Seitensprung: Gründe, Anzeichen und Umgang

Wer immer glaubte, er sei wegen seiner langjährigen Beziehung und seinem reifen Alter vor einem Seitensprung gefeit, der liegt falsch. Laut einer Studie der Universität of New Hampshire gehen Männer im Alter ab 55 Jahren und Frauen ab 45 Jahren am häufigsten fremd. Das eigene Alter, die persönliche Reife und die Länge der Beziehung schützen leider nicht. Der Seitensprung kann auch später eine Partnerschaft zerstören – oder die Beziehung in eine ganze andere neue Tiefe führen…

Seitensprung: Gründe, Anzeichen und Umgang

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Die Affäre

Es ist ein Schlag in die Magengrube. Der Partner/die Partnerin gesteht, dass er/sie eine Affäre hat. „Ist etwas Festes? Ist unsere Beziehung vor dem Aus?“, ist der erste Gedanke, der dem Betroffenen durch den Kopf schwirrt. Und dann fangen die Gedanken an zu rotieren: „Wie konnte das nur passieren? Was ist schief gelaufen?“

Affären konkurrieren grundsätzlich mit einer lang andauernden Beziehung, wie einer Ehe oder einer Lebensgemeinschaft. Ein Dritter bringt das bestehende Gefüge durcheinander, und das Vertrauen in den Partner ist in einem Nu weggeblasen.

Mit dem Begriff „Affäre“ assoziieren wir, dass ein Dritter hintergangen wird. In welcher Weise – das kann unterschiedlich Formen annehmen. Grob wird zwischen zwei Arten unterschieden:

  • Sexuelle Affäre:

    Die sexuelle Affäre ist nicht darauf angelegt ist, lange anzudauern. Beide finden sie für den Moment interessant: Sie können den Hunger nach Sex ausleben, ohne eine emotionale tiefere Bindung einzugehen. Die Beteiligten sind sich bewusst, dass diese Liaison nur von kurzer Dauer sein wird.

  • Emotionale Affäre:

    In dieser Form der Beziehung, ist eine neue Person stärker in das Gefühlsebene eingebunden als der eigentliche Lebenspartner. Sie reden über ihre persönlichen Probleme, tauschen sich über intime Themen aus. Sie glauben, dass Ihr Lebenspartner sie nicht in der gleichen Form versteht. Mit der Zeit wird die emotionale Bindung immer stärker und entwickelt sich zu einer echten Gefahr für die Ehe oder Lebensgemeinschaft. Dies bedeutet aber dennoch nicht, dass dieses Verhältnis unweigerlich im Sex enden muss.

Welche Form der Affäre schlimmer ist, ist eine Frage der Perspektive und der Gewichtung. Wenn Sie in Ihrer Partnerschaft Sex vermissen, dann tut Ihnen die sexuelle Affäre Ihres Partners weh. Wenn Sie sich aber mehr Innigkeit, mehr Verständnis, mehr emotionalen Austausch wünschen, wird es Sie verletzen, wenn Ihr Lebensgefährte den Austausch mit einem anderen Partner sucht.

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Wo beginnt das Fremdgehen?

„Appetit holen kann man sich, aber gegessen wird zu Hause.“ Dieser Spruch wird gerne von Partner und Partnerinnen genutzt, die nicht abgeneigt sind, einmal fremd zu flirten. Was ist damit gemeint? Lust auf Sex kann man sich draußen holen, aber ausgelebt wird er nur mit dem Partner beziehungsweise Partnerin daheim. Nicht jedem gefällt diese Einstellung, weil er oder sie befürchtet, dass der Partner beim Beischlaf an jemand ganz anderes denkt.

Ist Flirten also schon Betrug? Durch das Flirten zeigen wir, dass unser Gegenüber interessant und anziehend für uns ist. Der Flirt kann flüchtig, nur für einen kurzen Augenblick, aber auch länger und intensiver sein, so dass er ernsthaft nachwirkt. Geflirtet wird mit scherzenden Worte, Blicken oder Gesten. Ob dabei schon eine erotische Zuneigung kundgetan oder gar versucht wird eine erotische Beziehung anzubahnen, ist individuell. Mancher liebt es einfach, für eine gute Atmosphäre zu sorgen, den anderen zu necken und ihn sich wohl fühlen zu lassen. Es ist dann nur ein Spiel, das keine tiefere Bedeutung haben muss, das aber in bestimmten Konstellationen ein Türöffner sein kann.

Auch Berührungen können divers bewertet werden: Haben Sie schon einmal in Ihrem Freundeskreis beobachtet, wie unterschiedlich Ihre Freunde den Körperkontakt zu ihrem Gegenüber aufnehmen? Die einen lieben Herzlichkeit und nehmen ihr Gegenüber – egal ob Mann oder Frau fest in den Arm, drücken ihn nicht nur zur Begrüßung, sondern unvermittelt zwischendurch im Gespräch oder legen die Hand auf die Schulter, wenn sie etwas anreichen. Es ist ihre Art, Zuneigung auszudrücken, die aber nicht erotisch gemeint sein muss. Auch ‚Händchenhalten‘ muss für sie keine tiefere Bedeutung haben, während ihr Gegenüber es schon als Einladung versteht.

Bei spontanen Umfragen meinen viele, das Fremdgehen beginne mit dem ersten Kuss. Der Kölner würde an dieser Stelle nur milde lächeln, an die letzte Karnevalsparty denken und sagen: „Na ja, Bützen ist aber doch erlaubt!“ Die einen empfinden einen Kuss auf die Wange, bei dem die Lippen die Haut berühren, als Grenzüberschreitung, während andere sich gegenseitig auf den Mund küssen und überhaupt nicht an die gemeinsame Nacht denken, sondern einfach nur ihre Freundschaft zum Ausdruck bringen.

Letztendlich bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als mit Ihrem Lebensgefährten/Lebensgefährtin darüber sprechen, wo Ihre Toleranzgrenze liegt. Jeder fühlt anders: Während der eine die Handlung als Geste der Zuneigung ohne erotischen Hintergrund beurteilt, ist es es für den anderen schon ‚Fremdgehen‘.

Es sind die Gedanken, die einer Geste oder einem Kuss die Konnotation verpassen. Der Seitensprung beginnt also nicht durch eine Tat, sondern als Gedanke im Kopf.

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Was ist der häufigste Grund für einen Seitensprung?

„Was habe ich falsch gemacht? Warum sucht mein Mann/meine Frau eine andere/einen anderen?“ Diese Frage beschäftigt Betroffene. Sie suchen nach Antworten, um besser zu verstehen, wie es soweit kommen konnte. Die Gründe für den Seitensprung wachsen oft über Jahre, bis „die Gelegenheit Liebe macht“:

  • Sexuelle Unzufriedenheit

    Sexueller Frust zu Hause ist der wohl häufigste und schwerwiegendste Grund für einen Seitensprung. Wenn die Bedürfnisse in den eigenen vier Wänden nicht gestillt werden, ist es sehr wahrscheinlich, dass Betroffene Befriedigung außerhalb der Partnerschaft suchen. Dafür ist die Lust einfach zu groß. Wenn der Beischlaf nur noch eine eheliche Pflichterfüllung geworden ist, die zwar dem Druck nachgibt, aber keine Erfüllung schenkt, wächst die Sehnsucht nach Mehr immens. Es ist sehr gut möglich, dass lieb gemeinte Zärtlichkeiten und Liebkosungen durch den langjährigen Partner oder der Partnerin einfach nicht ausreichen.

  • Flucht vor Problemen in der Beziehung

    Obwohl sie jahrelang Seite an Seite leben, haben viele Partner es nicht gelernt miteinander zu reden und Konflikte auszuhalten. Es ist ihnen schlicht zu anstrengend oder sie haben Angst, dass in einem Streit alles auseinander bricht. Stattdessen schweigen sie oder weichen aus. Es gibt Paare, die sich über Jahrzehnte hinter ihren Rollen verstecken, beschäftigt wirken und funktionieren, so dass Außenstehende nicht merken, wie es eigentlich um sie steht. Wenn sich die Gelegenheit bietet, laufen sie in die Arme eines Dritten, bei dem sie das Gefühl haben, sie könnten sie selber sein. Hier fühlen sie sich mit einem Mal verstanden.

  • Suche nach Bestätigung

    Beide gingen Jahre lang ihren Aufgaben nach im Job, in der Kindererziehung, im Haushalt, Freundeskreis. Sie funktionieren perfekt – und es fühlt sich so selbstverständlich an, dass sie da sind. Doch das gegenseitige Begehren ist verloren gegangen. Sie schenken sich keine Aufmerksamkeit mehr. Stattdessen geht schleichend Achtung und Respekt verloren. Auf einmal hat einer von beiden das Gefühl, er gäbe mehr in die Partnerschaft als er zurückbekommt und hätte nun das Recht sich zurück zu holen, was er verdient.

  • Abenteuerlust

    Sie/Er liebt die Partnerin/den Partner, aber vermisst die Romantik, das Kribbeln vor einem Date und das Gefühl noch einmal jemanden kennenzulernen. Es ist die Sehnsucht nach etwas Neuem. Das Vertraute ist schön, aber die Leidenschaft ist verloren und es wächst der Eindruck, jemand neues kennenzulernen, würde das Leben aufregender machen.

  • Einsamkeit in der Beziehung

    Man kann viel Zeit miteinander verbringen, reden und doch nicht offen mitteilen, was einen beschäftigt. Emotional betrachtet ist der Betroffene allein und sucht jemanden mit dem er sich austauschen kann, der ihn versteht und mit ihm fühlt.

Psychologische Gründe für Fremdgehen

Neben den offensichtlichen Gründen für einem Seitensprung, werden von Psychologen noch weitere tieferliegende Ursachen für das Fremdgehen genannt:

  • Steigerung des Selbstwertgefühls

    Die Geliebte/der Geliebte sorgt dafür, dass sich der Fremdgänger mit einem Mal interessant und vor allem begehrt fühlt. Kommt er aus eine langjährigen Beziehung, kann es sein, dass diese Bedürfnis von seinem Partner nicht mehr ausreichend gestillt wurde.

  • Ausleben des Gefühls von Freiheit

    Der Fremdgänger hat den Eindruck, dass ihn die Beziehung mit nur einen Menschen viel zu sehr einengt. Es ist sein tiefes Bedürfnis, nicht nur mit einem Menschen Sex zu haben, sondern auch noch mit anderen zu schlafen. Nur wenn er dieses Bedürfnis auslebt, kann er in der Beziehung bleiben.

  • Realisierung heimlicher Phantasien

    Der Fremdgänger liebt seinen Partner wirklich, aber dieser möchte die Sexphantasien nicht ausleben. Um nicht unbefriedigt zu leben, sucht er sich heimlich Menschen und Orte, um seiner Leidenschaft nachzugehen.

  • Negative Vorbilder in der Kindheit

    Die Herkunftsfamilie kann ein Risikofaktor sein: Wenn in der Kindheit der Fremdgänger selbst Beziehungsbrüche und Trennungen erlebt hat, kann es für ihn bedeuten, dass er massive Angst vor zu viel Nähe hat. Auch untreue Eltern, die selber fremdgegangen sind, können als Vorbild für den Seitensprung dienen.

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Anzeichen für Fremdgehen

Sie spüren, dass etwas anders ist und haben bei Ihrem Partner Verhaltensweisen beobachtet, die Ihnen neu sind? Wir haben Ihnen Anzeichen zusammengestellt, die ein Hinweise sein könnten, dass Ihr Partner/Ihre Partnerin fremd geht.

Aber lesen Sie diese Bedacht: Kein Anzeichen allein ist ein Beweis dafür, dass der Partner oder die Partnerin fremd geht. Wenn mehrere Dinge zutreffen, wächst die Wahrscheinlichkeit für einen Seitensprung, und Sie sollten in aller Ruhe ein Krisengespräch führen:

  • Das Äußere wird wichtig.
    Ihr Partner/Ihre Partnerin achtet auf einmal sehr auf sein/ihr Erscheinungsbild, kauft neue Kleidung, geht zum Friseur, sucht sich einen neuen Duft aus. Selbst das Fitnessstudio wird besucht, damit der Körper wieder in „Shape“ kommt.
  • Erst gibt es viele Streitigkeiten und dann keinen Streit.
    In Ihrer Beziehung gab es viele Unstimmigkeiten, die zu Streit geführt haben. Andauernd gab es heftige Wortgefechte und mit einem Mal ist es still. Sie streiten nicht mehr, Ihrem Partner/Ihrer Partnerin scheint alles egal zu sein.
  • Sie haben kaum noch Sex.
    Ihr Partner/Ihre Partnerin äußert keine sexuellen Bedürfnisse mehr. Die Leidenschaft ist verschwunden und auch der Wunsch nach emotionaler und körperlicher Nähe existiert nicht mehr.
  • Geheimnisse nehmen zu.
    Sie stellen fest, dass Ihr Lebensgefährt/Ihre Lebensgefährtin das Handy nicht unbeobachtet liegen lässt. Immer wird es überall mitgenommen. Sie dürfen auch nicht auf den Bildschirm schauen, wenn er/sie auf WhatsApp textet. Betreten Sie den Raum, dann wird der Bildschirm gewechselt und für Gespräche verlässt er/sie das Zimmer.
  • Sie wissen nicht genau, wo Ihr Partner/Ihre Partner ist.
    Früher war Ihr Lebensgefährte/Ihre Lebensgefährtin abends zu Hause. Doch nun nehmen die Überstunden nehmen, er/sie geht oft zu dem bestem Freund oder ist draußen unterwegs. Sie sind viel allein zu Hause.
  • Ihr Partner/Ihre Partnerin ist großzügig.
    Normalerweise müssen Sie das Geld sehr beisammen halten. Große Ausgaben werden abgesprochen. Nun können Sie schalten und walten, wie Sie möchten. Ihr Partner gönnt Ihnen viel mehr oder überschüttet Sie mit Geschenken.
  • Große Summen Bargeld werden vom Konto abgehoben.
    Normalerweise bezahlen Sie in mit Karte. Auf den Kontoauszügen entdecken Sie, das zunehmend mehr Bargeld von Ihrem Konto abgehoben wird.
  • Freunde verhalten sich merkwürdig.
    Wenn Sie die Freunde Ihres Partners treffen und sprechen, haben Sie das Gefühl, etwas hat sich verändert. Die Atmosphäre ist nicht mehr so gelöst. Sie haben den Eindruck, dass etwas verborgen wird.

Typisches Verhalten nach Fremdgehen

Das typische Verhalten nach einem Seitensprung gibt es nicht, denn jeder, der fremd geht, beurteilt sein eigenes Verhalten anders. Den einen plagen Schuldgefühle, weil er seinen Partner hintergegangen hat, ein anderer wird von dem Gedanken beherrscht, dass er sich nur geholt hat, was ihm schon seit Jahren zu steht.

Sollte Ihr Partner/Ihre Partnerin Schuldgefühle nach dem Seitensprung haben, wird er/sie vermutlich durch großzügige Geste versuchen, sein schlechtes Gewissen zu entlasten. Diese großzügigen Geschenke sind, Dinge, die Sie schon immer haben wollten, die aber bislang das Budget sprengten: Musik-Unterricht, Städtetouren, eigenes Auto, Schmuck etc. Oder aber viele kleine Aufmerksamkeiten, wie Blumen, kleine Geschenke oder am Morgen ein heißer Kaffee ans Bett.

Zu beobachten ist auch eine gewisse Gereiztheit. Den Partner plagen Gewissensbisse, deshalb ist er nicht mehr ausgeglichen. Er reagiert aggressiver, wenn Sie ihn hinterfragen, was er tut. Er möchte sich nicht für seine Pläne vor Ihnen rechtfertigen müssen, sondern sich frei bewegen können.

Lebensgefährten, die der Auffassung sind, sie holen sich im Seitensprung nur, was ihnen eh zusteht, wirken zunächst ausgeglichener. Sie sind fast ein wenig beseelt und wirken abwesend, da sie in Gedanken noch bei der Geliebten oder dem Geliebten sind.

Mit der Zeit wird der Seitenspringer vergleichen und vermutlich seinen Partner kritisieren, Äußerlichkeiten („Du lässt dich gehen.“) oder über alltägliche Abläufe, die ihn nerven und lästig sind.

Seitensprung verarbeiten: Sieben Phasen nach der Untreue

„Kann ich dir jemals wieder vertrauen?“, so heißt der Buchtitel des britischen Paartherapeuten Andrew G. Marshall. Mit dieser Frage trifft er die Problematik von dem Hintergangenen. Er beschreibt die sieben Phasen, die ein Paar nach einem Seitensprung durchlaufen muss, damit die Beziehung gestärkt hervorgeht. In Anlehnung an sein Modell stellen wir Ihnen da, welche Phasen ein Paar nach dem Seitensprung durchläuft:

  • 1.Phase: Schock und Unglauben

    Zu erfahren, dass der Partner oder die Partnerin eine Affäre hat ist ein Schock, ein emotionaler Ausnahmezustand, in dem man nicht mehr fähig ist klar zu denken. An ein „Weiterleben“ ist kurzfristig nicht zu denken. Alles bleibt stehen. Es entsteht ein Gefühl des Unglaubens: „Es kann nicht sein, dass mein Partner/meine Partnerin ein Verhältnis hatte. Wieso habe ich nichts gemerkt?“ Sie glauben nicht mehr an ihre eigene Wahrnehmung und meinen, jegliches Gespür für die Beziehung verloren zu haben.

  • 2.Phase: Intensives Fragen

    Betroffene versuchen zu verstehen, was passiert ist und möchten ihrem Partner viele Fragen stellen: „Wann begann der Seitensprung? Was war der Auslöser? Warum ist er/sie so interessant für dich? Was gibt er/sie dir, was ich dir nicht gebe?“ Mit den Antworten formt sich ein Bild von der Situation. Das Passierte lässt sich in einen Kontext einsortieren.

  • 3.Phase: Zeit der Entscheidung

    „Nach dem was passiert ist, schaffe ich es wieder Vertrauen aufzubauen und können wir weiterhin eine Beziehung miteinander führen?“, das ist die Frage, der sich der Betroffene stellen muss. Ein wichtiger Schritt ist, den Fehltritt zu verzeihen. Das passiert nicht nur einmal.Es werden viele Gespräche geführt, in denen beide sich der Frage stellen müssen, ob sie sich trennen wollen oder an ihrer Beziehung arbeiten möchten. Es kommt der Moment, in dem sich beide entscheiden.

  • 4.Phase: Hoffnung

    Beide geben der Beziehung noch einmal ein Chance. Es ist ein Neustart, bei denen sie auch (kurzfristig) noch einmal Schmetterlinge im Bauch haben können. Sie glauben daran, dass sie es schaffen können und die Krise gemeinsam überwinden werden.

  • 5.Phase: Versuch der Normalität

    Strukturen geben Halt, dementsprechend versuchen beide in die gewohnten Rollen und Aufgaben zurückzufinden – und dennoch besondere Momente zu schaffen, in denen sie sich als Paar fühlen. „Ein Alltag mit Akzenten!“ – es soll wieder Ruhe einkehren, alles normal, aber besser werden.

  • 6.Phase: Verzweiflung

    Immer wieder kommen Erinnerungen hoch. Dem Partner verzeihen ist eine Sache, aber es lässt sich nicht einfach vergessen, was passiert ist. Es ist eben doch nicht alles so, wie früher, auch wenn man es sich so sehr wünscht. Immer wieder kommt der Wunsch hoch, dass alles ungeschehen wäre, damit nicht unvermittelt schmerzhafte Wunden aufbrechen, weil eine Situation an den Seitensprung erinnert.

  • 7.Phase: Intensives Lernen

    Paare, die bis hierhin durchgehalten haben, haben schon viel erreicht. Sie haben gelernt, das Vertrauen wachsen muss und das Vergebung immer und immer wieder stattfinden muss. Sie haben verinnerlicht, dass das Reden – auch über konfliktreiche Themen – das A und O einer funktionierenden Beziehung ist und dass die Bedürfnisse des Partners wahrnehmen ein guter Schutz vor dem Seitensprung ist.

Kann man das Fremdgehen verzeihen?

Durch das Fremdgehen wird die Beziehung auf eine harte Probe gestellt, denn das Vertrauen wurde gebrochen. Im ersten Moment macht es vermutlich keinen Unterschied, ob es sich um einem One-Night-Stand handelte oder ein Verhältnis, das mehrere Monate anhielt. Es tut erst einmal weh.

Im Gespräch wird erörtert, wie es zu dem Seitensprung kam:

  • War es einfach nur ein Ausrutscher für eine Nacht, der im übermäßigen Alkoholkonsum passierte und keine tiefere Bedeutung hat? Ein Fehltritt, den der Fremdgänger einfach nur bereut und sich schuldig fühlt?
  • Oder ging dem Verhältnis eine Beziehungskrise voraus, in der sich beide Partner schon innerlich entfernt hatten und nun einer die Zuneigung eines Dritten sucht? – Das wird schwieriger, weil die Problematik tiefer liegt.

Verzeihen ist – auch auf lange Sicht – in beiden Fällen die einzige Alternative zur Trennung. Nur wer verzeiht, bereitet den Neustart für eine Beziehung. Das Paar muss sich versöhnen, damit sie sich vom erschütterten Vertrauen erholen können. Nur mit Vergebung ist eine respektvolle Beziehung möglich.

Warum Fremdgehen gut ist

Am Fremdgehen beziehungsweise Seitensprung ist erstmal nichts Gutes. Die Beziehung wird hart auf eine Probe gestellt und kann daran zerbrechen. Meistens geht mindestens einer verletzt heraus.

Auf der anderen Seite kann das Fremdgehen aber gut enden, weil darin eine Chance besteht: Einer von beiden sucht die Zuneigung eines Außenstehenden, weil ihm in der Beziehung etwas fehlt: Es mangelt an Sex, Zuneigung oder Respekt, es ist langweilig geworden. Es fehlen wichtige Bestandteile, die die Beziehung am Leben erhalten.

Der Seitensprung wirkt nun wie ein Brennglas auf die Beziehung und offenbart, woran es mangelt. Paare, die fähig sind miteinander zu reden, können diese Situation als Chance ergreifen, die Bedürfnisse des anderen anerkennen, stillen und kommen auf diese Weise in eine ganz andere Tiefe der Beziehung.

Fremdgehen ist also nicht gut, aber konfliktfähige, belastbare Paare können daran wachsen und gestärkt hervor gehen.

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