Phasen einer Beziehung: In welcher stecken wir?

Erste Schmetterlinge, Zweifel oder innige Liebe – Paare durchlaufen verschiedene Phasen einer Beziehung. Eins der bekanntesten Modelle sind die fünf Phasen einer Beziehung nach dem Paartherapeuten Roland Weber. Wir erläutern die Kennzeichen dieser Beziehungsphasen und ihre (ungefähre) Dauer. Außerdem: Worin die jeweiligen Herausforderungen liegen und wie Sie diese meistern…

Phasen einer Beziehung: In welcher stecken wir?

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Die fünf Phasen einer Beziehung

Jede Liebesbeziehung durchläuft verschiedene Phasen. Darin lässt sich erkennen, wie sich die Beziehung von den anfänglichen Verliebtheitsgefühlen hin zu einer tiefen Liebe verändert. Jede einzelne Phase ist durch bestimmte Herausforderungen gekennzeichnet, die Paare überwinden müssen:

1. Phase der Verliebtheit

Gleich zu Beginn einer Liebesbeziehung tauchen Sie in diese Phase ein. Sie sind vernarrt in Ihren Partner, wollen am liebsten jede freie Minute gemeinsam verbringen. Sie führen stundenlange Gespräche, schreiben sich zahllose Nachrichten oder Liebesbriefe. Ihr Partner erscheint in jeder Hinsicht perfekt. Sie haben die rosarote Brille auf, die Sie abschirmt vor den Macken und Fehlern des anderen.

Nähe, Zärtlichkeit und Sex spielen in dieser Phase einer Beziehung eine große Rolle. Er oder sie ist Ihr Mittelpunkt. In dieser Zeit brauchen Sie niemand anderen. Für Ihre Freunde, Familie, Nachbarn und Bekannte sind Sie abgetaucht. Sie verspüren starke Verliebtheit. Als Paar sind sie unzertrennlich. Die Aufmerksamkeit beider Partner liegt komplett auf der Beziehung.

Herausforderung:
Sich selbst nicht zu verlieren und andere soziale Kontakte nicht völlig zu vernachlässigen.

2. Phase der Entzauberung

Nach einiger Zeit flacht die Intensität der Verliebtheitsgefühle ab. Viele Paare stürzen dann urplötzlich von Wolke sieben auf den harten Boden der Realität. In dieser Phase trennen sich die meisten Paare. So langsam kehrt Alltag in die Beziehung ein. Sie nehmen die rosarote Brille ab.

Dadurch erkennen Sie Eigenheiten, die Sie vorher völlig ausgeblendet haben. Es macht sie wahnsinnig, dass er überall seine schmutzige Wäsche liegen lässt und derbe Witze reißt. Er ist genervt davon, dass sie morgens stundenlang im Bad braucht und an keinem Schuhladen vorbeigehen kann ohne einen Blick reinzuwerfen. In dieser Phase offenbart sich die Persönlichkeit des anderen mit all seinen Stärken und Schwächen. Es kommt zu ersten Streits.

Herausforderung:
Akzeptieren, dass die berauschenden Verliebtheitsgefühle abklingen. Und dass niemand perfekt ist.

3. Phase der Machtkämpfe

Die Beziehung muss eine Belastungsprobe überstehen. Nachdem beide die Schwächen des anderen kennengelernt haben, kommen die Zweifel. Waren zu Beginn der Beziehung beide überzeugt, den Partner/die Partnerin fürs Leben gefunden zu haben, fragen sie sich jetzt: Passen wir wirklich zusammen? Die Machtkämpfe und Umerziehungsversuche starten. Keiner will klein beigeben und jeder das letzte Wort haben. Sie streiten nicht mehr nur über Kleinigkeiten, sondern über entscheidende Punkte in der Beziehung. Ungelöste Konflikte werden zu einer Beziehungskrise.

Es ist der Versuch, die Gegensätze zu bekämpfen. Vor allem Frauen tendieren in dieser Phase dazu, den Partner umerziehen zu wollen. Dahinter steckt der Wunsch, den Partner beziehungsweise die Beziehung nach den eigenen Wünschen zu formen. Für beide ist das eine der schwierigen und anstrengenden Phasen einer Beziehung. Viele Paare überstehen diese Zeit nicht und beenden die Beziehung.

Herausforderung:
Lernen, den anderen mit all seinen Fehlern und Schwächen zu lieben. Diese Phase zu überstehen erfordert Mut und Kompromissfähigkeit.

4. Phase der eigenen Persönlichkeitsentwicklung

Wer es bis hier hin geschafft hat, hat einiges geleistet. Die Beziehung hat sich etabliert. Nach der anstrengenden Phase der Machtkämpfe steuert die Beziehung nun wieder in ruhigeres Fahrwasser. Die wichtigste Errungenschaft: Sie kennen nicht nur die Schwächen und Macken Ihres Partners, Sie haben auch gelernt, diese zu akzeptieren und Ihren Partner so anzunehmen, wie er ist.

Nun ist wieder Raum für die eigene Persönlichkeitsentwicklung. Die freigewordene Energie kann in das Erreichen eigener Ziele und das Ausleben von Wünschen und Träumen gesteckt werden. Sie nehmen sich Zeit für sich selbst. Von Ratschlägen und Kritik Ihres Partners fühlen Sie sich nicht länger angegriffen.

Herausforderung:
Die Beziehung nicht aus den Augen zu verlieren, eine Balance zwischen der dem Ich, dem Du und dem Wir finden.

5. Phase tiefer Liebe

Sie sind angekommen. Sie haben eine Vertrautheit und innige Beziehung zu Ihrem Partner aufgebaut. Ihre Beziehung hat schon einige Hürden überwunden und kann nun nicht mehr so leicht erschüttert werden. Sie haben in Ihrem Partner Ihr emotionales Zuhause gefunden. Aus zwei Individuen ist ein Team geworden. In dieser Phase fällt häufig die Entscheidung, gemeinsam durchs Leben zu gehen und sich dauerhaft zu binden. Sie kennen Ihren Partner sehr gut und spüren eine tiefe Verbundenheit. Sie wissen, dass Sie sich in Krisenzeiten auf Ihren Partner verlassen können und diese gemeinsam überstehen.

Herausforderung:
Das Interesse und die Liebe für einander zu behalten.

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Phasen einer Beziehung: Dauer der Beziehungsphasen

Zwar lassen sich keine allgemeingültigen Angaben zur Dauer einer Beziehungsphase machen. Denn ein Stück weit hängt es davon ab, wie stark ein Paar an sich und der Partnerschaft arbeitet. Aber immerhin gibt es grobe Annäherungswerte:

  1. Phase der Verliebtheit
    Durchschnittlich drei bis 18 Monate
  2. Phase der Entzauberung
    Meistens im zweiten Jahr der Beziehung
  3. Phase der Machtkämpfe
    Diese Phase beginnt oft im dritten Jahr der Beziehung und kann sich über mehrere Jahre erstrecken.
  4. Phase der eigenen Persönlichkeitsentwicklung
    In dieser Phase sind Sie schon mehrere Jahre mit Ihrem Partner zusammen. Meistens vier bis fünf Jahre. Um eine gemeinsame Balance zu finden, kann es auch bis zu einem Jahr dauern.
  5. Phase tiefer Liebe
    Unbegrenzt
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Streit, Macken, Liebe: Tipps für Beziehungsphasen

Zu wissen in welcher Beziehungsphase Sie sich als Paar befinden, macht zwar gelassener. Aber es löst nicht Probleme, denen Sie in den Phasen einer Beziehung gegenüberstehen. Folgendes raten Paartherapeuten:

  • Kontakte: Phase der Verliebtheit

    Genießen Sie diese Zeit der intensiven Gefühle. Seien Sie sich jedoch bewusst, dass diese Phase eine sehr kurze ist und die Gefühle füreinander sich verändern werden. Große, zukunftsweisende Entscheidungen wie zusammenzuziehen oder zu heiraten wären unklug. In dieser Phase sind Sie berauscht von Gefühlen und tendieren dazu, die Tragweite solcher Entscheidungen zu unterschätzen. Achten Sie auch darauf, sich nicht völlig in der Beziehung zu verlieren. Halten Sie trotzdem Kontakt zu Familie und Freunden. Unternehmen Sie getrennt vom Partner etwas.

  • Eigenheiten: Phase der Entzauberung

    Zur Entwarnung: Das Abebben anfänglicher Verliebtheitsgefühle ist normal. Deshalb ist die Beziehung noch lange nicht am Ende. Vielmehr ergibt sich die Chance, dass aus Verliebtheit Liebe werden kann. Doch dafür müssen Sie Arbeit in die Beziehung investieren. Zum Beispiel nachsichtig mit den Schwächen Ihres Partners sein und sich auf die Stärken konzentrieren. Natürlich wird es Streitigkeiten geben. Doch gerade, wenn Sie neu in diese Phase der Beziehung kommen, können Sie eine Streitkultur etablieren. Sorgen Sie dafür, dass Streitigkeiten nicht eskalieren, sie einander auch im Streit respektvoll behandeln und gemeinsam eine Lösung suchen.

  • Streit: Phase der Machtkämpfe

    Das ist die anstrengendste Phase und Sie werden viel streiten. Weil es nicht nur um Kleinigkeiten geht, wird das Finden einer Lösung zur Herausforderung. Deswegen ist es besonders wichtig, dass sich beide mit Kompromissbereitschaft begegnen. Sie müssen lernen, dass keiner von Ihnen den anderen gegen seinen Willen verändern kann. Das wird Sie beide Ausdauer, Geduld und Kraft kosten. Viele Paare scheitern an dieser Herausforderung. Was Sie durch diese schwere Zeit lotsen wird, ist das unverbrüchliche Gefühl, dass es sich lohnt, so viel Mühe in die Beziehung zu stecken. Und dass Sie beide zusammengehören.

  • Freiraum: Phase der eigenen Persönlichkeitsentwicklung

    In dieser Phase einer Beziehung ist die Partnerschaft gefestigt. Jetzt kommt es darauf an, dem Partner Freiraum für eigene Persönlichkeitsentwicklung zu geben. Sie brauchen die Gelassenheit zu wissen, dass es völlig in Ordnung ist, dass der Partner nicht alle Interessen teilt. Stattdessen kann er oder sie eigenen Hobbys nachgehen und einen eigenen Freundeskreis pflegen, ohne dass es der Beziehung schadet. Gemeinsam loten Sie immer wieder aus: Was sind meine Bedürfnisse? Was sind deine Bedürfnisse? Was tut unserer Beziehung gut?

  • Gemeinsamkeiten: Phase tiefer Liebe

    Bis zu diesem Punkt haben Sie die größten Hürden genommen. Großartig! Doch viele Paare tappen in die Falle, dass sie glauben, keine Arbeit mehr in ihre Beziehung stecken zu müssen. Falsch. Es geht nicht mehr darum, den Partner kennenzulernen und einen gemeinsamen Weg zu finden. Das haben Sie geschafft. Jetzt geht es darum, sich immer wieder neu kennenzulernen. Nehmen Sie sich bewusst Zeit füreinander. Probieren Sie gemeinsam Neues aus. Schaffen Sie gemeinsame Erinnerungen und Erlebnisse. Dadurch verhindern Sie, dass es nach Jahren in einer Beziehung kein Miteinander, sondern nur noch ein Nebeneinander gibt.

Wozu die Einteilung in Phasen?

Die Phasen einer Beziehung zu kennen, hat verschiedene Vorteile. Denn so wissen Sie im Voraus, was in Ihrer Partnerschaft auf Sie zukommt. Das kann mehr Gelassenheit angesichts beobachtbarer Veränderungen bewirken. Auch kann es Sie dabei unterstützen, sich darauf vorzubereiten.

Manche Modelle sehen sechs oder sogar acht Phasen einer Beziehung. Sie enthalten ebenfalls die genannten fünf Phasen. Zusätzlich schalten einige eine Phase der Partnerwahl vor oder fügen sexuelle Experimentierfreude dazwischen. Da die Partnersuche für gewöhnlich VOR einer Beziehung stattfindet, kann man sie streng genommen nicht als Beziehungsphase definieren. Ebenso wenig ist Erotik klar an bestimmte Phasen gebunden, wenngleich die Häufigkeit abnehmen kann.

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[Bildnachweis: tynyuk by shutterstock.com]

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