Scheidung: Gründe, Ablauf, Kosten, Tipps

Wenn nach vielen Jahren die Ehe zerrüttet ist, hilft oft nur eine Scheidung. Am besten geht diese einvernehmlich vonstatten. So werden Nerven und Geldbeutel aller Beteiligten geschont.

Doch was, wenn dies nicht möglich ist? Wie läuft eine Scheidung überhaupt ab, was müssen Sie dabei beachten?

Wir klären die wichtigsten Fragen rund um die Scheidung und zeigen verschiedene Wege auf.

Scheidung: Gründe, Ablauf, Kosten, Tipps

Gründe für eine Scheidung

Gerade nach vielen Jahren Ehe ist die Liebe häufig nicht mehr so intensiv wie am Anfang. Das ist normal. Doch manchmal schlägt sie auch ins Gegenteil um: in Hass und Streit. Dies kann verschiedene Gründe haben:

  • Auseinanderleben und Verfolgung verschiedener Interessen, die mit der Zeit wichtiger werden
  • Unterschiedliche Auffassungen, wie eine Beziehung in Hinblick auf Werte, Ziele, Glaube, Sexualität und Kommunikation abzulaufen hat
  • Unterschiede im Bildungshintergrund der Partner
  • Enttäuschung und Frustration seitens einer der beiden Partner hinsichtlich Versprechungen und Verbindlichkeit innerhalb der Ehe
  • Veränderte Lebensumstände, welche die Routine, Rituale und die Sicherheit durcheinanderbringen wie Stress aber auch ein Ruhestand von einem der Partner
  • Verschiedene Persönlichkeiten, die sich im Laufe einer Ehe stärker herausbilden und zeigen

Wenn einer oder mehrere dieser Gründe nicht bewältigt werden können – zum Beispiel durch eine Paartherapie oder aus eigener Stärke – beziehungsweise kein Interesse daran bei einem der Ehepartner oder gar bei beiden daran besteht, dann bleibt oft nur noch der Weg zum Scheidungsrichter.

Ablauf einer Scheidung

Die Entscheidung, sich scheiden zu lassen, ist für viele Menschen kein einfacher Schritt. Kommt sie doch oft dem Eingeständnis gleich, mit einem Lebensentschluss und einem Traum gescheitert zu sein. Dies gilt es zunächst für sich selbst zu klären, damit der Weg frei ist für den Blick in die Zukunft.

In der Folge geht darum, einen gewissen Fahrplan für eine Scheidung einzuhalten:

  1. Gespräch
    An der ersten Stelle sollte immer das Gespräch mit dem Partner gesucht werden. Möglichst fair und neutral. Wenn Ihr Entschluss für eine Scheidung unumstößlich fest steht und Ihrer Meinung nach die Ehe nicht mehr zu kitten ist, ist ein ehrliches und offenes Gespräch mit dem Ehepartner, bei dem Sie sich beide ausreichend Zeit und Ruhe nehmen, der wichtigste Bestandteil. Dies sollte möglichst ohne Groll oder Vorwürfe ablaufen – nicht rückwärtsgewandt und verletzend, sondern wertschätzend und dankbar mit Blick auf eine vernünftige Zukunft. Auch wenn es schwer fällt: Schieben Sie diesen Schritt nicht vor sich her.
  2. Trennungsjahr
    Um geschieden werden zu können, müssen die Partner nachweislich getrennt leben. Dies ist am besten möglich, wenn sie für ein Jahr unterschiedliche Haushalte führen – ein Trennungsjahr lässt sich aber auch in einem gemeinsamen Haushalt führen, wenn nachgewiesen werden kann, dass jeder für sich gewirtschaftet und gelebt hat. Sollte einer der beiden Ehepartner einer Scheidung nicht zustimmen, beträgt die Trennungszeit drei Jahre. Liegt ein Härtefall vor, wie zum Beispiel Gewalt in der Ehe, kann die Scheidung auch deutlich schneller erfolgen. Dies zu beurteilen ist Sache des Familiengerichts.
  3. Sofortmaßnahmen
    Sicherheitshalber sollten Sie zu Beginn der Trennung einige Sofortmaßnahmen ergreifen. Dazu gehört, all Ihre offiziellen Dokumente zu sichern, Kopien von Verdienst- und Vermögenswerten anzufertigen, Zahlungen auf ein neues Konto umzuleiten, Vollmachten zu widerrufen und gegebenenfalls die Haustürschlösser auszutauschen, wenn Ihr Partner die gemeinsame Wohnung verlässt. Bei gemeinsamen, minderjährigen Kindern sollte zudem Rat beim zuständigen Jugendamt gesucht werden.
  4. Anwalt
    Suchen Sie sich einen Anwalt, zu dem Sie Vertrauen haben. Am besten einer, der sich auch mit dem Thema Mediation auskennt. Wer sich einvernehmlich scheiden lässt, kann sich auch einen gemeinsamen Rechtsanwalt nehmen – dies erspart viele juristische Mühlen und letztendlich Kosten. Zudem schont diese Art die Nerven aller Beteiligten. Durch die Beauftragung eines Anwaltes wird die Trennung offiziell.
  5. Antragstellung
    Ungefähr zwei bis drei Monate vor Ablauf des Trennungsjahres sollte der Scheidungsantrag beim zuständigen Gericht gestellt werden. Dies geschieht durch den Anwalt – sollte Sie in der Regel also nicht kümmern.
  6. Gerichtsverfahren
    Das Gericht klärt nun durch Versenden von Formularen die Fragen der zukünftigen Versorgungsansprüche, Sorgerecht und der Aufteilung des Vermögens. Am besten klären Sie diese Fragen im Vorfeld – dies minimiert Zeit und Kosten. Die endgültige Entscheidung wird dann in einer mündlichen Verhandlung getroffen, zu der die beteiligten Noch-Ehepartner ungefähr ein halbes bis ein Jahr nach Antragstellung geladen werden und persönlich erscheinen müssen.
  7. Scheidung
    Sofern keine weiteren Hindernisse auftreten, die eine längere Verhandlung erfordern, wird der Richter die Ehe bereits beim ersten Termin für geschieden erklären. Verzichten beide Partner auf Rechtsmittel, ist die Scheidung also sofort wirksam. Andernfalls kann sich das Verfahren über mehrere Monate bis sogar Jahre hinziehen, bis in einem streitigen Verfahren eine Scheidung rechtskräftig ist.
  8. Ummeldungen
    Nach der Scheidung ist es wichtig, dass Sie sich sowohl bei den entsprechenden Versicherungen (zum Beispiel bei der Renten– und der Krankenversicherung) als auch in Hinblick auf die Steuerklasse entsprechend ummelden und die Scheidung bekannt geben.

Tipp: Einvernehmliche Scheidung

Es ist bekannt: Bei einer streitigen Scheidung verlieren oft beide Seiten. Dennoch ist sie leider immer noch der Regelfall, da hier neben persönlichen Eitelkeiten und Kränkungen vor allem unterschiedliche Ansichten über die zukünftige finanzielle Situation und oft auch über das Sorgerecht für gemeinsame minderjährige Kinder unüberwindbar erscheinen.

Dennoch ist es ratsam, auch hier zunächst eine einvernehmliche Scheidung anzustreben – das heißt, beide Partner sollten sich über Ablauf und gegenseitige Ansprüche im Vorfeld einig werden. Dabei sind folgende Dinge zu beachten:

  • Fragen zu Unterhalt, Sorgerecht und Vermögensverteilung werden zuvor außergerichtlich geklärt.
  • Eine einvernehmliche Scheidung ist im Hinblick auf Anwalts- und Gerichtskosten deutlich billiger.
  • Wer sich vorher einigt, kann in der Regel früher ein neues Kapitel im Leben aufschlagen, da eine einvernehmliche Scheidung immer schneller vonstatten geht als eine streitige.
  • Zudem können sich die Noch-Ehepartner einen gemeinsamen Anwalt nehmen und unter Umständen sogar einen Antrag auf Verfahrenskostenhilfe stellen.
  • Auch ein Mediationsverfahren kann vor der eigentlichen Scheidung zu einem friedlichen Auseinandergehen führen, bei dem beide Seiten von einer Win-Win-Lösung, einem Konsens, profitieren.
  • Bei einer einvernehmlichen Scheidung sind einseitige Anträge einer der beiden Parteien gegen den Willen des anderen jedoch ausgeschlossen.

Kosten einer Scheidung

Pauschal lassen sich die Kosten für eine Scheidung nicht beziffern. Diese sind immer abhängig vom Einkommen und dem Vermögen der beteiligten Parteien, sowie der Arbeit, die Anwälte und Gerichte mit dem Scheidungsfall haben.

Auch ist wie erwähnt eine Scheidung wesentlich günstiger, wenn sich beide Parteien vor der Scheidung bereits über viele Dinge einig geworden sind – dies mindert den Streitwert.

Durchschnittlich belaufen sich die Anwaltsgebühren für eine Scheidung in Deutschland auf rund 2.000 Euro pro Partei. Hinzukommen noch Gerichtskosten von ungefähr 300 bis 400 Euro. Bei einer einvernehmlichen Scheidung liegen im Kosten im Schnitt um circa ein Viertel niedriger.

Je mehr Anträge gestellt werden in Bezug auf Unterhalt, Ausgleichszahlungen, Sorgerecht und ähnliches, umso höher der Streitwert und umso deutlicher wachsen die Kosten an. Bei einer langwierigen und streitigen Scheidung über hohe Vermögenswerte sind Kosten von bis zu 10.000 Euro oder gar darüber keine Seltenheit.

Tipp: Das steht Ihnen bei einer Scheidung zu

Was Ihnen nach einer Scheidung zusteht, lässt sich ebenfalls nicht pauschal beantworten. Im deutschen Recht ist die Schuldfrage bei einer Scheidung seit vielen Jahren nicht mehr präsent, insofern geht es inzwischen hauptsächlich um die Frage, wer was in die Ehe mit eingebracht hat, was gemeinsam in einer Zugewinngemeinschaft erwirtschaftet wurde und welche Versorgungsansprüche sich für die Zukunft daraus ergeben.

Grundsätzlich haben Sie Anspruch darauf, dass folgende Fragen geklärt werden:

  • Unterhaltszahlungen für Sie und die Kinder, die bei Ihnen leben
  • Aufteilung von Vermögen, Immobilien und materiellen Gütern
  • Ansprüche und Versorgungsausgleich in Bezug auf die Altersvorsorge
  • Begleichung von Krediten
  • Umgangs- und Sorgerecht in Bezug auf die Kinder

Welche Ansprüche Sie auf welchem Feld genau haben, kann Ihnen Ihr Anwalt auf den Einzelfall abgestimmt en detail aufschlüsseln und das entsprechende Vorgehen klären.

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[Bildnachweis: Elnur by Shutterstock.com]
12. Oktober 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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