ist hingegen meist ein gemeinsamer und vereinfachter Nenner, auf den wir uns verständigen können.

Es gibt somit zwei Arten von Nostalgie:

  • Die ganz individuelle Nostalgie an unsere persönliche Vergangenheit
  • Die historische Nostalgie an eine bestimmte gesellschaftliche Epoche

Beides gibt uns einen gewissen Halt im Leben, einen moralischen Kompass. Schließlich ist es immer die Vergangenheit, die unser Wesen geprägt hat und nie die Zukunft.

Darum tun uns die Erinnerungen an früher so gut

Sofern die Nostalgie nicht in ein dauerhaftes Verhaften in der Vergangenheit mündet, gilt sie inzwischen eher als etwas Positives. Und das, OBWOHL sich in der Rückschau vieles verklärt. Erst wenn der Mensch ausschließlich „in der Vergangenheit“ lebt, wird es bedenklich.

Die Gründe, warum uns Nostalgie so gut tut, sind dabei vielfältig. Zum Beispiel:

  • Durch nostalgische Erinnerungen geraten wir in eine positive Stimmung.
  • Diese Stimmung lässt uns Kraft schöpfen für zukünftige Aufgaben.
  • Das lässt uns optimistischer und selbstbewusster werden.
  • Durch Nostalgie werden wir uns zudem bewusst, was im Leben wirklich wichtig ist.
  • Wenn wir nostalgisch werden, können wir uns zudem besser in andere Menschen einfühlen. Wir erleben oftmals sogar ein Gefühl der Gemeinsamkeit.

Das nostalgische Denken gibt uns daher einen Sinn im Leben, der uns vielleicht manchmal abhanden gekommen zu sein scheint.

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Nostalgie Beispiele: Wann werden wir nostalgisch?

Nostalgie wird durch viele unterschiedliche äußere und innere Reize ausgelöst. Diese können akustisch, visuell oder olfaktorisch sein. Letztere sind besonders intensiv. Da unser Geruchsinn direkt mit unseren Instinkten und nicht mit unserem Großhirn verbunden ist, wird der Reiz sofort ausgelöst.

Einige Beispiele, was in uns Nostalgiegefühle hervorrufen kann:

  • Gerüche von Mahlzeiten unserer Kindheit
  • Alte Spielsachen oder Weihnachtsschmuck
  • Lieblingssongs unserer Jugendzeit
  • Wiederholungen alter TV-Serien und Filme
  • Bestimmte Rituale, die uns seit vielen Jahrzehnten in Fleisch und Blut übergegangen sind
  • Klassentreffen oder Jahrgangstreffen aus Ausbildung oder Studium
  • Oldtimerrennen oder andere Retro-Feierlichkeiten

All dies kann positive Gefühle vermitteln. Zuweilen können solche nostalgischen Erlebnisse sogar eine Strategie gegen Traurigkeit oder gar Einsamkeit sein.

Wenn wir mit Nostalgie ausgetrickst werden

Über die Effekte der Nostalgie wissen nicht nur Wissenschaftler Bescheid. Marketingexperten und Medien haben die Vorteile und Wirkungsweisen längst für sich entdeckt. Und sie wissen diese zu nutzen. Indem sie ein bestimmtes positives Gefühl über unsere Erinnerung erzeugen, verführen Sie uns zum Kauf.

Wir wollen ein Produkt unbedingt haben, weil es uns an früher erinnert. Im Prinzip ist das nichts anderes als ein Appell an unser Sicherheitsdenken. Eben genau WEIL früher alles besser gewesen zu sein schien. Wir befinden uns in der irrigen Annahme, dass mit einem Retro-Produkt diese gute, alte, heile Welt wiederkommt. Und sei es nur im Kleinen.

Politiker machen sich unseren Drang zur Nostalgie ebenfalls zu Nutze. Indem sie an die „guten alten Zeiten“ appellieren, wollen sie uns ein Gefühl der Sicherheit und Vertrautheit vermitteln. Das Gefühl, dass sie alles im Griff hätten. Nicht zuletzt aufgrund solcher Versprechen ist in den Vereinigten Staaten von Amerika Donald Trump seinerzeit zum Präsidenten gewählt worden.

Wir sollten Nostalgie daher immer hinterfragen. Zumindest dann, wenn sie von anderen Menschen künstlich erzeugt wird. Denn unsere Erinnerungen sind durchaus beeinflussbar. Wenn immer und immer wieder medial das gleiche Narrativ wiederholt wird, glauben wir mit der Zeit wirklich daran. Und wir wollen genau in diesen positiven Zustand zurück. Ein Blick auf die Motive, warum diese Erzählungen erzeugt werden, ist somit stets wichtig.

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Nostalgie-Sprüche und Zitate

Über die Nostalgie haben sich viele Denker und Prominente bereits ihre Gedanken gemachten. Und oftmals schwelgten auch sie dabei in Nostalgie. Einige Beispiele:

  • „Früher, da war vieles gut. Heute ist alles besser. Manchmal wäre ich froh, es wäre wieder gut.“ (Andreas Marti)
  • „Lasst andere die alten Zeiten preisen. Ich bin froh, dass ich in dieser Zeit geboren bin.“ (Ovid)
  • „Die goldne Zeit, womit der Dichter uns zu schmeicheln pflegt, die schöne Zeit, sie war, so scheint es mir, so wenig als sie ist. Und war sie je, so war sie nur gewiss, wie sie uns immer wieder werden kann.“ (Johann Wolfgang von Goethe)
  • „Wenn man durch Beruf oder Beruf viel über den Menschen meditiert hat, erlebt man Nostalgie für Primaten. Diese haben keine Gedanken der zweiten Absicht.“ (Albert Camus)
  • „Nostalgie ist die Fähigkeit, darüber zu trauern, dass es nicht mehr so ist, wie es früher nicht gewesen ist.“ (Manfred Rommel)
  • „Je größer die Sorgen um Gegenwart und Zukunft, desto stärker der Drang nach nostalgischer Verklärung der Vergangenheit.“ (Andreas Tenzer)
  • „Glücklich der Mensch, der Zeitgeist und Nostalgie miteinander zu versöhnen weiß.“ (Erwin Koch)
  • „Nostalgie hilft nie. Charismatiker begeistern, sind aber auch anstrengend.“ (Reinhard Bütikofer)
  • „Früher sei sogar die Bibel wahrer gewesen, meinen die unverbesserlichen Nostalgiker.“ (Martin Gerhard Reisenberg)
  • „Nostalgie träumt von alten Wirklichkeiten, statt neue Träume zu verwirklichen.“ (Walter Ludin)
  • „Heute ist die gute, alte Zeit von morgen.“ (Karl Valentin)
  • „Die Sehnsucht nach der guten alten Zeit, in der man nichts zu lachen hatte.“ (Charles Aznavour)
  • „Die gute alte Zeit verdankt ihr Dasein unserem schlechten Gedächtnis.“ (Anatole France)
  • „Früher war alles viel besser. Sogar die Vergangenheit.“ (André Brie)
  • „Nostalgie sucht gerne Wärme in längst erkalteten Nestern.“ (Michael Marie Jung)

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