Pflegekurse für Angehörige: Erleichterung bei der Betreuung

Pflegekurse für Angehörige sollen Pflegepersonen das Wissen vermitteln, das sie im Pflegealltag brauchen. Sie sind eine Hilfestellung der Kranken- beziehungsweise Pflegekassen. Ob AOK, DAK oder Barmer: Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf die Unterstützung durch die gesetzliche Pflegeversicherung. Wo es Pflegekurse für Angehörige gibt, welche Inhalte Sie darin lernen und welche Kosten damit verbunden sind…

Pflegekurse für Angehörige: Erleichterung bei der Betreuung

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Was sind Pflegekurse für Angehörige?

Pflegekurse für Angehörige sind ein Angebot der gesetzlichen und privaten Pflegeversicherungen. Dazu sind diese gemäß Paragraph 45 des Elften Buchs Sozialgesetzbuch (SGB XI) verpflichtet. Pflegekurse dienen mehreren Zwecken:

  • Anleitung
    Pflegekurse für Angehörige vermitteln Informationen zum Pflegealltag. Diese umfassen theoretisches, aber vor allem praktisches Anwenderwissen. Denn Angehörige sind auf diesem Feld üblicherweise Laien.
  • Austausch
    Oft kümmern sich Angehörige 12 Stunden und mehr um die pflegebedürftige Person. Durch den Pflegekurs kommen sie mit anderen Menschen in Kontakt, können sich über Probleme und Sorgen austauschen.
  • Netzwerk
    Der Austausch mit anderen im Pflegekurs ermöglicht, soziale Kontakte zu knüpfen. Das ist nicht nur für die Psychohygiene wichtig, sondern unterstützt den Aufbau eines Netzwerks. So können sich die Teilnehmer gegenseitig unterstützen und Wissen weitergeben.
  • Sicherheit
    Zusätzlich tragen die Pflegekurse für Angehörige dazu bei, dass Pflegepersonen mehr Sicherheit und Selbstvertrauen bei der Pflege gewinnen. Idealerweise besucht man so einen Kurs bevor jemand pflegebedürftig wird. Denn tritt der konkrete Pflegefall ein, sind die meisten überfordert.

Ziel ist außerdem, eine gewisse Qualität der häuslichen Pflege zu erreichen.

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Pflegekurse für Angehörige: Kosten + Zertifikat

Auch wenn Pflegekurse für Angehörige von qualifiziertem Personal durchgeführt werden: Sie dienen nicht der Weiterbildung im eigentlichen Sinne. Daher sind diese Kurse kostenlos. Bei gesetzlich Versicherten kommt die Pflegekasse für die Kosten auf, bei bei Privatversicherten die Pflegeversicherung.

Je nach Anbieter kann es allerdings sein, dass Sie die Kosten vorstrecken müssen. Nach Beendigung des Pflegekurses rechnen Sie direkt mit dem Anbieter ab und reichen die Rechnung bei der Pflegekasse beziehungsweise Pflegeversicherung ein. Um auf der sicheren Seite zu sein, sollten Sie vor Kursbeginn das Schulungspersonal auf die Kostenübernahme ansprechen.

Zertifizierung für Nachbarschaftshelfer

Pflegekurse für Angehörige sparen den Pflegekassen viel Geld ein: Statt Fachpersonal die Pflege durchführen zu lassen, übernehmen vielfach Angehörige diesen Part. Diese erhalten (vom Pflegegeld eventuell abgesehen) für ihre Mühe nichts.

Ausnahme: In einigen Bundesländern können Pflegepersonen ihre Tätigkeit mittels Zertifikat als Nachbarschaftshelfer anerkennen lassen. Das gilt für Personen, die mit dem Pflegebedürftigen nicht direkt verwandt sind. Dafür müssen diese Pflegepersonen einen Pflegekurs mit Zertifikat absolvieren. In diesem Fall lässt sich die Tätigkeit mithilfe des Entlastungsbetrages honorieren.

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An wen richten sich Pflegekurse?

Nur 20 Prozent aller Pflegebedürftigen sind in der stationären Pflege, meist Pflegeheime, untergebracht. Die Mehrheit wird zu Hause in der häuslichen Pflege betreut. Meist sind es pflegende Angehörige, die sich um ein Familienmitglied kümmern. An sie richten sich Pflegekurse für Angehörige. Jeder, der sich ganz oder teilweise um Pflegebedürftige kümmert, hat ein Anrecht auf eine Pflegeschulung.

Pflegekurse für Angehörige und ehrenamtliche Pflegepersonen

Angehörige müssen aber nicht zwingend Verwandte sein. Auch andere nahestehende Vertrauenspersonen wie etwa Nachbarn oder Freunde können einen Pflegekurs absolvieren.

Anspruch haben nichtprofessionelle Pflegepersonen, die Grundlagenwissen und Pflegetipps erwerben wollen. Das schließt auch ehrenamtliche Pflegepersonen ein. Beispielsweise gehört zum Ehrenamt in der Kirche unter anderem der Besuchsdienst. Hierbei besuchen Ehrenamtliche ältere, meist alleinstehende Personen, die den Wunsch nach Gesellschaft verspüren.

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Inhalte von Pflegekursen

Die Pflegekurse sollen grundlegende, praktische Pflegekenntnisse vermitteln. Das beinhaltet Fragen zur Hygiene, aber auch rechtliche und soziale Aspekte. Gleichzeitig vermitteln sie Kenntnisse, die der Prävention dienen. Die Inhalte im Detail:

Mobilität

Oberstes Ziel in der Altenpflege ist, die Mobilität von Pflegebedürftigen zu erhalten. Sie trägt entscheidend dazu bei, Erkrankungen wie Dekubitus zu verhindern und Lebensqualität zu erhalten. Pflegekurse lehren konkretes, praxisnahes Wissen. Beispielsweise wie Angehörige den Pflegebedürftigen beim Laufen, Stehen und Treppensteigen unterstützen können. Die Pflegepersonen lernen, wie rückenschonendes Auf- und Umsetzen am Bett funktioniert und wie sie den Pflegebedürftigen an- und auskleiden.

Körperpflege

Ein sensibles, weil mit Scham behaftetes Thema ist die Körperpflege. Der Pflegekurs vermittelt die korrekte Körper- und Intimpflege. Wichtig ist auch der richtige Umgang und die Pflege bei Patienten mit Stomata und Kathetern. Wird beispielsweise mit Zellstoff oder Taschentüchern gereinigt, können Fussel in das Stoma geraten. Das wiederum könnte im schlimmsten Fall eine Entzündung auslösen. Daher spielt auch der Umgang mit den richtigen Pflegehilfsmitteln eine wichtige Rolle.

Prävention

Viele pflegende Angehörige haben nicht gelernt, ihre Bedürfnisse wahrzunehmen. Studien zufolge kümmert sich mehr als die Hälfte mehr als 12 Stunden täglich. Infolgedessen kommt es zu Depressionen, Ängsten, Rückenschmerzen und Schlafstörungen. Das jedoch muss nicht sein. Pflegekurse für Angehörige sollen die Pflege erleichtern. Sie sind aber kein Wundermittel, wenn eine häusliche Pflege an ihre Grenzen stößt. Pflegekurse können daher die eigene Resilienz und Entspannungstechniken zum Inhalt haben.

Ernährung

Bei vielen älteren Menschen ist Mangelernährung ein Problem. Der Pflegekurs thematisiert eine ausgewogene Ernährung. Außerdem geht es darum, den Pflegebedürftigen mit ausreichend Flüssigkeit zu versorgen. Je nach Pflegebedürftigkeit müssen Pflegepersonen wissen, wie sie die Nahrungsaufnahme unterstützen können.

Organisation & Recht

Der Pflegekurs für Angehörige greift zudem den Umgang mit der Pflegeversicherung auf: Wie können Sie welche Leistungen beantragen? Wofür stehen die einzelnen Pflegegrade? Welche Hilfen gibt es noch? Die Schwerpunkte der einzelnen Pflegekurse können variieren. Besonders der letztgenannte Punkt ist gleichzeitig eine separate Leistung, die ein Pflegeberater erbringt. Gut zu wissen: Die Pflegeberatung erfolgt ebenfalls (häufig) durch die Pflegekassen und ist kostenlos.

Spezialkurse bei besonderen Erfordernissen

Die Pflegekurse für Angehörige sind bewusst allgemein gehalten. Bestimmte Problemstellungen – etwa rückenschonendes Heben – tauchen im Pflegealltag vieler Pflegepersonen auf. Auch spielen Hygiene und die korrekte Versorgung mit Flüssigkeit immer eine Rolle. Gleichzeitig gibt es Erkrankungen, die über die „normale“ Altersgebrechlichkeit hinausgehen. Sie erfordern Zusatzwissen, das in den allgemeinen Pflegekursen zu kurz kommt.

Daher bieten die Pflegekassen auch Pflegekurse für den Umgang mit speziellen Erkrankungen. Dabei handelt es sich beispielsweise um Demenz, Multiple Sklerose, Parkinson oder die Pflege nach einem Schlaganfall. Zudem gibt es spezielle Pflegekurse für Angehörige von pflegebedürftigen Kindern.


Wer führt Pflegekurse für Angehörige durch?

Alle Pflegekassen müssen Pflegekurse für Angehörige anbieten. Daher ist es völlig unerheblich, ob Ihre Pflegekasse bei der TK, DAK, AOK, Barmer oder einer anderen Krankenkasse angesiedelt ist. Allerdings muss die Pflegekasse den Kurs nicht selbst durchführen. Oft bestehen Kooperationen mit professionellen Anbietern, die pflegerische Erfahrung aus der Praxis mitbringen. Das sind vor allem die ambulanten Pflegedienste und Wohlfahrtsverbände wie Johanniter oder Caritas.

Wie finden die Pflegekurse statt?

Bei den Pflegekursen für Angehörige handelt es sich meist um Gruppenschulungen. Diese finden in der Regel in den Räumlichkeiten des Anbieters statt. Die Dauer kann je nach Inhalt und Anbieter stark variieren: Zwischen wenigen Stunden und zweitägigen Veranstaltungen ist alles möglich. Bei Vorliegen eines Pflegegrads kann ein Pflegekurs aber auch in der häuslichen Umgebung des Pflegebedürftigen erfolgen.

Das bietet Pflegepersonen die Chance, gezielte Fragen zu konkreten Situationen klären zu können. Zudem kann der Anbieter den korrekten Umgang mit Pflegehilfsmitteln vor Ort illustrieren. Aufgrund der Corona-Pandemie sind zahlreiche Dienstleister außerdem dazu übergegangen, den Pflegekurs als Online-Seminar anzubieten. Aufzeichnungen haben wiederum den Vorteil, dass sie beliebig oft wiederholt werden können.

Wann finden die Pflegekurse statt?

Viele Pflegekurse liegen so, dass sie in Einklang mit den Zeitfenstern der Angehörigen stattfinden können. Das ist zumeist am späten Nachmittag oder am Wochenende der Fall. Besonders wenn es sich um mehrtägige Schulungen handelt, kann der Kurs übers Wochenende stattfinden. Auch hier sind Aufzeichnungen ideal, weil Sie jederzeit auf den Inhalt zugreifen können.

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[Bildnachweis: Herbstlust.de]

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