Pflegegeld: Antrag, Anspruch und Höhe

Wer Hilfe im Alltag braucht – sei es beim Einkaufen, Anziehen, Waschen -, ist häufig auf die Pflege durch Angehörige angewiesen. Das Pflegegeld gehört zu den finanziellen Leistungen der Pflegeversicherung, mit der Pflegebedürftige ihre Angehörigen entlohnen können. Wir erklären, unter welchen Voraussetzungen das Pflegegeld gezahlt wird, welche Leistungen es umfasst und welche finanzielle Unterstützung bei der Pflege zuhause möglich ist…

Pflegegeld: Antrag, Anspruch und Höhe

Definition: Was ist Pflegegeld?

Pflegegeld PflegeversicherungsgesetzBeim Pflegegeld handelt es sich um eine Sozialleistung, die von den privaten oder gesetzlichen Krankenkassen monatlich erbracht wird.

Grundlage dafür ist das Pflegeversicherungsgesetz(§ 37), in dem es um „selbst beschaffte Pflegehilfen“ geht. Für viele Menschen hat das Wohnen in der eigenen Wohnung oder dem eigenen Haus oberste Priorität. Setzen körperliche Gebrechen oder Wehwehchen ein, kann dieser Wunsch durch eine Pflege gedeckt werden.

Meist wird auf einen ambulanten Pflegedienst gesetzt. Aber nicht jeder möchte fremde Personen in seine Wohnung lassen. Wird die Pflege stattdessen von Angehörigen als ehrenamtliche Tätigkeit ausgeübt, kann dafür das sogenannte Pflegegeld gezahlt werden.

Pflegegeld für Angehörige: Wer bekommt es?

Pflegegeld für AngehörigeUm einen Anspruch auf Pflegegeld zu haben, ist wichtig, dass die pflegende Person diese Tätigkeit nicht professionell (also beruflich) ausübt, sondern als ehrenamtliche Tätigkeit. Das wird angenommen, wenn Angehörige sich um den Pflegebedürftigen kümmern, die diese Pflege im nicht erwerbsmäßigen Sinne ausführen.

Wer zählt zu dem Personenkreis? Tatsächlich wird „Angehörige“ weit gefasst. Dazu zählen Verwandte und solche Personen, die in einem engen Vertrauensverhältnis stehen oder sich moralisch verpflichtet fühlen:

  • Ehepartner (beziehungsweise Lebenspartner oder Verlobte)
  • Geschwister
  • Eltern, Kinder
  • Neffen, Nichten
  • Onkel, Tanten
  • Schwager, Schwägerin
  • Pflegeeltern und Pflegekinder

Ebenfalls können auch

  • Freunde
  • Nachbarn
  • „polnische Pflegekräfte“

zu den Pflegenden gehören. Die umgangssprachlich oft als „polnische Pflegekraft“ bezeichneten Betreuungskräfte werden von den examinierten Pflegekräften der ambulanten Pflegedienste unterschieden. Nicht zugelassen sind sie zur medizinischen Behandlungspflege.

Im Gegensatz zu den ambulanten Pflegediensten verrichten polnische Pflegekräfte meist nur Aufgaben der Grundpflege, also Hilfe beim Anziehen und Waschen, hauswirtschaftliche Tätigkeiten wie einkaufen und kochen. Allerdings kommen diese Betreuungskräfte längst nicht nur aus Polen, sondern auch diversen anderen osteuropäischen Staaten wie wie Tschechien oder Rumänien.

Das Pflegegeld wird meist nicht direkt an die pflegende Person ausgezahlt, sondern an den Versicherten überwiesen. Auch wenn es als finanzielle Anerkennung für den pflegenden Angehörigen gedacht ist, kann der Pflegebedürftige frei über das Pflegegeld verfügen, es ist nicht zweckgebunden.

In erster Linie sollen damit eine selbst organisierte Pflege ermöglicht werden – das schließt also auch die Verwendung für polnische Pflegekräfte ein. Ebenfalls möglich ist eine Verwendung des Pflegegeldes, um Pflegehilfsmittel anschaffen zu können, die bei der Pflege helfen.

Voraussetzungen für den Erhalt von Pflegegeld

Das Pflegegeld ist an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. Diese dienen als Vorbeugungsmaßnahme gegen Missbrauch.

  • Die Pflege wird von Angehörigen übernommen.
  • Die Pflege findet zuhause statt.
  • Es liegt ein Pflegegrad vor.
  • Die Qualität wird durch einen Gutachter überprüft.

Die Höhe des Pflegegeldes ist an den Pflegegrad gekoppelt. Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) ist für die Einstufung in einen bestimmten Pflegegrad zuständig. Bei Pflegegrad 1 erhalten Versicherte kein Pflegegeld. Für alle anderen Pflegegrade beträgt das Pflegegeld monatlich:

  • 316 Euro bei Pflegegrad 2
  • 545 Euro bei Pflegegrad 3
  • 728 Euro bei Pflegegrad 4
  • 901 Euro bei Pflegegrad 5

Pflegebedürftige mit Pflegegrad 1 haben wie alle anderen Pflegegrade Anspruch auf den monatlichen Entlastungsbeitrag in Höhe von 125 Euro. Dieser ist keine pauschale Geldleistung, sondern zweckgebunden, beispielsweise für eine teilstationäre Tages- oder Nachtpflege oder Kurzzeitpflege.

Pflegebedürftige ab Pflegegrad 2 müssen sich in regelmäßigen Abständen durch Fachkräfte beraten lassen. Für Pflegegrad 2 und 3 bedeutet das zweimal im Jahr, für Pflegegrad 4 und 5 viermal im Jahr. Wird der Termin nicht wahrgenommen, kann das Pflegegeld gemindert oder sogar ganz entzogen werden.

Wann das Pflegegeld ausgezahlt wird, richtet sich nach dem Zeitpunkt der Antragstellung. Allerdings sollten Sie den Antrag frühzeitig stellen, denn es wird rückwirkend nur ab dem Eingangsdatum gezahlt. Fällig wird die Zahlung üblicherweise am ersten Werktag eines Monats.

Die Einteilung in einen Pflegegrad und die Bewilligung des Pflegegeldes wird nicht an einem Tag und schon gar nicht pünktlich zum ersten eines Monats passieren. Sie bekommen dann auch anteilige Tage ausgezahlt.

Pflegegeld mit verschiedenen Leistungen kombinieren

Was aber, wenn die Versorgung der pflegebedürftigen Person nicht allein durch den Angehörigen gewährleistet werden kann? Auch bei Unterstützung durch professionelle Pflegekräfte ist es möglich, Pflegegeld zu beziehen. Es wird dann als Kombinationsleistung aus Pflegegeld und Sachleistungen gezahlt.

Hierbei ist zu beachten, dass sich die Höhe des Pflegegeldes in dem Umfang reduziert, in dem ambulante Sachleistungen in Anspruch genommen werden. Die pflegebedürftige Person (beziehungsweise ihre Angehörigen) erhält in dem Fall nur noch anteiliges Pflegegeld.

Mit ambulanten Sachleistungen sind solche Leistungen gemeint, die von professionellen Pflegekräfte erbracht werden. Ist der Einsatz von ambulanter Pflege notwendig, gewähren die Pflegekassen zusätzliche finanzielle Betreuungs- und Entlassungsleistungen. Diese sind ebenso wie das Pflegegeld vom Pflegegrad abhängig:

  • 689 Euro bei Pflegegrad 2
  • 1.298 Euro bei Pflegegrad 3
  • 1.612 Euro bei Pflegegrad 4
  • 1.995 Euro bei Pflegegrad 5

Um die Höhe der Kombinationsleistung errechnen zu können, wird analysiert, in welchem Umfang welche Pflegemaßnahmen an der zu versorgenden Person notwendig sind. Vereinfacht ausgedrückt ergeben Pflegegeld und Inanspruchnahme eines Pflegedienstes zusammen 100 Prozent.

Werden nun 60 Prozent der Pflegesachleistung in Anspruch genommen, werden Ihnen nur noch 40 Prozent des Pflegegeldes ausgezahlt. Wer sein Pflegegeld berechnen lassen möchte, kann dies HIER mit einem kostenlosen Pflegegeldrechner tun.

Ebenfalls möglich ist die Zahlung von Pflegegeld für vier Wochen in diesen Fällen:

  • Verhinderungspflege

    Wenn der Angehörige vorübergehend nicht selbst die Pflege übernehmen kann – beispielsweise, weil er im Urlaub oder in der Reha ist, besteht die Möglichkeit, dies von einem Pflegedienst übernehmen zu lassen. Dieser springt für die Dauer von maximal sechs Wochen im Jahr ein. Diese als Verhinderungspflege bezeichneten Kosten für den Pflegedienst werden komplett von der Pflegekasse übernommen.

  • Kurzzeitpflege

    Muss die pflegebedürftige Person beispielsweise infolge eines Unfalls in ein Krankenhaus und/oder wird sie in die Kurzzeitpflege gebracht, so erhalten Angehörige auch hier für die Fortdauer von vier Wochen Pflegegeld.

Pflegegeld kann steuerpflichtig sein

Pflegegeld steuerpflichtigDas Pflegegeld ist in erster Linie eine finanzielle Anerkennung für pflegende Angehörige, damit soll deren erhöhter Aufwand abgegolten werden, beispielsweise als Spritgeld für häufigere Besorgungen oder höheren Wasserverbrauch durch Wäschebedarf.

Es wird nicht als Einkunftserzielung, sondern als Sozialleistung betrachtet. Steuerfrei ist es daher für den Pflegebedürftigen selbst und ebenso, wenn er es an seinen Angehörigen weiterleitet. Allerdings muss es bei der Steuererklärung angegeben werden.

Etwas anders verhält es sich in den folgenden Fällen. Steuerpflichtig ist das Pflegegeld, wenn…

  • die pflegende Person zusätzlich zum Pflegegeld weitere Vergütungen erhält.
  • die Pflege erwerbsmäßig ausgeübt wird und ein Arbeitsvertrag vorliegt.
  • keine Verwandtschaft oder moralische/sittliche Verpflichtung besteht.

So beantragen Sie Pflegegeld

Um Pflegegeld zu erhalten, muss wie erwähnt ein Pflegegrad vorliegen und der Versicherte mindestens seit einem halben Jahr nachweislich auf Hilfe angewiesen sein. Das heißt, wer bisher noch nicht entsprechen eingestuft wurde, muss erst einmal abklären, ob eine Pflegebedürftigkeit vorliegt.

Dazu sollte der Antragsteller überprüfen, bei welchen Alltagshandlungen Hilfe benötigt wird und welche noch allein bewältigt werden können.

  • Funktioniert noch das An- und Auskleiden?
  • Brauchen Sie Hilfe bei der Körperpflege?
  • Gibt es bereits Einschränkungen in der Bewegungsfreiheit in der Wohnung oder im Freien?
  • Können Erledigungen wie Einkäufe und Arztbesuche allein bewältigt werden?

Je nachdem, wie die Beantwortung dieser Fragen ausfällt, sollten Sie einen Antrag bei der Pflegekasse stellen. Das kann entweder…

  • formlos schriftlich oder
  • telefonisch oder
  • persönlich

erfolgen. Da die Pflegekassen den Krankenkassen angegliedert sind, läuft die Antragstellung über die Krankenkasse des Versicherten, der Ansprechpartner ändert sich somit nicht.

[Bildnachweis: New Africa by Shutterstock.com]
4. Mai 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

Die Herbstlust-Redaktion besteht aus erfahrenen Autoren mit langjähriger Berufserfahrung. Trotz sorgfältiger Recherche erheben die Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informieren lediglich allgemein. Der vorliegende Artikel kann eine fachliche oder ärztliche Beratung nicht ersetzen.

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