Nostalgie: Definition, Vorteile & Tipps für mehr Retro

Nostalgie im Kinderzimmer, Nostalgie im Radio – der Wunsch nach Vergangenem ist bei vielen Menschen groß. Ob Songs von früher, alte Serien oder Süßigkeiten: Sie alle haben das Potenzial, uns in Erinnerungen schwelgen zu lassen. Nicht immer war unumstritten, ob diese Rückwärtsgewandtheit so vorteilhaft ist. Lange galt Nostalgie als Krankheit. Die heutige Psychologie gibt Entwarnung. Ja mehr noch: Nostalgische Gefühle können positive Effekte haben. Beispiele dafür und was Sie tun können, wenn Sie nostalgisch werden…

Nostalgie: Definition, Vorteile & Tipps für mehr Retro

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Definition: Wann ist etwas Nostalgie?

Nostalgie beschreibt ein sentimentales, wehmütiges Zurücksehnen. Es leitet sich unter anderem vom neulateinischen nostalgia ab, Synonyme sind Wehmut, Sehnsucht und Schwermut. Heutzutage versteht man im Deutschen unter Nostalgie die gedankliche Hinwendung hin zu vergangenen Zeiten. Diese Erinnerungen werden im Rückblick meist idealisiert. Selbst schöne Erlebnisse können eine bitter-süße Note haben oder Traurigkeit auslösen.

Nostalgie kann sich sowohl auf verschiedene Zeiten und Epochen, als auch bestimmte Bereiche erstrecken. Mal bezieht sie sich auf Mode, dann auf Kunst und Musik oder sogar Politik: In allen Fällen empfindet der wehmütig Zurückblickende Unbehagen gegenüber der Gegenwart. Tenor ist hier „die gute alte Zeit“. Gleichwohl ist dieser wehmütige Blick zurück sehr unkritisch und historisch oft inkorrekt. Meist fokussiert er nur einen Aspekt und blendet andere, ebenfalls wichtige aus. Als „Ostalgie“ verklärt diese Sehnsucht im Nachhinein sogar repressive Regimes.

Wer hat’s erfunden?

Im Gegensatz zu vielen anderen Begriffen lässt sich der Begriff „Nostalgie“ recht genau datieren: Erstmals taucht er in der Dissertation des Baseler Arztes Johannes Hofer auf. Der beschrieb darin 1688 die Gemütsverfassung Schweizer Söldner, die sich nach ihrer Heimat sehen. Zur Benennung der von Ihm beobachteten Krankheit griff er auf die griechischen Begriffe nóstos („die Rückkehr) und álgos („der Schmerz“) zurück. In dieser Bedeutung weicht Nostalgie vom heutigen Verständnis ab. Synonym dazu wäre dann Heimweh (Englisch: homesickness) angebracht.


Nostalgie Psychologie

Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts galt Nostalgie als Krankheit. Sie war per Definition eine neurologische und später psychiatrische Störung. Die Grenzen zur Melancholie und der Depression waren fließend. Man vermutete, dass in Erinnerung Schwelgende Angst vor dem Fortschritt haben und ihn behindern wollen. Daher empfand man Nostalgie als negativ.

Die Psychologie hat inzwischen belegt, dass sich beides keineswegs ausschließen muss. Im Gegenteil: Die Rückbesinnung gilt inzwischen als etwas, das eine große Rolle in unserem sozialen Zusammenleben einnimmt. Durch gemeinsame Erinnerung bildet sich eine Art Kitt in unserer Gesellschaft. Die einzelnen Erinnerungen an die Vergangenheit mögen sehr persönlich sein. Das gesellschaftliche Regelwerk ist hingegen meist ein gemeinsamer und vereinfachter Nenner, auf den wir uns verständigen können. Es gibt somit zwei Arten von Nostalgie:

  • Individuelle Nostalgie
    Die Erinnerung und die Wehmut an unsere persönliche Vergangenheit.
  • Historische Nostalgie
    Der sehnsuchtsvolle Blick auf eine bestimmte gesellschaftliche Epoche.

Beides gibt uns einen gewissen Halt im Leben, einen moralischen Kompass. Schließlich ist es immer die Vergangenheit, die unser Wesen geprägt hat und nie die Zukunft.

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Vorteile von Erinnerungen an früher

Sofern jemand nicht dauerhaft der Vergangenheit verhaftet ist, gilt Nostalgie eher als positiv. Und das, obwohl sich in der Rückschau einiges verklärt. Die Psychologie hat einige Vorteile von nostalgische Erinnerungen festgestellt:

  • Psychisches Wohlbefinden
    Durch nostalgische Erinnerungen geraten wir in eine positive Stimmung. Gute Laune und positives Denken lassen uns optimistischer werden und steigern das Wohlbefinden.
  • Geringere Schmerzempfindlichkeit
    Das psychische Wohlbefinden hat positive Wirkung auf das körperliche: Nostalgie wirkt sich gesundheitsfördernd auf das Immunsystem aus. So lässt nachweislich die Schmerzempfindlichkeit nach.
  • Verbesserte Leistungen
    Nostalgie stärkt das Selbstwertgefühl. Im Blick zurück erkennen wir, welche zurückliegenden Herausforderungen wir gemeistert haben. So schöpfen wir Kraft für zukünftige Aufgaben.
  • Mehr Dankbarkeit
    Durch Nostalgie werden wir uns zudem bewusst, was im Leben wirklich wichtig ist. Wir blicken auf vergangene Momente mit (vielleicht schon verstorbenen) Freunden oder Familienmitgliedern und empfinden mehr Dankbarkeit.
  • Stärkere Empathie
    Wenn wir nostalgisch werden, können wir uns zudem besser in andere Menschen einfühlen. Wir erleben oftmals sogar ein Gefühl der Gemeinsamkeit.

Das nostalgische Denken gibt uns daher einen Sinn im Leben, der uns vielleicht manchmal abhanden gekommen zu sein scheint.

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Tipps, wie Sie Nostalgie für sich nutzen

Aber es spricht nichts gegen wohlige Gefühle, im Gegenteil: Wenn wir nostalgische Sehnsucht bewusst nutzen, überwiegen die Vorteile. Das können Sie tun, um Ihrer Nostalgie zu frönen:

1. Gerichte von früher kochen

Als Kind war der Spinat vielleicht noch verhasst, gesunde Ernährung verpönt. Im Laufe des Lebens verändert sich aber nicht nur der Geschmack. Bestimmte Lieblingsspeisen, die es so nur bei der eigenen Oma oder Mutter gab, sind ein olfaktorisches und gustatorisches Erlebnis. So ein Gericht kann eine Reise in die eigene Kindheit sein. Vielleicht besitzen Sie noch alte Rezepte oder finden auf der Suche im Netz das passende für Ihr Gericht.

2. Schallplattenbörsen besuchen

Sie suchen DAS eine Lied, DIE eine Schallplatte? Streamingdienste haben zwar vieles, aber längst nicht alles im Sortiment. Besonders bei sogenannten „One-Hit-Wonder“ wird es schwer: Meist haben die Interpreten nur einen Hit gelandet und sind längst vergessen. Besuchen Sie doch mal eine Schallplattenbörse: Dort treffen sich alte und junge Vinylliebhaber – längst haben nicht nur DJs den Charme von Schallplatten erkannt.

3. Auf Flohmärkten bummeln

Ein El Dorado für Sammler und Schnäppchenjäger sind verschiedene Flohmärkte. Manche verkaufen hier die Mode aus der letzten Saison, andere doppelte Gegenstände aus Haushaltsauflösungen. Auch hier werden Sie vielen Gegenständen begegnen, die Sie an Ihre Kindheit und Jugend erinnern. Vielleicht finden Sie sogar das passende Gegenstück zu einem längst verschollenem oder zerbrochenen Teil? Häufig lassen sich hier außerdem günstige Antiquitäten erstehen.

4. Alte Fotoalben durchblättern

Große Ereignisse wie die eigene Hochzeit oder bestimmte Urlaube hat man meist im Gedächtnis. Aber wie steht es mit Erlebnissen aus dem Alltag? Oder sogar Ereignissen, die sehr weit zurückreichen – etwa die ersten Lebensjahre? Fotos archivieren wir genau aus dem Grund: Damit wir von Zeit zu Zeit in die Fotoalben schauen und uns an denkwürdige Momente erinnern können. Sie sind nicht nur für Sie selbst, sondern auch für Ihre Kinder und Enkelkinder ein wundervolles Medium, um nostalgisch zurückblicken zu können.

5. Gebrauchte Dinge neu gestalten

Hauchen Sie neues Leben in alte Gebrauchsgegenstände. Oft reicht dafür schon ein bisschen Kreativität und handwerkliches Geschick. Zum Beispiel mit der Serviettentechnik können Sie leicht neue Muster auf alte Möbel bringen. Oder Sie nähen aus alten Kleidungsresten eine neue Decke. Mit etwas neuer Farbe können Sie auch alte Bilderrahmen optisch aufhübschen. So können Sie Erbstücken wieder neuen Glanz verleihen.

6. Witzige Mottopartys veranstalten

Sie wollten immer schon wie Elvis wild die Hüften schwingen? Dafür müssen Sie nicht bis Karneval warten. Veranstalten Sie doch einfach selbst eine Mottoparty und jeder muss sich wie eins seiner Idole verkleiden. Oder Sie geben direkt eine bestimmte Zeit vor: Die spießigen Fünfziger, die wilden Sechziger oder quirligen Siebziger – mit wenigen Accessoires lassen sich Kleidung und Frisuren auf das jeweilige Jahrzehnt abstimmen. Zur Not einfach wieder ins Fotoalbum oder alte Filme aus der Zeit anschauen…

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Nostalgie Beispiele: Wann werden wir nostalgisch?

Nostalgie wird durch viele unterschiedliche äußere und innere Reize ausgelöst. Diese können akustisch, visuell oder olfaktorisch sein. Letztere sind besonders intensiv. Da unser Geruchsinn direkt mit unseren Instinkten und nicht mit unserem Großhirn verbunden ist, wird der Reiz sofort ausgelöst. Einige Beispiele, was in uns Nostalgiegefühle hervorrufen kann:

  • Gerüche von Mahlzeiten unserer Kindheit
  • Alte Spielsachen oder Weihnachtsschmuck
  • Lieblingssongs unserer Jugendzeit
  • Wiederholungen alter TV-Serien und Filme
  • Bestimmte Rituale, die uns seit vielen Jahrzehnten in Fleisch und Blut übergegangen sind
  • Klassentreffen oder Jahrgangstreffen aus Ausbildung oder Studium
  • Oldtimerrennen oder andere Retro-Feierlichkeiten

All dies kann positive Gefühle vermitteln. Zuweilen können solche nostalgischen Erlebnisse sogar eine Strategie gegen Traurigkeit oder gar Einsamkeit sein.

Marketing mit Nostalgie

Die Werbung setzt vielen Jahren auf die Nostalgie-Welle. Sei es der Retro-Look in der Mode, Nostalgie-Shows im Fernsehen oder Produkte die traditionell daherkommen. Indem sie über Erinnerung ein bestimmtes, positives Gefühl erzeugen, verführen sie zum Kauf und Konsum.

Retro-Trend bei Gebrauchsgegenständen

Ob Küchenmaschine, Radio oder Kommode: Nostalgie kommt bei Konsumgütern nicht zu knapp zum Einsatz. Antiquitäten erfreuen sich seit jeher großer Beliebtheit. Sie werten das eigene Zuhause optisch auf und sind häufig wertvoll. Bei Möbeln im Shabby Chic greift man hingegen auf Gegenstände zurück, die alt aussehen, aber neu sind. Auch Vintage-Kleidung greift alte Modestile auf und interpretiert sie neu.

Nostalgische Tendenzen in der Gesellschaft

Politiker machen sich den Hang zur Nostalgie ebenfalls zunutze. Indem sie an die „guten alten Zeiten“ appellieren, wollen sie ein Gefühl der Sicherheit und Vertrautheit vermitteln. Das Gefühl, dass sie alles im Griff hätten. Nicht zuletzt aufgrund solcher Versprechen ist in den Vereinigten Staaten von Amerika Donald Trump seinerzeit zum Präsidenten gewählt worden.

Einsatz von nostalgischen Elementen erkennen

Von anderen Menschen künstlich erzeugte Nostalgie sollten Sie hinterfragen. Denn unsere Erinnerungen sind durchaus beeinflussbar. Wenn immer wieder medial das gleiche Narrativ wiederholt wird, glauben wir mit der Zeit wirklich daran. Und wir wollen genau in diesen positiven Zustand zurück. Ein Blick auf die Motive, warum diese Erzählungen erzeugt werden, ist aber wichtig.

Ebenfalls sollten Sie nicht nur in der Vergangenheit leben. Ausgemachte Nostalgiker sehen nichts Positives an der Gegenwart und flüchten vor ihren Problemen. Wer entsprechende Tendenzen bei sich erkennt, sollte sich um Hilfe bemühen.


Nostalgie-Sprüche und Zitate

Über die Nostalgie haben sich viele Denker und Prominente bereits ihre Gedanken gemachten. Und oftmals schwelgten auch sie dabei in Nostalgie. Einige Beispiele:

  • „Früher, da war vieles gut. Heute ist alles besser. Manchmal wäre ich froh, es wäre wieder gut.“ (Andreas Marti)
  • „Lasst andere die alten Zeiten preisen. Ich bin froh, dass ich in dieser Zeit geboren bin.“ (Ovid)
  • „Die goldne Zeit, womit der Dichter uns zu schmeicheln pflegt, die schöne Zeit, sie war, so scheint es mir, so wenig als sie ist. Und war sie je, so war sie nur gewiss, wie sie uns immer wieder werden kann.“ (Johann Wolfgang von Goethe)
  • „Wenn man durch Beruf oder Beruf viel über den Menschen meditiert hat, erlebt man Nostalgie für Primaten. Diese haben keine Gedanken der zweiten Absicht.“ (Albert Camus)
  • „Nostalgie ist die Fähigkeit, darüber zu trauern, dass es nicht mehr so ist, wie es früher nicht gewesen ist.“ (Manfred Rommel)
  • „Je größer die Sorgen um Gegenwart und Zukunft, desto stärker der Drang nach nostalgischer Verklärung der Vergangenheit.“ (Andreas Tenzer)
  • „Glücklich der Mensch, der Zeitgeist und Nostalgie miteinander zu versöhnen weiß.“ (Erwin Koch)
  • „Nostalgie hilft nie. Charismatiker begeistern, sind aber auch anstrengend.“ (Reinhard Bütikofer)
  • „Früher sei sogar die Bibel wahrer gewesen, meinen die unverbesserlichen Nostalgiker.“ (Martin Gerhard Reisenberg)
  • „Nostalgie träumt von alten Wirklichkeiten, statt neue Träume zu verwirklichen.“ (Walter Ludin)
  • „Heute ist die gute, alte Zeit von morgen.“ (Karl Valentin)
  • „Die Sehnsucht nach der guten alten Zeit, in der man nichts zu lachen hatte.“ (Charles Aznavour)
  • „Die gute alte Zeit verdankt ihr Dasein unserem schlechten Gedächtnis.“ (Anatole France)
  • „Früher war alles viel besser. Sogar die Vergangenheit.“ (André Brie)
  • „Nostalgie sucht gerne Wärme in längst erkalteten Nestern.“ (Michael Marie Jung)

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[Bildnachweis: Triff by Shutterstock.com]

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