Schluckstörung: Wenn das Essen zur Qual wird

Gerade im Alter leiden viele Menschen an einer Schluckstörung (Fachbegriff: Dysphagie). Schätzungen zufolge sind bis zu 20 Prozent der Über-50-jährigen davon betroffen. Mit einer Schluckstörung ist es schwer, unbeschwert Flüssigkeiten und Essen zu sich zu nehmen, denn die Angst vor dem Verschlucken schränkt die Betroffenen psychisch wie physisch stark ein. Wir zeigen Ursachen, Symptome und Therapie von Schluckstörungen. Außerdem: Erkennen Sie mit einem Test Schluckstörungen frühzeitig.

Schluckstörung: Wenn das Essen zur Qual wird

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Sind Schluckstörungen psychisch?

Unter einer Schluckstörung versteht man einen schmerzenden oder blockierenden Hals- und Rachenraum während des Aktes des Schluckens. Medizinisch wird die Schluckstörung mit dem Fachbegriff Dysphagie bezeichnet. Sie kann ihren Urspruch im Rachen (oropharyngeal) oder dem Magen (ösophageal) haben. Die Schluckbeschwerden werden zudem in vier Stufen von schwer bis leicht eingeteilt, wobei die Grenzen fließend sind.

Allen Störungen gemein ist, dass sich bei der Nahrungsaufnahme häufig Beschwerden wie Verschlucken und Hustenanfälle zeigen. Dadurch gelangt die feste und flüssige Nahrung unkontrolliert in die Luftröhre oder die Nase.

Viele Betroffene klagen darüber hinaus über Würgereflexe und das Gefühl, dass die Nahrung im Hals stecken bleiben würde. Dies verursacht mit der Zeit starke Schmerzen im Hals- und Brustbereich, was die Angst vor dem Schlucken weiter verstärkt.

Nur: Ist Schluckstörung eine Diagnose oder eher ein Symptom einer anderen Krankheit? Eine Schluckstörung ist ein schwerwiegendes physisches wie psychisches Problem gleichermaßen. Sowohl der Schlucktrakt in Mund und Rachen ist dabei betroffen, als auch die Reflexe, die durch psychologische Blockaden weiter vermindert werden. Dies ist in der Regel Folge einer Erkrankung.

Schluckstörung Ursachen

Die Ursachen für eine Schluckstörung können vielfältig sein. Meist liegen körperliche Probleme vor, zuweilen können Schluckbeschwerden rein psychischer Natur sein.

Mögliche Gründe und Auslöser für Schluckstörungen sind häufig:

  • Entzündungen und Erkrankungen
    Wenn es durch Infektionen zu Fehlbildungen im Mund- und Rachenraum beziehungsweise in Luft- und Speiseröhre kommt, kann das Schlucken schnell schwierig werden und Schmerzen bereiten.
  • Demenz
    Patienten, die an Demenz leiden, vergessen häufig zu schlucken oder haben diesen eigentlich automatisierten Prozess verlernt.
  • Muskel- und Nervenkrankheiten
    Erkrankungen wie Parkinson, Multiple Sklerose, ALS oder andere Störungen am Nervensystem (beispielsweise durch einen Unfall oder Zeckenbiss) machen die Steuerung des Schluckaktes oft schwierig bis unmöglich.
  • Fehlstellungen oder Hindernisse
    Bei externen Eingriffen kann es zu Fehlstellungen des Kiefers und des Gaumens kommen. Die Nahrung kann nicht mehr sauber geschluckt werden und bleibt im Hals stecken. Zudem können Abszesse zu Hindernissen werden.
  • Medikamente
    Bestimmte Medikamente wie zum Beispiel Antidepressiva oder Kortisonpräparate können dazu führen, dass sich Schluckreflexe verlangsamen oder zurückbilden.

Schluckstörung nach Schlaganfall

Ein weiterer Grund kann ein Schlaganfall sein. Nach einem Apoplex müssen mitunter viele Reflexe, die zuvor selbstverständlich waren, neu erlernt werden.

Darunter zählt in vielen Fällen das Schlucken. Manchmal bleibt sogar eine Lähmung zurück, die das Schlucken dauerhaft nicht mehr möglich macht.

Schluckstörungen im Alter: Schnelle Diagnose wichtig

Schluckstörungen sind daher eine typische Alterserkrankung. Zum einen kommen Schlaganfall, Nervenkrankheiten oder Demenz eher im Alter vor. Zum anderen nehmen ältere Menschen eher Medikamente zu sich, von denen einige eine Schluckstörung als Nebenwirkung haben können.

Mit einer Schluckstörung sollten Sie nicht lange zuwarten. Hält diese länger als zwei Wochen an, sollten Sie spätestens dann einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufsuchen. Schließlich ist die Nahrungsaufnahme dann nur mehr eine Qual und kein Genuss mehr.

Der HNO-Arzt wird zunächst im Gespräch klären, woher genau die Schluckstörung rührt und wo sie zu verorten ist. Dazu wird er Sie zu Auftreten, Häufigkeit und Beschwerden der Einschränkung befragen.

Im Anschluss wird er sich den Prozess der Nahrungsaufnahme genau ansehen – meist mittels bildgebenden Verfahren wie Röntgen oder Computertomographie (CT). Zudem kommen spezielle Endoskope zum Einsatz, die in den Hals-Rachenraum eingeführt werden. Unter Umständen ist Magenspiegelung notwendig, die unter örtlicher Narkose durchgeführt wird. Neurologische Untersuchungen können Nervenerkrankungen ausschließen oder bestätigen.

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Schluckstörungen Therapie: Ist eine Schluckstörung heilbar?

Was kann man gegen eine Schluckstörung machen? Ist die Schluckstörung genau lokalisiert und diagnostiziert, treten verschiedene Therapeuten auf den Plan. Logopäden, Ernährungs- und Ergotherapeuten sowie der HNO-Arzt erarbeiten im Team eine gemeinsame Therapie, um die Schluckstörung zu beseitigen oder zumindest abzumildern.

Zum einen werden den Betroffenen Übungen beigebracht, um das Schlucken zu erleichtern. Zum anderen werden spezielle Nahrungszubereitungen gelehrt, die das Essen überhaupt erst wieder ermöglichen soll. Zudem wird an Körperhaltung, Atmung und Muskelkontrolle gearbeitet. Gerade die Muskulatur im Hals- und Rachenbereich lässt sich gut trainieren.

Ist die Schluckstörung schwerwiegender, müssen operative Methoden zum Einsatz kommen. Meist verschafft ein Luftröhrenschnitt deutliche Besserung – die Atmung beziehungsweise die Ernährung erfolgen nun durch eine Kanüle oder eine externe Sonde.

Spezialklinik für Schluckstörungen finden

In Deutschland gibt es drei Kliniken, die sich auf Schluckstörungen spezialisiert haben. Sie gehören alle zum Verbund der Privatkliniken Schön. Diese dürften jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach kaum in der Nähe Ihres Wohnortes liegen. Eine liegt in Hamburg, die beiden anderen in Bayern. Genauer gesagt befinden sich die Standorte in Bad Aibling Harthausen, München Schwabing und Hamburg Eilbek.

Außerdem gibt es Reha-Kliniken, die zwar nicht als Spezialklinik gelten, aber durchaus Experten für Schluckstörung beschäftigen:

  • Passauer Wolf Klinik in Bad Gögging
  • Stimmheilzentrum in Bad Rappenau
  • Medical Park in Bad Rodach

Eine Behandlung in solch einer Spezialklinik für Schluckstörungen sollte ohnehin das letzte Mittel sein. Nämlich dann, wenn Ihre behandelnden Ärzte und Therapeuten vor Ort keine weiteren Therapiemöglichkeiten mehr wissen. In der Regel werden in solch einer Klinik schwierige Operationen an der Luftröhre durchgeführt.

Pflegemaßnahmen bei Schluckstörungen

Mit einer Schluckstörung ist es schwierig, jede beliebige Art von Speisen zu sich zu nehmen. Spezielle Zubereitungen erleichtern dabei jedoch die Nahrungsaufnahme. Einige Möglichkeiten sind im Folgenden beispielhaft aufgeführt:

  • Speziell hergestellte Trinknahrung ist in diversen Geschmacksrichtungen im Handel erhältlich. Diese ist mit allen lebenswichtigen Ernährungsbestandteilen versetzt, so dass keine Mangelernährung auftritt.
  • Alternativ dazu können Sie selbst Flüssigkeiten andicken, damit diese besser geschluckt werden können und sich die Gefahr des Verschluckens deutlich minimiert. Suppen und Getränke können nun viel angenehmer aufgenommen werden. Je nach Ausgangsgeschmack sind Honig, Sirup oder Pudding dabei natürliche Andickungsmöglichkeiten. Xanthan und Guarkernmehl haben sich ebenfalls bewährt, da sie zusätzlich über pflanzliche Ballaststoffe verfügen.
  • Speisen sollten püriert werden. So sind sie weich und müssen weniger gekaut werden. Daher sind sie leichter zu schlucken. Kleinere Bestandteile, wie Fettfasern oder Fruchtfleisch, die normalerweise fürs Verschlucken sorgen, stellen somit keine Gefahr mehr dar.
  • Halten Sie Portionen klein. Dies gilt für die Gesamtmenge und für die Menge, die sich gleichzeitig im Mund befindet. Trinkbecher und spezielle Esshilfen erleichtern diese Dosierung. Den Betroffenen muss zudem ausreichend viel Zeit und Ruhe zum Essen gegeben werden. Auf Gespräche sollte während der Nahrungsaufnahme möglichst verzichtet werden.
  • Selbst wenn die feste Nahrung püriert und die flüssige verdickt ist, sollte sie dennoch so appetitanregend wie möglich serviert werden. Spritztüten helfen dabei, diese in eine optisch ansprechende Form zu bringen.
  • Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung, in der alle Vitamine oder Nährstoffe, die der Körper braucht, vorhanden sind. Nur weil die Nahrung anders zubereitet wird, darf die gesunde Ernährung nicht auf der Strecke bleiben.
  • Nach den Mahlzeiten sollte der Mund von den Nahrungsresten befreit werden, um ein nachträgliches Verschlucken zu verhindern. Zudem sollten die Betroffenen noch eine Weile aufrecht sitzen bleiben, damit die Nahrung problemlos nach unten wandern kann.

Tipp: Das können Sie bei einer Schluckstörung tun

Schluckstörungen treten selten sofort in extremer Form auf (Ausnahme: Schlaganfall). Meist bilden sie sich sukzessive. Daher sollte man bereits im Frühstadium dagegenwirken und das Thema keinesfalls tabuisieren.

Einige Möglichkeiten, was Sie oder Ihre Angehörigen bei einer beginnenden Schluckstörung tun können:

  • Machen Sie Zungen- und Lippenübungen. Sie können zum Beispiel mit geschlossenen Lippen zunächst breit grinsen und im Anschluss die Lippen spitzen. Ebenfalls können Sie die Zunge bei weit geöffnetem Mund schnell herausstrecken und wieder hineinziehen. Wiederholen Sie diese Übungen jeweils mehrmals.
  • Leichte Massagen oder Wärmeanwendungen am Hals- und Rachenbereich haben sich ebenfalls als hilfreich erwiesen, um die Schluckmuskulatur zu entspannen.
  • Ändern Sie die Kopfhaltung bei der Nahrungsaufnahme. Beugen Sie diesen eher nach hinten anstatt nach vorne.
  • Ein Logopäde oder ein Ergotherapeut kann Ihnen ebenfalls helfen, spezielle Techniken zu erlernen, mit denen das Schlucken leichter fällt.
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Schluckstörungen Symptome: Wie äußert sich eine Schluckstörung?

Stellt sich zum Abschluss die Frage, woran man eine Schluckstörung erkennt. Die häufigsten Symptome, an denen man eine Schluckstörung festmachen kann, sind folgende:

  • Verzögertes Schlucken und langes Belassen der Nahrung im Mund
  • Husten und Würgen nach dem Schluckakt
  • Überlaufen des Mundes, so dass sich Speisereste auch auf die Kleidung verteilen
  • Übermäßiger Speichelfluss
  • Belegte Stimme – gerade nach einem Schluckreflex
  • Verletzungen im Mundbereich durch Fehlbisse
  • Im schlimmsten Fall: Erstickungsanfälle und Atemnot nach einem Schluckakt

Da das Essen und Trinken den Betroffenen keine Freude mehr bereitet, sondern nur noch belastend ist, kommt es meist in der Folge zu einer teilweisen oder kompletten Verweigerung der Nahrungsaufnahme. Dies führt wiederum langfristig zu Gewichtsabnahme und Unterernährung.

Da sogar das Trinken große Probleme macht, dehydrieren die Patienten oft nach kurzer Zeit, was weitere schwerwiegende, gesundheitliche Folgen hat.

Test Schluckstörungen

Wie erwähnt entwickelt sich eine Schluckstörung meist nach und nach. Aus diesem Grund ist es wichtig, sie frühzeitig zu erkennen. Ein kleiner Test kann darüber Anhaltspunkte und Orientierung geben.

  • Müssen Sie während des Essens oder Trinken oft husten oder sich räuspern?
  • Klingt Ihre Stimme häufig gurgelig nach einer Mahlzeit?
  • Befinden sich nach dem Essen oft Schleim oder Speisereste im Mund- und Rachenbereich?
  • Haben Sie Probleme, Tabletten zu sich zu nehmen?
  • Litten Sie schon einmal unter Atemnot bei einer Mahlzeit oder trat die Nahrung sogar schon aus der Nase wieder aus?
  • Benötigen Sie auffallend länger für Ihre Mahlzeiten als noch vor Monaten?
  • Verzichten Sie auf trockene Speisen, weil Sie Angst haben, diese nicht mehr schlucken zu können?
  • Haben Sie öfters das Gefühl, in Ihrem Hals würde ein Kloß sitzen?

Wer die meisten dieser Fragen mit JA beantwortet, sollte dies von seinem Hausarzt abklären lassen. Je früher eine Schluckstörung erkannt wird, umso leichter lässt sie sich therapieren.

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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informiert Sie nur allgemein. Er kann und soll eine medizinisch-ärztliche Beratung nicht ersetzen. Vor der Einnahme eines Medikamentes lesen Sie bitte die Packungsbeilage sorgfältig durch und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

[Bildnachweis: oOhyperblaster by Shutterstock.com]

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