Rentenvorsorge: Darauf sollten Sie achten

Ab 40, spätestens jedoch mit 50 gehört die Rentenvorsorge auf den Prüfstand. In diesem Alter hat sich zumeist das Gehalt gegenüber den Jahren des Berufsstarts deutlich verändert und ebenso die eigenen Ansprüche und der Lebensstandard. Daher sollten Sie Ihre Rentenvorsorge einem ausgiebigen Test unterziehen und berechnen, ob die bisherigen Beträge, die zu erwarten sind, noch ausreichen und welche weiteren Möglichkeiten der Altersvorsorge möglich sind und für Sie Sinn machen.

Rentenvorsorge: Darauf sollten Sie achten

Die unterschiedlichen Säulen der Rentenvorsorge

Als die Gründerväter der Bundesrepublik das Modell der gesetzlichen Rentenversicherung geschaffen hatten, gingen sie vom Idealzustand aus: Arbeitgeber und Arbeitnehmer geben zu gleichen Teilen einen Anteil des Gehaltes und finanzieren davon die aktuelle Rentnergeneration.

Da inzwischen allgemein angenommen wird, dass alleine die gesetzliche Rentenversicherung in den meisten Fällen nicht mehr ausreicht, hat sich inzwischen ein Drei-Säulen-Modell der Altersvorsorge etabliert. Diese drei Säulen sind im einzelnen:

  • Gesetzliche Rentenvorsorge

    Arbeitnehmer sind in der gesetzlichen Rentenversicherung automatisch pflichtversichert. Von Ihrem Bruttolohn werden jeden Monat 18,6 Prozent darin einbezahlt. Diese Beiträge teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer paritätisch zu je 9,3 Prozent. Das bedeutet zum Beispiel, dass bei einem monatlichen Bruttogehalt von 3.600 Euro, dass lediglich 669,60 Euro monatlich als gesetzliche Rentenvorsorge abgeführt werden.

    Durch den oben erwähnten Generationenvertrag erhalten Sie nicht exakt das, was Sie eingezahlt haben, sondern finanzieren die derzeitige Rentnergeneration. Ihre Rente wird über künftige Arbeitnehmergenerationen bestritten, was jedoch durch geburtenschwache Jahrgänge und gestiegene Lebenserwartung allerdings zunehmend schwieriger wird.

    Im öffentlichen Dienst heißt die staatliche Rentenvorsorge für die Beamten Pension. Grundsätzlich funktioniert sie ähnlich, jedoch werden zumeist bessere Erträge erzählt als in der gesetzlichen Rentenversicherung, weswegen Beamte im öffentlichen Dienst auch oft beneidet werden.

  • Betriebliche Rentenvorsorge

    Als zweite Säule der Rentenvorsorge gilt die betriebliche Altersvorsorge. In Absprache mit Ihrem Arbeitgeber wird ein Teil Ihres Bruttogehalts in die Rentenvorsorge gesteckt. Dieser Vorgang wird als Entgeltumwandlung bezeichnet.

    Ihr Arbeitgeber ist zwar dazu verpflichtet, einen Teil Ihres Gehaltes entsprechend umzuwandeln, dennoch müssen Sie ihn initiativ darauf ansprechen. Der Vorteil der betrieblichen Altersvorsorge ist in diesem Zusammenhang: Da die Beiträge von Ihrem Bruttogehalt abgehen, verringern sich so die Steuer- und Sozialversicherungsabgaben.

    Bei der Wahl der Anlageform entscheidet Ihr Vorgesetzter, welche Möglichkeit der Rentenvorsorge er für seine Mitarbeiter wählt. Er schließt auch den Vertrag ab. Zur Auswahl stehen:

    • Pensionsfonds
    • Pensionszusage
    • Direktversicherung
    • Unterstützungskasse
    • Pensionskasse
  • Private Rentenvorsorge

    Für viele Angestellte und nahezu alle Selbstständigen hinterlassen die ersten beiden Säule eine mittelgroße bis deutliche Lücke. Eine private Rentenvorsorge kann diese auch im fortgeschrittenen Alter noch schließen und hat den Vorteil, dass sie in vielen Fällen zudem staatlich gefördert wird. Allerdings muss genau darauf geachtet werden, welche Bedingungen bei diesen Verträgen zur Altersvorsorge gegeben sind – nicht alles eignet sich für jeden. Es empfiehlt sich, die Verträge mit kühlem Kopf und nüchternem Rechner durchzuspielen.

    Die Riester-Rente zum Beispiel eignet sich insbesondere für Geringverdiener mit Kindern. Für Freiberufler und Selbständige kann unter Umständen die Rürup-Rente sinnvoll sein, bei der die Altersvorsorge als Sonderausgabe von der Steuer abgesetzt werden kann. Doch gerade im Fall von Rürup- und Riester-Rente sollten Sie genau auf das Vertragswerk und die Provisionen und Gebühren achten, die dem Vertrag zugrunde liegen.

    Ein Pluspunkt dieser Rentenvorsorge-Modelle ist, dass die Rente aus den privaten Verträgen lebenslang gezahlt wird. Das heißt, Sie erhalten auch dann noch eine Auszahlung, wenn das eingezahlte Kapital rein rechnerisch bereits verbraucht ist.

    Neben der staatlich geförderten privaten Rentenvorsorge gibt es noch weitere Alternativen der Altersvorsorge ohne Förderung:

    • Lebensversicherung
    • Fonds
    • Immobilien
    • Sparverträge
    • Aktien
    • Edelmetalle
    • Sachwerte
    • Anlagen in Währungen

Berechnen Sie Ihre Rentenvorsorge

Der kostenlose Rechner Ihrer Rentenerwartung zeigt Ihnen Ihre Alterseinkünfte aus gesetzlicher Rente sowie betrieblicher und privater Vorsorge auf. Nachdem Sie in drei einfachen Schritten Ihre aktuellen Beiträge mit den Schiebereglern angegeben haben, erhalten Sie eine kostenlose Zusammenfassung als PDF, die Sie sich herunterladen können.

Das Ergebnis, das Ihnen der Rechner liefert, soll Ihnen zunächst als Grundlage für einen ersten Überblick dienen und Ihnen aufzeigen, in welcher Richtung Sie unter Umständen noch aktiv werden müssen, um gegebenenfalls privat vorzusorgen.



Bestandsaufnahme und Planung der Rentenvorsorge

Wer ab 40 seine Rentenvorsorge einem genauen Test unterzieht, wird schnell merken, dass es nicht die eine richtige Variante gibt. Daher ist reicht allein der Rentenrechner nicht aus, um Ihren Bedarf abzuschätzen.

Es ist auch wichtig, dass Sie sich rechtzeitig vor Ihrem Renteneintritt folgende Fragen stellen:

  • Mit welchen Abgaben muss ich rechnen?

    Für angehende Rentner gibt es zwei wesentliche Probleme: Zum einen wird das Rentenniveau immer weiter abgesenkt. Im Jahr 2030 liegt es voraussichtlich nur noch bei 43 Prozent des durchschnittlichen Nettolohns.

    Außerdem wird gleichzeitig der Anteil der Rente, der versteuert werden muss, gemäß Alterseinkünftegesetz immer weiter angehoben. So muss ein Rentner, der 2005 in den Ruhestand gegangen ist, 50 Prozent seiner Einkünfte versteuern. Wer im Jahr 2019 in Rente ging, musste schon satte 78 Prozent seiner Einkünfte mit dem Staat teilen.

    Jedes Jahr steigt dieser Anteil nun um weitere zwei Prozent, bis er im Jahr 2040 bei vollen 100 Prozent angelangt ist. Berechnen Sie Ihre Rente also genau durch und stellen Sie Ihre voraussichtliche Rente, Ihre sonstigen Einnahmen und Ausgaben gegenüber.

  • Welchen Bedarf habe ich?

    Die Lebenserwartung in Deutschland steigt rasant. Berechnungen zufolge hat ein Rentner zu Beginn seines Ruhestands noch ein Viertel seines Lebens vor sich.

    Daher sollten Sie sich die Frage beantworten, wie Sie diese freien Zeit verbringen möchten. Welche Interessen und Hobbys haben Sie, welche Bedürfnisse? Dass freie Zeit teuer sein kann, ist eine Binsenweisheit. Daher ist diese Frage wichtig, wenn Sie spätestens mit 50 Ihre Kostenkalkulation vornehmen: Auf der einen Seite befinden sich die Kosten, die wegfallen, wie Arbeitskleidung oder die Ausgaben für den Arbeitsweg und die Verpflegung am Arbeitsplatz. Auf der anderen Seite kommen neue Kosten für Ihre Freizeit hinzu. Rechnen Sie grob durch, was Sie zum Leben benötigen werden und ob Sie mit Ihrer Rente hinkommen.

    Unter Umständen können Sie sich auch vorstellen, fern der Heimat Ihren Ruhestand zu genießen. Dann sollten Sie die Umzugs- oder Lebenshaltungskosten vor Ort entsprechend mit einkalkulieren.

  • Arbeite ich im Ruhestand weiter?

    Nicht für jeden ist der sofortige Renteneintritt von 100 auf 0 ein Segen. Viele möchten im Alter noch weiterarbeiten. Sogenannte Silver Worker sind weiterhin beruflich aktiv, wenngleich auch nicht mehr in vollem Umfang.

    Aber es gibt etliche Möglichkeiten, im Alter einen Gelegenheitsjob anzunehmen, sei es als in einem Büro oder in Heimarbeit.

    Auf diese Weise verbessern Sie Ihre Einnahmenseite in der Kalkulation erheblich. In diesem Zusammenhang sollten Sie allerdings berücksichtigen, dass Sie im Alter körperlich nicht mehr so leistungsfähig sind, wie noch mit 40 oder 50.

  • Gibt es einen Notfallplan?

    Zwar möchte man nicht den Teufel an die Wand malen, doch finanziell sollte man sich auf das Worst-Case-Szenario durchaus vorbereiten. Und das heißt für viele: Pflegebedürftigkeit. Fragen Sie sich daher offen und ehrlich: Wie sind Sie und ihre Familie darauf vorbereitet? Wie viel Geld erhalten Sie aus der gesetzlichen Pflegeversicherung und wie viel müssen Sie selbst privat zusteuern? Haben Sie eine zusätzliche private Absicherung oder verfügen Sie über andere Mittel für den Fall der Fälle?

    Sie sollten zumindest umrissartig einen Notfallplan entwickeln, der den gröbsten Belastungen standhält. Dazu gehören auch Ausgaben, um Ihr Wohnumfeld barrierefrei umrüsten zu können. Diese Szenarien sollten Sie im übrigen auch mit Ihren Kindern durchsprechen.

Darum ist eine Rentenvorsorge gerade für Frauen so wichtig

Der Ursprungsgedanke der Rentenversicherung ist der bereits erwähnte Generationenvertrag. Als er eingeführt wurde, standen jedoch viele Arbeitnehmer wenigen Rentnern gegenüber.

Dieses Verhältnis hat sich inzwischen nahezu umgekehrt, weswegen für die aktuelle und zukünftige Rentnergeneration nur wenig staatliche Gelder übrig bleiben, um ihren Ruhestand genießen zu können. Für viele von Ihnen ist bereits heute Altersarmut die Folge. Diese Situation betrifft insbesondere Frauen. Dafür gibt es gute Gründe:

  • Die Gehälter von Männern und Frauen sind nach wie vor unterschiedlich, auch in derselben Branche.
  • Frauen arbeiten häufiger in Branchen, die im Durchschnitt finanziell deutlich weniger wertgeschätzt werden, wie Pflege oder Soziales.
  • Viele Frauen sind in Teilzeitjobs beschäftigt, um Beruf und Familie besser miteinander vereinbaren zu können.
  • Oft wird wegen der Erziehung sogar einige Jahre komplett pausiert und eine Einzahlung in die Rentenversicherung entfällt.

Frauen zahlen somit im Durchschnitt deutlich weniger in die gesetzliche Rentenversicherung ein und erhalten daher weniger Rentenpunkte.

Die Wissenschaftler Alexandra Niessen-Ruenzi und Christoph Schneider haben in einer Studie der Universität Mannheim und der niederländischen Tilburg University (PDF) die sogenannte Gender Pension Gap berechnet. Dieser zufolge beträgt das Rentendefizit der Frauen gegenüber den Männern 26 Prozent.

Ein Beispiel soll dies verdeutlichen: Bei einer 67-jährigen Frau hieße das nach heutiger Berechnung, dass ihr monatlich 140 Euro weniger von der gesetzlichen Rente zur Verfügung stünden als einem Mann. Angenommen, sie bezöge 15 Jahre Rente, würde sie demnach rund 25.000 Euro einbüßen.

Andere Studien, etwa von der Hans-Böckler-Stiftung, kommen sogar zu noch dramatischeren Ergebnissen. Demnach beträgt die Rentenkluft zwischen Männern und Frauen in Deutschland gar 40 Prozent. Konkret erhält eine Frau durchschnittlich 618 Euro aus der gesetzlichen Altersrente, ein Mann 1.037 Euro.

Wie bereits angedeutet, kann es keine Pauschallösung bei der Rentenvorsorge geben, die für alle Arbeitnehmer gleichermaßen richtig erscheint. Je nach Budget, Bedarf und Anlageform können sich bereits kleine Beiträge zur Rentenvorsorge lohnen.

Bedacht werden sollte vor allem, für welche Form der privaten Rentenvorsorge Sie sich entscheiden, denn nicht alle lassen sich zu jedem Zeitpunkt realisieren. So ist es zum Beispiel zwar für viele Menschen ein Traum, in den eigenen vier Wänden zu wohnen, doch lässt sich dies ab einem bestimmten Alter womöglich nicht mehr umsetzen, da eine komplette Ratenzahlung des Bankdarlehens bis zum Renteneintritt nicht gewährleistet werden kann.

[Bildnachweis: Billion Photos by Shutterstock.com]
4. März 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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