Senil: Tipps zum Umgang mit senilen Angehörigen

Wenn die eigenen Eltern senil werden, fühlen sich viele Menschen überfordert. Wie sollen Sie mit ihnen umgehen? Was ist in der Kommunikation zu beachten? Wie kann man senile Menschen erreichen? Um diese Fragen zu beantworten, ist es zunächst wichtig zu verstehen, was Senilität bedeutet. Wir haben Symptome, Verlauf und Diagnose genauer unter die Lupe genommen. Außerdem zeigen wir Ihnen Tipps, wie Sie am besten mit senilen Angehörigen umgehen können.

Senil: Tipps zum Umgang mit senilen Angehörigen

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Wann ist man senil: Symptome und Anzeichen

Was bedeutet senil sein? Senilität ist per Definition zunächst einmal eine Altersschwäche. Der Begriff wurde 1796 vom Arzt Johan Christian Reil eingeführt und leitet sich aus dem Lateinischen ab (Marasmus senilis). Er bezeichnete den allgemeinen Abbau sämtlicher körperlicher Funktionen mit fortgeschrittenem Lebensalter. Heutzutage wird der Begriff „Senil“ in erster Linie in Zusammenhang mit nachlassender Gedächtnisfunktion verwendet.

Senilität ist dabei ein allgemeiner Oberbegriff, der umgangssprachlich durchaus unterschiedlich benutzt wird. Die einen bezeichnen damit bereits leichte Verwirrung sowie gelegentliche Vergesslichkeit. Andere sehen „Senil“ als Synonym für Demenzerkrankungen wie Alzheimer an.

Medizinisch gesehen ist das nicht unbedingt ein Widerspruch. Schließlich gibt es verschiedene Phasen, in denen ein Mensch senil sein kann. In der frühen Phase kann sich die Verwirrung durch eher leichte Symptome äußern. Die Betroffenen…

  • …vergessen wichtige Jahrestage oder verwechseln Wochentage.
  • …müssen lange überlegen bis ihnen eigentlich bekannte Namen oder Begriffe einfallen.
  • …sind überfordert bei der Bedienung einfacher technischer Geräte und bitten diesbezüglich um Hilfe.
  • …verlieren oder verlegen Dinge.
  • …fühlen sich oft müde oder gar desorientiert.

Dazu kommt häufig ein deutlicher körperlicher Abbau. Die Bewegungsfähigkeit und -motivation nimmt rapide ab. Zuweilen muss dies nicht ausschließlich am Alter liegen. In vielen Fällen spielen Unfälle oder Erkrankungen wie zum Beispiel Krebs eine entscheidende Rolle dabei, wie senil ein Mensch ist.

Was ist die senile Demenz?

Senile Demenz wirft im Prinzip eine allgemeine Bezeichnung und eine konkrete Erkrankung in einen sprachlichen Topf. Fakt ist, dass der Begriff senile Demenz oft für die Alzheimer-Krankheit verwendet wird. Diese ist jedoch nur eine von mehreren Demenz-Erkrankungen.

Da die konkreten Auswirkungen aber durchaus vergleichbar sind, legen viele Menschen gar keinen großen Wert auf eine genaue Unterscheidung medizinischer Prozesse. Senile Demenz dient aus diesem Grund als praktische Bezeichnung für alle Abbauprozesse des Gehirns. Wenn die Leistungsfähigkeit und das Erinnerungsvermögen nachlassen sowie der Grad der Verwirrung zunimmt, ist die Bewältigung des Alltags für viele Menschen nicht mehr möglich.

Der Begriff „Senil“ beziehungsweise „senile Demenz“ beinhaltet aber de facto noch mehr. Meistens ist das emotionale Verhalten mit betroffen. Soziale Kompetenzen wie Empathie oder Rücksichtnahme gehen verloren.

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Senil: Diagnose und Untersuchungsmethoden

Wer senil ist, muss regelmäßig ärztlich untersucht und beobachtet werden. Denn Senilität ist nicht umkehrbar. Die Entwicklung ist jedoch bei jedem Menschen anders.

Aus diesem Grund wird zunächst die genaue Krankengeschichte der Betroffenen erfasst. Dies beinhaltet die Beobachtung der Entwicklung des Symptome und Verhaltensveränderungen. Zusätzlich spielen Lebensumstände wie Krankheiten und Medikation sowie familiäre Vorbelastungen und weitere Risikofaktoren wie Alkohol und Rauchen eine Rolle.

Dazu kommen weitere Untersuchungen. Diese betreffen zum einen den neurologischen Sektor und zum anderen den psychologischen. In verschiedenen Tests und Schritten werden Aufmerksamkeit, Orientierungsfähigkeit, Sprachvermögen und logistische Fähigkeiten untersucht.

Die Untersuchungsmethoden umfassen dabei sowohl die radiologische Diagnostik und Bluttests als auch diverse Sprach- und Orientierungstests. Einer der bekanntesten (weil einfachsten) ist dabei der Uhrentest. Der Patient wird gebeten, eine bestimmte Uhrzeit anhand der Zeigerstellung aufzumalen. Was einfach klingt, lässt bereits Menschen, die im Frühstadium senil sind, scheitern.

Verlauf der Senilität

Wer senil ist, wird das nicht von heute auf morgen. Bei vielen Betroffenen schreitet die Krankheit langsam in einem Zeitraum von fünf, zehn oder gar mehr Jahren voran. Dabei sind verschiedene Etappen zu verzeichnen, die sich aber nicht bei jedem Menschen gleich entwickeln. Dennoch lassen sich insgesamt fünf Phasen einteilen:

  1. Das erste Stadium ist geprägt von Müdigkeit und Antriebslosigkeit. Erste kleine Gedächtnisausfälle werden noch geleugnet. Im Gegenzug nehmen Reizbarkeit und negative Gedankenmuster zu.
  2. Wenn der senile Zustand weiter voranschreitet, ist die Anpassungsfähigkeit an neue Umstände, Umgebungen oder Aufgaben nur noch schwer möglich. Wer senil ist, dem fällt es schwer, neue Dinge zu erlernen oder sich damit zu arrangieren. Oft kann dies auch ein Auslöser für eine Depression sein.
  3. In der dritten Phase kommen Störungen der Gemüts- und Gefühlslage hinzu. Angehörige berichten oft davon, dass senile Menschen nicht mehr im Stande sind, Freude oder Leid zu empfinden. Sie versinken in einer Art Gleichgültigkeit.
  4. Der fließende Übergang erfolgt in das vierte Stadium. Persönlichkeitsveränderungen nehmen zu und Anpassungsfähigkeit an alltägliche Abläufe nehmen ab.
  5. In der letzten Phase ist der Verfall deutlich zu beobachten. Die Betroffenen sind pflegebedürftig. Selten kommen Angehörige nun ohne 24-Stunden-Hilfe aus. Zumeist gibt es spätestens jetzt keine Alternative zu einem Umzug in ein Pflegeheim.

Wenn ein Mensch senil ist, gibt es keine Aussicht auf eine Heilung. Zwar lässt sich die Entwicklung in den frühen Phasen durch Aktivitäten und Motivation zu Gedächtnistraining ein wenig in der Entwicklung aufhalten. Eine Umkehr auf diesem Weg ist hingegen leider ausgeschlossen.

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Senile Eltern: Tipps zum Umgang

Wenn die eigenen Eltern senil werden, ist die Unsicherheit zu Beginn oft groß. Wie geht man am besten mit ihnen um? Ist es sinnvoll, das Problem zu verschweigen? Oder sollte es im Gegenteil offen angesprochen werden?

Pauschalaussagen sind hier schwierig. Schließlich hängt das nicht nur am individuellen Verlauf der Senilität, sondern in erster Linie am zwischenmenschlichen Verhältnis und der Persönlichkeit des Betroffenen.

Wie offen und empathisch Sie die Veränderungen besprechen können, hängt daher davon ab, wie offen Sie in Ihrem bisherigen Leben Probleme mit Ihren Eltern angesprochen haben.

Tipps zur Kommunikation

Es gibt allerdings einige Tipps zur Kommunikation mit senilen Personen:

  • Blick- und Körperkontakt
    In der direkten Kommunikation nimmt die Körpersprache mit 55 Prozent den größten Anteil ein. Danach kommt die Stimme mit 38 Prozent. Der Inhalt wird lediglich zu 7 Prozent gewertet. Dies betrifft nicht nur senile Menschen, sondern unseren tagtäglichen Umgang. Dies bedeutet: Selbst wenn jemand nicht mehr den Inhalt verstehen kann, verbleiben uns immer noch 93 Prozent der Kommunikationsmöglichkeit. Setzen Sie daher bewusst eine ruhige Stimme ein und suchen Sie vertrauensvollen Blick- und Körperkontakt.
  • Haltung und Zugewandtheit
    In diesem Zusammenhang ist wichtig, dass Sie auf Augenhöhe mit der senilen Person gehen. Wer zum Beispiel in einem Rollstuhl sitzt, wird nur ungern von oben herab angesehen. Gehen Sie daher in die Hocke und signalisieren Sie Ihren Eltern so, dass Sie sie ernst nehmen und ihnen zugewandt sind.
  • Einfache und wertschätzende Sprache
    Sprechen Sie langsam und nutzen Sie einfache, kurze Sätze. Wer senil ist, braucht meist bedeutend länger zum Verstehen. Legen Sie daher nach jedem Satz eine Sprechpause ein. Wichtig ist in diesem Zusammenhang ebenfalls, dass Sie Ihre Eltern bestärken und wertschätzen. Nicken Sie, geben Sie zurück, wenn Sie inhaltlich und vor allem emotional verstehen.
  • Rituale und Biographiebezug
    Wenn jemand senil ist, tun ihm Rituale gut. Gleiche Abläufe geben Sicherheit. Diese finden sich zuhauf in der Biografie und dem persönlichen Verhältnis zwischen Ihnen und Ihren Eltern. Das können Aktivitäten wie gemeinsame Mahlzeiten oder Spaziergänge zu festen Zeiten sein. Oder einfach nur bestimmte Sätze, die Sie miteinander emotional verbinden.
  • Fragen und Verständnis
    Es ist ein weit verbreitetes Vorteil, dass man Personen, die senil sind, keine Fragen stellen sollte. Entscheidend ist vielmehr, WIE Sie fragen. Vermeiden Sie Entscheidungsfragen à la Entweder-Oder. Nutzen Sie eher Ja-Nein-Fragen. Idealerweise spiegeln Sie so Ihr zurück, was bei Ihnen zwischen den Zeilen angekommen ist. „Habe ich das richtig verstanden, dass…“ ist eine schöne Art gegenseitig mehr Verständnis zu erreichen. Oder aber Sie nutzen offene Fragen. Zum Beispiel: „Wie meinst du das?“

Weitere Tipps bei Senilität

Wer frühzeitig etwas für seine Gedächtnisleistung tut, der kann dadurch möglicherweise den Ausbruch von Senilität verzögern. Geeignet sind hierzu ganz unterschiedliche Maßnahmen.

  • Machen Sie regelmäßig mit Ihren Eltern spielerisches Gedächtnistraining. In diesem Zusammenhang hat sich zum Beispiel Memory als besonders hilfreich erwiesen.
  • Achten Sie darauf, dass sich Ihre Eltern gesund und ausgewogen ernähren. Gut sind zum Beispiel Omega-3-Fettsäuren oder Ginkgo.
  • Motivieren Sie Ihre Eltern zu körperlicher Bewegung. Das muss kein großer Sport sein. Eine kleine Runde an der frischen Luft bei Tageslicht wirkt oft schon Wunder.

Zudem sollten Ihre Eltern möglichst auf Alkohol, Rauchen oder andere gesundheitsschädliche Genussmittel wie Zucker verzichten.

Dies alles erfordert ein hohes Maß an Zeit und Zuwendungsbereitschaft. Sicher ist das nicht für Jeden leistbar. Dennoch ist es wichtig, dass Sie Ihren Eltern so viel Zuwendung wie möglich widmen, wenn sie senil sind. Regelmäßige gemeinsame Zeit erleichtert in diesem Zustand das zwischenmenschliche Verhältnis.

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[Bildnachweis: mapusan by Shutterstock.com]

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