Richtig heizen: Sparen ohne zu frieren

Richtig heizen scheint auf den ersten Blick nicht sonderlich schwierig zu sein, so möge man meinen: Wenn die kalten Tage kommen, wird einfach die Heizung aufgedreht, bis es mollig warm ist.

Doch wer zu sorglos die Thermostate hochdreht, könnte spätestens bei der Heizkostenabrechnung eine ungute Überraschung erleben: Dann nämlich, wenn die Kosten in die Höhe geschnellt sind. Und auch für das Klima ist es wichtig, sich bewusste Gedanken um seine Heizgewohnheiten zu machen.

Wie Sie richtig heizen und was Sie außerdem beachten sollten, wenn Sie Haus- oder Wohnungseigentümer sind, dazu mehr in diesem Artikel.

Richtig heizen: Sparen ohne zu frieren

Darum ist es wichtig, wie Sie heizen

Wärmeerzeugung braucht viel Energie. Die Temperaturregulierung ist damit der größte Verursacher des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) in privaten Haushalten.

Doch nicht nur aus ökologischen Gesichtspunkten sollte sparsam mit Heizenergie umgegangen werden: Heizkosten sind ein gewaltiger Kostenfaktor. Mieter mögen diesen nicht so bewusst wahrnehmen, da eine entsprechende Pauschale ohnehin ein fest einkalkulierter Bestandteil der monatlichen Mietnebenkosten ist und die jährliche Abrechnung des Vorjahres im Falle einer Nachzahlung von vielen gedankenlos beglichen wird.

Hausbesitzer, die sich regelmäßig darum kümmern müssen, wann sie wie teuer ihr Heizöl einkaufen müssen, haben diese Kosten vielleicht schon eher im Blick. Doch auch diese verschwinden im Alltag meist aus dem Bewusstsein und werden abstrakt. Wer vergleicht und analysiert schon den exakten täglichen Energieverbrauch und rechnet diesen in Euro um?

Die führt bei vielen Menschen dazu, dass sie recht sorglos mit ihren Heizgewohnheiten umgehen. Vermutlich wäre das psychologisch anders, wenn eine Heizung nur funktionieren würde, wenn man jedes Mal ein paar Münzen einwerfen müsste, damit sie für eine gewisse Zeit anspringt. Zwar ist dies ein völlig unrealistisches Szenario, doch machen Sie sich bitte trotzdem bewusst: Heizen kostet richtig viel Geld! Aber wenn Sie richtig heizen, können Sie so auch ordentlich sparen.

Tipps zum richtig Heizen

Richtig heizen bedeutet nicht, dass Sie frieren müssen. Selbstverständlich sollen Sie es im Winter warm haben. Doch es gibt sechs einfache Tipps und Tricks, die wenig Mühe kosten und schon viel bringen:

  1. Heizen Sie bewusst
    Zunächst einmal ist es wichtig, dass Sie in jedem Raum die Temperatur im Blick haben. Moderne Heizthermostate verfügen sogar über eingebaute Thermometer, ansonsten stellen Sie einfach eines auf. Denn je nachdem, wo Sie sich befinden, brauchen Sie es unterschiedlich warm:

    • Im Bad werden 22 Grad empfohlen.
    • Im Wohnzimmer sollten 20 Grad herrschen.
    • In Flur, Küche (ohnehin meist durch Herd, Kühlschrankmotor und Backofen schon gut gewärmt) sowie Schlafzimmer reichen 17 bis 18 Grad.

    Gerade wenn Sie unter Schlafstörungen leiden, sollten Sie letzteres regelmäßig überprüfen, denn überhitzte Schlafzimmer mindern nachweislich die Schlafqualität. Greifen Sie lieber vor dem Einschlafen zur Wärmflasche, wenn Ihnen kalt ist.

  2. Beachten Sie den Gewöhnungseffekt
    Keinesfalls sollen Sie in Ihren eigenen vier Wänden frieren. Doch es ist auch übertrieben, im Winter daheim in T-Shirt und kurzer Hose rumlaufen zu wollen. Der menschliche Körper gewöhnt sich schnell an überhitzte Räume. Daher sollten Sie sich lieber einen gemütlichen Pulli überziehen, anstatt vorschnell die Heizung hoch zu drehen.
  3. Schließen Sie die Türen
    Wenn Sie in den Räumen unterschiedliche Temperaturen haben, sollten Sie die Verbindungstüren schließen. Gerade wenig oder unbenutzte Räume wie ein Hobby– oder Gästezimmer, kommen so sogar mit einer minimalen Beheizung aus (Empfehlung: 15 Grad, keinesfalls kälter, da sonst die Wände zu sehr auskühlen), ohne dass die Energie aus den umliegenden Räumen gezogen wird.

    Gerade wenn es im Dezember, Januar und Februar nachts richtig kalt wird, sollten Sie zudem die Rollläden herunter lassen, um für eine zusätzliche Isolation in den Räumen zu sorgen. Und selbst dicke Vorhänge bringen schon etwas.

  4. Isolieren Sie gut
    Fenster und Türen sowie die Wände hinter den Heizkörpern sollten gut isoliert und gedämmt sein. Für erstere gibt es in jedem Baumarkt schon für wenig Geld Isolierbänder, die Sie zur besseren Abdichtung ankleben können, für die Wände erhalten Sie dort ebenfalls Dämmmatten, die Sie einfach hinter der Heizung anbringen können.
  5. Nutzen Sie die moderne Technik
    Viele Heizthermostate sind inzwischen zentral oder sogar per App regulierbar. So können Sie die Heizung nachts mit einem Fingertipp automatisch um zwei oder drei Grad absenken, gleiches gilt für tagsüber, wenn Sie nicht zuhause sind. Zu sehr sollten Sie es mit der Absenkung der Temperatur allerdings auch nicht übertreiben, sonst brauchen Sie nur wieder unnötig Energie um zurück auf die Wohlfühltemperatur zu kommen. Falls Sie noch über ältere Thermostate verfügen, sollten Sie die Zahlen darauf genau beachten:

    • 16 Grad entspricht Sufe 2
    • 18 Grad entspricht Stufe 2,5
    • 20 Grad entspricht Stufe 3
    • 22 Grad entspricht Stufe 3,5

    Höher als maximal bis zu Stufe vier sollten sie den Heizregler nicht drehen.

  6. Räumen Sie gegebenenfalls um
    Keinesfalls sollten die Heizkörper bedeckt sein. Das frisst unnötig Energie, denn die Wärme kann sich so nicht ungehindert im Raum verteilen. Die Folge ist, dass die Heizung stärker arbeitet, als es eigentlich notwendig wäre. Stellen Sie also keine Kommoden, Sofas, Tische oder andere Möbel vor die Heizung. Selbst Gardinen sollten Sie kürzen. Da Hitze immer nach oben strömt, sollten Sie auch auf Auflagen verzichten.

Wenn Sie in nächster Zeit ohnehin einen Umzug planen, dann achten Sie dabei auch auf die Heizenergie: Die neue Wohnumgebung sollte gut isoliert, die Wohnfläche zudem nicht zu groß sein und nach Möglichkeit sollte es sich um ein Passiv- oder Niedrigenergiehaus handeln. Bei einer Wohnung ist zudem die Lage entscheidend: Eine Wohneinheit mittendrin ist immer wärmer als zum Beispiel im Erdgeschoss oder an einer Außenwand.

Weitere Tipps für Eigentümer

Wer ein Haus oder eine Wohnung sein Eigen nennt, hat noch weitere Möglichkeiten, seinen Energieverbrauch zu reduzieren. Richtig heizen bedeutet hier auch: richtig umbauen. Beispielsweise so:

  • Bauen sie moderne Thermostate ein.
  • Tauschen Sie alte Heizungspumpen aus.
  • Installieren Sie einen neuen Heizkessel.

Gerade die letzten beiden Punkte mögen für den Moment ordentlich ins Geld laufen. Doch diese Kosten amortisieren und rentieren sich schnell. Wer eine neumodische Luftwärmepumpe einbaut und diese sogar mit Solarstrom betreibt, wird schnell feststellen, wie der Energieverbrauch erheblich sinkt.

Auch andere Alternativen, wie zum Beispiel eine Heizung mit Holzpallets, reduzieren die Kosten erheblich. Dabei sollten Sie jedoch auch über genügend Platz für ein Vorratslager verfügen (mindestens acht Quadratmeter).

Bedenken Sie, dass Öl (und auch Gas) in den nächsten Jahren durch die gesetzlichen Regelungen über den CO2-Preis deutlich teurer werden dürften. Schätzungen zufolge dürfte sich der Ölpreis in fünf Jahren verdoppelt haben. Und auch Gas ist dabei kaum eine Einsparung, liegen die Kosten doch lediglich ungefähr um ein Drittel niedriger.

Ein Energieberater erstellt Ihnen gerne ein individuell passendes Angebot – je nach Bauart, Fläche, Lage, Boden und Nutzungsverhalten. Unabhängig davon sollten Sie Ihre aktuelle Heizung regelmäßig reinigen und entlüften (sowohl die Heizkörper als auch den -kessel) und gegebenenfalls das Wasser nachfüllen.

Richtig Heizen und Lüften hängen zusammen

Ein wichtiger Punkt in Zusammenhang mit dem richtigen Heizen ist das richtige Lüften. Damit sich kein Schimmel bildet, sollte die Luft in der Wohnfläche regelmäßig ausgetauscht werden. Dies verhindert auch, dass die Atemluft zu trocken wird und Ihr Immunsystem schwächt.

Dabei hilft es nicht, die Fenster gekippt zu lassen. Ganz im Gegenteil: Das kostet einen Haufen Energie, sorgt kaum für einen Luftaustausch, kühlt aber die Wände extrem stark aus. Besser ist es so:

  1. Schalten Sie die Heizung aus.
  2. Öffnen Sie die Fenster weit, am besten sorgen Sie sogar für Durchzug.
  3. Nach wenigen Minuten (fünf bis allerhöchstens zehn Minuten reichen) schließen Sie die Fenster wieder.
  4. Schalten Sie die Heizung wieder auf die gewohnte Stufe (nicht höher).
  5. Wiederholen Sie diesen Vorgang drei- bis viermal täglich.

Was Sie mit der richtigen Heizstrategie sparen können

Mit der richtigen Heizstrategie können Sie einiges an Geld sparen. Pro Grad weniger senkt sich der Energieverbrauch um ungefähr sechs Prozent. Gute Rollläden sparen noch einmal zwanzig Prozent ein. Das summiert sich mit der Zeit.

Dennoch sollten Sie nicht dazu übergehen, Ihre Heizung nun nachts oder tagsüber komplett auszuschalten und dann abends auf Stufe fünf zu drehen. Diese Taktik verbraucht eher mehr als weniger Energie. Richtig heizen bedeutet, die Temperaturen zu regulieren, aber nur minimal und nach Abwägung. Das Wiedererwärmen einer ausgekühlten Wohnung gehört nicht dazu.

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[Bildnachweis: New Africa by Shutterstock.com]
28. November 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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