Pflegende Angehörige: Das sollten Sie wissen

Wenn ein Familienmitglied pflegebedürftig wird, springen häufig die Angehörigen ein. Doch viele pflegende Angehörige sind verständlicherweise trotz allem Engagement überfordert – haben sie den Job doch nicht gelernt.

In diesem Fall können sie sich Hilfen und finanzielle Unterstützung hinzu holen. Dazu gibt es eine Reihe von weiteren Punkten, die sie beachten müssen.

Wenn Sie selbst ein pflegender Angehöriger sind, dann haben wir für Sie die wichtigsten Punkte, die Sie wissen müssen, zusammengefasst.

Pflegende Angehörige: Das sollten Sie wissen

Pflegende Angehörige: Was steht mir zu?

Nahe Angehörige wie Lebenspartner, Geschwister, Kinder oder Enkel sehen es für sich häufig als eine moralische Verpflichtung und Selbstverständlichkeit, ihre pflegebedürftigen Verwandten oder Partner tatkräftig zu unterstützen. Ob dies wirklich eine Selbstverständlichkeit ist, sei an dieser Stelle außen vor gelassen. Fakt ist: Pflegende Angehörige verdienen höchsten Respekt. Kümmern sie sich doch mitunter rund um die Uhr aufopferungsvoll um ihren Liebsten.

Doch all das Engagement wiegt nur selten die Hilflosigkeit auf, die pflegende Angehörige oft betrifft – haben sie doch den Pflegeberuf meist nicht erlernt und stoßen daher naturgemäß an ihre Grenzen. Doch das Gute ist: Der Staat lässt sie nicht alleine.

Wenn Sie selbst für pflegebedürftige Angehörige da sind, dann haben Sie Anspruch auf eine Vielzahl von unterstützenden Leistungen, die sich auch miteinander kombinieren lassen. Diese sind im Einzelnen:

  • Pflegegeld
    Da ist zunächst einmal das Pflegegeld. Dies ist eine finanzielle Unterstützung seitens der gesetzlichen Pflegeversicherung. Grundsätzlich hat die pflegebedürftige Person darauf Anspruch, kann dies jedoch an Sie als pflegende Angehörige weiterreichen.
  • Ambulanter Pflegedienst
    Da Sie als pflegende Angehörige verständlicherweise mit etlichen Pflegetätigkeiten überfordert sind, haben Sie Anspruch auf eine Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst, der bei Bedarf sogar mehrmals täglich vorbei kommt und zum Beispiel das Waschen, Umlagern, Verbandswechsel, Medikamentengabe und ähnliches übernimmt. Mitunter kann auch ein Alltagsbegleiter oder eine Haushaltshilfe zusätzlich eine große Hilfe sein.
  • Pflegekraft
    Ab Pflegegrad zwei hat der zu pflegende Angehörige auch Anspruch auf einen Teil der Kosten für eine feste Pflegekraft. Viele greifen hier zum Beispiel auf eine polnische Pflegekraft zurück, die Tag und Nacht vor Ort ist und somit bei dem Pflegebedürftigen einzieht.
  • Verhinderungspflege
    Diese Unterstützung ist nur für einen gewissen Zeitraum möglich, wenn Sie zum Beispiel aufgrund von Urlaub oder Krankheit ausfallen. Diese Verhinderungspflege übernimmt die Pflege für maximal sechs Wochen im Jahr.
  • Teilstationäre Pflegeeinrichtungen
    Wer pflegebedürftig geworden ist, muss nicht unbedingt komplett in ein Pflege- oder Altenheim umziehen. Manchmal reicht es auch, wenn diese Personen nur tagsüber oder nur nachts gepflegt werden. Teilstationäre Pflegeeinrichtungen sind in diesem Fall eine gute Wahl.
  • Rentenpunkte
    Sie selbst sollen für die Zeit, in der Sie einen Angehörigen pflegen keine finanziellen Nachteile bezüglich Ihrer eigenen Rente erleiden. Daher werden Ihnen für die Pflege von Familienmitgliedern und Lebenspartnern Rentenpunkte gutgeschrieben. Zudem erhalten Sie Zuschüsse für die Beiträge zur Renten- und Krankenversicherung.
  • Umbauten
    Wenn Sie die Wohnung barrierefrei umbauen müssen, gibt es seitens der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) dafür entsprechende Unterstützungsleistungen.
  • Hilfsmittel
    Pflegehilfsmittel wie zum Beispiel ein Rollstuhl, ein Rollator oder Sachmittel werden ebenfalls von der gesetzlichen Pflegeversicherung übernommen, sofern ein entsprechender Pflegegrad vorliegt.
  • Freistellung
    Wenn die Pflege nur sehr kurzzeitig nötig ist, haben Sie Anspruch darauf, bis zu zehn Tage im Jahr seitens Ihres Arbeitgebers freigestellt zu werden. Das sogenannten Pflegeunterstützungsgeld ersetzt in dieser Zeit, die als Sonderurlaub gilt, Ihr Gehalt. Wer länger pflegt und die Arbeitsstelle daher kündigen muss, hat ein Sonderkündigungsrecht und bis zu sechs Monate Anspruch darauf, in seine Stelle zurückzukehren – ähnlich wie bei der Elternzeit.
  • Darlehen
    Bis zu einer Pflegezeit von maximal Jahren (bei einer gleichzeitigen Reduzierung Ihrer Arbeitszeit auf mindestens 15 Stunden pro Woche), haben Sie Anspruch auf ein zinsloses Darlehen des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben.

Diese Übersicht soll Ihnen als grobe Übersicht dienen. Wie Sie sehen, haben wir in den entsprechenden Abschnitten weitere Artikel verlinkt, damit Sie dort bei Bedarf nähere Einzelheiten nachsehen können.

Pflegende Angehörige: Was muss ich wissen?

Neben den oben genannten Unterstützungsleistungen, müssen Sie als pflegende Angehörige auch über Grundlagen an Pflegewissen verfügen. Die Pflegeversicherung bietet in diesem Zusammenhang kostenfreie Kurse für ehrenamtlich pflegende Angehörige an. Dort lernen Sie insbesondere:

  • Lagern und Heben
    Damit es zu keinem Dekubitus kommt, muss der Pflegebedürftige richtig gelagert werden. Außerdem ist wichtig, dass Sie lernen, wie Sie sich selbst rückenschonend bewegen, wenn Sie Ihren Angehörigen anheben oder drehen, damit Sie keinen Bandscheibenvorfall oder ähnliches erleiden.
  • Körperpflege
    Außerdem erlernen Sie in diesen Kursen Grundlagen zur Körperpflege wie das Baden, Duschen, Rasieren oder einfaches Waschen, sowie die richtige Zahn- und Mundpflege. Auch die Intimpflege spielt eine wichtige Rolle.
  • Mahlzeiten
    Hier spielt nicht nur die richtige Verabreichung von Mahlzeiten (zum Beispiel bei einer Schluckstörung) eine Rolle, sondern auch die entsprechende Zubereitung, wie beispielsweise das Anrichten von Trinknahrung.
  • Toilettengang
    Die richtige Unterstützung beim Stuhlgang sowie die Verrichtung des kleinen Geschäfts ist ebenfalls ein zentrales Element bei den Pflegekursen. Im Falle einer Inkontinenz wird auch gelehrt, wie eine Windel anzulegen oder ein Katheter-Beutel zu entleeren ist.
  • Alltagsunterstützung
    Eine wichtige Tätigkeit von pflegenden Angehörigen ist die tagtägliche Begleitung von Tätigkeiten des Alltags, wie zum Beispiel das An- und Ausziehen, das gemeinsame Spazierengehen oder die hauswirtschaftliche Versorgung.
  • Medikamentengabe
    Injektionen darf nur eine ausgebildete Pflegekraft vornehmen. Doch die Gabe von verschriebenen Tabletten können auch pflegende Angehörige übernehmen. In den Kursen lernen sie dabei die Grundlagen, warum manche von diesen Abends beziehungsweise Morgens sowie vor oder nach den Mahlzeiten verabreicht werden müssen.
  • Psychologische Unterstützung
    Gerade bei Patienten, die an Demenz leiden, ist die richtige Kommunikation ein zentrales Element der Pflegearbeit. Die Angehörigen lernen, wie sie auf die Betroffenen eingehen und sie motivieren können.
  • Schmerzmanagement
    Wenn es in Zusammenhang mit der Pflegearbeit zu Schmerzen bei den Patienten kommt, ist die richtige Gabe von Schmerzmitteln beziehungsweise das Leisten von Erster Hilfe eine wichtige Voraussetzung, um die Zeit zu überbrücken, bis Arzt oder Pflegedienst eintreffen.

Tipps: Was tun, wenn nichts mehr geht?

Wichtig ist, dass Sie als pflegende Angehörige selbst Ihre Grenzen kennen und akzeptieren. Wenn Sie sich bis zur Erschöpfung auspowern, ist niemandem geholfen. Nicht selten kann eine familiäre Pflege bei den helfenden Engeln selbst eine Depression oder ähnliches auslösen. Um dies zu verhindern, gibt es einige Möglichkeiten, wieder zu Kräften zu kommen.

  • Konzentrieren Sie sich in Ihrem Tagesablauf nicht nur auf die Pflege, sondern sorgen Sie dafür, dass auch Ihr eigenes Freundes– und Familienleben nicht zu kurz kommt.
  • Beantragen Sie selbst bei Bedarf eine Reha-Maßnahme oder eine Kur. Diese Auszeit hilft Ihnen, wieder neue Kräfte zu finden.
  • Nehmen Sie psychologische Unterstützung in Anspruch. Die Beratung eines Therapeuten oder Seelsorgers hilft Ihnen, aus dem Gedankenkarrusell auszubrechen und die Perspektive zu wechseln. Auch Selbsthilfegruppen sind hier hilfreich.
  • Reden Sie mit anderen Familienmitgliedern und bitten Sie um Hilfe. Zudem ist es keine Schande, wenn Sie sich mit der Situation überfordert fühlen und sich letztendlich doch für eine stationäre Pflege entscheiden.

Checkliste für pflegende Angehörige

Wer die Rolle als pflegender Angehöriger übernimmt, muss einiges beachten. Daher haben wir an dieser Stelle zum Abschluss noch eine Checkliste zusammengestellt, die Ihnen einen Überblick vermitteln soll, an was alles zu denken ist.

  • Ist der Tagesablauf strukturiert? Also sowohl Ihrer als auch der des Pflegebedürftigen in Zusammenhang mit externen Unterstützungen?
  • Haben Sie mit anderen Familienmitgliedern über eine Aufteilung der Pflegeaufgaben gesprochen?
  • Sind alle gesetzlichen Unterstützungsangebote ausgeschöpft (siehe oben)?
  • Ist der Arbeitgeber informiert?
  • Sind Sie psychisch und physisch tatsächlich in der Lage, die Pflegeaufgaben zu leisten?
  • Haben Sie eine professionelle Unterstützung, die Sie bei Bedarf um Rat fragen oder hinzuziehen können?
  • Muss die Wohnung umgebaut werden?
  • Welche Arznei- und Hilfsmittel werden regelmäßig benötigt?
  • Sind alle Vollmachten und Patientenverfügungen auf dem neuesten Stand?
  • Welche Kontakt- und Bewegungsmöglichkeiten gibt es für den Pflegebedürftigen?

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[Bildnachweis: Pressmaster by Shutterstock.com]
29. Oktober 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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