Schmerzmittel: Rezeptfreie Helfer mit Nebenwirkungen

Rezeptfreie Schmerzmittel gelten als praktische Helfer gegen die lästigen Signale des Körpers, dass etwas nicht stimmt. Einfach ein paar Tabletten einwerfen und alles ist wieder gut… Kurzfristig kann dies durchaus sinnvoll sein, um beispielsweise die Spirale von Schmerzen und verkrampften Schonhaltungen zu durchbrechen. Doch wer über einen längeren Zeitraum regelmäßig auf Schmerzmittel zurück greift, setzt sich einem unnötigen Risiko aus. Denn die Tabletten haben mehr Nebenwirkungen als von vielen gedacht. Alles zu den gebräuchlichsten Schmerzmitteln, ihrer Anwendung und den Gefahren…

Schmerzmittel: Rezeptfreie Helfer mit Nebenwirkungen

Definition: Was sind Schmerzmittel?

Schmerzmittel, sogenannte Analgetika, hemmen das Schmerzempfinden im Körper, in dem sie die Schmerzrezeptoren im Gehirn und im zentralen Nervensystem blocken. Auf diese Weise werden Schmerzen für einen bestimmten Zeitraum unterdrückt und der Betroffene fühlt sich wieder beschwerdefrei. Dies kann kurzfristig gegen dabei helfen, dass aufgrund der Schmerzen keine Fehlhaltungen oder Muskelverkrampfungen entstehen, die die Schmerzen wiederum weiter verstärken.

Treten die Schmerzen jedoch über einen längeren Zeitraum auf, müssen sie als Alarmzeichen des Körpers ernst genommen und ärztlich untersucht werden, denn sie sind ein Anzeichen, dass etwas nicht stimmt.

Ob bei Rücken-, Glieder- oder Kopfschmerzen: Die Liste an Schmerzmitteln ist lang. Die meisten davon, wie zum Beispiel das beliebte Novalgin, sind verschreibungspflichtig. Das bedeutet, dass der Arzt ein Rezept ausstellen muss, da diese Medikamente zu stark dosiert sind, die Gefahr einer möglichen Abhängigkeit bergen oder die Nebenwirkungen erheblich sein können.

Daher ist es wichtig, dass sie nicht über einen längeren Zeitraum eingenommen werden dürfen. Sie werden zum Beispiel zu einer akuten Schmerztherapie oder nach einer OP verschrieben.

Es gibt jedoch auch Schmerzmittel, die man einfach in der Apotheke rezeptfrei kaufen kann. Auf diese möchten wir uns in diesem Artikel konzentrieren. Zwar sind die Markennamen durchaus unterschiedlich, weswegen die Auswahl auf den ersten Blick unübersichtlich erscheint, doch die meisten von ihnen beinhalten einen der vier folgenden Wirkstoffe:

  • Acetylsalicylsäure (ASS)
  • Paracetamol
  • Ibuprofen
  • Diclofenac

Nun könnte man meinen, man greift einfach zum Testsieger und die Schmerzen sind auf wundersame Weise verschwunden. Doch so einfach ist es nicht. Die vier Schmerzmittel weisen hinsichtlich Wirksamkeit aber auch Nebenwirkungen durchaus gravierende Unterschiede auf. Daher sollte in der Anwendung nicht nach persönlicher Vorliebe entschieden werden, sondern danach, welche Art von Schmerzen vorliegen. Akute Rückenschmerzen müssen beispielsweise anders behandelt werden als Kopfschmerzen.

Professor Hans-Raimund Casser, ärztlicher Direktor des DRK Schmerzzentrums ins Mainz drückt es so aus:

Jedes der Medikamente hat einen anderen chemischen Aufbau. Deshalb gibt es auch Unterschiede in der Wirkweise, den möglichen Nebenwirkungen und den Anwendungsgebieten.

So zählen ASS, Ibuprofen und Diclofenac zu den sogenannten nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR). Der Name rührt daher, dass diese Medikamente früher vorrangig gegen Rheuma und Arthritis eingesetzt wurden. Sie hemmen das Enzym Cyclooxygenase (COX), das dafür sorgt, dass der Körper bei Entzündungen oder Verletzungen Schmerzen als Alarmsignal empfindet. Zudem regeln die COX-Enzyme auch die Körpertemperatur und die Entzündungsvorgänge.

NSAR gelten daher nicht nur als schmerzlindernd, sondern auch als leicht entzündungshemmend. Dafür können sie langfristig den Magen-Darm-Trakt schädigen und die Blutgerinnung negativ beeinflussen.

Wie genau die einzelnen Schmerzmittel sich voneinander unterscheiden, soll in den folgenden Kapiteln näher beleuchtet werden.

Die wichtigsten Schmerzmittel: Acetylsalicylsäure

Acetylsalicylsäure gilt als Klassiker unter den Schmerzmitteln. Insbesondere bei Kopfschmerzen kommen die Tabletten zum Einsatz – meist in Dosierung von 500 Milligramm. Sogar Migräne und starke Spannungskopfschmerzen lassen sich mit ASS gut in den Griff bekommen.

Aber auch bei Erkältungen helfen die fiebersenkenden und entzündungshemmenden Eigenschaften der Acetylsalicylsäure.

Allerdings gilt ASS auch als ein Medikament, das die Blutgerinnung stark und vor allem für eine verhältnismäßig lange Zeit beeinträchtigt. Diese „blutverflüssigende“ Eigenschaft wurde bereits noch Tage nach der Einnahme nachgewiesen, wenn der schmerzlindernde Effekt schon längst wieder verschwunden ist. Daher solle Acetylsalicylsäure nicht bei Regelschmerzen oder Zahnschmerzen eingesetzt werden.

Die Hemmung der Blutgerinnung macht ASS jedoch auch für den Einsatz auf einem anderem Gebiet interessant: insbesondere bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann es nämlich gegen Gefäßverstopfungen hilfreich sein und wird daher gerne in niedriger Dosierung (100 Milligramm) verordnet.

ASS kann allerdings bei häufigerer und normal dosierter Einnahme die Magenschleimhaut reizen und sogar schädigen.

Die wichtigsten Schmerzmittel: Paracetamol

Paracetamol zählt nicht zu den nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) und wirkt daher auch nicht entzündungshemmend. Es ist ein einfaches Basisschmerzmittel, das bei Zahn-, Regel- oder Kopfschmerzen eingesetzt wird.

Zudem wirkt es fiebersenkend, was gerade bei Erkältungen, aber auch bei tropischen Erkrankungen wie zum Beispiel dem Dengue-Fieber von Vorteil ist. Zudem schädigt es auch nicht die Schleimhäute oder erhöht etwa die Gefahr von Blutungen, weshalb es sogar Kindern oder Schwangeren verordnet werden kann.

Ungefährlich ist Paracetamol dennoch nicht. Bei längerer Einnahme oder Überdosierung führt es zu Leberschäden, weswegen es rezeptfrei nur noch in Tabletten à 500 Milligramm erhältlich ist.

Paracetamol wirkt vor allem im zentralen Nervensystem. Neben der leichten Hemmung der COX-Enzyme senkt es außerdem noch weitere Botenstoffe, wie zum Beispiel die sogenannten Endocannabinoide.

Die wichtigsten Schmerzmittel:Ibuprofen

Ibuprofen ist ebenfalls ein sehr beliebtes und weiter verbreitetes Schmerzmittel. Im Gegensatz zu Acetylsalicylsäure ist die entzündungshemmende Wirkung um einiges stärker, jedoch ohne das Risiko einer geringeren Blutgerinnung.

Aufgrund dieser Eigenschaften wird es insbesondere bei Schmerzen eingesetzt, die aufgrund einer Entzündung von Gelenken, Knochen oder Muskeln entstehen.

Aber auch Rheuma, Kopfschmerzen beziehungsweise Mandel- und Mittelohrentzündungen können mit Ibuprofen behandelt werden.

Das Medikament wird in niedriger Dosierung auch Kindern verabreicht. Erwachsene nehmen in der Regel eine Tablette à 400 Milligramm, bei Bedarf eine zweite. Eine dauerhafte Einnahme oder eine Überdosierung kann die Leber, sowie die Nierenfunktion schädigen. Zudem macht Ibuprofen in höherer Dosierung leicht schläfrig.

Die wichtigsten Schmerzmittel: Diclofenac

Diclofenac kommt insbesondere bei Schmerzen an den Gelenken wie Prellungen, Verstauchungen oder Zerrungen zum Einsatz. Aber auch Rückenschmerzen lassen sich mit Diclofenac gut in den Griff bekommen. Es ist damit dem Ibuprofen in der Anwendung und der Wirkung recht ähnlich.

Da es nicht nur in Tablettenform (rezeptfrei bis 25 Milligramm), sondern auch als Salbe erhältlich ist, wird es vor allem bei Sportverletzungen gerne eingesetzt. Bei manchen Menschen kann dies jedoch einen Hautausschlag hervorrufen.

Über einen längeren Zeitraum angewandt, kann die Einnahme von Diclofenac das Risiko von Herzinfarkten sowie Schlaganfällen erhöhen, sowie Nieren und Leber schädigen.

Wie Ibuprofen macht auch Diclofenac müde, weshalb man bei höherer Dosierung vom Betrieb von Maschinen oder der Teilnahme am Straßenverkehr absehen sollte.

Schmerzmittel: Dauer und Gefahren

Schmerzmittel sollten ausschließlich für einen kurzen Zeitraum zum Einsatz kommen. Ärzte empfehlen, diese nicht häufiger als zwei bis drei Tage pro Monat einzunehmen.

Wenn die Schmerzen länger anhalten, sollten diese ärztlich untersucht werden. Keinesfalls sollte mit der Anwendung von Schmerzmitteln über mehrere Wochen eine Selbstmedikation betrieben werden. Das hat gute Gründe:

  • Nebenwirkungen

    Wie oben ersichtlich, ist kein Schmerzmittel frei von Risiko – jedes hat seine Nebenwirkungen. Diese werden vielleicht nicht unmittelbar sichtbar, wenn sie jedoch eintreten, können diese schwerwiegend sein.

  • Unterschätzung

    Ein kleines Ziehen hier, ein gewisser Druck da – wer zu schnell zu einem Schmerzmittel greift, verliert das Körpergefühl und unterschätzt die Selbstheilungskräfte des Körpers.

  • Betäubung

    Wer Schmerzen mit einem Schmerzmittel betäubt, läuft Gefahr, zu denken, alles sei wieder in Ordnung. Das ist aber oft mitnichten so. Lange anhaltende Schmerzen sind ein Alarmzeichen des Körpers. Diesen muss auf den Grund gegangen werden und die Ursache therapiert werden. Daher ersetzt kein Schmerzmittel mittel- und langfristig den Arzt.

  • Schmerzmittel in der Diskussion

    Da die Nebenwirkungen einiger Schmerzmittel in der Bevölkerung noch immer viel zu wenig bekannt sind und diese als harmlos betrachtet werden, fordern immer mehr Experten eine generelle Verschreibungspflicht. Insbesondere da mögliche Nebenwirkungen zeitlich nur sehr verzögert eintreten, aber dann mitunter lebensbedrohlich sein können, ist dies seit einigen Jahren in der Diskussion.

    Es ist dennoch fraglich, ob eine Rezeptpflicht für Schmerzmittel durchgesetzt werden kann. Im Gegensatz zu anderen verschreibungspflichtigen Medikamenten sind die Nebenwirkungen von Schmerzmitteln noch relativ überschaubar.

    Daher sollten die Bürger selbst so mündig sein und sich über Wirkungen und Risiken informieren. Es gilt auf jeden Fall in diesem Zusammenhang der Grundsatz:

    So wenig wie nötig, so kurz wie möglich.

    Wichtiger Hinweis

    Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informiert Sie nur allgemein. Er kann und soll eine medizinisch-ärztliche Beratung nicht ersetzen. Vor der Einnahme eines Medikamentes lesen Sie bitte die Packungsbeilage sorgfältig durch und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

    [Bildnachweis: Sergii Gnatiuk by Shutterstock.com]
28. April 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

Die Herbstlust-Redaktion besteht aus erfahrenen Autoren mit langjähriger Berufserfahrung. Trotz sorgfältiger Recherche erheben die Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informieren lediglich allgemein. Der vorliegende Artikel kann eine fachliche oder ärztliche Beratung nicht ersetzen.

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