Seniorenbeirat: Werden Sie politisch aktiv

Es gibt immer wieder politische Entscheidungen, mit denen Sie nicht einverstanden sein werden. Darüber können Sie sich entweder erfolglos aufregen oder Sie können sich politisch engagieren. Zum Beispiel in einem Seniorenbeirat.

Dieses Gremium hat zwar nicht die Möglichkeit, politische Entschlüsse zu treffen, kann aber doch den Gemeinderat, den Kreistag oder gar die Parlamente der Bundesländer politisch beraten und so die Interessen der älteren Generation vertreten und deutlich machen.

Wie Sie es in einen Seniorenbeirat schaffen, was Sie dort bewirken können und wieviel Zeit Sie dafür einplanen sollten, möchten wir an dieser Stelle genauer beleuchten…

Seniorenbeirat: Werden Sie politisch aktiv

Definition: Was ist ein Seniorenbeirat?

Ein Seniorenbeirat hat eine beratende Funktion – wie der Name schon verdeutlicht. Es ist ein Gremium, das die Interessen der Rentner und älteren Menschen im Blick hat und die politischen Entscheidungsgremien der Legislative, also der Volksvertretungen darüber informiert.

Insofern könnte man einen Seniorenbeirat auch als Lobbyvertretung bezeichnen. Da der Begriff inzwischen jedoch inzwischen eher einen negativen Ruf hat – hauptsächlich verursacht durch die Lobbyisten aus Industrie und Wirtschaft – und ein Beirat offizieller und transparenter erscheint, hat sich dieser Begriff in der Verwendung zurecht durchgesetzt.

Ein Seniorenbeirat befasst sich dabei mit vielen Themen. So zum Beispiel mit:

Dabei gibt es Seniorenbeiräte sowohl auf kommunaler Ebene als auch auf Länderebene. Einen bundesweiten Seniorenbeirat gibt es in Deutschland nicht, nur in Österreich.

Das Gremium berät also nicht die jeweiligen Regierungen, also die Exekutive, sondern das gesetzgebende Gremium, die Legislative. Indirekt nimmt jedoch der Seniorenbeirat sehr wohl Einfluss auf die letztendlichen Entscheidungen der Bürgermeister und Landräte, da diese ja den Willen des Parlamentes beziehungsweise des Rates umsetzen müssen und dabei gerne auf die Expertise des Beirates zurückgreifen.

Das bedeutet, dass der Seniorenbeirat in Ausschüssen und Sitzungen von Gemeinderat, Kreistag oder Landtag dabei ist und in der Diskussionen die Argumente und Sichtweisen mit einbringt. Ein Stimmrecht im Parlament gibt es jedoch nicht.

Auch einige Parteien und kirchliche Organisationen haben einen beratenden Seniorenbeirat, um die Interessen der älteren Bevölkerungsgruppe entsprechend vertreten zu können. Hier arbeiten die Ehrenamtlichen an Parteiprogrammen oder Forderungen der Kirchenvertreter mit.

Zwar ist es für eine Kommune oder ein Bundesland keine Pflicht, einen Seniorenbeirat ins Leben zu rufen, allerdings gewinnen die Interessen der älteren Bevölkerung immer mehr an Bedeutung und daher drängen auch immer mehr Menschen aus dieser Generation auf politische Einflussnahme.

Inzwischen gibt es kaum eine größere Stadt oder einen Landkreis, der auf einen Seniorenbeirat verzichtet. Schließlich bedeuten Senioren auch zuverlässige Wählerstimmen – insofern hat ihre Meinung in der Politik durchaus erhebliches Gewicht.

Neben dem Seniorenbeirat gibt es außerdem weitere Beiräte wie zum Beispiel den Integrations- beziehungsweise Ausländerbeirat, den Elternbeirat oder den Behindertenbeirat.

Aufgaben und Grundsätze eines Seniorenbeirates

Der Seniorenbeirat nimmt aktiven Einfluss auf die Volksvertreter im Parlament. Dies geschieht mittels Argumenten und Darlegung der Lebenswelten der Senioren und Rentner. So macht er die tagtäglichen Probleme dieser Generation transparenter und trägt somit maßgeblich zu Meinungsbildung der Parlamentarier bei.

Es geht also darum, auf Dinge aufmerksam zu machen, die den meisten Abgeordneten und Räten in dieser Form ansonsten nicht bewusst gewesen wäre.

Dabei zeichnet einen Seniorenbeirat verschiedene Grundsätze aus:

  • Überparteilichkeit
    Ein Seniorenbeirat ist immer parteipolitisch unabhängig. Er setzt sich für die Belange der Senioren und nicht für die bestimmter Parteien ein.
  • Ehrenamtlich
    Die Mitglieder im Seniorenbeirat arbeiten ohne Vergütung. Zwar können Aufwandspauschalen erstattet werden, ein Verdienst für ihre Arbeit ist jedoch nicht vorgesehen.
  • Konfessionslos
    Der Seniorenbeirat ist nicht an bestimmte Glaubensrichtungen oder Kirchen gebunden. Das bedeutet, dass sich Angehörige jeder Religion in diesem Gremium engagieren können.
  • Gemeinnützig
    Die Arbeit des Seniorenbeirates soll der Allgemeinheit zu Gute kommen und nicht den Interessen einiger weniger. Wirtschaftliche Vorteile sind ein Tabu. Daher ist ein Seniorenbeirat auch häufig als gemeinnütziger Verein organisiert.
  • Selbstbestimmt
    Der Seniorenbeirat organisiert sich selbst und entscheidet seine Haltungen auch eigenverantwortlich. Eine Einflussnahme von außen ist somit ausdrücklich ausgeschlossen.
  • Unterstützend
    Nicht nur die politischen Entscheidungsträger sollen unterstützt werden, auch örtliche Senioreneinrichtungen wie Pflege- und Altenheime, Mehrgenerationenhäuser, Seniorenzentren oder andere Institutionen der Altenhilfe können sich an den Seniorenbeirat wenden, um Rat und Hilfe zu erfahren.
  • Öffentlichkeitswirksam
    Aufgabe eines Seniorenbeirates ist auch die Öffentlichkeitsarbeit. Missstände aufzuzeigen und für die Bevölkerung transparent zu machen, ist ein wichtiger Bestandteil der täglichen Arbeit. Zugleich werden auch Sprechstunden für die Bürger angeboten, die ihre Belange vortragen und einbringen können.

Info: So werden Sie Mitglied im Seniorenbeirat

Wer gerne in einem Seniorenbeirat mitmachen möchte, kann sich entweder bei den regelmäßig stattfindenden Urwahlen wählen lassen oder von einer entsprechenden Seniorenorganisation (Vereine, kirchliche Verbände oder ähnliche) dorthin entsenden lassen.

Offiziell werden die gewählten und bestimmten Beiräte dann vom Gemeinderat oder Parlament berufen. Dabei wird genau darauf geachtet, dass sowohl jeder Bezirk vertreten ist, als auch dass möglichst eine gleiche Anzahl von Männer und Frauen im Beirat sitzen.

Viele Seniorenbeiräte haben zudem ein Mindestalter. Dieses liegt in der Regel bei 55 oder 60 Jahren.

Wer in seiner Kommune beim Thema Seniorenbeirat nicht fündig wird, sollte auch nach Begriffen suchen, die gleichbedeutend verwendet werden. So wird ein Seniorenbeirat häufig auch als „Seniorenbüro“ oder „Seniorenvertretung“ bezeichnet.

Wer länger dabei ist, kann sich innerhalb des Gremiums auch zum Vorstand wählen lassen.

Rechte und Pflichten als Seniorenbeirat

Das Gremium hat einen Anspruch auf Unterstützung vom Land, um kostendeckend arbeiten zu können. Dazu gehört, dass auch eine Voll- oder Teilzeitkraft für die Verwaltung angestellt wird.

Auf eine Vergütung haben Sie als Mitglied des Beirates jedoch keinen Anspruch. Wohl aber auf eine Aufwandspauschale, die Ihren Zeitaufwand und Ihre Fahrtkosten abdecken soll. Je nach Ort, Größe, Arbeitsaufwand und Satzung des Beirates kann die Höhe unterschiedlich ausfallen – reich wird man davon aber keinesfalls. Meist handelt es sich hier um wenige hundert Euro im Monat.

Nachdem sich ein neues Parlament konstituiert hat, wird auch in den folgenden Wochen der Seniorenbeirat zum ersten Mal einberufen. Dabei werden Anfragen aus der Bevölkerung und seitens der Altenhilfeeinrichtungen auf die Tagesordnung genommen und eine gemeinsame Linie und Forderungen diskutiert.

Sind Sie gewählt, so sollten Sie an diesen regelmäßig stattfindenden Sitzungen auch teilnehmen. Dort wird auch verabschiedet, wer in den Ausschüssen und in der Ratsversammlung die Interessen des Beirates letztendlich vertritt.

Haben Sie sich für eine solche Aufgabe entschieden, müssen Sie diese auch wahrnehmen. Dies gilt ebenso für die Aufgaben des Vorstandes oder des Schriftführers, wenn Sie sich in ein solches Amt wählen lassen.

Eine Verpflichtung, sich um solche Aufgaben zu bewerben, besteht jedoch nicht.

Ist die Arbeit im Seniorenbeirat zeitintensiv?

Wieviel Zeit Sie letztendlich investieren, hängt von Ihnen ab.

Es gibt Seniorenbeiräte, denen ihre Aufgabe und ihre Anliegen so wichtig sind, dass sie sich quasi fast in Vollzeit dafür einsetzen. Dies wird von vielen Gremien selbstverständlich gerne gesehen, da Engagement immer wertgeschätzt wird. Ein solcher Umfang ist jedoch die Seltenheit.

Die meisten Seniorenbeiräte nehmen alle paar Wochen an den Sitzungen teil, die in der Regel mehrere Stunden andauern.

Was Sie darüber hinaus zeitlich einbringen, entscheiden Sie selbst. Ein Faktor sind sicherlich zuvorderst Ihre Interessen, für die Sie sich engagieren. Vermutlich werden Sie einen konkreten Grund haben, warum Sie sich im Seniorenbeirat engagieren möchten.

Je nachdem, welcher dies ist, müssen Sie für Überzeugungs- und Netzwerkarbeit einen unterschiedlichen Zeitaufwand kalkulieren. Eine Pauschalaussage lässt sich daher nicht treffen.

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21. August 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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