Raubüberfall: Was tun?

Immer wieder ist in den Medien von dem einen oder anderen brutalen Raubüberfall zu hören oder zu lesen. Und viele – insbesondere ältere – Menschen ängstigen sich davor. So mancher traut sich nicht mehr alleine in menschenleere Gebiete wie zum Beispiel den Friedhof. Doch wie sehr bilden solche Meldungen die tatsächliche Gefahr ab, Opfer eines Raubüberfalls zu werden? Was zählt überhaupt als Raubüberfall? Und wie reagieren Sie am besten, wenn Sie überfallen werden? Wir beleuchten die wichtigsten Fragen für Sie.

Raubüberfall: Was tun?

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Raubüberfall Bedeutung: Was ist ein Raubüberfall?

Bei einem Raubüberfall kommen zwei Dinge zusammen: Der Raub und der Überfall. Es handelt sich also zum einen um ein Eigentumsdelikt – nämlich, dass Sie bestohlen werden – und zum anderen um ein Gewaltdelikt.

Im Gegensatz zu einem einfachen Taschendiebstahl ist bei einem Raubüberfall also immer körperliche Gewalt oder zumindest die Androhung einer solchen im Spiel. Der Täter greift das Opfer also entweder an, um an seine Beute zu kommen oder aber bedroht es mit einer Waffe – meist ein Messer oder eine Schusswaffe.

Dies betrifft häufig Angestellte an der Kasse – zumindest dort, wo die Täter viel Bargeld vermuten. Aber auch einfache Bürger auf der Straße können Opfer von einem Raubüberfall werden, in dem es die Täter zum Beispiel auf ihre Handtasche abgesehen haben.

Raubüberfall: Strafe

Ein Raubüberfall ist immer eine Straftat. Somit wird er nach dem Strafgesetzbuch (StGB) geahndet. Welche Strafe für Raubüberfall droht, hängt letztendlich von der Schwere der Tat ab. Dies entscheidet der jeweilige Richter, sofern der Täter ausfindig gemacht werden kann.

Nach Paragraph 249 Strafgesetzbuch beträgt die Mindeststrafe für einen Raubüberfall ein Jahr Freiheitsentzug. Nach Paragraph 250 Strafgesetzbuch erhöht sich diese Mindeststrafe auf fünf Jahre, sofern für das Opfer Lebensgefahr drohte. Dies ist immer der Fall, wenn eine Waffe mit im Spiel ist.

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Raubüberfall: Was tun?

Was tun bei Raub? Diese Frage stellen sich diejenigen, die Opfer eines Raubüberfalls geworden sind. Es ist aber auch wichtig, sich damit bereits im Vorfeld zu beschäftigen. Nur dann können Sie in solch einer schlimmen Situation unter Schock adäquat handeln.

Daher die wichtigsten Tipps, wenn Sie Opfer von einem Raubüberfall geworden sind:

  • Melden Sie den Raubüberfall umgehend bei der Polizei und erstatten Sie Anzeige. Selbst wenn der Überfall nicht erfolgreich war oder Sie nur wertlose Dinge an den Täter verloren haben.
  • Rufen Sie sich unmittelbar nach der Tat den Ablauf des Raubüberfalls noch einmal ins Bewusstsein und suchen Sie nach Zeugen für die Tat. Notieren Sie sich deren Name, Anschrift und Telefonnummer.
  • Falls Sie verletzt wurden, sollten Sie umgehend einen Arzt konsultieren – selbst wenn es sich nach Ihrer Meinung nur um eine leichte Verletzung handelt. Lassen sich die Behandlung und die Verletzung auch für eventuelle Schmerzensgeldansprüche vom Arzt dokumentieren.
  • Melden Sie den Raubüberfall Ihrer Hausratversicherung. Die meisten Hausratversicherungen decken den finanziellen Schaden bei Raubüberfall ab – auch wenn dieser auf der Straße passiert ist.

So reagieren Sie bei einem Angriff richtig

Auch im Moment des Raubüberfalls selbst können Sie einiges richtig machen. Zunächst einmal rät die Polizei dazu, keine Waffen beziehungsweise andere Abwehrgeräte mit sich zu führen. Dazu zählt auch das oft benutzte Pfefferspray.

Denn zum einen können solche Gegenstände in ungeübten Händen schnell zum Schaden für Sie selbst oder andere unschuldige Passanten werden. Zum anderen machen diese Abwehrwaffen viele Täter nur noch nervöser, aggressiver und mitunter gewaltbereiter.

Weitere Tipps, wie Sie bei einem Raubüberfall reagieren sollten:

  • Bleiben Sie möglichst ruhig und passiv. Provozieren Sie den Täter nicht und versuchen Sie nicht, den Helden zu spielen.
  • Leisten Sie keine Gegenwehr und geben Sie geforderten Gegenstände heraus. Kein Geld der Welt ist soviel wert wie Ihre Gesundheit und Ihr Leben.
  • Verfolgen Sie den Täter nicht auf eigene Faust, sondern rufen Sie die Polizei oder den Notruf unter den Telefonnummern 110 beziehungsweise 112.
  • Verändern Sie nichts am Tatort, bis die Polizei eingetroffen ist.
  • Fordern Sie gezielt und laut Hilfe von einzelnen Personen – am besten mit einer konkreten Anrede, einer Situationsbeschreibung und einer deutlichen Anweisung. Zum Beispiel: „Sie, der Herr in der grüngestreiften Jacke. Ich werde angegriffen. Rufen Sie bitte die Polizei“.

Selbstverteidigungskurse gegen Raubüberfall?

Viele Menschen absolvieren Selbstverteidigungskurse, um sich bei einem Raubüberfall entsprechend zur Wehr setzen zu können. Diese Gegenwehr ist wie oben erwähnt jedoch nicht unbedingt klug.

Dennoch ist ein solcher Selbstverteidigungskurs nicht überflüssig. Denn selbst, wenn Sie nicht mit dem Täter kämpfen sollten, so haben solche Kurse doch einige Vorteile:

  • Sie fühlen sich sicherer und strahlen weniger Angst aus. Täter suchen sich schwache Opfer, keine Gegner. Eine sichere Körpersprache verhindert womöglich einen Raubüberfall von vornherein.
  • Sie setzen sich gedanklich mit gefährlichen Situationen auseinander und können entsprechend ruhiger und gelassener reagieren und so die Gefahr deeskalieren.
  • Sie trainieren Ihre Kondition, Ihre Geschicklichkeit und Ihr Herz-Kreislauf-System. So kann Ihr Körper besser mit der Ausschüttung der Stresshormone umgehen, die bei einem Raubüberfall zwangsläufig ausgeschüttet werden.
  • Sie lernen, wie Sie verbal in gefährlichen Situationen deeskalieren können.
  • Sie lernen, wie Sie sich bei einer Gewaltattacke mit Alltagsgegenständen vor körperlichen Verletzungen schützen können – beispielsweise mit einem Stock oder einem Regenschirm.
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Raubüberfall: Tipps zur Vorbeugung

Um gar nicht erst Opfer eines Raubüberfalls zu werden, haben wir einige Tipps für Sie, wie Sie solche gefährlichen Situationen vermeiden können:

  • Beobachten Sie Ihre Umgebung und Ihre Mitmenschen stets genau – sowohl deren Körpersprache als auch deren Verhaltensweisen.
  • Meiden Sie vor allem bei Dunkelheit einsame Gegenenden oder schlecht beleuchtete Gebiete. Gehen Sie lieber einen Umweg über die Hauptstraße, sofern möglich.
  • Lässt sich das dennoch nicht vermeiden, dann telefonieren Sie auf dunklen, einsamen Wegen mit einer Vertrauensperson – dies hat schon manchen Täter abgeschreckt und gibt Ihnen auch ein besseres Gefühl.
  • Tragen Sie möglichst wenig Geld und Wertgegenstände mit sich herum und führen Sie diese eng am Körper. Keinesfalls sollten Sie diese offen zur Schau tragen.
  • Gehen Sie nach Möglichkeit nicht alleine. Dies gilt insbesondere beim Gang zum Geldautomaten, wo Ihre Begleitperson die Umgebung im Blick haben kann, währen Sie das Geld abheben.
  • Hören Sie auf Ihr Gefühl. Wenn Sie sich unwohl fühlen, dann meiden Sie Gegenden oder Situationen, die Ihnen Angst machen. Denn diese Angst strahlen Sie unwillkürlich aus und animiert womöglich so manchen Täter erst zu einem Raubüberfall.
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Wie hoch die Gefahr eines Raubüberfalls?

Ein brutaler Raubüberfall wird medial fast immer ausführlich hochgekocht. Das liegt daran, dass sich damit Einschaltquoten, Klickzahlen beziehungsweise Auflage machen lässt.

Doch wie hoch ist realistisch gesehen das Risiko, Opfer eines Raubüberfalls zu werden? Dies lässt sich nicht pauschal beantworten. Denn zunächst kommt es auf die Umgebung an. Mit Abstand die meisten Raubüberfälle spielen sich in Großstädten von über 500.000 Einwohnern ab.

Dabei handelt es sich meist um junge Täter. In Regionen, in denen vorwiegend ältere Menschen oder Familien wohnen, ist das Risiko für einen Raubüberfall also geringer. Vor allem dort, wo viele junge Menschen auf wenige ältere oder schwache Personen treffen.

Dennoch ist statistisch gesehen die Gefahr, Opfer eines Raubüberfalls zu werden, in Deutschland vergleichsweise gering. Laut Statista werden finden hierzulande pro Jahr etwa 30 versuchte Raubüberfälle auf Passanten pro 100.000 Einwohner statt.

Das sind also etwas mehr als zwei pro Monat in einer durchschnittlichen, größeren Stadt – also vergleichsweise wenig, wenn man bedenkt, wieviele Menschen tagtäglich unterwegs sind.

Täter sind in der Regel männlich

Ein Raubüberfall wird mit großer Wahrscheinlichkeit von einem männlichen Täter verübt: knapp 94 Prozent der Gewalttäter sind gemäß der Polizeistatistik Männer.

Nicht selten spähen sie die Umgebung aus und warten auf ein geeignetes Opfer, das ihnen schwach und hilflos vorkommt und zugleich reiche Beute verspricht.

Ein Raubüberfall kann aber auch eine spontane Impulshandlung sein. In diesen Fällen handelt es sich meist um unsichere und daher aggressivere und unberechenbare Täter. Sobald diese sich beobachtet fühlen, lassen Sie dann meist von Ihrem Vorhaben ab.

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