Seelsorge: Hilfe in der Not

Für viele Menschen ist die Seelsorge eine wichtige Anlaufstelle, um nach einem schweren Schicksalsschlag oder in anderen psychischen Notsituationen Halt und Orientierung zu bekommen.

Speziell ausgebildete Personen hören zu und helfen dabei, Trauer und Frustrationen besser zu ertragen, wenn Freunde und Familie dabei an ihre Grenzen stoßen. Zudem werden in der Seelsorge wichtige Fragen beantwortet und bei Bedarf auch an entsprechende Stellen weitergeleitet.

Was die Seelsorge konkret für Sie leisten kann, welche Angebote es gibt und wie Sie den geeigneten Seelsorger für sich finden, beleuchten wir hier…

Seelsorge: Hilfe in der Not

Definition: Was ist Seelsorge?

Die Sorge um die Seele, also die Seelsorge, ist eine Aufgabe, die traditionell von den großen christlichen Kirchen ausgeht. Menschen, die sich Krisensituationen befinden oder ihren Lebensmut verloren haben, werden von speziell ausgebildeten Personen geistlich begleitet und unterstützt.

Diese Seelsorger sind traditionell meist Geistliche, aber inzwischen auch Personen anderen Glaubens oder Atheisten. Mit den Veränderungen der Gesellschaft hat sich auch das Bild der Seelsorge gewandelt und geöffnet.

In der Regel ist die Seelsorge ein Gespräch unter vier Augen. Dabei ist der Seelsorger verpflichtet, über die Inhalte des Gespräches Stillschweigen zu bewahren. Nur so kann ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden.

Dabei steht weniger die Lösung eines Problems im Vordergrund, sondern das Zuhören und Annehmen des Ratsuchenden – mit all seinen vermeintlichen Schwächen und Unsicherheiten. Wesentliches Mittel für die Seelsorger ist dabei die Kommunikation – was insbesondere das aktive Zuhören mit einschließt.

Zuweilen gehen die Seelsorge-Angebote auch darüber hinaus und bieten eine Art Lebensberatung an. Wichtig ist aber auch hier, dass der Ratsuchende unterstützt und ermächtigt wird, sich selbst zu helfen und ihm keine vermeintlich einfache, pauschale oder naheliegende Lösung aufgedrängt wird.

Klassische Themen bei der Seelsorge sind beispielsweise:

  • Krankheiten
  • Verluste und Trennungen von geliebten Menschen
  • Suchtproblematiken
  • Verlust des Arbeitsplatzes
  • Finanzielle Probleme
  • Einsamkeit
  • Mobbing
  • Ehekrisen
  • Sinnkrisen
  • Spirituelle Fragen

Welche Angebote der Seelsorge gibt es?

Viele stellen sich die Frage: Wann helfen Seelsorger? Sie sind sich unsicher, mit welchem Problem sie zur Seelsorge gehen dürfen und wohin sie sich dabei genau wenden sollten.

Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass die Seelsorge nicht an einen bestimmten Anlass geknüpft sein muss. Jeder Mensch kann in jeder für ihn einschneidenden Krisensituation das Angebot auf Seelsorge annehmen. Absolut kostenfrei.

In den letzten Jahrzehnten haben sich auch außerhalb der großen Kirchen reichlich Seelsorge-Angebote aufgetan, die mitunter durchaus modern daher kommen. Dabei werden sowohl Medien wie Telefon, der Chat, SMS, Post oder E-Mail genutzt, als auch das traditionelle, persönliche Gespräch.

Seelsorge-Angebote gibt es dabei für die unterschiedlichsten Zielgruppen, zum Beispiel in folgenden Bereichen:

  • AIDS-Seelsorge
  • Altenheim-Seelsorge
  • Bahnhofseelsorge
  • Betriebsseelsorge
  • Blindenseelsorge
  • Flughafenseelsorge
  • Frauenseelsorge
  • Gefängnisseelsorge
  • Gehörlosenseelsorge
  • Krankenhausseelsorge
  • Künstlerseelsorge
  • Männerseelsorge
  • Migrantenseelsorge
  • Militärseelsorge
  • Notfallseelsorge
  • Polizeiseelsorge
  • Schulseelsorge
  • Süchtigenseelsorge
  • Telefonseelsorge

Dabei gibt es keinen pauschalen Verlauf, wie Seelsorge auszusehen hat. Jede Unterstützung ist anders und richtet sich nach den Bedürfnissen der Ratsuchenden. Manche Seelsorgegespräche gehen nur weniger Minuten, andere erstrecken sich über einen langen Zeitraum und werden immer wieder aufgegriffen.

Durch das Telefon und die anderen modernen Medien, kann Seelsorge inzwischen auch ortsunabhängig agieren. So nutzen viele die Möglichkeit, anonym und niederschwellig die neutrale Sichtweise einer außenstehenden und für schwere Situationen ausgebildeten Person einholen zu können.

Für die Telefonsorge gibt es diverse Angebote. Wir haben für Sie drei zusammengefasst:

  • Die klassische Telefonseelsorge unter den Nummern 0800 111 0 -111 und -222 beziehungsweise 0116 123: Hier sind mehr als 8.000 Ehrenamtliche an 105 Standorten rund um die Uhr erreichbar. Einschränkungen bezüglich Zeit oder Thema gibt es nicht.
  • Die Deutsche Depressionshilfe unter der Nummer 0800 33 44 5 33: Hier soll es in erster Linie darum gehen, bei dem Verdacht oder einer diagnostizierten Depression Hilfe und Information zu geben. Das Angebot kann Montag, Dienstag und Donnerstag zwischen 13 und 17 Uhr, sowie Mittwoch und Freitag zwischen 08.30 Uhr und 12.30 Uhr genutzt werden.
  • Das Seelefon unter der Nummer 0228 71 00 24 -24 auf Deutsch beziehungsweise unter der Endnummer -25 auf Arabisch, Englisch oder Französisch: Dieses Angebot richtet sich insbesondere an Angehöre von depressiven Patienten und ist von Montag bis Donnerstag zwischen 10 und 20 Uhr, sowie Freitags bis 18 Uhr erreichbar.

Alle Angebote bieten auch Internet- und Online-Beratung an. Außerdem finden Sie unter Internetseelsorge.de und das-sorgentelefon.com weitere Möglichkeiten der Seelsorge per neuen Medien. Bedenken Sie dabei jedoch, dass eine Antwort selten sofort erfolgen kann, sondern etwas Zeit benötigt – meist ein oder zwei Tage.

Tipp: So finden Sie geeignete Seelsorger

Wer gerne den persönlichen Kontakt zu einem Seelsorger aufnehmen möchte, findet bei den Kirchen die entsprechenden Ansprechpartner. Diese sind entweder Pfarrer, Diakone oder Ordensschwestern, aber auch Psychologen und Sozialpädagogen.

Dabei ist es wichtig, dass Sie sich vom ersten Moment an wohl und angenommen fühlen. Der zwischenmenschliche Draht zwischen Ihnen und dem Seelsorger sollte einfach stimmen.

Zudem zeichnet gute Seelsorger noch weitere Fähigkeiten aus:

  • Sie sollten belastbar sein, also nicht den Eindruck erwecken, dass sie vor Ihrem Anliegen zurückschrecken.
  • Sie sollten Einfühlungsvermögen an den Tag legen, also Ihnen das Gefühl geben, Sie und Ihre Perspektive nachvollziehen und verstehen zu können.
  • Sie sollten offen sein, sich also voll und ganz auf Sie einlassen und Ihnen nicht das Gefühl vermitteln, dass Sie nur eine Person von vielen sind.
  • Sie sollten tolerant sein, also sich auch mit Lebensentwürfen beschäftigen können, die nicht ihrer Einstellung oder ihrem Glauben entsprechen.

So helfen Seelsorger

Seelsorge ist nicht nur Zuhören. Gute Seelsorger haben einen ganzen Strauß von Möglichkeiten und Methoden, den Ratsuchenden zu helfen und sie zu unterstützen. Sie bieten:

  • Geistlichen Beistand und Begleitung
  • Hilfe bei der Sinnsuche
  • Empfehlungen für weiterführende Hilfen und Angebote
  • Erweiterungen des Horizonts
  • Perspektivenwechsel
  • Antworten auf drängende Fragen

Info: So können Sie selbst in der Seelsorge tätig werden

Nach dem christlichen Selbstverständnis sollte jeder Christ in der Lage sein, das Einfühlungsvermögen aufzubringen, um seelsorgerisch tätig werden zu können. Dabei steht Vertraulichkeit an oberster Stelle.

Wenn Sie unter dieser Voraussetzung selbst ehrenamtlich in der Seelsorge mitarbeiten möchten, dann können Sie das freilich tun. Die Arbeit in der Seelsorge stärkt nicht nur die eigene Selbstreflexion, sondern auch Ihre Empathiefähigkeit.

Neue Interessenten werden professionell geschult, damit sie auch das Rüstzeug haben, um mit neuen, ungewohnten Situationen umgehen zu können. Psychologen vermitteln Ihnen in einem Einführungskurs und durch fortlaufende Betreuung per Supervision die nötigen Kompetenzen in der Gesprächsführung und arbeiten mit Ihnen schwierige Gespräche nach. Sie werden also nicht alleine gelassen.

Folgende Einstellungen sind hilfreich, wenn Sie ehrenamtlich in der Seelsorge mitarbeiten möchten:

  • Sie können aufmerksam zuhören.
  • Sie können Ihr Verständnis kurz und prägnant wiedergeben.
  • Sie verstehen Emotionen hinter dem Gesagten.
  • Sie können mit geeigneten Fragen Themen auf den Punkt bringen und Probleme klar eingrenzen.
  • Sie verurteilen andere Haltungen oder Lebensentwürfe nicht, auch wenn diese aus Ihrer Sicht oder sogar objektiv gesehen falsch sein sollten.

Fachkenntnisse benötigen Sie in der Regel keine. Je nach Einsatzbereich werden Ihnen diese vermittelt, zum Beispiel in der Palliativmedizin, der Suchtproblematik oder dem Migrationsrecht.

Grenzen der Seelsorge

Seelsorge ersetzt keine Psychotherapie. Zwar sind viele Seelsorger auch ausgebildete Therapeuten, aber es geht nicht vorrangig darum ein Problem zu lösen, sondern darum, zuzuhören und Annahme zu vermitteln.

Wenn sich aber zum Beispiel schwerwiegende psychische Problematiken abzeichnen, muss ein Seelsorger den Ratsuchenden an entsprechende Experten verweisen. Meist kooperieren Seelsorgestellen mit Psychotherapeuten oder Kliniken.

Hierin liegt auch die Kunst der Seelsorge: Die eigenen Grenzen des Handels erkennen. Wenn sich also beim Ratsuchenden ein Gemütszustand abzeichnet, der eine Gefahr für sich oder andere darstellen könnte, oder er einfach nicht zugänglich ist, ist der Hinweis, einen Fachmann aufzusuchen, ein Muss.

Allerdings kommen in der Gesprächsführung der Seelsorge zunehmend auch psychotherapeutische Methoden zum Einsatz. Zu erkennen, wann diese sinnvoll sind oder wann der Ratsuchende weiterverwiesen wird, ist die größte Kunst in der Seelsorge – und auch deren Stärke.

[Bildnachweis: fizkes by Shutterstock.com]
7. Juli 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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