Osterbräuche weltweit: Kurioses aus anderen Ländern

Ostern – ein Kirchen- und Familienfest, um das sich weltweit teilweise recht skurrile Osterbräuche gebildet haben. Bei uns in Deutschland steht die Familienfeier im Vordergrund: Die Kinder dürfen Schokoladeneier in Haus und Garten suchen und die Familie trifft sich zum Festessen an einer österlich geschmückten Tafel. Andere Länder haben andere Rituale. Und nicht überall bringt der Osterhase die Ostereier. Wie feiert man in anderen Teilen der Welt Ostern? Was für Osterbräuche gibt es weltweit?

Osterbräuche weltweit: Kurioses aus anderen Ländern

Ostern: Der Ursprung

Die Christen feiern Ostern schon seit Mitte des zweiten Jahrhunderts. Sie wollen sich in diesem Fest an den Tod und die Auferstehung Jesu Christi erinnern. Es ist für sie das wichtigste Fest im Kirchenjahr, denn es steht dafür, dass Jesus die Sünde überwunden hat und der Mensch nun wieder Gott nahe sein kann.

Woher das Wort Ostern stammt, ist nicht so ganz sicher.

Drei Theorien zur Wortbedeutung von Ostern

Um die Wortbedeutung von Ostern ranken unterschiedliche Theorien. Das sind die wohl drei bekanntesten:

  1. Ostern klingt mit dem Substantiv Osten verwandt, dessen eigentlich Bedeutung Morgenröte gewesen soll. Möglicherweise fand der Name des christlichen Fests seinen Ursprung in einem germanischen Fest, das zu Ehren einer Göttin der Morgenröte gefeiert wurde, deren Namen allerdings nicht sicher zu bezeugen ist.
  2. Die Germanen hatten eine Frühlingsgöttin namens Ostara, zu deren Ehren ein Frühjahrsfest gefeiert wurde. Das Frühjahrsfest hatte den Namen Ostern. Leider ist diese Theorie mittlerweile auch überholt, da die Göttin nicht nachweisbar ist.
  3. Die neueste Theorie stammt von dem Sprachwissenschaftler Jürgen Udolph. Er hat die nordgermanischen Sprachen untersucht und fand heraus, dass es eine Wortfamilie gibt die sprachlich zu Ostern passt, nämlich ‚ausa‘, was so viel heißt wie (Wasser)schöpfen, (be)gießen. Er geht davon aus, dass sich das Wort Ostern auf die Taufe bezieht, ein zentrales Ereignis im Glauben der Christen. Sie glauben, wie Jesus Christus starb und in der Osternacht auferstand, so geht in der Taufe das alte Leben des Menschen zu Ende und Gott schenkt ihm neues Leben. Das Wasser schöpfen erinnert in seiner Tätigkeit an das Übergießen mit Wasser zu Taufe. Den Erzählungen nach zu urteilen wurden früher viele Menschen in der Osternacht getauft.

Wie wird Ostern gefeiert? Die kuriosesten Osterbräuche weltweit

Weltweit haben sich in den letzten Jahrzehnten- und Jahrhunderten unterschiedliche Bräuche an Ostern entwickelt. Die Rituale können recht ausgefallen bis befremdend sein:

  • Australien

    An Ostern soll es in Australien einen besonderen Brauch geben: Die verlobten Paare arbeiten an ihrem Eheglück. Sie schöpfen aus einem Bach das fließende Wasser und bewahren es bis zu ihrem Hochzeitstag auf. An dem Tag ihres Eheversprechens besprengen sich gegenseitig damit, bevor sie in die Kirche gehen. Angeblich beschert ihnen das viel Glück in der Ehe.

    Währenddessen freuen sich die australischen Kinder über bunte Eier. Aber die bringt ihnen nicht der Osterhase, sondern der Osterbilby. Das ist ein Beuteltier mit riesigen Ohren. Den Schoko-Bilby gibt es natürlich im Supermarkt zu kaufen.

  • Bulgarien

    Ostereier verstecken? Das ist nichts für die Bulgaren. Sie haben da einen anderen Brauch entwickelt – und der gleicht einem Kunststück. Sie bewerfen sich an Ostern mit Eiern, allerdings unter einer bestimmten Vorgabe: Das Ei soll dabei nicht zerbrechen. Wem das gelingt, der wird viel Erfolg im kommenden Jahr haben.

    Noch mehr durchgesetzt hat sich das Osterbrot: Das darf nur von unverheirateten Mädchen gebacken werden und besteht aus Zucker, Früchten und natürlich Eiern.

  • England

    Ein bisschen verrückt sind sie ja, die Engländer. Auf raue Art wollen sie sich ein wenig Glück an Ostern sichern. Dafür sammeln sie Weidenkätzchenzweige, aber nicht zur Osterdekoration. Nein, sie peitschen sich damit – ganz vorsichtig. Das Getätschel soll ihnen Glück für die nächsten Jahre bringen.

    Fröhlich sind die Menschen in Wales. Am Ostersonntag gehen sie vor Sonnenaufgang in einer Prozession auf einen Hügel. Zeigt die Sonne ihre ersten Sonnenstrahlen, machen sie vor Freude drei Purzelbäume.

  • Finnland

    Auch die Finnen schlagen sich an Ostern, allerdings mit Birkenzweigen. Jeder schnappt sich einen und schlägt damit Familienmitglieder und Freunde, damit diese Glück erfahren im nächsten Jahr. Erinnern soll dieses Ritual an eine biblische Geschichte: Als Jesus nach Jerusalem einzog, hatten die Menschen Palmwedel in ihren Händen und begrüßten ihn damit. In Finnland gibt es natürlich keine Palmen, so wurden die Birkenzweige zweckentfremdet.

    Heidnischer geht es bei den finnischen Kindern zu: Sie verkleiden sich als Osterhexen und gehen an Palmsonntag von Tür zu Tür. Dabei halten sie bunt geschmückte Weidenkätzchen in ihren Händen. Mit diesen wollen sie Segen von Haus zu Haus bringen und die bösen Geister verjagen. Im Gegenzug erhalten sie Leckereien von den Bewohnern. An den Haustüren stehen extra Körbe gefüllt mit Schokoladeneiern bereit.

  • Frankreich

    Still ist es in Frankreich von Gründonnerstag bis Karsamstag. Keine Glocken klingen im gesamten Land. Erst am Ostersonntag tönen diese wieder – und dann umarmen und küssen sich gute Freunde zur Freude über die Auferstehung Christi.

    Und warum schweigen die Glocken die ganze Zeit? Den Kindern wird erzählt, dass die Glocken sich auf die Reise nach Rom machen. Auf dem Hinflug sammeln sie die ganze Trauer über die Kreuzigung von Jesus ein. Die Trauer laden sie beim Papst ab und lassen sich wieder segnen. Mit dem Segen bringen sie Süßigkeiten zurück nach Frankreich und lassen diese dann an den unmöglichsten Stellen in den Gärten fallen. Wenn die Glocken am Ostersonntag läuten, ist das das Zeichen für die Kinder, sie dürfen nun die Schokolade suchen.

  • Griechenland

    Erst eine Woche nach uns feiern die orthodoxen Griechen ihr Osterfest. Der Höhepunkt ihrer Festivitäten ist die Messe von Samstag auf Ostersonntag. Weiße, brennende Kerzen bringen die Gläubigen zu diesem Gottesdienst mit. Um Mitternacht werden aber alle gelöscht – bis auf eine. Diese eine Flamme hat eine besondere Bedeutung. Sie symbolisiert die Auferstehung. An ihr werden später alle Kerzen wieder entzündet und so das Leben weitergegeben.

    Die Festspeise am Sonntag ist ein gegrilltes Lamm, das am Spieß gegrillt wird. Aus seinen Innereien wird die Magirítsa, eine Suppe gekocht.

  • Italien

    „Natale con i tuoi, pasqua con chi vuoi.“ Dieses italienische Sprichwort heißt übersetzt so viel wie ‚Weihnachten mit der Familie, Ostern mit wem du willst‘. So ist Ostern für Italiener mehr als eine Familienfeier: Man trifft alle, die einem lieb und wichtig sind.

    Ostern beginnt für sie mit einem Trauer- und Schweigemarsch am Karfreitag. Die Straßenbeleuchtung wird bei dieser Prozession ausgeschaltet, dafür leuchten überall Kerzen in den Fenstern. Am Ostersonntag wird nach der Messe gespeist, meistens viele Stunden lang. Wichtig sind dabei die Ostertorte, ein salziger Kuchen mit gekochten Eier und Spinat, und „Colomba pasquale“, ein Hefekuchen in Form einer Taube.

  • Philippinen

    Knapp achtzig Prozent der Einwohner sind überzeugte Katholiken. Sie lieben ihre Prozession. Doch ihre Gläubigkeit nimmt extreme Züge an. In manchen Gegenden ziehen Gruppen von Männern durch die Straßen und schlagen sich mit Bambuspeitschen wund, bis das Blut auf ihren Rücken tief rot ist. Sie ritzen sich sogar mit Glasscherben und Rasierklingen in die Haut. Höhepunkt ist eine Kreuzigung am Karfreitag. Männer lassen sich richtig auf ein Holzkreuz schlagen. Die katholische Kirche heißt diesen Brauch nicht gut, ist er doch mehr ein Spektakel als Besinnlichkeit.

  • Polen

    In Polen wird es an Ostern nass. Am Ostersonntag bespritzt man sich mit Wasser. Nicht so schön ist, dass Jugendliche mittlerweile immer häufiger ganze Eimer über andere Personen auskippen, am liebsten natürlich über Frauen und Mädchen.

    Und warum machen die Polen so etwas? Der Brauch namens Smigus Dyngus geht angeblich auf das Jahr 966 zurück. Der polnische Herrscher Mieszko I. ließ sich taufen, stellvertretend für ganz Polen, dass nun zum katholischen Christentum bekehrt wurde. Das Bespritzen mit Wasser erinnert also an die Taufe.

  • Schweiz

    Eiertütschen ist in der Schweiz ein Muss. Die Frage ist, wer das robusteste Ei besitzt. Kinder und Erwachsene treten gegeneinander an und hoffen, möglichst ein heiles Ei zu haben. Sie hauen die Eispitzen aufeinander und hoffen, dass ihr Ei am längsten überlebt. Kleiner Tipp: Die Schalen von jungen Hühnern sollen eine kräftigere Schale haben.

  • Spanien

    Die Spanier sind zum größten Teil katholisch, dementsprechend christlich begehen sie ihre Osterfestivitäten. Das ganze beginnt schon am Palmsonntag. Kinder bringen ihre Palmwedel, die sie besonders geschmückt haben mit in den Gottesdienst. Dort werden sie vom Priester gesegnet. In der darauffolgenden Wochen finden zahlreiche Prozessionen statt. Dabei tragen die Gläubigen lange Kutten mit Kapuzen, die sie als Büßer darstellen sollen. Die wichtigste Prozession findet am Karfreitag statt. Am Ostersonntag wird die Auferstehung Christi gefeiert. Aber möglichst ohne Kommerz. Der Glaube soll im Vordergrund stehen.

  • USA

    Das Osterfest in den USA ähnelt an vielen Stellen dem deutschen Brauchtum. Am Ostersonntag halten viele Kirchen ihren Gottesdienst. Auch in den USA spielt der Osterhase und die Ostereiersuche für Kinder eine große Rolle. Die Eltern verstecken heimlich die Süßigkeiten in den Gärten und im Haus und die Kinder dürfen sie suchen.

    Ein ganz besonderes Highlight ist das Easter Egg Roll: Im Garten des Weißen Hauses in Washington wird es seit mehr als hundert Jahren zelebriert. Am Ostermontag zwischen 10 und 14 Uhr wird dann ein kleiner Teil des Gartens zum Spielfeld umfunktioniert. Die Besucher müssen dort dann dutzende Eier mit Esslöffeln ins Ziel rollen. Immerhin: Jeder Teilnehmer erhält vom Präsidenten und der First Lady signiertes Holzei als Dankeschön.

[Bildnachweis: demarcomedia by Shutterstock.com]
12. April 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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