Rentenberechnung: So lässt sie sich nachvollziehen

Wer nur noch wenige Jahre bis zum Rentenbeginn hat, fragt sich meist, wie hoch die monatliche Rente ist, die er zu erwarten hat. Doch eine genaue Rentenberechnung wirkt auf den ersten Blick unglaublich komplex und kompliziert.

Schaut man jedoch genauer hin, so ist dies gar nicht mehr so schwierig – es gilt lediglich ein paar Faktoren im Blick zu haben und schon kann man transparent ausrechnen, welche Rente einem zusteht.

Was Sie über die Rentenberechnung wissen müssen, wie sie funktioniert und mit welchen weiteren Aspekten Sie rechnen sollten…

Rentenberechnung: So lässt sie sich nachvollziehen

Info: Wie funktioniert die Rentenberechnung?

In die gesetzliche Rentenversicherung zahlen Arbeitnehmer und Arbeitgeber normal während des Berufslebens je zur Hälfte Beiträge ein. Soweit ist das System bekannt. Doch welche Rente ergeben diese Beiträge später einmal? Dies ist für die meisten weniger eindeutig.

Zwar erhalten die Versicherten jährlich eine Benachrichtigung über die zu erwartende Höhe der späteren Rente, doch wie diese Rentenübersicht zustande kommt, ist für viele ein Buch mit sieben Siegeln.

Um etwas Licht ins Dunkel zu bringen, sollten Sie sich zunächst verdeutlichen, dass es vier Faktoren gibt, die in der gesetzlich festgeschriebenen Rentenformel dann die individuelle Rente ausmachen. Diese vier Faktoren, die miteinander multipliziert werden, sind dabei:

  • Die Entgeltpunkte
  • Der Zugangsfaktor
  • Der Rentenartfaktor
  • Der Rentenwert

Die Rentenformel lautet also: Entgeltpunkte mal Zugangsfaktor mal Aktueller Rentenwert mal Rentenartfaktor.

Rentenwert und Rentenartfaktor sind dabei festgelegt. Der Rentenwert wird jährlich neu bestimmt und unterscheidet sich zwischen den östlichen und den westlichen Bundesländern. Der Rentenartfaktor ist bei der Altersrente immer Eins, bei anderen Rentenarten wie der Witwenrente liegt er darunter.

Bleiben noch der Zugangsfaktor und die Entgeltpunkte als individuelle Faktoren. Der Zugangsfaktor wird dabei durch den Zeitpunkt des Rentenbeginns (also dem Zugang zur Rentenzahlung) bestimmt. Im gesetzlichen Rentenalter liegt er ebenfalls bei Eins, davor liegt er drunter, danach darüber.

Die Entgeltpunkte spiegeln das Verhältnis zwischen dem eigenen Gehalt und dem Durchschnittseinkommen wieder. Liegt das Gehalt genau auf dem Durchschnitt, wird ein Entgeltpunkt gesammelt, beträgt es zum Beispiel das Doppelte werden zwei Punkte gesammelt.

Die Höhe der Rente wird also bestimmt durch die Höhe des Gehalts, der Zahl der Arbeitsjahre und der Entwicklung des allgemeinen Lohnniveaus.

Die Zahl der Rentenberechnung gibt jedoch nur die Rentenhöhe an und nicht wieviel die Rentenzahlung tatsächlich wert ist. Diese ist von der Inflation und dem Nachhaltigkeitsfaktor abhängig, also der Frage, wie das Verhältnis zwischen Rentnern und Beitragszahlern ist.

Die Deutsche Rentenversicherung bietet einen kostenlosen Rechner an, mit dem Sie Ihre spätere Rente ausrechnen und auch sehen können, wieviel die Veränderung welcher Parameter wie zum Beispiel ein früherer Renteneintritt ausmachen. Dieser Rechner ist unter folgendem Link abrufbar: Rentenrechner DRV

Wem dies zu wenig ist, sollte sich überlegen, ob und in welcher Höhe er zusätzlich vorsorgen kann. Eine private Altersvorsorge ist in vielen Fällen sinnvoll. Lesen Sie dazu gerne unseren Artikel.

Die Faktoren der Rentenformel

Nach dem groben Überblick lohnt es sich, die einzelnen Bestandteile der gesetzlichen Rentenformel noch einmal genauer anzusehen, um explizit zu verstehen, wie sich eine Rentenberechnung vollzieht.

Denn es gibt bestimmte Sonderfälle, die sich unterschiedlich stark in der Rentenberechnung niederschlagen, wie die Frage, wo im Bundesgebiet Sie wohnen oder wie die Zeiten gewertet werden, in denen Sie in keinem regulärem Arbeitsverhältnis standen.

Die Entgeltpunkte

Wie bereits erwähnt, richten sich die Entgeltpunkte nach dem Durchschnittsverdienst eines Jahres. Ein Entgeltpunkt entspricht also genau der Höhe des durchschnittlichen Bruttoeinkommens aller derjenigen, die in die Rentenversicherung einzahlen.

Einkommen von Selbstständigen oder Beamten, die von der Rentenversicherungspflicht befreit sind, werden in dieser Berechnung also nicht berücksichtigt.

Im vorigen Jahr betrug das Durchschnittseinkommen in den westlichen Bundesländern 38.901 Euro und im östlichen Bundesgebiet 35.887 Euro. Wer also ungefähr diesen Bruttoverdienst im letzten Jahr hatte, kann mit circa einem Rentenpunkt rechnen.

Nach oben gibt es allerdings eine Grenze. Selbst, wer deutlich über dem Doppelten des Durchschnittseinkommens lag mit seinem Verdienst, erhält nur maximal zwei Entgeltpunkte pro Jahr.

Kindererziehungszeiten (bis zu zwei Jahre für Kinder, die vor 1992 geboren wurden und bis zu drei Jahre für Kinder, die danach zur Welt kamen) oder die Pflege von Angehörigen, werden pauschal anteilig mit den Durchschnittsverdienst bewertet (pro Monat sind dies also 0,0833 Entgeltpunkte).

Arbeitseinkommen für Berufsjahre, die in der ehemaligen DDR geleistet wurden, werden auf damaliges Westniveau umgerechnet.

Ein Sonderfall ergibt sich für die Wehr- und Zivildienstzeiten:

  • Wer vor dem 1. Mai 1961 seinen Dienst absolviert hat, erhält auf Antrag 0,75 Entgeltpunkte pro Jahr.
  • Wer zwischen dem 1. Mai 1961 und dem 31.12.1981 seinen Dienst geleistet hat, erhält 0,0833 Punkte pro Monat.
  • Wer seinen Dienst zwischen dem 1.1.1982 und dem 31.12.1991 absolviert hat, erhält 0,0625 Punkte pro Monat.
  • Alle, die zwischen dem 1992 und dem 31.12.1999 Ihren Wehr- oder Zivildienst abgeleistet haben, erhalten 80 Prozent der durchschnittlichen Bezugsgröße.
  • Wer ab dem 1.1.2000 seinen Dienst geleistet hat, erhält 60 Prozent der Bezugsgröße.

Der Zugangsfaktor

Der Zugangsfaktor errechnet sich aus dem Zeitpunkt, zu dem Sie in Rente gehen. Wer sich genau mit dem gesetzlichen Rentenbeginn auch in den Ruhestand verabschiedet, für den beträgt dieser Faktor 1,0.

Wer sich früher in die Rente verabschiedet, muss einen Abschlag in Kauf nehmen, wer länger arbeitet, erhält einen Zuschlag.

So bringt zum Beispiel ein fünf Jahre späterer Rentenbeginn einen Faktor von 1,3. Einen vorgezogenen Ruhestand von fünf Jahren wiederum senkt den Zugangsfaktor auf 0,82.

Dies sind prozentual gesehen 0,3 Prozent für jeden Monat in die jeweilige Richtung. Ein Beispiel: Wer ein Jahr früher in Ruhestand geht, muss auf 3,6 Prozent seines Zugangsfaktors verzichten. Er hat also somit einen Zugangsfaktor von 0,964.

In Spanne zwischen 0,82 und 1,3 bewegt sich der Zugangsfaktor übrigens minimal und maximal. Also selbst, wer noch zehn Jahre nach dem offiziellen Rentenbeginn weiterarbeitet, erhält nur höchstens den Faktor 1,3.

Der Rentenartfaktor

Der Rentenartfaktor oder auch kurz Rentenfaktor genannt, zeigt wie der Name schon sagt, die Art der Rente an. Bei einer regulären Altersrente beträgt er immer 1,0. Bei anderen Rentenarten ist er niedriger:

  • Bei Erwerbsminderungsrente beträgt er 0,5.
  • Vollwaisenrente hat den Faktor 0,2.
  • Halbwaisenrente weist den Faktor 0,1 auf.
  • Witwenrente ist mit dem Faktor 0,55 beziehungsweise 0,6 bewertet.

Der Rentenwert

Der Rentenwert wird jedes Jahr aufs Neue festgelegt. Er hängt von der Lohnentwicklung in Ost und West ab und besagt, wieviel Gegenwert Sie für einen Entgeltpunkt bekommen. Aktuell gibt es folgende Rentenwerte:

  • In den alten Bundesländern beträgt der Rentenwert seit dem 1. Juli 2020: 34,19 Euro (zuvor 33,04 Euro)
  • In den neuen Bundesländern beträgt der Rentenwert seit dem 1. Juli 2020: 33,23 Euro (zuvor 31,88 Euro)

Konkret bedeutet dies, dass Sie pro Entgeltpunkt (also für jedes Jahr, dass Sie auf dem Durchschnittseinkommen lagen): 34,19 Euro beziehungsweise 33,23 Euro Altersrente beziehen. Voraussetzt, Sie gehen mit dem zum gesetzlichen Rentenalter in den Ruhestand. Bei zehn Arbeitsjahren sind dies also aktuell 341,90 Euro Westrente und 332,30 Euro Ostrente, bei 30 Jahren 1025,70 Euro beziehungsweise 996,90 Euro.

Info: Rentenberechnung bei Arbeitslosigkeit

In der Arbeitslosigkeit sind Sie ebenfalls gesetzlich sozialversichert, erhalten aber also auch Entgeltpunkte. Allerdings nicht in der vollen Höhe. Zudem ist es entscheidend, wann und wie lange Sie arbeitslos waren. Eine Übersicht:

  • Alle Zeiten, die Sie vor dem 30.6.1978 arbeitslos waren, werden pauschal mit 80 Prozent der Leistung angerechnet.
  • Wer zwischen dem 1.7.1978 und dem 31.12.1982 arbeitslos war, bei dem wird das durchschnittliche Entgelt in vollem Umfang für die Berechnung der Punkte zugrunde gelegt.
  • Seit dem 1.1.1983 wird wieder 80 Prozent der Leistung bewertet.

Beispiel einer Rentenberechnung

Aus all diesen Parametern ergibt sich Ihre persönliche Rente. Ein Beispiel: Sie haben in Nordrhein-Westfalen (NRW) über 45 Jahre so viel wie der Durchschnitt der Versicherten verdient und gehen mit dem gesetzlichen Rentenbeginn im Jahr 2020 in den Ruhestand:

45 Entgeltpunkte mal Zugangsfaktor 1,0 mal Rentenartfaktor 1,0 mal Rentenwert 34,19 Euro ergibt eine monatliche Rente von 1.538,55 Euro.

Vereinfacht kann man also sagen: Rentenpunkte mal Rentenwert. Als Faustformel dient vielen auch die grobe Abschätzung mit folgender Gleichung: Ein Prozent des monatlichen Bruttogehaltes multipliziert mit Arbeitsjahren. Dies ist am einfachsten zu merken und erfüllt in der Regel seinen Zweck.

Tipp: Rente und Steuer

Die errechnete Rente ist immer ein Brutto-Betrag. Wieviel Netto Sie vom Brutto erhalten, hängt auch immer mit der Höhe Ihrer Rente zusammen, denn die Rente ist grundsätzlich steuerpflichtig.

Liegen Sie mit Ihrer Rente über dem Grundfreibetrag von derzeit 9.408 Euro pro Jahr (Angabe für 2020, zuvor lag er bei 9.168 Euro), müssen Sie diese also versteuern.

Dabei bemisst sich die Höhe der Steuer auch nach Ihrem Renteneintrittsjahr, denn im Gegensatz zum Arbeitseinkommen ist die Rente zur Zeit noch nicht in vollem Umfang steuerpflichtig. Bis zum Jahr 2005 musste nur 50 Prozent der Rente versteuert werden, seither erhöhte sich der Anteil der Steuer von Jahr zu Jahr um zwei Prozentpunkte.

Dies ergab im letzten Jahr eine Besteuerung von 78 Prozent der Rente, im Jahr 2020 sind es dann 80 Prozent. Für die folgenden Jahre steigt der Anteil nur noch um jeweils ein Prozentpunkt:

  • 2021 liegt er bei 81 Prozent, also 19 Prozent der Rente ist steuerfrei.
  • 2022 liegt die Steueranteil der Rente bei 82 Prozent.
  • Folgt man dieser Logik weiter, wird die Rente bei einem Renteneintritt ab dem Jahr 2040 voll besteuert.

Anfordern der Renteninformation

Wer genau wissen möchte, wie sein persönlicher Versicherungsverlauf ist, kann sich kostenlos und unabhängig bei der Deutschen Rentenversicherung informieren.

Sie erhalten auf Wunsch Ihre Rentenauskunft und Ihre Versicherungsunterlagen zugeschickt. Dies können Sie entweder unter der kostenlosen Servicetelefonnummer 0800/1000 4800 beantragen (Montag bis Donnerstag 7.30 Uhr bis 19.30 Uhr, Freitags bis 15.30 Uhr) oder unter der Serviceseite der DRV.

[Bildnachweis: Herbstlust.de]
28. Juni 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

Die Herbstlust-Redaktion besteht aus erfahrenen Autoren mit langjähriger Berufserfahrung. Trotz sorgfältiger Recherche erheben die Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informieren lediglich allgemein. Der vorliegende Artikel kann eine fachliche oder ärztliche Beratung nicht ersetzen.

Weiter zur Startseite