Sorgen loslassen: 8 Tipps für weniger Bedenken

Sorgen können das Leben eines Menschen komplett einnehmen. Etwa wenn jemand sich Sorgen um seine Gesundheit und seine Zukunft macht. Oder er sorgt sich um andere, die ihm nahestehen. Begründete Bedenken im Falle einer konkreten Gefahr sind verständlich und berechtigt. Oft sind wir aber unnötig besorgt: Reißerische Nachrichten oder eigene Spekulationen begünstigen ein Gedankenkarussell, das niemandem hilft und am Ende krank macht. Wir zeigen Ihnen, wann Bedenken sinnvoll sind und wie Sie Ihre Sorgen loslassen können…

Sorgen loslassen: 8 Tipps für weniger Bedenken

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Definition: Was sind Sorgen?

Sorgen sind in die Zukunft gerichtete Gedanken und Gefühle, die eine negative Wendung befürchten. Beispiele dafür sind, wenn Sie sich Sorgen machen, den Zug nicht mehr zu erreichen. Oder vielleicht haben Sie etwas Falsches gesagt und fürchten nun um die Freundschaft. Manchmal geht es um etwas Existenzielles: Zum Beispiel die Angst, arbeitslos zu werden. Oder einen geliebten Menschen zu verlieren. Mit zunehmenden Alter und nur mäßigen Einkünften kann auch die Furcht vor Altersarmut steigen.

So negativ behaftet sind Sorgen meist, wenn das Substantiv im Plural steht. Denn das Verb „sorgen“ kann auch bedeuten, dass wir uns um etwas oder jemanden kümmern. Das steckt auch im Wort „Fürsorge“ drin. Zum Beispiel, wenn Sie sich um die Blumen des Nachbarn kümmern, auf Ihre Enkel aufpassen. Zu unterscheiden sind zweierlei Formen:

  • Gesunde Bedenken
    Dies ist der Fall, wenn Sie ein konkretes Problem erkennen und sich damit auseinandersetzen. Das führt dazu, dass Sie Schaden abwenden und das Problem rechtzeitig lösen.
  • Ungesunde Sorgen
    Ängste und Grübeleien, die das Resultat diffuser Gefühle und Mutmaßungen sind. Ohne diese Spekulationen hinterfragt zu haben, bewirken sie leicht ein Horrorszenario.
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Psychologie: Sorgen machen krank

Hält der Zustand des Sich-Sorgen-Machens länger an, führt er zu Angst und Kummer. So fand der amerikanische Psychologe William Gerin von der Columbia Universität in Studien heraus, dass zu vieles Grübeln genauso viel Stress auslöst wie die eigentliche Problemsituation. Statt sich also die Sorgen für die befürchtete Situation aufzusparen, verdoppeln wir den Stress. Und da das befürchtete Fiasko nicht zwangsläufig eintreffen muss, sind die Befürchtungen womöglich umsonst.

Die Erleichterung danach ist zwar oft groß, aber die Auswirkungen auf den Körper ebenso. Besonders, wenn wir immer wieder aufs Neue Ängste schüren, kann sich das „wie ein Brandbeschleuniger für negative Gefühle“ auswirken, so Tobias Teismann, geschäftsführender Leiter des Zentrums für Psychotherapie Bochum. Die gesundheitlichen Folgen: Angstgefühle, Antriebslosigkeit, Magen-Darm-Probleme, Rückenleiden bis hin zu Depressionen. Der Körper stößt Stresshormone aus, die mangelnde Konzentration und Schlafstörungen bewirken können.

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Sorgen loswerden: Tipps für weniger Bedenken

Endlich sorgenfrei – das wünschen sich viele Menschen. Das zeigt sich auch in den quietschebunten Sorgenfresser-Figuren – ob als Püppfchen oder als Schlüsselanhänger. Einfach einen Knopf drücken, ein Püppchen unters Kissen legen – und schon sind alle Probleme gelöst. Etwas aufwendiger ist es dann doch. Aber wir geben Ihnen Tipps, wie Sie Ihre Sorgen loswerden können:

1. Dankbarkeit empfinden

Wer Dankbarkeit empfindet, ist nachweislich glücklicher. Dafür müssen Sie sich unter Umständen erst einmal bewusst machen, wie viel Glück Sie überhaupt haben: Vieles nehmen wir als selbstverständlich hin, obwohl es das nicht ist. Es gibt so vieles, wofür man dankbar sein könnte. Zum Beispiel dass man ein Dach über dem Kopf und genug zu essen und zu trinken hat. Gesundheit, Familie und Freunde, nette Nachbarn können ebenfalls ein Grund für Dankbarkeit sein. Manchmal sind es auch einfach kleine Dinge wie ein Anruf oder das Lieblingslied im Radio. Achten Sie auf solche Dinge und notieren Sie sie am besten, dann vergessen Sie die verschiedenen Anlässe nicht.

2. Positives erwarten

Besonders mit Veränderungen haben viele Menschen Probleme. Ihre Sorge ist, dass sich etwas automatisch verschlechtert. Diese pessimistische Grundhaltung erleichtert es nicht gerade, ein sorgenfreies Leben zu führen. Wenn Sie stattdessen positiv denken, gehen Sie ganz anders an neue Herausforderungen heran. Sie bewahren sich die Offenheit und entdecken so vielleicht neue Chancen. Wer Positives erwartet, macht sich auch weniger Sorgen.

3. Akzeptanz üben

Was wir selbst kontrollieren können, lässt sich so beeinflussen, wie wir wollen. Es gibt aber Bereiche und Situationen, in denen wir nichts tun können. Unglücke passieren – ob wir wollen oder nicht. Sich im Vorfeld bestimmte Katastrophenszenarien auszumalen, gaukelt uns Kontrolle vor – mehr aber auch nicht. Ab einem bestimmten Punkt ist es wichtig, loszulassen und zu akzeptieren, dass wir nicht alles kontrollieren können. Stattdessen sollten Sie Ihre Energie auf das richten, was Sie beeinflussen können.

4. Lösungen suchen

Sorgen können einen den ganzen Tag und die ganze Nacht beschäftigen. Allein sie zu haben ist unglaublich unproduktiv – setzen Sie dem etwas entgegen. Schauen Sie aktiv nach Lösungen für Ihr Problem. Sorgen Sie sich etwa um Ihre Rente und Ihre zukünftige Absicherung, sollten Sie einen Termin mit der Rentenversicherung abmachen. Klären Sie, in welcher Höhe Ihre zukünftige Altersrente ausfallen wird und wie Sie etwaige Versorgungslücken schließen können. Geht es um zwischenmenschliche Sorgen, können Sie einen Freund um Rat bitten.

5. Tagebuch führen

Tagebuch schreiben hilft – in mehrerlei Hinsicht. Zum einen zwingt es Sie, Ihre Gedanken auszuformulieren. Das nimmt ihnen das Diffuse und drückt klar aus, worum es geht. An dieser Stelle kann so manche Sorge sich bereits in Wohlgefallen auflösen, weil die Absurdität offenbar wird. Zum anderen hilft das Schreiben dabei, sich mit möglichen Lösungen auseinanderzusetzen. Sie können auch darin zurückzublättern und sehen, was Sie in einer ähnlichen Lage getan haben. Sinnvoll ist es außerdem als Erfolgstagebuch: Wer sich aufgrund eines geringen Selbstwertgefühls um seine Zukunft sorgt, kann hier peu à peu kleine und größere Leistungen eintragen.

6. Achtsamkeit praktizieren

Im Buddhismus kennt man schon lange die heilsame Wirkung von Achtsamkeit. Sinn und Zweck ist es, seine Gedanken und Gefühle auf die Gegenwart und den Moment zu richten. Statt ständig auf zukünftige Dinge zu schauen, die noch unklar sind oder vergangene, die wir nicht mehr ändern können. Häufig sind achtsame Übungen außerdem Bestandteil von Meditation, mit der Sie die Wirkung unterstützen können.

7. Mut machen

Gerade mit Blick auf vergangene Bewältigungen sollten Sie sich Mut machen. Egal welche Sorgen Sie aktuell umtreiben: Sie haben das notwendige Rüstzeug, Ihnen zu begegnen. Manchmal vergisst man, was man bereits alles geleistet hat oder hält es für nebensächlich. Auch hier hilft das Tagebuch. Damit können Sie leicht Bilanz ziehen, zum Beispiel: Im Januar noch XY Kilogramm gewogen, seitdem 5 Kilogramm abgenommen.

8. Sport treiben

Steigt der Stresspegel und bekommen Sie die quälenden Sorgen und Gedanken nicht mehr aus dem Kopf, kann Bewegung helfen. Beispielsweise kann schon ein Spaziergang in der Natur Sie auf andere Gedanken bringen. Hier lässt sich gut Achtsamkeit praktizieren, indem Sie die Wahrnehmung Ihrer Sinne beobachten: Was hören, riechen, spüren Sie? Bei Stress steigt außerdem der Adrenalinspiegel. Besonders mit Sport lässt er sich wieder gut senken. Die Muskeln und die Atmung müssen sich nun vollständig auf die körperliche Anstrengung konzentrieren – und entspannen anschließend.

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Wofür sind Sorgen gut?

Wie eingangs erwähnt, gibt es gesunde Bedenken und unnötige Sorgen. Heißt: Sorgen sind nicht per se schlecht. Sie können ein Warnsignal sein. Sie können uns auf eine Situation oder ein Problem aufmerksam machen, das wir überdenken sollten. Sofern Sie dann ins Handeln kommen, größere Gefahr womöglich abwenden, ist alles in Ordnung. Wer jedoch dazu neigt, sich in Dinge hineinzusteigern, vergrößert den Stress. Das Problem ist vielleicht genauso groß wie zuvor (oder sogar völlig überschätzt), aber Ihr Seelenleben leidet darunter.

Um Gewissheit zu erlangen, müssen Sie den Anlass Ihrer Sorge genauer unter die Lupe nehmen: Ist Ihre Furcht begründet oder lenken Sie sich damit von anderen Dingen ab? Wie lange schon beschäftigt Sie dieses Thema und wer kann Ihnen dabei helfen? Für manche Probleme reichen die oben genannten Tipps nicht aus. In anderen Fällen sind die Befürchtungen bereits zu einer generalisierten Angststörung geworden. In so einem Fall sollten Betroffene medizinische beziehungsweise therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen.

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[Bildnachweis: Herbstlust.de]

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