Pflegegrad: So beantragen Sie ihn

Wer pflegebedürftig ist, erhält Leistungen von der Pflegeversicherung. Diese bemessen sich je nach Schwere der Pflegebedürftigkeit – dem Pflegegrad. Wir zeigen Ihnen anhand einer Tabelle, welche Pflegegrade es gibt und welche Sach- sowie Geldleistungen Sie entsprechend erwarten können. Außerdem zeigen wir auf, wie sich die einzelnen Pflegegrade berechnen und wie Sie einen Pflegegrad beantragen können.

Pflegegrad: So beantragen Sie ihn

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Pflegegrade Tabelle: Diese Pflegegrade gibt es

Der Pflegegrad bestimmt den Aufwand, den es braucht, um einen Pflegebedürftigen die notwendige Unterstützung für sein Leben zuteil werden zu lassen. Er stellt eine Eingruppierung seitens der gesetzlichen Pflegeversicherung dar, nach der entsprechende Leistungen zur Pflege berechnet werden. Somit ist er ein mächtiges Instrument – ist er doch entscheidend, welche Geldleistungen Sie von der Pflegeversicherung erhalten.

Insgesamt gibt es fünf verschiedene Pflegegrade:

  • Pflegegrad 1
    Hier werden Personen eingeordnet, die in ihrer Selbständigkeit nur geringfügig beeinträchtigt sind.
  • Pflegegrad 2
    Diese Kategorie erfasst Personen, deren Selbständigkeit erheblich eingeschränkt ist.
  • Pflegegrad 3
    Dies betrifft Versicherte, bei denen eine schwere Beeinträchtigung der Selbständigkeit vorliegt.
  • Pflegegrad 4
    Bei Patienten in dieser Gruppe ist eine schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit vorhanden.
  • Pflegegrad 5
    Diese Einstufung erhalten nur Versicherte, deren schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen für die pflegerische Versorgung einhergeht.

Die Beeinträchtigung der Selbstständigkeit bemisst sich dabei nicht nur nach körperlichen Faktoren. Auch die psychische Verfassung, das allgemeine Verhalten sowie die Fähigkeit, sich mitzuteilen, spielen dabei eine große Rolle.

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Pflegegrad Geldleistungen: Wie viel Geld bei welchem Pflegegrad?

Wer entsprechend eingruppiert ist, enthält sowohl die Erstattung von Pflegesachleistungen als auch monatliche Geldleistungen – das sogenannte Pflegegeld. Dieses beläuft sich Stand 2021 auf folgende Beträge:

  • Pflegegrad 1: 0 Euro
  • Pflegegrad 2: 316 Euro
  • Pflegegrad 3: 545 Euro
  • Pflegegrad 4: 728 Euro
  • Pflegegrad 5: 901 Euro

Pflegegrad: Weitere Leistungen

Darüber hinaus werden eine Reihe von weiteren Leistungen bezahlt. Für Pflegesachleistungen sowie die Tages- und Nachtpflege stehen monatlich jeweils die gleichen Beträge zur Verfügung:

  • Pflegegrad 1: 0 Euro
  • Pflegegrad 2: 689 Euro
  • Pflegegrad 3: 1.298 Euro
  • Pflegegrad 4: 1.612 Euro
  • Pflegegrad 5: 1.995 Euro

Unabhängig davon stehen zudem monatlich jedem Pflegebedürftigen 125 Euro für Betreuungs- und Entlastungsleistungen, 60 Euro für Pflegehilfsmittel, 23 Euro für einen Hausnotruf sowie 214 Euro Wohngruppenzuschuss zu – sofern die einzelnen Posten nachweisbar sind.

Ebenfalls unabhängig vom Grad der Pflege können für die Wohnraumanpassung, also den barrierefreien Umbau einmalig bis zu 4.000 Euro gewährt werden – je nach Erfordernissen.

Dazu kommen ab Grad 2 noch je 1.612 Euro Kurzzeitpflege und die Verhinderungspflege, die jährlich zur Verfügung stehen.

Leistungen in der vollstationären Pflege

Für die vollstationäre Pflege stehen zusätzlich weitere Mittel bereit:

  • Pflegegrad 1: 0 Euro
  • Pflegegrad 2: 770 Euro
  • Pflegegrad 3: 1.262 Euro
  • Pflegegrad 4: 1.775 Euro
  • Pflegegrad 5: 2.005 Euro

Da die Kosten für ein Pflegeheim diese Beträge allerdings oft um ein Vielfaches übersteigen, sind erhebliche Eigenleistungen hier eher die Regel als die Ausnahme.

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Pflegegrad beantragen: So geht’s

Der Weg zur Eingruppierung läuft über Ihre Pflegekasse. Hier müssen Sie als Pflegebedürftiger beziehungsweise als Angehöriger zunächst ein Antragsformular ausfüllen und einreichen. Der weitere Ablauf ist dann folgender:

  1. Ein Gutachter nimmt Kontakt zu Ihnen auf und vereinbart mit Ihnen einen Begutachtungstermin.
  2. Bei diesem begutachtet der Mitarbeiter die Einschränkungen ermittelt die Pflegebedürftigkeit.
  3. Mit einem Punktesystem wird der Grad der Pflege berechnet.
  4. In einem Bescheid der Pflegekasse wird Ihnen in der Folge diese Entscheidung per Post mitgeteilt.
  5. Sofern Leistungen nicht bewilligt wurden oder die Eingruppierung Ihrer Meinung nach falsch vorgenommen wurde, können Sie Widerspruch einlegen. Ein entsprechendes Formular können Sie sich hier kostenlos als WORD– oder PDF-Datei herunterladen.
  6. Andernfalls ist die Eingruppierung bindend. Sollte sich die Pflegebedürftigkeit verschlimmern, muss ein neuer Antrag gestellt werden (der sogenannte Höherstellungsantrag), der wiederum eine neue Prüfung zur Folge hat.

Der Prozess von Antragstellung bis zum Bescheid darf insgesamt nicht länger als 25 Tage dauern. Die Pflegeversicherung ist also in diesem Punkt schon von Gesetzes wegen dazu verpflichtet, schnell zu sein. Denn bei Fristüberschreitung droht der Pflegekasse eine Strafzahlung von 70 Euro pro begonnener Woche.

So verhalten Sie bei der Prüfung am besten

Viele ältere Menschen möchten sich dem Gutachter gegenüber von ihrer besten Seite zeigen. Doch das ist kontraproduktiv: Wer Schwierigkeiten beim Waschen, Anziehen oder gar Aufstehen hat, sollte nicht sauber und ordentlich am Tisch sitzen, sondern die Einschränkungen deutlich zeigen.

Andernfalls kann es sein, dass die Einteilung in einen niedrigeren Grad erfolgt. Daher einige Tipps für den Besuch des Gutachters für Angehörige und Pflegebedürftige:

  • Holen Sie sich zum Besuch des Gutachters eine Vertrauensperson hinzu. Dies kann ein Angehöriger, eine Pflegekraft oder auch der behandelnde Arzt sein.
  • Zeigen Sie alltägliche Situationen wie zum Beispiel Trinken, Essen und Toilettengang.
  • Machen Sie den Gutachter auf Erschwernisfaktoren aufmerksam. So zum Beispiel Sinneseinschränkungen, Bewegungseinschränkungen, Inkontinenz, Schluckstörungen, Schmerzen, Behinderungen oder Vorerkrankungen.
  • Zeigen Sie räumliche Einschränkungen und die Notwendigkeit von Hilfsmitteln (Treppenlift, barrierefreie Badewanne oder ähnliches). Ein Pflegetagebuch über einen Zeitraum von ungefähr zwei Wochen kann hier helfen.
  • Verschweigen Sie nichts, aber erfinden Sie auch nichts hinzu. Haben Sie dabei keine Angst, sich zu blamieren und keine falsche Scham. Stehen Sie zu Unsicherheiten.
  • Haben Sie zudem eine Liste der behandelnden Therapeuten und Ärzte griffbereit.
  • Lassen Sie sich nicht unter Zeitdruck setzen. Wenn nötig, bitten Sie um einen Zweittermin.

Diese Erkrankungen führen zu einem Pflegegrad

Pflegegrade können aufgrund von hohem Alter aber insbesondere auch bei verschiedenen Krankheiten festgestellt werden. In den meisten Fällen liegen diese Einschränkungen zu Grunde:

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Pflegegrad berechnen: So funktioniert die Einstufung

Für die Einteilung ist der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) verantwortlich. Er ermittelt die Selbständigkeit des Pflegebedürftigen anhand eines Fragenkataloges. Entsprechend der Beantwortung werden Punkte nach einem bestimmten Punktesystem vergeben.

Folgende Bereiche werden dabei bewertet:

  • Allgemeines Verhalten
    Hierunter fallen motorische und psychisch schwierige Reaktionen und Handlungen wie etwa aggressives, lautes Verhalten oder aber nächtliche Unruhe sowie depressive Verstimmungen.
  • Körperliche Mobilität
    Bewertet wird die Fähigkeit zum Gehen und Treppensteigen sowie die Fähigkeit zum eigenständigen Positionswechsel im Bett oder zum aufrechten Sitzen.
  • Gestaltung des Alltags
    Entscheidend ist in diesem Sektor, inwieweit der Patient seinen Tag noch selbst strukturieren kann. Eine große Rolle spielen dabei sozialen Kontakte zu anderen Menschen und Interaktionen mit der Umwelt.
  • Selbstversorgungsfähigkeit
    Dieser Punkt berücksichtigt die Körperpflege also das Waschen und Zähne putzen sowie die Fähigkeit zum selbständigen An- und Ausziehen und der Zubereitung von Nahrung. Auch Toilettengänge beziehungsweise der Umgang mit Katheter im Falle von Inkontinenz fallen darunter.
  • Umgang mit der Situation
    Hierunter ist vor allem der Umgang mit Krankheiten und ihren Folgen zu verstehen. Kann sich der Patient an die notwendige Medikation halten? Braucht er Unterstützung bei Arztbesuchen und Therapien?
  • Kommunikative und kognitive Fähigkeiten
    Hier sind Fragen entscheidend wie: Kann der Patient sich noch klar verständigen und Bedürfnisse artikulieren? Ist seine Entscheidungsfähigkeit eingeschränkt? Wie steht es um die räumliche und zeitliche Orientierung?

Die Punktzahlen der einzelnen Bereiche werden anschließend addiert. Je mehr Punkte, umso höher der die Einstufung:

  • 12,5 bis 27 Punkte: Pflegegrad 1
  • 27 bis 47,5 Punkte: Pflegegrad 2
  • 47,5 bis 70 Punkte: Pflegegrad 3
  • 70 bis 90 Punkte: Pflegegrad 4
  • 90 bis 100 Punkte: Pflegegrad 5

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[Bildnachweis: Herbstlust.de]

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