Pflegestufen: Diese Pflegegrade gibt es

Um sicherzustellen, dass jedem die tatsächlich benötigte Pflege zuteil wird, hat der Gesetzgeber verschiedene Pflegestufen vorgesehen. Allerdings ist dieser Begriff veraltet, denn seit der letzten Pflegereform lautet die korrekte Bezeichnung „Pflegegrad“. Da die Kategorien inhaltlich in den letzten Jahren neuen Erfordernissen angepasst werden mussten, wurden die Pflegestufen zu Pflegegraden. Wir erklären Ihnen, welche Pflegestufen und Pflegegrade es gab und gibt und worin sie sich unterscheiden. Außerdem zeigen wir Ihnen anhand einer Pflegestufen-Tabelle, wieviel Geld es bei Pflegegrad 1 bis 5 genau gibt und was man für die jeweilige Pflegestufen braucht.

Pflegestufen: Diese Pflegegrade gibt es

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Pflegestufen: Geld für Angehörige?

Allgemein gilt als pflegebedürftig, wer seinen Alltag nicht mehr völlig unabhängig von Unterstützung durch Außenstehende gestalten kann. Dabei ist es unerheblich, ob die Hilfe von Angehörigen oder professionellen Pflegediensten erbracht wird.

Pflegebedürftigkeit kann sich auf unterschiedliche Bereiche beziehen. § 14 des Elften Sozialgesetzbuches (SGB XI) definiert folgendermaßen: „Es muss sich um Personen handeln, die körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbständig kompensieren oder bewältigen können.“

In manchen Fällen kann das die Hygiene- und Körperpflege mit einschließen, in anderen reicht vielleicht ein bisschen Unterstützung im Haushalt. Abhängig davon, wie stark die Einschränkungen im Alltag waren, werden Personen nach Feststellung und Anerkennung dieser Pflegebedürftigkeit bestimmten Pflegestufen beziehungsweise Pflegegraden zugeordnet.

Dies betrifft in erster Linie die Pflegebedürftigen selbst, denn nur sie haben Anspruch auf die Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung. Indirekt kommt das Geld aber durchaus den Angehörigen zu Gute, denn Sie müssten andernfalls sämtliche Kosten aus der eigenen Tasche bezahlen, sofern bei den Pflegebedürftigen selbst keine Rücklagen vorhanden sind. Zumindest war dies früher so, bevor es die Pflegeversicherung gab.

Was bedeutet Pflegegrad und Pflegestufe?

Zum 1. Januar 2017 trat das Zweite Pflegestärkungsgesetz in Kraft, das die alten Pflegestufen in fünf neue Pflegegrade überführte. Notwendig wurde dies, da in der der alten Einteilung Demenzkranke in deutlich geringerem Umfang berücksichtigt wurden.

Bis zum 31. Dezember 2016 war von offiziell drei Pflegestufen die Rede. Die Zuteilung in eine der existierenden Pflegestufen entschieden darüber, ob eine Person Anspruch auf Pflegegeld hatte und wenn ja, in welcher Höhe. Dazu musste die Pflegebedürftigkeit ärztlich attestiert werden.

Abhängig war die Einteilung in eine der Pflegestufen davon, wieviel Zeit die pflegerische Hilfe für die notwendigen Erledigungen brauchte. Bezogen waren die Werte sowohl auf die Grundpflege (umfasst die Bereiche Ernährung, Mobilität und Körperpflege) als auch auf die hauswirtschaftliche Versorgung.

Diese Pflegegrade gibt es

Der Wechsel von einer bestimmten Pflegestufe in einen Pflegegrad wurde unter Gesichtspunkten des Bestandschutzes vollzogen, das heißt, Versicherten wird wenigstens die gleiche oder sogar höhere Leistung gewährt, keinesfalls jedoch eine Schlechterstellung.

  • Pflegegrad 1
    Hier werden Personen eingeordnet, die in ihrer Selbständigkeit nur geringfügig beeinträchtigt sind. Nach dem alten System der Pflegestufen wäre dieser Grad der Unselbständigkeit nicht erfasst worden. Somit können erst seit 2017 Menschen diesen Pflegegrad beantragen.
  • Pflegegrad 2
    Pflegegrad 2 erfasst Personen, deren Selbständigkeit erheblich eingeschränkt ist. Wer bisher in den Pflegestufen 0 oder 1 eingeordnet war, wurde zum 1. Januar 2017 ohne erneutes Gutachten automatisch in Pflegegrad 2 überführt.
  • Pflegegrad 3
    Anspruch auf Leistungen nach diesem Pflegegrad haben Versicherte, bei denen eine schwere Beeinträchtigung der Selbständigkeit vorliegt. In Pflegegrad 3 wurden Versicherte überführt, die bis Ende 2016 bereits Pflegestufe 2 zugeordnet waren. Ebenfalls erhielten automatisch Versicherte Pflegerad 3, wenn sie bei Demenz in Pflegestufe 1 eingeordnet waren, aber höhere Pflegeleistungen benötigen.
  • Pflegegrad 4
    Bei den Pflegebedürftigen ist die schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit attestiert. Für diesen Pflegegrad sind keinerlei neue Anträge oder Begutachtungen notwendig. Wer Pflegestufe 2 mit eingeschränkter Alltagskompetenz oder aber Pflegestufe 3 war, erhielt nun Pflegegrad 4.
  • Pflegegrad 5
    Dieser Pflegegrad erfasst die alte Härtegradregelung im Pflegestufensystem. Pflegegrad 5 erhalten Versicherte, deren schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen für die pflegerische Versorgung einhergeht.
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Pflegestufen Tabelle: Wieviel Geld gibt es?

Wieviel Geld es für jede Pflegestufe gibt, ist davon abhängig, welche Art der Pflege notwendig ist. Unterschieden wird dabei zwischen ambulanter und stationärer Pflege.

Bei der ambulanten Pflege gibt es drei Arten von monatlichen Leistungen:

  • Pflegegeld:
    Das Pflegegeld steht den pflegenden Angehörigen als Ausgleich für ihre Leistungen zu.
  • Pflegesachleistungen:
    Als Pflegesachleistungen gelten die Kosten, welche die professionelle Pflegekräfte beanspruchen.
  • Entlastungbetrag:
    Der Entlastungsbetrag soll pauschal die Unkosten decken, die in Zusammenhang mit der Pflege entstehen.

Letzterer beträgt immer 125 Euro – in jedem Pflegegrad. Ebenfalls unabhängig von der Höhe des Pflegegrades stehen zudem 60 Euro für Pflegehilfsmittel, 23 Euro für einen Hausnotruf sowie 214 Euro Wohngruppenzuschuss zu – sofern die einzelnen Posten nachweisbar sind.

Dazu kommen ab Pflegegrad 2 noch jährlich jeweils bis zu 1.612 Euro Kurzzeitpflege und die Verhinderungspflege.

Einmalig können von der Pflegeversicherung zudem in jedem Pflegegrad bis zu 4.000 Euro für die Wohnraumanpassung, also den barrierefreien Umbau, gewährt werden.

Die weiteren Leistungen sind abhängig vom Pflegegrad und sollen im folgenden genauer aufgeschlüsselt werden:

Pflegesachleistungen bei ambulanter Pflege

Wer unter Pflegegrad 2 bis 5 fällt, erhält Geld für die Pflege im Rahmen einer häuslichen oder ambulanten Versorgung. Pro Monat können Sie mit folgenden Geldleistungen für Pflegesachleistungen rechnen, wenn Sie durch einen Pflegedienst oder in einer Einrichtung ambulant versorgt werden:

  • Pflegegrad 1: mit 0 Euro
  • Pflegegrad 2: mit 689 Euro
  • Pflegegrad 3: mit 1.298 Euro
  • Pflegegrad 4: mit 1.612 Euro
  • Pflegegrad 5: mit 1.995 Euro

Pflegegeld bei ambulanter Pflege

Wer Pflegerad 2 bis 5 erhält und stattdessen von Angehörigen, Freunden oder Bekannten gepflegt wird, kann Pflegegeld für die häusliche Pflege beantragen. Hier können Sie monatlich mit folgenden Leistungen rechnen:

  • Pflegegrad 1: mit 0 Euro
  • Pflegegrad 2: mit 316 Euro
  • Pflegegrad 3: mit 545 Euro
  • Pflegegrad 4: mit 728 Euro
  • Pflegegrad 5: mit 901 Euro

Leistungen bei stationärer Pflege

Für die vollstationäre Pflege in einem Pflegeheim stehen diese Mittel bereit:

  • Pflegegrad 1: 0 Euro
  • Pflegegrad 2: 770 Euro
  • Pflegegrad 3: 1.262 Euro
  • Pflegegrad 4: 1.775 Euro
  • Pflegegrad 5: 2.005 Euro

Wichtig zu wissen: Sie dürfen auch ohne anerkannte Pflegestufen in ein Pflegeheim ziehen – müssen die Kosten allerdings selbst bezahlen.

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Pflegestufen beantragen: Wann welcher Pflegegrad gilt

Für die Einteilung in einen der fünf Pflegegrade ist der Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) verantwortlich. In seinem Prüfungsverfahren (Neues Begutachtungsassessment, kurz NBA) wird die Selbständigkeit der zu begutachtenden Person anhand eines Fragenkataloges ermittelt. Entsprechend der Beantwortung werden Punkte nach einem bestimmten Punktesystem vergeben.

Begutachtet werden folgende Bereiche (inklusive der Gewichtung am Gesamtergebnis in Prozent):

  • Körperliche Mobilität: 10 Prozent
    Dies schließt nicht nur das Gehen und Treppensteigen ein, sondern beispielsweise auch den Positionswechsel im Bett oder dass eine Person aufrecht sitzenbleiben kann.
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten: 7,5 Prozent
    Kann der Patient sich noch klar verständigen und Bedürfnisse artikulieren, ist seine Entscheidungsfähigkeit eingeschränkt, wie steht es um die räumliche und zeitliche Orientierung?
  • Fähigkeit zur Selbstversorgung: 40 Prozent
    Das schließt die elementare Körperpflege wie waschen, Zähne putzen, Haare bürsten ein sowie selbständiges An- und Ausziehen und Zubereitung der Nahrung. Auch Ausscheidungen und der Umgang mit Dauerkatheter und Stomabeutel im Falle von Inkontinenz fallen unter diesen Punkt.
  • Allgemeines Verhalten: 7,5 Prozent
    Welche Verhaltensweisen zeigt der Patient? Hierunter fallen sowohl motorische als auch psychisch schwierige Reaktionen und Handlungen wie etwa aggressives, lautes Verhalten aber auch nächtliche Unruhe oder depressive Verstimmungen.
  • Umgang mit Belastungen: 20 Prozent
    Hierunter ist vor allem der Umgang mit Krankheiten und ihren Folgen zu verstehen. Hält der Patient sich an die notwendige Medikation? Braucht er Hilfe bei Arztbesuchen und Therapien?
  • Gestaltung des Alltags: 15 Prozent
    Im Fokus steht hier, inwieweit der Patient seinen Tag noch selbst strukturieren kann. Eine große Rolle spielen dabei sozialen Kontakte zu anderen Menschen und Interaktionen mit der Umwelt.

Je höher die Punktzahl ausfällt, desto höher ist der Pflegegrad – und mit steigendem Pflegegrad steigen die Leistungen der Pflegekasse.

Was braucht man für Pflegestufe 1 bis 5 konkret?

Was muss man für Pflegestufe eins erfüllen? Wann bekommt man Pflegegrad zwei, drei, vier oder fünf? Die Entscheidung darüber trifft der MDK nicht etwa nach Gutdünken – dafür gibt es klare Punkteverteilungen:

  • 12,5 bis unter 27 Punkte: Pflegegrad 1
  • 27 bis unter 47,5 Punkte: Pflegegrad 2
  • 47,5 bis unter 70 Punkte: Pflegegrad 3
  • 70 bis unter 90 Punkte: Pflegegrad 4
  • 90 bis 100 Punkte: Pflegegrad 5

Den Antrag auf Feststellung eines Pflegegrades stellen Sie formlos bei Ihrer Pflegekasse, die Ihrer Krankenversicherung zugeordnet ist. In der Folge nimmt ein Gutachter Kontakt zu Ihnen auf und vereinbart mit Ihnen einen Begutachtungstermin um die Pflegebedürftigkeit festzustellen. Der Bescheid wird Ihnen anschließend postalisch mitgeteilt.

Widerspruch gegen die Pflegestufe einlegen

Sofern die Eingruppierung in einen Pflegegrad Ihrer Meinung nach falsch vorgenommen wurde, können Sie Widerspruch einlegen. Ein entsprechendes Formular können Sie sich hier kostenlos als WORD– oder PDF-Datei herunterladen.

Andernfalls ist der Pflegegrad bindend. Sollte sich die Pflegebedürftigkeit verschlimmern, muss ein neuer Antrag gestellt werden (der sogenannte Höherstellungsantrag), der wiederum eine neue Prüfung zur Folge hat.

Praxistipp: So reiche ich die Rechnungen bei der AOK ein

Sobald der Pflegegrad bindend feststeht, läuft alles sehr unkompliziert: Entweder der Pflegedienst beziehungsweise das Pflegeheim rechnen ihre Leistungen direkt mit der Pflegeversicherung (AOK, Barmer, BKK oder ähnliche) ab.

Oder – sofern Sie für bestimmte Leistungen in Vorleistungen gegangen sind – Sie schicken die Rechnungen mit einem kurzem Begleitschreiben direkt an Ihre Pflegekasse.

Dieser Antrag kann formlos erfolgen. Er sollte lediglich den Namen der versicherten Person, die Versichertennummer, den Grund der Leistungen sowie die Kontoverbindung enthalten.

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Einteilung der alten Pflegestufen

Auch wenn umgangssprachlich bei den aktuellen Pflegegraden immer noch von den Pflegestufen gesprochen wird, ist es wichtig, diese voneinander zu unterscheiden. Zum Vergleich zu den genannten Pflegegraden seien die alten Pflegestufen angeführt, die sich folgendermaßen gestalteten:

  • Pflegestufe 1
    Diese Pflegestufe wurde bei erheblicher Pflegebedürftigkeit gewährt. Kriterium dafür war ein Pflegeaufwand von mehr als 90 Minuten täglich, wobei 45 Minuten auf die Grundpflege entfielen.
  • Pflegestufe 2
    Diese Pflegestufe wurde bei schwerer Pflegebedürftigkeit gewährt. Kriterium dafür war ein Pflegeaufwand von mindestens 180 Minuten täglich, davon mindestens 120 Minuten für die Grundpflege.
  • Pflegestufe 3
    Diese Pflegestufe wurde bei schwerster Pflegebedürftigkeit gewährt. Kriterium dafür war ein Pflegeaufwand von mindestens 300 Minuten täglich, davon mindestens 240 Minuten für die Grundpflege.

Als „Pflegestufe 0“ wurde zusätzlich zu den anderen drei Pflegestufen noch eine Stufe ins Pflegestufensystem eingeführt, die erst mit der Pflegereform von 2008 hinzugefügt wurde. Für diese wurde eine Pflegebedürftigkeit festgestellt, die noch nicht einmal für Pflegestufe 1 reichte und auch sonst nicht den Kriterien der anderen drei Pflegestufen.

Betroffen waren hiervon vor allem Demenzkranke, psychisch Erkrankte und geistig behinderte Menschen. Diese Gruppe von Betroffenen besitzt meist die körperliche Fitness, um theoretisch den Alltag meistern zu können. Der Anspruch auf Leistungen aus der Pflegeversicherung bezog sich vor allem auf Betreuung und Beaufsichtigung, weniger auf medizinische Pflege.

Eine weitere Ausnahme stellte die Härtegradregelung bei schwerster Pflegebedürftigkeit dar, so dass im alten Pflegestufensystem quasi ebenfalls fünf verschiedene Abstufungen existierten. In diese Kategorie fielen Patienten, die Hilfe in einem weitaus größeren Ausmaß benötigten, als in Stufe 3 definiert war.

Lücken bei Demenz machten Reform notwendig

In einer immer älter werdenden Gesellschaft ist allerdings gerade die Demenz ein großes Problem. So wurde vielfach zurecht kritisiert: Was nützt das körperliche Vermögen, wenn die betroffene Person einfach nicht mehr weiß, wie man sich wäscht? Oder schlichtweg vergisst, dass die Herdplatte ausgestellt werden muss?

Die Notwendigkeit, die Pflegebedürftigkeit Demenzerkrankter und solcher Menschen anzuerkennen und entsprechend zu erfassen, die durch das gültige Raster fielen, sah letztlich auch der Gesetzgeber. In dem seit 2017 gültigen Pflegestärkungsgesetz finden daher nicht nur die drei regulären Pflegestufen, sondern auch die Pflegestufe 0 und die Härtefallregelung Eingang.

Dazu kommt eine weniger quantitative, sondern mehr qualitative Betrachtungsweise. Die alten Pflegestufen führten zu regelrechter Fließbandarbeit, in der ungeachtet tatsächlicher Bedürfnisse im Minutentakt das Notwendigste erledigt wurde.

Daran hatten auch die Pflegestufe 0 und die Härtefallregelung wenig geändert. Bei den Pflegegraden steht nun nicht mehr im Vordergrund, wie lange der Zeitaufwand des Pflegepersonals beträgt, sondern wie selbständig die betroffene Person noch agieren kann. Die Bewertung der Alltagskompetenz richtet sich nun neben körperlichen auch nach kognitiven und geistigen Beeinträchtigungen.

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[Bildnachweis: Herbstlust.de]

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