Silver Worker: So starten Sie im besten Alter noch einmal durch

Wir werden immer älter und fühlen uns immer länger fit und leistungsfähig. 50 ist das neue 30 – dieses geflügelte Wort ist für viele mehr als nur eine Phrase. Sogenannte Silver Worker zeigen so manchem jungen Arbeitnehmer, was es bedeutet, motiviert und mit Freude im Arbeitsprozess noch einmal so richtig durchzustarten. Sie halten wenig davon, dem Rollenklischee ihrer Großelterngeneration von altbackenen Senioren zu entsprechen, die mit weißgrauem Haar und brüchiger Stimme nur noch vergilbte Geschichten von früher erzählen. Sie wollen zeigen, was in ihnen steckt – und werden gebraucht. In Zeiten des Fachkräftemangels können es sich Unternehmen nicht erlauben, auf ihre wertvolle Erfahrung zu verzichten. Was Sie als Silver Worker beachten sollten…

Silver Worker: So starten Sie im besten Alter noch einmal durch

Definition: Was sind Silver Worker?

Definition: Was sind Silver Worker?Wer beim Begriff Silver Worker an einen Juwelier, Schmuckdesigner oder Silberschmied denkt, irrt. Als Silver Worker, wörtlich übersetzt: silberne Arbeitnehmer, bezeichnet man ganz allgemein ältere Arbeitnehmer, die weiterhin Freude und Motivation in ihrer Arbeit finden.

Der Begriff ist also positiv besetzt, was sich auch an der Farb-Bezeichnung „Silver“ festmachen lässt, die selbstverständlich auf die Haarfarbe anspielt, die nicht etwas als grau oder weiß definiert wird.

Dabei muss man zwei Gruppen der Silver Worker unterscheiden:

  • Arbeitnehmer, die bereits in Rente sind und sich nebenher etwas dazu verdienen
  • Arbeitnehmer der Generation 50 Plus, die sich einem regulärem Beschäftigungsverhältnis befinden

Gerade die erste Gruppe wird seit Jahren größer. Viele fühlen sich zu fit fürs Altenteil und nutzen die Möglichkeit, ihre Rente aufzubessern, in dem sie ihr Wissen an jüngere Kollegen weitergeben. Darüber hinaus winkt die Chance, sich mit dem Zuverdienst etwas Besonderes gönnen zu können.

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Anteil der Silver Worker im Erwerbsleben

Dass immer mehr Menschen im Alter arbeiten, hat nicht zwangsläufig etwas mit der Altersarmut der finanziell schlechter gestellten Rentner in den letzten Jahre zu tun, obwohl es diese Menschen selbstverständlich gibt. Gerade Frauen sind davon mitunter betroffen, wenn sie zum Beispiel in jungen Jahren ihre Stelle für die Familie aufgegeben haben und später geschieden wurden.

Allerdings wächst seit Jahren auch die Gruppe derjenigen, die nicht mehr unbedingt arbeiten müssen, aber es dennoch wollen. Für viele von ihnen ist die Arbeit mehr als bloß ein Mittel des Geldverdienens.

Aufgrund des demographischen Wandels in den letzten Jahrzehnten und der gestiegenen Lebenserwartung, die zu einer immer älter werdenden Gesellschaft geführt haben, ist der Anteil der Silver Worker in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen und hat sich nahezu verdoppelt. Es lohnt sich daher, dieses Phänomen genauer zu betrachten.

Die Zahlen des Statistischen Jahrbuchs 2018 dokumentieren diese Veränderungen. Mit Blick auf ältere Arbeitnehmer waren 2005 rund 45 Prozent der 55- bis unter 65-Jährigen erwerbstätig. 2017 ist diese Zahl in derselben Altersgruppe bereits auf 70 Prozent geklettert. Deutliche Unterschiede lassen sich zwischen Männern und Frauen beobachten:

  • 60 bis unter 65 Jahre: 64 Prozent Männer erwerbstätig, aber nur 53 Prozent Frauen
  • 65 bis unter 70 Jahre: 20 Prozent Männer erwerbstätig, aber nur 12 Prozent Frauen
  • 70 bis unter 75 Jahre: 10 Prozent Männer erwerbstätig, aber nur 5 Prozent Frauen

Eine Erklärung für den gravierenden Unterschied zwischen den Geschlechtern ist, dass in der Generation der heutigen Silver Worker die Männer noch sehr traditionell eine lange Berufskarriere mit vielerlei Erfahrung vorweisen können, während sich Frauen in dieser Zeit eher um die Familie gekümmert haben. Die manifestierten Rollenbilder, die sich in jüngeren Generationen inzwischen auflösen, tragen dazu bei, dass vornehmlich männliche Beschäftigte bis ins hohe Alter tätig sind.

Der Grund dafür ist, dass viele Unternehmen und Einrichtungen nicht auf die Arbeitskraft und die Erfahrung der Silver Worker verzichten können. Während früher in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit ältere Arbeitnehmer vorzeitig in Frührente geschickt wurden, um in Zeiten des Jugendwahns Platz für den vermeintlich jungen, dynamischen Nachwuchs zu machen, werden in etlichen Branchen inzwischen sogar wieder verdiente Mitarbeiter aus dem Ruhestand zurückgeholt.

Als Beispiel sind hier unter anderem pensionierte Lehrer anzuführen, die wieder reaktiviert werden. Aufgrund des aktuellen Landesbeamtenversorgungsgesetzes müssen diese noch nicht einmal um eine Kürzung ihrer Pension fürchten, wenn sie wieder beruflich tätig werden.

Silver Worker sind geistig fitter

Silver Worker sind geistig fitterViele ältere Beschäftigten fühlen sich zu fit, um sich aufs Altenteil zurückziehen zu wollen. Sie sind aktiv und nach wie vor voller Tatendrang.

Sicher ist das Arbeiten jenseits der Regelaltersgrenze nicht für jeden möglich. Gerade bei körperlichen Tätigkeiten hinterlässt eine lange, kräftezehrende Berufslaufbahn ihre Spuren.

Bei den Akademikern hingegen sieht es schon anders aus: mehr als die Hälfte der erwerbstätigen Silver Worker verfügen über einen Hochschulabschluss. Die allermeisten von ihnen haben einen Bürojob, der nicht unbedingt eine hohe Körperfitness voraussetzt, sondern eher eine geistige Wendigkeit und ein großes Wissensspektrum.

Da die Lebensumstände, die Ernährung und auch die medizinischen Möglichkeiten inzwischen deutlich besser sind, als noch vor einigen Jahrzehnten, bleiben ältere Mitarbeiter auch länger kognitiv leistungsfähiger.

Viele von ihnen fühlen sich daher jünger, als sie es dem Pass nach sind. Ihr Wissensdurst und ihre Neugier sind ungebrochen und halten sie geistig fit. Das Streben, lebenslang lernen zu wollen, gilt daher als ein guter Schutz vor Demenz.

Das motiviert Silver Worker

Silver Worker werden zuweilen immer noch unterschätzt. Dabei bieten sie dem Jugendwahn, der nach wie vor in manchen Betrieben noch vorherrscht, erfolgreich die Stirn und zeigen, dass sie nicht zum alten Eisen gehören. Sie möchten beweisen, dass die Arbeit im Alter auch durchaus Vorzüge für beide Seiten hat.

Anstatt sich einen ruhigen Lebensabend zu gestalten, genießen die Silver Worker so das Gefühl, noch gebraucht zu werden. Eine Studie der Leuphana-Universität Lüneburg ergab im Einzelnen vier Hauptgründe, um im Alter weiterhin berufstätig sein zu wollen:

  • Aktivität

    Für viele Menschen ist Ihre Arbeit sinnstiftend und daher ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens, den sie sich erhalten möchten. Durch eine langjährige Verwurzelung in ihrer Branche, interessieren sie sich nach wie vor noch für die aktuellen Entwicklungen und werden auf diese Weise geistig gefordert.

  • Kontakte

    Wer arbeitet, nimmt am gesellschaftlichen Leben teil. Silver Worker haben so Kontakt mit jüngeren Menschen, die über die generationstypische Filterblase oder Verwandte hinaus gehen. Das trägt zum gegenseitigen Verständnis bei und steigert nebenbei noch die Produktivität im Unternehmen. Daneben sind viele freundschaftliche Kontakte im Laufe der Jahre entstanden, die viele ältere Beschäftigte nicht so einfach aufgeben wollen.

  • Anerkennung

    Ältere Menschen wird teilweise weniger zugetraut, da sie häufig altersbedingte Beeinträchtigungen haben. Ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis zu stellen und zu zeigen, dass sie wertvolle Arbeit leisten können, trägt zu einem höheren Selbstwertgefühl bei. Es ist der Beweis, es allen – und gerade auch sich selbst – gezeigt zu haben.

  • Geld

    Geld spielt natürlich ebenfalls eine Rolle – gerade wenn zum Beispiel ein bestimmter Lebensstandard aufrechterhalten werden soll. Manche Silver Worker möchten sich auch einfach etwas besonderes, wie eine tolle Reise oder ähnliches, leisten. In manchen Fällen studieren vielleicht die eigenen Kinder noch, so dass eine finanzielle Unterstützung ebenfalls willkommen ist.

Das müssen Silver Worker beachten

Das müssen Silver Worker beachtenWenn Sie noch nicht im Rentenalter sind, ist eine Arbeitstätigkeit auch im Alter selbstverständlich nichts außergewöhnliches. Wer jedoch nach Rentenbeginn weiterhin berufstätig sein möchte, sollte sich überlegen, ob und in welchem Umfang sich ein Beschäftigungsverhältnis lohnt. Dies hängt neben den individuellen Voraussetzungen auch von den gesetzlichen Vorgaben ab.

Wer nicht gerade ein verbeamteter Lehrer ist, muss insbesondere finanziell die Grenze beim Hinzuverdienst zur Rente beachten. Diese liegt gemäß Deutscher Rentenversicherung bundeseinheitlich bei 6.300 Euro pro Jahr. Das macht exakt 525 Euro, die Sie monatlich hinzuverdienen dürfen, ohne dass Ihnen etwas abgezogen wird.

Alles, was über diese Hinzuverdienstgrenze hinaus geht, wird zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet, Sie erhalten dann nur noch eine Teilrente. Das kann zweierlei bedeuten: Sie nehmen die Abzüge in Kauf oder aber steigen mit Eintritt ins Rentenalter auf Teilzeitarbeit um.

Silver Worker, die nach Beginn der Rente noch weiterhin berufstätig sein möchten, sollten allerdings nicht nur die finanzielle Seite beachten. Vielmehr sollten sie sich auf ihren „Unruhestand“ gezielt vorbereiten. Dabei gilt es, genau zu überlegen was Sie sich zutrauen und welche Tätigkeiten Sie nicht mehr ausüben möchten, um auch auf Unwägbarkeiten adäquat reagieren zu können.

Dies gilt es frühzeitig, also bereits schon während des regulären Arbeitsverhältnisses, in die Wege zu leiten und mit den Verantwortlichen detailliert zu klären. Psychologisch empfiehlt sich ein Einstieg direkt nach Renteneintritt, denn eine Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit nach einer längeren Phase des Ruhestands kostet sicher erheblich mehr an Überwindung.

[Bildnachweis: Impact Photography by Shutterstock.com]
5. Februar 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

Die Herbstlust-Redaktion besteht aus erfahrenen Autoren mit langjähriger Berufserfahrung. Trotz sorgfältiger Recherche erheben die Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informieren lediglich allgemein. Der vorliegende Artikel kann eine fachliche oder ärztliche Beratung nicht ersetzen.

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