Seniorenstudium: Campusleben im Alter

Der Begriff des lebenslangen Lernens ist in aller Munde. So verwundert es nicht, dass sich viele Rentner einem Seniorenstudium widmen, um ihren Horizont zu erweitern oder um vorhandenes Wissen zu intensivieren.

Dabei geht es nicht nur darum, die viele Freizeit sinnvoll zu nutzen, sondern auch um den zwischenmenschlichen, fachlichen Austausch.

Wo und wie Sie ein Seniorenstudiums beginnen können, welche Angebote es gibt und was Ihnen das bringt, erläutern wir an dieser Stelle gerne.

Seniorenstudium: Campusleben im Alter

Definition: Was ist ein Seniorenstudium?

Der Begriff Seniorenstudium ist zunächst einmal ein Sammelbegriff. Darunter verbergen sich viele verschiedene Angebote mit den unterschiedlichsten Namen: Seniorenuniversität, Seniorenkolleg, Seniorenakademie oder ähnliches.

Sie alle eint eines: Ein Seniorenstudium wird immer an einer Hochschule absolviert. In den allermeisten Fällen wird es von bereits bestehenden, traditionellen Universitäten angeboten und ist speziell auf die Bedürfnisse der Generation 60 plus ausgerichtet.

Dies unterscheidet ein Seniorenstudium vor allem inhaltlich, aber auch in Bezug auf die Studiengebühren von einem regulärem Studium, das selbstverständlich älteren Menschen nach wie vor offen steht.

Zudem gibt es etliche Angebote für ein Seniorenstudium, für das Sie auch – mit Ausnahme von Bayern – ohne Abitur problemlos eine Zulassung erhalten. Insbesondere Themen der Kultur und der Allgemeinbildung sind häufig von diesen Beschränkungen ausgenommen.

Weitere beliebte und stark nachgefragte Themen für ein Seniorenstudium sind:

  • Theologie
  • Philosophie
  • Germanistik
  • Naturwissenschaften
  • Archäologie

Zwar sind auch diese oftmals eher allgemeiner gehalten als in einem regulären Studium, das bedeutet jedoch nicht, dass Senioren vom normalen studentischen Alltag ausgegrenzt sind. Im Gegenteil: Viele Vorlesungen und Seminare im Seniorenstudium sind in die normalen Abläufe einer Hochschule eingegliedert.

So sitzen häufig junge und ältere Semester zusammen in den Veranstaltungen und profitieren so gegenseitig voneinander: Die Jungen von der Lebens- und Praxiserfahrung der Älteren und diese wiederum umgekehrt von frischen Denkansätzen der jüngeren Studenten.

Inzwischen bieten über 50 deutsche Universitäten ein Seniorenstudium an – oft als fächerübergreifendes Angebot, bei dem die älteren Studenten ausgewählte Lehrveranstaltungen als Gasthörer besuchen. Die Angebote unterscheiden sich jedoch von Hochschule zu Hochschule.

Gerade diese Form des Seniorenstudiums hat weniger das Erreichen eines akademischen Abschlusses oder das Absolvieren von Prüfungen zum Ziel, sondern soll vielmehr die Freude an der wissenschaftlichen Weiterbildung vermitteln – ganz ohne Zeitdruck. Das kommt gut an: Knapp 50.000 Senioren sind aktuell an einer Hochschule eingeschrieben – Tendenz steigend.

Anzeige

Welche Angebote für ein Seniorenstudium gibt es?

Die Auswahl an Möglichkeiten, ein Seniorenstudium aufzunehmen, ist inzwischen groß und nicht bundeseinheitlich geregelt. Da die Bildungspolitik grundsätzlich Sache der Bundesländer ist und es für ein Seniorenstudium keine einheitlichen Standards gibt, gestaltet jede Hochschule ihr eignes Programm, von dem sie der Meinung ist, dass darin ihre Stärken liegen und es die Senioren interessiert.

Außerdem gibt es seit dem Jahr 2006 eine reine Seniorenuniversität. Diese befindet sich in Bad Meinberg im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Der Vorteil ist, dass sich das Angebot dieser Bildungseinrichtung zu hundert Prozent auf die Bedürfnisse der älteren Semester ausrichtet – jedoch fehlt der Austausch mit den Jungakademikern.

Ein weiteres innovatives Modell für ein Seniorenstudium wird seit etlichen Jahren an der Pädagogischen Hochschule in Freiburg angeboten: Hier bieten junge und hochqualifizierte Akademiker, die vorübergehend ohne Anstellung sind, spezielle Lehrveranstaltungen nur für die Generation 60 plus an.

Um in dem Dschungel an Angeboten einen Überblick zu erhalten, hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) einen Studienführer für Senioren erstellt, den Sie sich unter diesen Link abrufen können.

Grob lassen die Angebote dabei in drei Bereiche unterteilen:

  • Studium Generale: Dieses akademische Bildungsangebot richtet sich nicht nur an Senioren, sondern an breite Teile der Bevölkerung und enthält keinerlei Zulassungsbeschränkungen. Allerdings bleiben die Vorträge und Kurse auch häufig nur auf oberflächlichem Niveau.
  • Gasthörerstudium: Dieses Angebot geht wissenschaftlich gesehen schon tiefer. Die älteren Studenten suchen sich aus ausgewählten und geöffneten Lehrveranstaltungen ihren passenden Stundenplan zusammen. Häufig erhalten Sie dafür eine Teilnahmebescheinigung oder ein Zertifikat.
  • Bachelor-, Master- oder Promotionsstudium: Dieses reguläre Vollzeitstudium setzt als Zulassungsvoraussetzung das Abitur voraus. Die Studenten nehmen dann ganz normal an den Lehrveranstaltungen teil, schreiben Ihre Prüfungen, Haus- und Abschlussarbeiten. Der Vorteil ist, dass eine hohe Spezialisierung auf den gewählten Fachgebiet erfolgt, eine breite Streuung über mehrere Fachbereiche ist jedoch nicht vorgesehen. Zudem ist der Zeitaufwand sehr hoch.

Info: Fernstudium für Senioren

Wer nicht in einer Universitätsstadt wohnt oder wem die regelmäßige Anwesenheit in einem Hörsaal nicht taugt, muss nicht auf ein Seniorenstudium verzichten. Auch per Fernstudium lässt sich prima studieren. Zum Beispiel bei folgenden, großen und seriösen Anbietern:

  • Fernakademie
  • Institut für Lernsysteme (ILS)
  • Laudius
  • Studiengemeinschaft Darmstadt (SGD)

Meist sind die Kosten allerdings höher, als bei einem Seniorenstudium an einer traditionellen Universität. Dafür bekommen Sie die aufbereiteten Unterlagen bequem nach Hause geschickt und können in aller Ruhe und in Ihrem eigenen Tempo lernen. Die Lehrkräfte sind per Mail, Chat oder Telefon erreichbar.

Allerdings entfällt auch das Kennenlernen jüngerer Kommilitonen sowie der typische und von vielen so geschätzte studentische Alltag.

Anzeige

Voraussetzungen für ein Seniorenstudium

Je nachdem, für welches Angebot und welchen Ort Sie sich entscheiden, gibt es auch unterschiedliche Zugangsvoraussetzungen für ein Seniorenstudium.

Die traditionellen Gasthörer-Studiengänge oder das Studium Generale ist außerhalb Bayerns oft nicht an einen bestimmten Schulabschluss gebunden.

Wer sich in einen regulären Studiengang einschreiben möchte, benötigt dafür in aller Regel das Abitur. Je nach Fachbereich kann sogar ein Numerus Clausus herrschen, also eine Notenbegrenzung oder andere Einschränkungen.

Manche Hochschulen gestatten jedoch auch die Zulassung zu bestimmten Studiengängen, wenn eine abgeschlossene Berufsausbildung, sowie Berufspraxis und/oder entsprechende Fortbildungen nachgewiesen werden können.

Tipp: Alternativen zum Seniorenstudium

Wer an der Zulassung scheitert oder wem ein Seniorenstudium schlicht zu stressig ist, aber dennoch das lebenslange Lernen nicht aus den Augen verlieren möchte, hat diverse weitere Möglichkeiten, sind im Alter weiterzubilden:

  • Volkshochschulen sind auch in kleineren Orten vertreten und verfügen über ein vielseitiges und breit gefächertes Angebot.
  • Wer gerne Sprachen lernen möchte, kann sich auch eine der Sprachschulen oder Internetangebote wenden.
  • Ein Ehrenamt (zum Beispiel im Bereich der Seelsorge) ist in den allermeisten Fällen ebenfalls damit verbunden, Neues zu erlernen.
  • Lesezirkel oder Lesegemeinschaften bieten bei regelmäßigen Treffs die Möglichkeit, sich in einer Gruppe über Bücher auszutauschen und deren Hintergründe zu reflektieren.
  • Ein Selbststudium anhand einer gut sortierten Bibliothek braucht nicht immer einen akademischen Hintergrund. Schon das Stöbern in wissenschaftlichen Abteilungen der Büchereien kann neue Horizonte öffnen.
Anzeige

Was bringt ein Seniorenstudium?

So mancher mag sich nun fragen, warum man sich im verdienten Ruhestand noch einmal ein Studium antun sollte.

Dabei sollte man die Motive der älteren Studenten genauer unter die Lupe nehmen, die sich von denen ihrer jüngeren Kommilitonen deutlich unterscheiden. Es geht nicht mehr darum, sich möglichst fit für eine Berufskarriere zu machen.

Die Gründe für ein Seniorenstudium nach dem Renteneintritt sind andere:

  • Neue Eindrücke erhalten
  • Über den Tellerrand hinausschauen und neugierig bleiben
  • Freude am Austausch mit einer anderen Generation
  • Qualifizierung für einen Nebenjob im Alter
  • Einblick in aktuelle Entwicklungen bekommen
  • Aktiv neue Kontakte und Geselligkeit erleben
  • Sich in einer veränderten Welt besser zurecht finden können
  • Einen langersehnten Traum vom Studium erfüllen
  • Eigene Ressourcen ohne großen Druck fordern und fördern
  • Langeweile entgegenwirken
  • Erfahrungen weitergeben

Ob Sie sich für ein Seniorenstudium entscheiden, bleibt letztendlich Ihnen überlassen. Dennoch ist die Weiterbildung im Alter durchaus zu empfehlen, um gedanklich fit und flexibel zu bleiben.

Das Klischee, dass alte Menschen nicht mehr so gut lernen können, ist inzwischen längst widerlegt. Aufgrund ihrer Lebenserfahrungen lernen sie zwar anders, aber sicher nicht weniger intensiv oder mit weniger Begeisterung.

[Bildnachweis: fizkes by Shutterstock.com]

Anzeige
Bewertung: 4,92/5 - 6827 Bewertungen.

Hier weiterlesen

Weiter zur Startseite