Rentenpunkte: Das hat es damit auf sich

Wer Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung abführt, bekommt dafür Rentenpunkte gutgeschrieben, aus denen sich die spätere Altersrente errechnet. Die Höhe dieser sogenannten Entgeltpunkte hängt vom Verhältnis Ihres Verdienstes zum Durchschnittseinkommen ab.

Doch wie berechnen sich die Rentenpunkte genau? Wieviele Rentenpunkte ergeben welche Rente? Und welche Möglichkeiten gibt es, die Altersrente etwas aufzustocken? Wir klären die wichtigsten Fragen…

Rentenpunkte: Das hat es damit auf sich

Definition: Was sind Rentenpunkte?

Knapp 40 Millionen Bundesbürger zahlen regelmäßig in die Deutsche Rentenversicherung ein, in dem von ihrem Bruttolohn direkt die Beiträge abgezogen werden. Der Arbeitgeber zahlt dann noch einmal den gleichen Betrag.

Da jedoch die gesetzliche Rentenversicherung durch den Generationenvertrag umlagefinanziert ist, wird das Geld nicht gewinnbringend angelegt um es später wieder an Sie auszahlen zu können, sondern wird direkt dafür verwendet, die aktuelle Rentnergeneration zu unterstützen. Ihre Altersrente erhalten Sie später von den dann aktuelle Beitragszahlern.

So weit, so bekannt. Doch es wäre unfair, wenn die Höhe der Beitragszahlungen keinen Einfluss auf Ihre spätere Altersrente haben würden. Daher werden Ihnen für Ihre Beiträge Rentenpunkte gut geschrieben – die sogenannten Entgeltpunkte.

Wieviele das sind, hängt von der Höhe der Beiträge im Verhältnis zum Durchschnitt ab und selbstverständlich auch davon, wie lange Sie einzahlen.

Als Größenordnung gilt: Entspricht Ihr Gehalt genau auf dem des Durchschnitts der Bevölkerung, wird in diesem Jahr ein Entgeltpunkt gesammelt, beträgt es zum Beispiel das Doppelte werden zwei Punkte gesammelt, bei der Hälfte ist es entsprechend ein halber Punkt und so weiter.

Sie können jedoch mit einem exorbitant hohen Gehalt nicht unendlich viele Rentenpunkte in einem Jahr sammeln, sondern erhalten maximal zwei Entgeltpunkte pro Jahr.

Diese Grenze ist nicht beliebig festgelegt, sondern richtet sich nach der Höhe der Beitragsbemessungsgrenze (im Jahr 2020 liegt diese in den westlichen Bundesländern bei 6.900 Euro brutto im Monat und im Osten bei 6.450 Euro).

Diese Rentenpunkte summieren sich mit den Jahren und sind später ein wesentlicher Bestandteil Ihrer individuellen Rentenberechnung.

Die anderen drei sind:

  • Der Zugangsfaktor, der durch den Zeitpunkt des Rentenbeginns bestimmt wird (bei einem gesetzlichen Renteneintritt liegt er bei 1,0 – bei einem späteren oder früheren Rentenbeginn entsprechend darüber oder darunter).
  • Der Rentenartfaktor, der durch die Art der Rente bestimmt wird (bei der gesetzlichen Altersrente liegt er immer bei 1,0, bei anderen Rentenarten wie zum Beispiel der Witwenrente entsprechend darunter).
  • Der Rentenwert, der jedes Jahr aufgrund des Lohnniveaus neu festgelegt wird und anzeigt, welchen Wert ein Rentenpunkt ausmacht (im Jahr 2020 stieg der Rentenwert im Westen von 33,04 Euro auf 34,19 Euro, im Osten von 31,88 Euro auf 33,23 Euro).

Diese vier Faktoren werden miteinander multipliziert und ergeben so die sogenannte Rentenformel.

Da der Zugangs- und der Rentenfaktor bei einem regulären Renteneintritt also in den meisten Fällen bei eins liegt und der Rentenwert festgeschrieben ist, sind die Rentenpunkte also Ihr individueller Beitrag, mit der die Altersrente berechnet wird.

Die Berechnung der Rentenpunkte

Der immer gleiche Beitrag zur Rentenversicherung bei einem gleichbleibenden Gehalt kann also von Jahr zu Jahr unterschiedlich viel wert sein – je nachdem, wie sich das Durchschnittseinkommen in Deutschland entwickelt.

Im vorigen Jahr betrug das Durchschnittseinkommen in den westlichen Bundesländern 38.901 Euro und im östlichen Bundesgebiet 35.887 Euro. Für die aktuellen und folgenden Jahre wird das Durchschnittseinkommen jeweils geschätzt und später angeglichen – dies ändert aber in der Regel nur minimal Ihre Rentenpunkte.

Wer also ungefähr letztes Jahr einen Jahresbruttoverdienst von knapp 39.000 Euro im Westen und knapp 36.000 im Osten hatte, kann in diesem Jahr mit circa einem Rentenpunkt rechnen.

Im Jahr 2018 lag das Durchschnittseinkommen im Westen jedoch zum Beispiel bei 38.212 Euro, im Jahr 2017 bei 37.077 Euro und 2002 noch bei 28.626 Euro.

Nimmt man mal also an, dass sich Ihr Gehalt und dementsprechend Ihre Rentenbeiträge seit 2002 nicht geändert haben, so waren Ihre Beiträge damals mehr Rentenpunkte wert, als sie es heute sind.

Einkommen von Selbstständigen oder Beamten, die von der Rentenversicherungspflicht befreit sind, werden in dieser Berechnung nicht berücksichtigt.

Somit lautet die Formel für die Berechnung der jährlichen Rentenpunkte: Ihr persönliches Jahresbruttoeinkommen geteilt durch das Durchschnittseinkommen aller Beitragszahler ergibt Ihre Rentenpunkte.

Bezogen auf Ihr ganzes Arbeitsleben und Ihre die Höhe Ihrer Altersrente lautet die Formal: Summer aller Rentenpunkte mal aktueller Rentenwert (mal Rentenartfaktor mal Zugangsfaktor, die beide in der Regel bei 1,0 liegen) = Höhe der Rentenzahlung.

Info: Anrechnung von Wehrdienst, Erziehungszeiten und Arbeitslosigkeit

Rentenpunkte werden nicht nur über Arbeitszeit gesammelt. Es gibt weitere Zeiten für denen Ihnen Entgeltpunkte gutgeschrieben werden. Diese sind zum Beispiel:

  • Kindererziehungszeiten
  • Wehr- oder Zivildienstzeiten
  • Schul-, Studien- und Ausbildungszeiten
  • Zeiten für die Pflege von Angehörigen
  • Zeiten der Arbeitslosigkeit

Wieviele das jeweils sind und welche Höchstgrenze es gibt, hängt davon ab, wann und wie lange Sie jeweils diese Zeiten in Anspruch genommen haben.

Kindererziehung

Für die Erziehung der Kinder spielt deren Geburtsjahr eine entscheidende Rolle: Sind diese vor 1992 geboren, werden zwei Erziehungsjahre für jedes Kind berücksichtigt, für Kinder ab dem Jahr 1992 geboren wurden, sind es drei Jahre.

Dafür wird der Durchschnittsverdienst zugrunde gelegt, es gibt also einen Rentenpunkt pro Jahr.

Wehr- und Zivildienst

Auch hier spielt es eine Rolle, wann Sie Ihren Dienst absolviert haben. Wer vor dem 1. Mai 1961 seinen Dienst absolviert hat, erhält 0,75 Entgeltpunkte pro Jahr – allerdings nur auf Antrag.

Für Wehr- oder Zivildienstleistende der Jahre bis 1981 werden ein Rentenpunkt pro Jahr – also umgerechnet 0,0833 Punkte pro Monat gutgeschrieben.

Bis 1999 gab es dann jährlich nur noch 0,8 Rentenpunkte, ab 2000 gar nur noch 0,6.

Studium und Ausbildung

Für Ausbildungs-, Schul- und Studienzeiten, die nach dem 17. Lebensjahr erfolgt sind, werden ebenfalls Rentenpunkte gutgeschrieben: 0,75 Punkte pro Jahr. Allerdings ist die jeweilige Gesamtzahl der Rentenpunkte auf 2,25, also auf drei Jahre limitiert.

Pflege von Angehörigen

Für die Pflege von Angehörigen wird Ihnen ebenfalls pro Jahr ein Rentenpunkt (also 0,0833 Punkte pro Monat) gutgeschrieben. Jedoch muss die Pflegetätigkeit von der Pflegekasse anerkannt sein. Dazu muss mindestens Pflegegrad zwei vorliegen, die Pflege darf nicht gewerbsmäßig sein und muss zwischen zehn und 30 Stunden pro Woche erfolgen.

Arbeitslosigkeit

In der Arbeitslosigkeit sind Sie ebenfalls gesetzlich sozialversichert, erhalten also auch Rentenpunkte. Allerdings nicht in der vollen Höhe. Zudem ist es entscheidend, wann und wie lange Sie arbeitslos waren.

Alle Zeiten, die Sie vor dem 30.6.1978 arbeitslos waren, werden pauschal mit 80 Prozent der Leistung angerechnet. Wer zwischen dem 1.7.1978 und dem 31.12.1982 arbeitslos war, bei dem wird das durchschnittliche Entgelt in vollem Umfang für die Berechnung der Punkte zugrunde gelegt. Seit dem 1.1.1983 wird wieder 80 Prozent der Leistung bewertet.

Kauf von Rentenpunkten

Es klingt auf den ersten Blick so einfach: Wer nicht genügend Rentenpunkte gesammelt hat, um eine vernünftige Altersrente zu erhalten, der kauft diese einfach nach.

Doch so leicht ist es nicht. Rentenpunkte lassen sich nicht einfach so dazu kaufen. Es geht vielmehr darum, die Rentenbeiträge aufzustocken. Dies geschieht mittels Sonderzahlungen, die Sie an die Deutsche Rentenversicherung leisten können.

Diese Sonderzahlungen sind ab dem 50. Lebensjahr möglich. Dabei gibt es jedoch gewisse Grenzen:

  • Die Mindesthöhe der Sonderzahlung liegt bei 1.004 Euro.
  • Die maximale Sonderzahlung beträgt 14.508 Euro.

Dabei wird die Sonderzahlung genau so berücksichtigt wie eine Beitragszahlung im jeweiligen Jahr, in dem Sie diese vorgenommen haben.

Da das Durchschnittseinkommen erfahrungsgemäß mit den Jahren steigt, ergibt eine frühere Sonderzahlung also mehr Rentenpunkte als wenn Sie lange zuwarten.

So hätte im Jahr 2018 eine Sonderzahlung von 7.000 Euro einen Rentenpunkt ergeben, im Jahr 2019 hätten Sie dafür schon etwas mehr berappen müssen.

Tipp: Fordern Sie Ihre kostenlose Renteninformation an

Wer genau wissen möchte, wie sein persönlicher Verlauf der Rentenpunkte und sein aktueller Stand sind, kann sich kostenlos und unabhängig bei der Deutschen Rentenversicherung informieren.

Sie erhalten auf Wunsch Ihre Rentenauskunft und Ihre Versicherungsunterlagen zugeschickt.

Dies können Sie entweder unter der kostenlosen Servicetelefonnummer 0800/1000 4800 beantragen (Montag bis Donnerstag 7.30 Uhr bis 19.30 Uhr, Freitags bis 15.30 Uhr) oder unter der Serviceseite der DRV.

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[Bildnachweis: William Potter by Shutterstock.com]
9. Juli 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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