Reiseapotheke: So sind Sie für Ihren Urlaub gerüstet

Wer viel unterwegs ist, der weiß, dass einen gerade in fernen Ländern schnell Krankheiten ereilen können. Um für den Notfall gewappnet zu sein, gehört daher eine umfangreiche Reiseapotheke mit ins Gepäck. Gerade bei kleineren Verletzungen und Erkrankungen kann sie schnell Abhilfe oder Linderung verschaffen, ohne dass man lange nach einem Arzt suchen muss. Doch was gehört eigentlich in eine Reiseapotheke? Wir haben einige Tipps dazu, was es zu beachten gilt und außerdem eine Checkliste für Ihren nächsten Urlaub…

Reiseapotheke: So sind Sie für Ihren Urlaub gerüstet

Definition: Was ist eine Reiseapotheke?

Eine Reiseapotheke ist nicht etwa eine spezielle Apotheke, die nur Medikamente für Reisen anbietet, sondern eine Grundausstattung an medizinischen Produkten, die Reisende im Gepäck haben sollten, um unterwegs für den Fall einer Erkrankung oder eines kleinen Unfalls gerüstet zu sein. Sie soll Notfällen vorbeugen oder zumindest die Erstversorgung gewährleisten.

Insbesondere die typischen Reisekrankheiten, wie Durchfall oder Kopfschmerzen, die zum Beispiel aufgrund ungewohnter Ernährung oder Jetlag entstehen, aber auch kleinere Verletzungen, können mit einer gut ausgestatteten Reiseapotheke schnell selbst in den Griff bekommen werden, ohne dass ein Arztbesuch notwendig wird.

Warum ist eine Reiseapotheke sinnvoll?

Manch einer mag sich fragen, ob es überhaupt einen Sinn macht, eine Tasche mit Medikamenten und anderem medizinischem Equipment in den Urlaub mitzuführen. Schließlich gibt es an den meisten Urlaubsorten gut ausgestattete Apotheken, die sogar unter Umständen auf die vor Ort typischen Erkrankungen bessere und wirkungsvollere Medikamente vorrätig haben.

Diese Annahme ist allerdings in den meisten Fällen ein Trugschluss. Die Ausstattung von Apotheken in aller Welt ist durchaus unterschiedlich und in vielen Ländern deutlich schlechter als in Deutschland.

Zudem ist nicht automatisch davon auszugehen, dass sich in der unmittelbaren Nähe der Unterkunft auch gleich eine Apotheke befindet, die zur entsprechenden Zeit auch noch geöffnet hat. Für den Notfall gewappnet zu sein und zeitnah mit Erste-Hilfe-Maßnahmen reagieren zu können, ist gerade im Urlaub wichtiger denn je.

Denn zu der unklaren Versorgungslage kommen meist noch Sprachbarrieren, wenn es darum geht, genau das geeignete Medikament zu kaufen.

Ein weiteres Argument ist die Verträglichkeit. Wer gewisse Medikamente aus Deutschland gewohnt ist, kann nicht automatisch davon ausgehen, dass die Zusammensetzung und die Dosierung der Inhaltsstoffe im Ausland genau gleich sind. Und gerade in einigen asiatischen und afrikanischen Ländern kommt außerdem noch die Problematik dazu, dass selbst in seriös aussehenden Apotheken wissentlich oder unabsichtlich Fälschungen vertrieben werden, die entweder schwere Nebenwirkungen auslösen oder gar nicht helfen.

Beim Kauf von Verbandmaterial kann man zudem nicht immer davon ausgehen, dass es sich in jedem Fall und sterile und keimfreie Produkte handelt. Unter Umständen sind die Packungen beschädigt oder das Verfallsdatum abgelaufen.

All diese Risiken machen es im Ausland häufig schwierig, die richtigen Arzneimittel zu bekommen.

Inhalt der Reiseapotheke

In den Drogeriemärkten wie dm, Rossmann oder Müller werden häufig Reiseapotheken im fertigen Set angeboten. Diese decken jedoch nur das Notwendigste ab und beinhalten vor allem Pflaster und eine minimale Ausstattung an Verbandsmaterial. Für kleine Verletzungen kann dies durchaus hilfreich sein und ist besser als nichts.

Wer jedoch seine Reiseapotheke mit einer ordentlichen Grundausstattung versehen will, braucht mehr. Selbst wer in vermeintlich gut ausgestattete westliche Industriestaaten wie die USA oder Australien reist, sollte seine an vier grundlegende Dinge denken:

  • Medikamente

    Eine Auswahl an Medikamenten ist das Herzstück einer gut ausgestatteten Reiseapotheke. Zu den Medikamenten, die Sie sowieso regelmäßig einnehmen müssen, sollten Sie auf jeden Fall leichte Schmerzmittel wie Aspirin, Paracetamol, Ibuprofen oder Diclofenac im Gepäck haben. Dazu kommen verträglich Medikamente gegen Sonnenbrand, Erkältung, Durchfall, Reiseübelkeit aber auch gegen Sodbrennen.

  • Verbandmaterial und Pflaster

    Eine Auswahl an sterilen Pflastern und Verbänden gehört in jede Reiseapotheke. Wie schnell knickt man mal mit dem Fuss um, reisst sich einen Splitter ein, schneidet sich an einer Kante oder tritt beim Baden auf einen scharfen Gegenstand. Mull- und elastische Binden, Klebeband, Dreieckstuch, Schere und Pinzette können die erste Hilfe zügig ermöglichen.

  • Handschuhe und Desinfektionsmittel

    Um offene Wunden schnell und keimfrei versorgen zu können, müssen diese desinfiziert werden. Dabei helfen spezielle Sprays oder flüssiges Sterillium. Händedesinfektionsmittel aus dem Drogeriemarkt ist für eine Wundversorgung nicht geeignet. Handschuhe verhindern, dass außerdem unnötige Keime in die Wunde gelangen.

  • Fieberthermometer

    Um eine entsprechend Medikation einleiten zu können, ist es bei einer Erkrankung wichtig zu wissen, ob Fieber besteht oder nicht. Daher ist ein kleines Reise-Fieberthermometer ein unerlässlicher Bestandteil einer guten Reiseapotheke. Es sollte elektronisch sein. Ein althergebrachtes aus Glas ist für Reisen ungeeignet. Wird Fieber festgestellt, kann Paracetamol dieses senken. Dennoch sollte zusätzlich ein Arzt hinzugezogen werden.

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Den Inhalt Ihrer Reiseapotheke sollten Sie regelmäßig auf Vollständigkeit und Haltbarkeit überprüfen. Daher ist es wichtig, rechtzeitig vor jeder Reise die Reiseapotheke zu ergänzen, auszutauschen und aufzufüllen.

Gerade die wichtigsten Bestandteile der Reiseapotheke wie wichtige Medikamente gehören dann beim Kofferpacken ins Handgepäck.

Erweiterung der Reiseapotheke

Wenn Sie mit der ganzen Familie reisen, muss die Reiseapotheke noch umfangreicher ausgestattet sein. Insbesondere wenn Kinder dabei sind, ist die dies wichtig. Nicht wenige Großeltern verbringen den Urlaub mit ihren Enkeln und sollten daher entsprechend mit speziellen Kinderprodukten vorsorgen.

Aber auch wen es in beliebte aber medizinisch weniger gute Infrastrukturen oder exotische Reiseziele, wie Türkei, Thailand, Indien, Mexiko oder Südafrika zieht, muss seine Reiseapotheke erweitern. Grundsätzlich gilt: je abgelegener Ihr Urlaubsort ist, desto genauer müssen Sie sich und Ihre Reiseapotheke vorbereiten.

Gerade beim Besuch von tropischen Orten, sollten Sie daher im Vorfeld der Reise unbedingt rechtzeitig einen Arzt – am besten einen Tropenmediziner – aufsuchen und mit diesem die Zusammenstellung der Reiseapotheke besprechen. Unter Umständen können eines oder mehrere der folgenden medizinischen Produkte notwendig werden:

  • Spritzen und Kanülen
  • Antibiotika
  • Malariaprophylaxe
  • Abführmittel
  • Silbernitrat-Tabletten zur Entkeimung von Wasser

In Regionen, in denen Dengue-Fieber zudem weit verbreitet ist, sollten Sie im Fall einer Fieberattacke sicherheitshalber auf blutverdünnende Medikamente wie Aspirin (Acetylsalicylsäuse beziehungsweise ASS) und Diclofenac verzichten.

Bei Durchfall sollten Sie den erhöhten Flüssigkeitsverlust zudem mit Elektrolytpulver ausgleichen. Das Hausmittel von Salzstangen und Cola hat sich inzwischen nachweislich als ungeeignet, ja sogar als kontraproduktiv erwiesen.

Reiseapotheke: Die Checkliste

Um Ihnen das Packen des Reisegepäcks und insbesondere der Reiseapotheke zu erleichtern haben wir für Sie eine Checkliste zusammengestellt. Diese haben wir außerdem für Sie zum praktischen Ausdrucken und Mitnehmen hier in einer PDF-Datei zusammengefasst, die Sie sich kostenlos herunterladen können.

  • Auswahl an Schmerzmitteln (Aspirin, Paracetamol, Ibuprofen)
  • Tabletten gegen Durchfall
  • Abschwellendes Nasenspray
  • Befeuchtendes Nasenspray (Meerwasserspray) oder Nasensalbe
  • Ohrentropfen
  • Augentropfen
  • Salbe gegen Sonnenbrand und Insektenstiche
  • Medikamente gegen Übelkeit
  • Desinfektionsmittel
  • Einweghandschuhe
  • Fieberthermometer
  • Sterile Kompressen und unterschiedliche Binden
  • Heftpflaster und Blasenpflaster unterschiedlicher Größen
  • Kühlkompressen
  • Schere
  • Trinkwasserdesinfektion
  • Ihre persönlichen, verschriebenen Medikamente in ausreichender Anzahl
  • Spezielle Medikamente für Ihre Reiseziel (zum Beispiel Malariaprophylaxe)

Wenn Sie an Vorerkrankungen leiden, lassen Sie zusätzlich von Ihrem Hausarzt beraten, welche Notfallmedikation Sie mit sich führen sollten. Unter Umständen können das veränderte Klima oder unhygienische Zustände Erkrankungen wieder hervorrufen, von denen Sie dachten, Sie seien kuriert oder im Griff.

Außerdem sollten Sie sich vor Reiseantritt kundig machen, ob und wo es deutschsprechende Ärzte an Ihrem Urlaubsort gibt. Auch diese Adressenliste gehört ins Gepäck.

Zu guter Letzt gehört auch immer ein Anruf bei Ihrer Krankenversicherung dazu, um abzuklären, unter welchen Voraussetzungen in Ihrem Urlaub medizinische Leistungen übernommen werden. In den meisten Fällen lohnt sich der Abschluss einer zusätzlichen Auslandsreisekrankenversicherung. Die Police und die Versichertenkarte gehören ebenfalls ins Gepäck und ergänzen eine gute Reiseapotheke.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informiert Sie nur allgemein. Er kann und soll eine medizinisch-ärztliche Beratung nicht ersetzen. Vor der Einnahme eines Medikamentes lesen Sie bitte die Packungsbeilage sorgfältig durch und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

[Bildnachweis: Herbstlust.de]
4. April 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

Die Herbstlust-Redaktion besteht aus erfahrenen Autoren mit langjähriger Berufserfahrung. Trotz sorgfältiger Recherche erheben die Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informieren lediglich allgemein. Der vorliegende Artikel kann eine fachliche oder ärztliche Beratung nicht ersetzen.

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