Richtig heizen: Sparen ohne zu frieren

Richtig heizen im Winter scheint auf den ersten Blick nicht sonderlich schwierig zu sein, so möge man meinen: Wenn die kalten Tage kommen, wird einfach die Heizung aufgedreht, bis es mollig warm ist. Doch wer zu sorglos die Thermostate hochdreht, könnte spätestens bei der Heizkostenabrechnung eine ungute Überraschung erleben: Dann nämlich, wenn die Kosten in die Höhe geschnellt sind. Und auch für das Klima ist es wichtig, sich bewusste Gedanken um seine Heizgewohnheiten zu machen. Tipps und Strategien, wie Sie richtig heizen…

Richtig heizen: Sparen ohne zu frieren

Richtig heizen mit Holz-, Solar-, Gas- oder Ölheizung?

Wärmeerzeugung braucht viel Energie. Die Temperaturregulierung ist damit der größte Verursacher des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) in privaten Haushalten. Doch nicht nur aus ökologischen Gesichtspunkten sollte sparsam mit Heizenergie umgegangen werden: Heizkosten sind ein gewaltiger Kostenfaktor.

Mieter mögen diesen nicht so bewusst wahrnehmen, da eine entsprechende Pauschale ohnehin ein fest einkalkulierter Bestandteil der monatlichen Mietnebenkosten ist und die jährliche Abrechnung des Vorjahres im Falle einer Nachzahlung von vielen gedankenlos beglichen wird.

Hausbesitzer, die sich regelmäßig darum kümmern müssen, wann sie wie teuer ihr Heizöl einkaufen müssen, haben diese Kosten vielleicht schon eher im Blick. Sie überlegen sich, welche Heizung für sie die sinnvollste ist. Wer eine neumodische Luftwärmepumpe einbaut und diese sogar mit Solarstrom betreibt, wird schnell feststellen, wie der Energieverbrauch erheblich sinkt.

Auch andere Alternativen, wie zum Beispiel eine Heizung mit Holzpallets, reduzieren die Kosten erheblich. Dabei sollten Sie jedoch auch über genügend Platz für ein Vorratslager verfügen (mindestens acht Quadratmeter). Die Kosten für die Umrüstung amortisieren und rentieren sich schnell.

Bedenken Sie, dass Öl (und auch Gas) in den nächsten Jahren durch die gesetzlichen Regelungen über den CO2-Preis deutlich teurer werden dürften. Schätzungen zufolge dürfte sich der Ölpreis in fünf Jahren verdoppelt haben. Und auch Gas ist dabei kaum eine Einsparung, liegen die Kosten doch lediglich ungefähr um ein Drittel niedriger.

Weitere Tipps für Eigentümer

Im Alltag verschwinden Heizkosten meist aus dem Bewusstsein und werden abstrakt. Wer vergleicht und analysiert schon den exakten täglichen Energieverbrauch und rechnet diesen in Euro um?

Dies führt bei vielen Menschen dazu, dass sie recht sorglos mit ihren Heizgewohnheiten umgehen. Vermutlich wäre das psychologisch anders, wenn eine Heizung nur funktionieren würde, wenn man jedes Mal ein paar Münzen einwerfen müsste, damit sie für eine gewisse Zeit anspringt. Zwar ist dies ein völlig unrealistisches Szenario, doch machen Sie sich bitte trotzdem bewusst: Heizen kostet richtig viel Geld! Aber wenn Sie richtig heizen, können Sie so auch ordentlich sparen.

Wer ein Haus oder eine Wohnung sein Eigen nennt, kann seinen Energieverbrauch durch kleinere Umbauten bereits reduzieren. Richtig heizen bedeutet hier auch: richtig umbauen. Beispielsweise so:

  • Bauen sie moderne Thermostate ein.
  • Tauschen Sie alte Heizungspumpen aus.
  • Installieren Sie einen neuen Heizkessel.

Ein Energieberater erstellt Ihnen gerne ein individuell passendes Angebot – je nach Bauart, Fläche, Lage, Boden und Nutzungsverhalten. Unabhängig davon sollten Sie Ihre aktuelle Heizung regelmäßig reinigen und entlüften (sowohl die Heizkörper als auch den -kessel) und gegebenenfalls das Wasser nachfüllen.

Richtig heizen: Fußbodenheizung

Eine Überheizung der Räume ist mit einer Fußbodenheizung leichter vermeidbar. Denn sie kommt mit einer vergleichsweise geringen Oberflächentemperatur und somit weniger Energie aus.

Dafür benötigt eine Fußbodenheizung länger um sich aufzuheizen. Dies kann bis zu drei Stunden dauern. Dies ist entsprechend einzuplanen. Ebenso lange hält die Fußbodenheizung auch die Wärme. Sie können sie also bereits einige Stunden vor dem Zubettgehen herunter schalten.

Zudem gilt es, weitere Tipps zu beachten, damit Sie mit der Fußbodenheizung richtig heizen:

  • Kurze Heizpausen sparen im Verhältnis zu normalen Heizkörpern kaum Energie. Insofern lohnt es sich womöglich eher, die Fußbodenheizung auf einer konstant niedrigen Temperatur laufen zu lassen, anstatt sie andauernd auf- und abzuheizen.
  • Gestalten Sie Ihre Inneneinrichtung entsprechend der Heizung. Verzichten Sie möglichst auf dicke Teppiche und zu viele Möbel. Diese können die Heizenergie schlucken und die Wohnung wird weniger warm.
  • Achten Sie bei einer Renovierung auf die entsprechenden Bodenbeläge. Besonders gut sind Fließen geeignet. Holzparkett oder Laminat wirken hingegen eher dämmend und sind bei einer Fußbodenheizung weniger geeignet. Teppichboden sollten Sie komplett meiden.

Richtig heizen: Welche Stufe ist die richtige?

Richtig heizen bedeutet nicht, dass Sie frieren müssen. Selbstverständlich sollen Sie es im Winter warm haben. Doch es gibt fünf einfache Tipps und Tricks, die wenig Mühe kosten und schon viel bringen:

  1. Bewusst heizen
    Zunächst einmal ist es wichtig, dass Sie in jedem Raum die Temperatur im Blick haben. Moderne Heizthermostate verfügen sogar über eingebaute Thermometer, ansonsten stellen Sie einfach eines auf. Denn je nachdem, wo Sie sich befinden, brauchen Sie es unterschiedlich warm:

    • Im Bad werden 22 Grad empfohlen.
    • Im Wohnzimmer sollten 20 Grad herrschen.
    • In Flur, Küche (ohnehin meist durch Herd, Kühlschrankmotor und Backofen schon gut gewärmt) sowie Schlafzimmer reichen 17 bis 18 Grad.
  2. Gewöhnungseffekt beachten
    Keinesfalls sollen Sie in Ihren eigenen vier Wänden frieren. Doch es ist auch übertrieben, im Winter daheim in T-Shirt und kurzer Hose rumlaufen zu wollen. Der menschliche Körper gewöhnt sich schnell an überhitzte Räume. Daher sollten Sie sich lieber einen gemütlichen Pulli überziehen, anstatt vorschnell die Heizung hoch zu drehen.
  3. Türen schließen
    Wenn Sie in den Räumen unterschiedliche Temperaturen haben, sollten Sie die Verbindungstüren schließen. Gerade wenig oder unbenutzte Räume wie ein Hobby– oder Gästezimmer, kommen so sogar mit einer minimalen Beheizung aus (Empfehlung: 15 Grad, keinesfalls kälter, da sonst die Wände zu sehr auskühlen), ohne dass die Energie aus den umliegenden Räumen gezogen wird.
  4. Richtig heizen mit Raumthermostat
    Viele Heizthermostate sind inzwischen zentral oder sogar per App regulierbar. So können Sie die Heizung nachts mit einem Fingertipp automatisch um zwei oder drei Grad absenken, gleiches gilt für tagsüber, wenn Sie nicht zuhause sind. Zu sehr sollten Sie es mit der Absenkung der Temperatur allerdings auch nicht übertreiben, sonst brauchen Sie nur wieder unnötig Energie um zurück auf die Wohlfühltemperatur zu kommen. Falls Sie noch über ältere Thermostate verfügen, sollten Sie die Zahlen darauf genau beachten:

    • 16 Grad entspricht Sufe 2
    • 18 Grad entspricht Stufe 2,5
    • 20 Grad entspricht Stufe 3
    • 22 Grad entspricht Stufe 3,5

    Höher als maximal bis zu Stufe vier sollten sie den Heizregler nicht drehen.

  5. Umräumen der Wohnung
    Keinesfalls sollten die Heizkörper bedeckt sein. Das frisst unnötig Energie, denn die Wärme kann sich so nicht ungehindert im Raum verteilen. Die Folge ist, dass die Heizung stärker arbeitet, als es eigentlich notwendig wäre. Stellen Sie also keine Kommoden, Sofas, Tische oder andere Möbel vor die Heizung. Selbst Gardinen sollten Sie kürzen. Da Hitze immer nach oben strömt, sollten Sie auch auf Auflagen verzichten.

Richtig heizen: Nachts die Temperatur absenken

Gerade wenn Sie unter Schlafstörungen leiden, sollten Sie die Temperatur in Ihrem Schlafzimmer regelmäßig überprüfen.

Denn überhitzte Schlafzimmer mindern nachweislich die Schlafqualität. Greifen Sie lieber vor dem Einschlafen zur Wärmflasche, wenn Ihnen kalt ist.

Richtig heizen und lüften hängen zusammen

Ein wichtiger Punkt in Zusammenhang mit dem richtigen Heizen ist das richtige Lüften. Damit sich kein Schimmel bildet, sollte die Luft in der Wohnfläche regelmäßig ausgetauscht werden. Dies verhindert auch, dass die Atemluft zu trocken wird und Ihr Immunsystem schwächt.

Dabei hilft es nicht, die Fenster gekippt zu lassen. Ganz im Gegenteil: Das kostet einen Haufen Energie, sorgt kaum für einen Luftaustausch, kühlt aber die Wände extrem stark aus. Besser ist es so:

  1. Schalten Sie die Heizung aus.
  2. Öffnen Sie die Fenster weit, am besten sorgen Sie sogar für Durchzug.
  3. Nach wenigen Minuten (fünf bis allerhöchstens zehn Minuten reichen) schließen Sie die Fenster wieder.
  4. Schalten Sie die Heizung wieder auf die gewohnte Stufe (nicht höher).
  5. Wiederholen Sie diesen Vorgang drei- bis viermal täglich.

So hilft richtig heizen gegen Schimmel

Sie sollten alle Räume heizen – selbst, wenn Sie diese nicht regelmäßig benutzen. Denn wenn die Wände warm sind, kann sich dort keine Feuchtigkeit ansammeln. Zudem kann wärmere Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen.

Selbstverständlich sollten Sie die ungenutzten Räume auch nicht überhitzen. Aber 15-16 Grad (also Thermostat-Stufe 2) sollten es schon sein.

Richtig heizen: Türen und Fenster abdichten

Fenster und Türen sowie die Wände hinter den Heizkörpern sollten gut isoliert und gedämmt sein. Für erstere gibt es in jedem Baumarkt schon für wenig Geld Isolierbänder, die Sie zur besseren Abdichtung ankleben können, für die Wände erhalten Sie dort ebenfalls Dämmmatten, die Sie einfach hinter der Heizung anbringen können.

Gerade wenn es im Dezember, Januar und Februar nachts richtig kalt wird, sollten Sie zudem die Rollläden herunter lassen, um für eine zusätzliche Isolation in den Räumen zu sorgen. Und selbst dicke Vorhänge bringen schon etwas.

Wenn Sie in nächster Zeit ohnehin einen Umzug planen, dann achten Sie dabei auch auf die Heizenergie: Die neue Wohnumgebung sollte gut isoliert, die Wohnfläche zudem nicht zu groß sein und nach Möglichkeit sollte es sich um ein Passiv- oder Niedrigenergiehaus handeln. Bei einer Wohnung ist zudem die Lage entscheidend: Eine Wohneinheit mittendrin ist immer wärmer als zum Beispiel im Erdgeschoss oder an einer Außenwand.

Tipp: Sparen Sie mit der richtigen Heizstrategie

Mit der richtigen Heizstrategie können Sie einiges an Geld sparen. Pro Grad weniger senkt sich der Energieverbrauch um ungefähr sechs Prozent. Gute Rollläden sparen noch einmal zwanzig Prozent ein. Das summiert sich mit der Zeit.

Doch sollte man die Heizung immer anlassen oder ist es sinnvoll, die Heizung nachts oder tagsüber komplett auszuschalten und dann abends auf Stufe fünf zu drehen? Diese Taktik verbraucht eher mehr als weniger Energie. Richtig heizen bedeutet, die Temperaturen zu regulieren, aber nur minimal und nach Abwägung.

Das Wiedererwärmen einer ausgekühlten Wohnung gehört nicht dazu. Daher ist es besser, alle Räume dezent zu heizen, auch wenn Sie nicht zuhause sind.

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[Bildnachweis: New Africa by Shutterstock.com]
28. November 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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