Schweiz: Kleines Land, großartiges Reiseziel

Gemütlich, schnell erreichbar, bergig aber teuer – diesen Ruf hat die Schweiz als Reiseland. Und in der Tat ist an diesem Klischee einiges dran. Dennoch bietet das Land eine Vielzahl an Möglichkeiten für die Touristen – auch abseits des Wintersports.

Wir zeigen Ihnen, was die Schweiz ganzjährig zu einem beliebten Reiseziel macht und welche Regionen noch nicht so touristisch überlaufen sind…

Schweiz: Kleines Land, großartiges Reiseziel

Die Schweiz: Ein erster Überblick

„Ein in Inzucht lebendes Bergvolk“ – so bezeichnete der Brockhaus noch Mitte des 19. Jahrhunderts wenig schmeichelhaft die Schweizer. Diese despektierliche Ignoranz des Auslands hat sich zum Glück gewandelt. Zwar hat sich das Land bis heute einen Großteil seiner Eigenständigkeit bewahrt und so manches mag dem geneigten Touristen aus Deutschland (in der Schweiz gerne als „der große Kanton“ bezeichnet) etwas ungewohnt vorkommen, doch die kleine Schweiz ist beileibe nicht hinterwäldlerisch.

Ganz im Gegenteil: Einiges können sich die großen Nachbarländer durchaus von der oft unterschätzten Schweiz abschauen. So zum Beispiel das politische System, das auf Konsens und direkte Demokratie ausgerichtet ist. Wichtige Fragen werden regelmäßig per Volksabstimmung entschieden, welche die All-Parteien-Regierung, deren Regierungschef jährlich turnusgemäß zwischen den Parteien wechselt, dann umzusetzen hat. Dies hat zur Folge, dass Schweizer Bürger mündig und politisch in vielen Dingen äußerst detailliert informiert sind. Sie stellen somit tatsächlich den eigentlichen Souverän dar. Sachfragen spielen deshalb eine weitaus größere Rolle als Parolen und Wahlen.

Und auch wenn das Schwitzerdütsch insbesondere für die Ohren der Nordlichter sehr ungewohnt und teilweise unverständlich klingen mag, sind die Schweizer stolz auf ihre Sprache. Neben der dominierenden Deutsch-Schweiz kommen noch Kantone hinzu, in denen Französisch, Italienisch oder eine der Rätoromanischen Sprachen gesprochen wird. Allein dies verleiht der Schweiz ein tolerantes und weltoffenes Flair.

Insgesamt leben in der Schweiz 8,5 Millionen Menschen in 26 Kantonen. Dass diese Kantone eine vergleichsweise große Souveränität haben, zeigt sich auch in der Tatsache, dass es keine Hauptstadt in der Schweiz gibt. Der Regierungssitz Bern wird lediglich als „Bundesstadt“ bezeichnet.

Da die Schweiz ein Vielvölkerstaat ist und seit jeher großen Wert auf ihre Neutralität, Toleranz und Unabhängigkeit legt, ist sie auch ein beliebtes Ziel für Einwanderer, was das Land trotz der geringen Größe vielfältig und international wirken lässt. Gerade die drei größten Städte Zürich, Genf und Basel zeigen dies: Zürich als heimliche Hauptstadt und Kulturmetropole, Genf als Sitz vieler internationalen Einrichtungen (allen voran die Vereinten Nationen und das Internationale Komitee des Roten Kreuzes) und Basel als bedeutende Stadt der Chemie- und Pharmabranche.

All das macht die Schweiz beliebt, aber leider auch vergleichsweise teuer. Gerade wer aus der Euro-Zone ins Land kommt, wird bei jeder Bezahlung daran erinnert, dass die Schweizer mit dem Franken (CHF) eine extrem starke Währung besitzen. Kein Wunder also, dass viele ausländische Grenzpendler gerne in der Schweiz arbeiten und umgekehrt die Schweizer aus den grenznahen Regionen oftmals in Deutschland, Italien, Frankreich oder Österreich einkaufen.

Dazu kommt für Reisende ein weiterer Nachteil: Die Schweiz ist kein EU-Mitglied, weshalb für das mobile Internet beziehungsweise das Telefonieren mit dem Handy saftige Roaming-Gebühren fällig werden.

Die Sehenswürdigkeiten in der Schweiz

Wer die Schweiz bereist, hat in den meisten Fällen die Natur im Blick: Berge, Seen, Wandern, Skifahren – das ist es, wofür die Schweiz steht. Daher an dieser Stelle einige bekannte Sehenswürdigkeiten, denen Sie auf jeden Fall einen Besuch abstatten sollten:

  • Vierwaldstätter See
    Im Herzen der Schweiz gelegen, zeigt der Vierwaldstätter See (unten im Bild) alles, was das Land auszeichnet – quasi im Miniaturformat: Der See selbst bietet immer wieder verträumte Ecken und schöne Ausblicke auf das Gotthard-Massiv der Alpen, zudem ist die Stadt Luzern mit ihrem Hausberg Pilatus (und der steilsten Zahnradbahn der Welt) ein perfekter Ausgangspunkt für Erkundungen.
    Schweiz-Vierwaldstaetter-See-Gotthard
  • Genfer See
    Ebenfalls „seens-wert“ ist die südwestlichste Ecke der Schweiz mit den Städten Genf, Lausanne und Montreux. Ein Ausflug zum Schloss Chillon sollte bei keinem Schweiz-Trip ausgelassen werden.
  • Berner und Walliser Alpen
    Die bekanntesten und höchsten Alpengebiete der Schweiz sind hier zu finden: Allen voran das Matterhorn (siehe Titelbild) bei Zermatt und die Jungfrauen-Region. Im Winter befindet sich hier das Zentrum des Skitourismus, im Sommer lassen sich wunderschöne Bergwanderungen unternehmen.
  • Zürich
    Zürich, die größte Stadt der Schweiz, ist zwar mit seinen gut 400.000 Einwohnern beileibe keine Millionenstadt, bietet aber eine enorme Vielfalt an Museen, Konzertveranstaltungen und Nachtleben. Die Oper gehört in die internationale Top-Kategorie. Zudem ist eine Umrundung des Zürisees und ein Besuch der Stadt Rapperswil ein lohnendes Ziel für einen Tagesausflug.
  • Glacier-Express
    Wer neun Stunden Zeit hat, kann die gut 300 Kilometer in den Alpen zwischen Zermatt und dem mondänen St. Moritz im Kanton Graubünden mit dem – gerne als „langsamsten Schnellzug der Welt“ bezeichneten – Glacier-Express zurücklegen. Wir empfehlen eine Reservierung im teureren Panoramawagen – die Ausblicke sind diese Investition allemal wert.

Insider-Tipps für die Schweiz

Neben den Highlights bietet die Schweiz noch wesentlich mehr Sehenswürdigkeiten, die einen genaueren Blick lohnen. So zum Beispiel:

  • Basel
    Auch wenn die Region unmittelbar an der deutschen Grenze mit seinen Industrieunternehmen zunächst wenig erbaulich erscheint, so ist die Innenstadt am Rheinknie mit seinem berühmten Münster absolut sehenswert. Am besten erleben Sie Basel in der Nacht vom ersten Sonntag auf Montag nach Aschermittwoch. Dann beginnt nämlich morgens um vier Uhr die „Basler Fasnet“ (Fasnacht) mit dem „Morgestraich“ (Morgenstreich): Aus den verwinkelten Gassen sammeln sich Trommler und Pfeifer in den berühmten Kostümen und zaubern so in die ganze Innenstadt eine mystische Stimmung.
  • Rheinfall
    Bei Schaffhausen in der Nähe des Bodensees ist der Rheinfall beileibe kein Reinfall. Dieser – zugegebenermaßen müde – Kalauer hat jedoch einen wahren Kern, ist der Wasserfall (unten im Bild) des Rheins doch höchst beeindruckend.
    Schweiz-Schaffhausen-Rheinfall
  • Zernez
    Man sollte es nicht glauben bei all der grandiosen Natur, doch die Schweiz besitzt nur einen einzigen Nationalpark. Das liegt daran, dass die Schweizer ohnehin sehr respektvoll mit ihrer Natur umgehen – auch außerhalb geschützter Zonen. In der Gegend um Zernez und Scuol im Unterengadin auf dem Weg ins österreichische Tirol finden sich zahlreiche versteckte Wanderwege an und oberhalb des jungen Flusses Inn.
  • Solothurn
    Das barocke Solothurn ist auf jeden Fall einen Abstecher wert, auch wenn es vielleicht nicht in jedem Reiseführer angepriesen wird. Die Stadt wirkt harmonisch und idyllisch, die alten Zunfthäuser sind äußerst gut erhalten.

Eine Reise in die Schweiz: Grundlegende Informationen

Wie erwähnt, ist es nicht ganz billig, die Schweiz zu bereisen. Zwar sind die Kosten für Bahn, Benzin und die Jahresvignette für die Autobahn (eine andere gibt es nicht), durchaus noch erschwinglich. Restaurants und Hotels hingegen können schon ein kleines Loch ins Urlaubsbudget reißen. Gerade die Städte Zürich und Genf sind noch einmal teurer als der Rest der Schweiz.

Darüber hinaus sollten Sie über die Schweiz noch weitere praktische Informationen wissen:

Das Wetter in der Schweiz

Im Sommer ist der Aufenthalt in der Schweiz angenehm – gerade in den Bergen. Zwar kann das Wetter in den Hochalpen schnell umschlagen, ansonsten regnet es aber eher selten. Je nach Höhe beläuft sich die Tagestemperatur zwischen 10 und 25 Grad. Lediglich die Nordschweiz um Basel gilt als Hitzezentrum.

Im Winter ist die Südschweiz fast ausnahmslos schneesicher. Wintersportler finden hier also ihr Eldorado – oft bei strahlendem Sonnenschein.

Gesundheit in der Schweiz

Reiseapotheke-Checkliste-pdfDie Gesundheitsversorgung in der Schweiz ist exzellent. Die Spitäler sind gut ausgestattet und auch Ärzte gibt es genügend. Tropische Krankheiten kommen in der Schweiz nicht vor, das Leitungswasser besitzt überall hervorragende Trinkqualität.

Um Ihre persönliche Reiseapotheke dennoch entsprechend auszustatten, haben wir für Sie noch einmal eine Checkliste als PDF-Datei, die sich kostenlos herunterladen können.

Übernachtungen in der Schweiz

Selbst einfache oder durchschnittliche Hotel kosten umgerechnet schon gut und gerne an oder über hundert Euro. Diese sind in der Regel aber gepflegt und für einen normalen Urlaub auch völlig ausreichend.

Eine Alternative ist das Campen. Gerade für Wanderer, die mit einem Zelt unterwegs sind, ist das Jedermannsrecht in der Schweiz eine praktische Sache: Oberhalb der Baumgrenze dürfen Sie Ihr Zelt überall auf öffentlichem Gelände aufschlagen, sofern Sie die Natur nicht verletzen und Ihren Müll wieder mitnehmen.

Das richtige Reisegepäck für die Schweiz

Reisegepaeck-Checkliste-pdfIhr Reisegepäck für die Schweiz sollte für unterschiedliche Aktivitäten gewappnet sein: Je nach Region herrschen andere Wetterbedingungen. Zwar lassen sich in der Schweiz nicht nur Schokolade, Käse und Uhren kaufen, sondern selbstverständlich auch all die anderen Dinge, die Sie vielleicht zuhause vergessen haben, aber eben mitunter deutlich teurer als daheim.

Eine Checkliste für Ihr Reisegepäck können Sie sich daher hier als PDF-Datei kostenlos herunterladen und ausdrucken.

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[Bildnachweis: Jaro68, maloff, Eva Bocek by Shutterstock.com]
16. November 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

Die Herbstlust-Redaktion besteht aus erfahrenen Autoren mit langjähriger Berufserfahrung. Trotz sorgfältiger Recherche erheben die Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informieren lediglich allgemein. Der vorliegende Artikel kann eine fachliche oder ärztliche Beratung nicht ersetzen.

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