Seitensprung verarbeiten: Bedeutung, Hinweise & Gründe

Ein Seitensprung stellt die Beziehung auf die Probe. Weder das Alter, die persönliche Reife oder die Länge der Beziehung schützen vor Untreue des Partners. Laut einer Studie der Universität of New Hampshire gehen Männer im Alter ab 55 Jahren und Frauen ab 45 Jahren am häufigsten fremd. Hier erfahren Sie, was das bedeutet und welche Hinweise existieren, dass Ihr Partner Sie womöglich betrügt. Außerdem: Welche Gründe es gibt und wie Sie einen Seitensprung verarbeiten können…

Seitensprung verarbeiten: Bedeutung, Hinweise & Gründe

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Bedeutung: Was ist ein Seitensprung?

Der Begriff bezeichnet die (sexuelle) Untreue eines Partners in einer Beziehung. Früher galt Ehebruch sogar als Scheidungsgrund. Der Seitensprung bezeichnet allerdings auch das Fremdgehen außerhalb der Ehe. In Zeiten neuer Beziehungsmodelle wie Polyamorie ist vielmehr entscheidend, dass ein Partner gegen die stillschweigende oder tatsächlich getroffene Abmachung verstößt, sich mit anderen Personen nicht sexuell einzulassen.

Der Begriff Seitensprung wird auch synonym zu Affäre verwendet. Allerdings unterscheiden viele zwischen einem einmaligen „Ausrutscher“ (oft auch One-Night-Stand genannt) und einer längeren Affäre: Letzteres bedeutet meist, dass eine stärkere emotionale Ebene existiert.

Wie viel Prozent der Partner gehen fremd?

De facto sind Seitensprünge weitaus häufiger verbreitet, als es das Ideal vermuten lassen würde. Eine Studie der Singlebörse Elitepartner kommt zu folgendem Ergebnis: Nahezu jede dritte Frau (31 Prozent) und etwas mehr als jeder vierte Mann (27 Prozent) sind bereits in einer Partnerschaft fremdgegangen.

Fraglich ist allerdings, ob die Zahlen stimmen – Forscher sind der Meinung, dass die Befragten nicht ehrlich antworten. Manche Experten schätzen sogar die Wahrscheinlichkeit, dass jeder einmal seinen Partner betrügt, auf 50 Prozent. Dafür spricht, dass andere Umfragen den Eindruck vermitteln, dass Männer und Frauen gleichermaßen fremdgehen. Auch ist es weniger eine Willensfrage, als eher ein Mangel an Gelegenheiten, warum einige Partner noch nicht fremdgegangen sind.

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Anzeichen für Fremdgehen

Der Göttinger Psychologe und Paartherapeut Ragnar Beer weiß: 60 Prozent aller Seitensprünge kommen heraus. Auch wenn es nicht den hundertprozentigen Hinweis gibt: Bestimmte Anzeichen lassen sich als Warnsignale lesen. Besonders Verhaltensänderungen sollten Sie stutzig machen. Darauf sollten Sie achten:

  • Das Äußere wird wichtig
    Ihr Partner/Ihre Partnerin achtet auf einmal sehr auf sein/ihr Erscheinungsbild, kauft neue Kleidung, geht zum Friseur, sucht sich einen neuen Duft aus. Selbst das Fitnessstudio wird besucht, damit der Körper wieder in Form kommt.
  • Früher gab es viele Streitigkeiten, nun keinen Streit
    In Ihrer Beziehung gab es viele Unstimmigkeiten, die zu Streit geführt haben. Andauernd gab es heftige Wortgefechte und mit einem Mal ist es still. Sie streiten nicht mehr, Ihrem Partner/Ihrer Partnerin scheint alles egal zu sein.
  • Sie haben kaum noch Sex
    Ihr Partner/Ihre Partnerin äußert keine sexuellen Bedürfnisse mehr. Die Leidenschaft ist verschwunden und auch der Wunsch nach emotionaler und körperlicher Nähe existiert nicht mehr.
  • Geheimnisse nehmen zu
    Sie stellen fest, dass Ihr Lebensgefährt/Ihre Lebensgefährtin das Handy nicht unbeobachtet liegen lässt. Immer wird es überall mitgenommen. Sie dürfen auch nicht auf den Bildschirm schauen, wenn er/sie auf WhatsApp textet. Betreten Sie den Raum, dann wird der Bildschirm gewechselt und für Gespräche verlässt er/sie das Zimmer.
  • Sie wissen nicht genau, wo Ihr Partner/Ihre Partner ist
    Früher war Ihr Lebensgefährte/Ihre Lebensgefährtin abends zu Hause. Doch nun nehmen die Überstunden nehmen, er/sie geht oft zu dem bestem Freund oder ist draußen unterwegs. Sie sind viel allein zu Hause.
  • Ihr Partner/Ihre Partnerin ist großzügig
    Normalerweise müssen Sie das Geld sehr beisammen halten. Große Ausgaben werden abgesprochen. Nun können Sie schalten und walten, wie Sie möchten. Ihr Partner gönnt Ihnen viel mehr oder überschüttet Sie mit Geschenken.
  • Große Summen Bargeld werden vom Konto abgehoben
    Normalerweise bezahlen Sie in mit Karte. Auf den Kontoauszügen entdecken Sie, das zunehmend mehr Bargeld von Ihrem Konto abgehoben wird.
  • Freunde verhalten sich merkwürdig
    Wenn Sie die Freunde Ihres Partners treffen und sprechen, haben Sie das Gefühl, etwas hat sich verändert. Die Atmosphäre ist nicht mehr so gelöst. Sie haben den Eindruck, dass etwas verborgen wird.

Typisches Verhalten nach Fremdgehen

Das typische Verhalten nach einem Seitensprung gibt es nicht. Manche plagen Schuldgefühle, weil sie ihren Partner hintergegangen haben, andere finden, dass sie sich nur geholt haben, was ihnen zusteht. Skeptisch werden sollten Sie dennoch, wenn Sie diese Verhaltensweisen beobachten:

  • Häufige Aufmerksamkeiten

    Wer Schuldgefühle nach dem Seitensprung hat, wird vermutlich durch großzügige Geste versuchen, sein schlechtes Gewissen zu entlasten. Solche großzügigen Geschenke können Dinge sein, die der betrogene Partner schon immer haben wollte, die aber bislang das Budget sprengten: Musik-Unterricht, Städtetouren, eigenes Auto, Schmuck etc. Oder aber viele kleine Aufmerksamkeiten, wie Blumen, kleine Geschenke oder am Morgen ein heißer Kaffee ans Bett.

  • Häufige Gereiztheit

    Den Partner plagen Gewissensbisse, deshalb ist er nicht mehr ausgeglichen. Er reagiert aggressiver, wenn Sie ihn hinterfragen, was er tut. Er möchte sich nicht für seine Pläne vor Ihnen rechtfertigen müssen, sondern sich frei bewegen können. Lebensgefährten, die der Auffassung sind, sie holen sich im Seitensprung nur, was ihnen eh zusteht, wirken zunächst ausgeglichener. Sie sind fast ein wenig beseelt und wirken abwesend, da sie in Gedanken noch bei der Geliebten oder dem Geliebten sind. Mit der Zeit wird der Seitenspringer vergleichen und vermutlich seinen Partner kritisieren. Oder er bemängelt Äußerlichkeiten („Du lässt dich gehen.“) oder alltägliche Abläufe, die ihn nerven und lästig sind.

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Seitensprung verarbeiten: Die 7 Phasen nach der Untreue

„Kann ich dir jemals wieder vertrauen?“, so heißt der Buchtitel des britischen Paartherapeuten Andrew G. Marshall. Mit dieser Frage trifft er die Problematik von dem Hintergangenen. Er beschreibt sieben Phasen, die ein Paar nach der Untreue durchlaufen muss, damit es den Seitensprung verarbeiten kann. Dann kann es auch gestärkt aus der Beziehungskrise hervorgehen:

Seitensprung Bedeutung Verarbeiten Die 7 Phasen Nach Der Untreue

1. Phase: Schock und Unglauben

Zu erfahren, dass der Partner oder die Partnerin eine Affäre hat ist ein Schock, ein emotionaler Ausnahmezustand, in dem man nicht mehr fähig ist klar zu denken. An ein „Weiterleben“ ist kurzfristig nicht zu denken. Alles bleibt stehen. Es entsteht ein Gefühl des Unglaubens: „Es kann nicht sein, dass mein Partner/meine Partnerin ein Verhältnis hatte. Wieso habe ich nichts gemerkt?“ Sie glauben nicht mehr an ihre eigene Wahrnehmung und meinen, jegliches Gespür für die Beziehung verloren zu haben.

2. Phase: Intensives Fragen

Betroffene versuchen zu verstehen, was passiert ist und möchten ihrem Partner viele Fragen stellen: „Wann begann der Seitensprung? Was war der Auslöser? Warum ist er/sie so interessant für dich? Was gibt er/sie dir, was ich dir nicht gebe?“ Mit den Antworten formt sich ein Bild von der Situation. Das Passierte lässt sich in einen Kontext einsortieren.

3. Phase: Zeit der Entscheidung

„Nach dem was passiert ist, schaffe ich es wieder Vertrauen aufzubauen und können wir weiterhin eine Beziehung miteinander führen?“, das ist die Frage, der sich der Betroffene stellen muss. Ein wichtiger Schritt ist, den Fehltritt zu verzeihen. Das passiert nicht nur einmal.Es werden viele Gespräche geführt, in denen beide sich der Frage stellen müssen, ob sie sich trennen wollen oder an ihrer Beziehung arbeiten möchten. Es kommt der Moment, in dem sich beide entscheiden.

4. Phase: Hoffnung

Beide geben der Beziehung noch einmal ein Chance. Es ist ein Neustart, bei denen sie auch (kurzfristig) noch einmal Schmetterlinge im Bauch haben können. Sie glauben daran, dass sie es schaffen können und die Krise gemeinsam überwinden werden.

5. Phase: Versuch der Normalität

Strukturen geben Halt, dementsprechend versuchen beide in die gewohnten Rollen und Aufgaben zurückzufinden – und dennoch besondere Momente zu schaffen, in denen sie sich als Paar fühlen. „Ein Alltag mit Akzenten!“ – es soll wieder Ruhe einkehren, alles normal, aber besser werden.

6. Phase: Verzweiflung

Immer wieder kommen Erinnerungen hoch. Dem Partner verzeihen ist eine Sache, aber es lässt sich nicht einfach vergessen, was passiert ist. Es ist eben doch nicht alles so, wie früher, auch wenn man es sich so sehr wünscht. Immer wieder kommt der Wunsch hoch, dass alles ungeschehen wäre, damit nicht unvermittelt schmerzhafte Wunden aufbrechen, weil eine Situation an den Seitensprung erinnert.

7. Phase: Intensives Lernen

Paare, die bis hierhin durchgehalten haben, haben schon viel erreicht. Sie haben gelernt, das Vertrauen wachsen muss und das Vergebung immer und immer wieder stattfinden muss. Sie haben verinnerlicht, dass das Reden – auch über konfliktreiche Themen – das A und O einer funktionierenden Beziehung ist und dass die Bedürfnisse des Partners wahrnehmen ein guter Schutz vor dem Seitensprung ist.

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Kann man das Fremdgehen verzeihen?

Der Seitensprung ist für viele ein Vertrauensbruch. Im ersten Moment macht es keinen Unterschied, ob es sich um einem One-Night-Stand handelte oder ein Verhältnis, das mehrere Monate anhielt. Ob sich die Beziehung noch retten lässt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Häufig unterscheiden die Betroffenen, ob es sich um einen einmaligen Ausrutscher oder eine länger anhaltende Affäre handelt. Zum anderen stellt sich die Frage, ob sie ihrem Partner jemals wieder vertrauen können.

Viele Betrogene kämpfen mit Bildern und Gedanken vom Seitensprung ihres Partners. Fakt ist aber auch: In den allermeisten Fällen entscheiden sich die Fremdgeher im Zweifelsfall für ihre Hauptbeziehung. Der Seitensprung muss also nicht das Ende sein. Er ist vielmehr ein Symptom für eine Beziehungskrise, an der die Beziehung scheitern kann, aber nicht muss. Entscheidend ist dann, dass das Paar an seiner Beziehung arbeitet. Die gemeinsamen Wünsche und Werte definiert. Verzeihen ist dann die einzige Alternative zur Trennung. Nur wer verzeiht, bereitet den Neustart für eine Beziehung.

Der Seitensprung als Chance

Das Fremdgehen kann gut enden, weil darin eine Chance besteht: Einer von beiden sucht die Zuneigung eines Außenstehenden, weil ihm in der Beziehung etwas fehlt: Es mangelt an Sex, Zuneigung oder Respekt, es ist langweilig geworden. Es fehlen wichtige Bestandteile, die die Beziehung am Leben erhalten.

Der Seitensprung wirkt nun wie ein Brennglas auf die Beziehung: Er offenbart, woran es mangelt. Paare, die fähig sind miteinander zu reden, können diese Situation als Hinweis verstehen: Sie können so besser die Bedürfnisse des anderen anerkennen und stillen. Auf diese Weise kommen sie in eine ganz andere Tiefe der Beziehung. Ein Seitensprung sollte zwar nicht als Methode für intensive Beziehungsgespräche genutzt werden. Aber konfliktfähige, belastbare Paare können daran wachsen und gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Gründe für einen Seitensprung

Oft ist es ein Bündel an Gründen, die letztlich zu einem Seitensprung führen:

Unzufriedenheit

Sexueller Frust zu Hause ist der wohl häufigste Grund für einen Seitensprung. Werden die Bedürfnisse in den eigenen vier Wänden nicht gestillt, suchen manche Befriedigung außerhalb der Partnerschaft. Dazu zählt auch, wenn sexuelle Fantasien nicht ausgelebt werden können.

Flucht

Viele Partner haben nicht gelernt, miteinander zu reden und Konflikte auszuhalten. Es ist ihnen zu anstrengend oder sie haben Angst, dass in einem Streit alles auseinanderbricht. Stattdessen schweigen sie oder weichen aus. Es gibt Paare, die sich über Jahrzehnte hinter ihren Rollen verstecken, beschäftigt wirken und funktionieren, so dass Außenstehende nicht merken, wie es eigentlich um sie steht. Wenn sich die Gelegenheit bietet, laufen sie in die Arme eines Dritten, bei dem sie das Gefühl haben, sie könnten sie selber sein. Hier fühlen sie sich mit einem Mal verstanden.

Bestätigung

Beide gingen Jahre lang ihren Aufgaben nach im Job, in der Kindererziehung, im Haushalt, Freundeskreis. Sie funktionieren perfekt – und es fühlt sich so selbstverständlich an, dass sie da sind. Doch das gegenseitige Begehren ist verschwunden. Sie schenken sich keine Aufmerksamkeit mehr. Stattdessen geht schleichend Achtung und Respekt verloren. Auf einmal hat einer von beiden das Gefühl, er gäbe mehr in die Partnerschaft als er zurückbekommt und hätte nun das Recht sich zurückzuholen, was er verdient.

Abenteuerlust

Sie/Er liebt die Partnerin/den Partner, aber vermisst die Romantik, das Kribbeln vor einem Date und das Gefühl noch einmal jemanden kennenzulernen. Es ist die Sehnsucht nach etwas Neuem. Das Vertraute ist schön, aber die Leidenschaft ist verloren und es wächst der Eindruck, jemand neues kennenzulernen, würde das Leben aufregender machen.

Einsamkeit

Man kann viel Zeit miteinander verbringen, reden und doch nicht offen mitteilen, was einen beschäftigt. Emotional betrachtet ist der Betroffene allein und sucht jemanden mit dem er sich austauschen kann, der ihn versteht und mit ihm fühlt.

Freiheit

Der Seitensprung ist für den Fremdgänger Ausdruck von Freiheit. Die Beziehung zu nur einem Menschen engt ihn viel zu sehr ein. Nur wenn er sein Bedürfnis nach Sex mit anderen auslebt, kann er in der Beziehung bleiben.

Kindheit

Wer in der Kindheit Beziehungsbrüche und Trennungen erlebt hat, kann Angst vor zu viel Nähe entwickelt haben. Auch untreue Eltern, die selber fremdgegangen sind, können als Vorbild für den Seitensprung dienen.

Selbstwertgefühl

Die Geliebte/der Geliebte sorgt dafür, dass sich der Fremdgänger mit einem Mal interessant und vor allem begehrt fühlt. Kommt er aus eine langjährigen Beziehung, kann es sein, dass diese Bedürfnis von seinem Partner nicht mehr ausreichend gestillt wurde.

Weiterführende Artikel

[Bildnachweis: Herbstlust.de]

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