Palliativ behandeln: Was bedeutet das?

In Zeiten, in denen die Menschen im Durchschnitt immer älter werden und bedingt durch Umwelteinflüsse auch immer häufiger an schweren Erkrankungen wie Krebs versterben, nimmt auch die Bedeutung zu, diese Patienten palliativ zu behandeln. Dies bedeutet, dass nicht mehr die Ursachen therapiert werden, sondern dass die Krankheit erträglicher gemacht wird, um den Betroffenen eine bestmögliche Lebensqualität zuteil werden zu lassen. Welche Möglichkeiten es hierbei gibt und wie eine Palliativversorgung abläuft…

Palliativ behandeln: Was bedeutet das?

Definition: Was bedeutet Palliativ?

Definition: Was bedeutet PalliativDer Begriff „palliativ“ leitet sich aus dem Lateinischen Wort pallium ab, das wörtlich übersetzt „Mantel“ bedeutet. Palliativ könnte man also mit „ummantelnd“ übersetzen.

Konkret ist damit gemeint, einen schwer kranken Patienten, der nicht mehr geheilt werden kann, so zu behandeln, dass seine Beschwerden so weit wie möglich gelindert werden. Oder im Bild zu bleiben: Es wird ihm ein Mantel umgelegt, damit er seine Situation besser ertragen kann. Die Ursache der Erkrankung wird bei einer palliativen Therapie nicht mehr behandelt, nur die Symptome gelindert.

Es geht also nicht um lebensverlängernde Maßnahmen, sondern darum, die Lebensqualität so hoch wie noch irgend möglich zu halten.

Dies betrifft insbesondere die Schmerztherapie. Die Patienten erhalten schmerzlindernde Medikamente, um eine bestmögliche Lebensqualität für die ihnen verbleibende Zeit zu sichern. Aber auch weitere Begleiterscheinungen wie Depressionen oder Übelkeit werden medikamentös bekämpft.

Das Wort Palliativ wird häufig in Zusammenhang mit folgenden Begriffen verwendet:

  • Palliativmedizin
  • Palliativpflege
  • Palliativstation
  • Palliativversorgung
  • Palliative Care

Dabei ist im Prinzip immer das gleiche gemeint: die palliative Betreuung eines todkranken Patienten bis zum Schluss, zumeist in extra dafür ausgestatteten Stationen eines Krankenhauses oder einem Hospiz.

Palliativ behandeln: welche Möglichkeiten gibt es?

Wer unheilbar erkrankt, ist dankbar über jeden Tag, den er noch so gut wie möglich genießen kann. Ein wesentlicher Bestandteil ist in diesem Zusammenhang, dass sich die Symptome der Krankheit – insbesondere die Schmerzen – in einem erträglichen Maß halten.

Dies kann im Grunde überall passieren, theoretisch auch zu Hause. Faktisch findet jedoch die palliative Behandlung in den allermeisten Fällen in extra dafür ausgestatteten Palliativstationen in Krankenhäusern statt oder sogar in Einrichtungen, die nur für diesen Zweck geschaffen wurden – den sogenannten Hospizen.

Ein Hospiz ist eine unabhängige Pflegeeinrichtung, deren einziges Ziel es ist, den todkranken Patienten eine Betreuung zuteil werden zu lassen, die eine möglichst hohe Lebensqualität und so weit es geht eine Selbstbestimmtheit ermöglicht.

Dabei wird nicht nur bei Krebserkrankungen palliativ behandelt. Auch bei anderen schweren Krankheiten im Endstadium kommt die Palliativpflege in der letzten Lebensphase zum Einsatz, zum Beispiel bei:

Dabei bedeutet die Tatsache, dass der Patient palliativ behandelt wird, nicht, dass er lediglich eine hohe Dosierung an Schmerzmitteln erhält und ansonsten seinem Schicksal überlassen ist. Eine palliative Therapie ist wesentlich umfangreicher, als auf den ersten Blick zu vermuten ist.

Sie enthält in den meisten Fällen verschiedene Bestandteile, zum Beispiel:

  • Medikamente

    Um Schmerzen zu lindern, aber auch die Ernährung zu ermöglichen, Atemnot zu vermeiden und Depressionen zu verhindern, werden Medikamente verabreicht. Dies muss nicht zwangsläufig in Tablettenform geschehen, auch Tropfen, Injektionen, Infusionen, Pflaster oder sogar Lollis kommen dabei zum Einsatz.

  • Bestrahlung

    Gerade bei Tumorpatienten soll mit Hilfe von Bestrahlungen das Wachstum der Metastasen reduziert werden – insbesondere an den Knochen. So soll die Mobilität einigermaßen erhalten werden.

  • Chemotherapie

    Ebenso wie bei der Bestrahlung kann auch durch eine Chemotherapie der Tumorpatient in der Endphase der Erkrankung nicht mehr geheilt werden. Sie kann den Verlauf der Krankheit allerdings positiv beeinflussen und somit erträglicher gestalten.

  • Operation

    Im Prinzip widerspricht der Gedanke, palliativ zu behandeln, einer Operation. Im Einzelfall kann diese allerdings durchaus Sinn ergeben, wenn beispielsweise ein Darmverschluss, der eine große Qual für den Patienten bedeuten würde, operativ entfernt wird.

Bei allen Therapieformen, die palliativ angewandt werden, geht es letztendlich darum, quälende Symptome zu mildern, zu kontrollieren und abzufedern. Da die Lebensdauer absehbar ist, muss dabei nicht auf eventuelle Spät- und Langzeitfolgen geachtet werden. Daher kommen auch häufig Morphin-Präparate zum Einsatz, mit denen ansonsten in der Verabreichung sehr sparsam umgegangen wird.

Oder wie es die Direktorin der Klinik für Palliativmedizin der Universität München, Prof. Dr. Claudia Bausewein ausdrückt:

Frühzeitig eingesetzt, unterbinden Morphin und andere Opiate die Chronifizierung von Schmerzen und sorgen dafür, dass die Patienten gar keine extrem hohen Dosierungen brauchen. Die Befürchtungen, Opioide machen psychisch abhängig und hören irgendwann auf zu wirken, treffen nicht zu.

Palliativ begleiten: Weitere Elemente der Palliativversorgung

Neben der medizinischen Seite gehört zu einer Therapie, die palliativ erfolgt, eine Reihe von weiteren Maßnahmen. Sie richten sich nicht nur an die betroffenen Patienten, sondern ebenso an das Umfeld. Sowohl in einem Hospiz, als auch in den entsprechenden Palliativstationen der Krankenhäuser gibt es dafür Experten, die in diesem Zusammenhang unterstützend tätig sein können.

  • Palliativtherapie

    Ergo- und Physiotherapeuten, sowie Masseure helfen mit speziellen Mobilisierungen und unterstützen damit auch die Arbeit der Pflegekräfte, da eine Krafterhaltung der Patienten auch die Wundversorgung und Lagerung vereinfacht.

  • Palliativbetreuung

    Ehrenamtliche und speziell ausgebildete Helfer leisten neben den alltäglichen Erledigungen auch eine Begleitung der Angehörigen und sind für die Patienten als Gesprächspartner und zwischenmenschliche Bezugsperson da.

  • Sozialarbeit

    Die Sozialarbeiter in der Palliativbegleitung unterstützen hauptsächlich bürokratische und sozialrechtliche Angelegenheiten wie die Korrespondenz mit Krankenkassen oder Rentenversicherung, sind aber auch als Ansprechpartner für die Angehörigen zur Stelle.

  • Seelsorge

    Kirchliche Seelsorger, aber auch Psychotherapeuten, helfen bei seelischen Nöten und unterstützen die Betreuung der Ehrenamtlichen auf dem Gebiet der psychosozialen Begleitung.

Wie lange wird palliativ behandelt?

Wie lange wird palliativ behandeltEine klare zeitliche Begrenzung, wie lange ein Patient palliativ behandelt wird, gibt es nicht. Da sie jedoch die Endphase einer schweren Krankheit betrifft, dauert sie naturgemäß in den meisten Fällen eher wenige Wochen als Monate.

In vielen Fällen wird auch erst in den letzten Tagen vor dem Ableben palliativ behandelt, wenn sowohl die Bettlägerigkeit als auch der innere Rückzug der Patienten zunehmen und insbesondere der seelische Beistand an Bedeutung gewinnt, um Angst und Trauer abzumildern.

Doch palliativ kann auch je nach Krankheitsbild eine deutlich frühere Begleitung bedeuten. Die Medizinerin Dr. med. Ingeborg Jonen-Thielemann unterscheidet daher nicht nach der Länge des palliativen Prozesses, sondern nach vier Phasen:

  1. Rehabilitationsphase

    In der ersten Phase geht es darum, den Patienten ein weitestgehend normales Lebens zu ermöglichen, in dem gesellschaftliche Teilhabe und Mobilität gewährleistet sind. Diese Phase kann in einigen Fällen sogar über mehrere Jahre andauern und die Betreuung erfolgt in aller Regel ambulant.

  2. Präterminalphase

    In der zweiten Phase nehmen die Beeinträchtigungen durch die Erkrankung zu und ein aktives Leben ist immer schwerer möglich. Ein stationärer Aufenthalt wird wahrscheinlicher.

  3. Terminalphase

    Die dritte Phase gilt als die Vorstufe zum Sterben. In vielen Fällen setzt eine umfangreiche palliative Therapie erst jetzt ein, da die Patienten kaum noch oder gar nicht mehr das Bett verlassen können.

  4. Finalphase

    In der letzten Phase steht ein menschenwürdiges Sterben und die Begleitung der Angehörigen im Vordergrund. Die Sterbephase dauert meist nur sehr kurz: von mehreren Stunden bis hin zu wenigen Tagen.

Palliativ therapieren: Der Ablauf der Behandlung

Da das zentrale Ziel der Palliativtherapie darin besteht, belastende Symptome für den betroffenen Patienten zu kontrollieren und zu mildern, müssen diese zunächst geklärt werden. Ebenso gilt es, die Wünsche von Patienten und Angehörigen zu erfassen, um geeignete Maßnahmen ergreifen zu können.

Bei diesem Maßnahmen unterscheiden die Palliativmediziner zwischen der allgemeinen Patientenversorgung und der speziellen. Falls die Symptome sich noch im erträglichen Rahmen bewegen, werden durch das Pflegeteam, dem sogenannten Palliative Care Team, Maßnahmen ergriffen, um die Patienten nach Möglichkeit in ihrem heimischem Umfeld zu belassen und ambulant mit schmerztherapeutischen Mitteln zu versorgen.

Die spezialisierte Palliativversorgung wird in den meisten Fällen in Hospizen oder den Palliativstationen der Kliniken angeboten, da die Maßnahmen und auch die Überprüfung der Therapie umfangreicher und zeitintensiver sind. Zudem muss ein Arzt regelmäßig erreichbar sein.

Je nachdem, in welcher Phase sich der Patienten befindet, werden die entsprechenden Maßnahmen auch miteinander kombiniert.

Einen großen Wert legen die Palliativ-Helfer auf einen vertrauensvollen und offenen Umgang, sowohl mit den Betroffenen als auch mit den Angehörigen. Es geht darum, das Thema Tod und Sterben ehrlich zu thematisieren und die Gefühle der Patienten sowie ihre Sicherheit und Geborgenheit in den Vordergrund zu stellen.

Weitere Informationen zur Palliativbehandlung

Sowohl Bundesärztekammer als auch das Bundesgesundheitsministerium bieten auf ihren Seiten Ratgeber und Infobroschüren rund um das Thema „Palliativ behandeln“. Dort finden Sie auch entsprechende Anlaufpunkte und Angebote in Ihrer Nähe.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informiert Sie nur allgemein. Er kann und soll eine medizinisch-ärztliche Beratung nicht ersetzen. Vor der Einnahme eines Medikamentes lesen Sie bitte die Packungsbeilage sorgfältig durch und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

[Bildnachweis: Chinnapong by Shutterstock.com]
30. März 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

Die Herbstlust-Redaktion besteht aus erfahrenen Autoren mit langjähriger Berufserfahrung. Trotz sorgfältiger Recherche erheben die Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informieren lediglich allgemein. Der vorliegende Artikel kann eine fachliche oder ärztliche Beratung nicht ersetzen.

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