Stammbaum erstellen: Auf der Suche nach den eigenen Wurzeln

Wissen woher man kommt, etwas ├╝ber die Vorfahren erfahren und den eigenen Stammbaum erforschen – das klingt kompliziert, ist aber wertvoll f├╝r die Nachfahren. Schlie├člich profitieren die Kinder und Kindeskinder von der Recherche: Die Suche nach den eigenen Wurzeln – sie gibt vielen Menschen auch Orientierung. Wir geben Ihnen hier Tipps, wie Sie einen Stammbaum recherchieren, gefundene Informationen sammeln und strukturieren und schlie├člich den Stammbaum visualisieren k├Ânnen…

Stammbaum erstellen: Auf der Suche nach den eigenen Wurzeln

Stammbaum zur Familie: Tipps, wie Sie Ihre Wurzeln zur├╝ckverfolgen

Wer bei seinem Familienstammbaum strukturiert vorgehen m├Âchte, sollte sich erst einmal ├╝berlegen, auf welche Weise er oder sie die Ergebnisse festhalten will:

  • Die Einen machen am liebsten h├Ąndisch, zeichnen sich einen Stammbaum und sammeln alle Informationen in einer Mappe oder in einem Karton.
  • Andere nutzen zum Stammbaum zeichnen digitale Angebote, um die recherchierten Informationen zu organisieren und zu archivieren. Wer dazu im Netz recherchiert, findet viele Programme und Software, mit der sich digital ein Stammbaum erstellen l├Ąsst. Es lohnt sich durchaus, verschiedene kostenfreie Programme auszuprobieren. Entscheiden Sie sich nach einer Probephase, mit welcher Software Sie am besten zurecht kommen.

Anschlie├čend k├Ânnen die Nachforschungen beginnen:

  1. H├Âren Sie sich zun├Ąchst bei den Eltern um: Woran k├Ânnen sie sich noch erinnern? Welche alten Fotos lassen sich bei ihnen noch finden? Die Ergebnisse h├Ąngen nat├╝rlich stark vom Archiv und von dem Erinnerungsverm├Âgen der Familienangeh├Ârigen ab. Aber bei dieser ersten Recherche kommt so gut wie immer etwas zutage. Und die ersten Erkenntnisse werden Sie motivieren noch weiter in die Vergangenheit Ihrer Ahnen vorzudringen.
  2. Fragen Sie danach weitere nahe Verwandte – Onkel und Tanten, ob diese sich ebenfalls an der Ahnenforschung mit Material beteiligen k├Ânnen. Je mehr Informanten Sie finden, desto besser werden die Ergebnisse verifiziert. Sie werden so auch neue Zusammenh├Ąnge herausfinden. Die bringen sie dann wiederum auf weitere Spuren. Allerdings: Seien Sie bitte nicht ├╝berrascht. Manche Erkenntnisse ├╝ber die Vergangenheit sind nicht nur sch├Ân. Vielleicht erfahren Sie so auch, warum manche Verwandte oder ein bestimmter Familienzweig keinen Kontakt mehr zueinander hat.
  3. Die m├╝ndlichen ├ťberlieferungen sollten nun ├╝berpr├╝ft werden. Das bedeutet jede Menge Schriftkram: Versuchen Sie Geburtsurkunden, Heiratsurkunden und auch Sterbeurkunden zu finden und so die Daten zu verifizieren. Wenn diese Dokumente nicht mehr auffindbar sind, k├Ânnen Sie sich an das Standesamt der jeweiligen Stadt wenden und eine Kopie anfordern. Diese bekommen Sie allerdings nur, wenn Sie einen Nachweis erbringen k├Ânnen, dass es sich hierbei um IHRE Verwandtschaft handelt.

Ein weiterer schriftlicher Beweis ist zwar kein ehrenhaftes Andenken aus unserer deutschen Geschichte, aber dennoch hilfreich f├╝r die Erstellung eines Stammbaumes: Der Ahnenpass aus dem dritten Reich.

Zu Zeiten des Nationalsozialismus, musste die Abstammung nachgewiesen werden. Heutigen Ahnenforschern ist der sogenannte Ahnenpass eine wichtige Hilfe, denn er wurde ausgestellt, nachdem die passenden Urkunden vorgelegt worden sind.

Recherche-Tipp: Immer die Informationsquelle festhalten

Grunds├Ątzlich ist wichtig, dass Sie mit der Information immer auch die Quelle auf Ihren Notizen notieren.

Ahnenforschung ist ein langwieriger Prozess, der sich ├╝ber Jahre ziehen kann. Es ist daher gut m├Âglich, dass Sie nach einiger Zeit nicht mehr wissen, wer der Informationsgeber war und sich selber ├╝ber den Ursprung Ihrer festgehaltenen Daten wundern.

Checkliste: Interessante Informationen ├╝ber die Vorfahren

Welche Informationen ├╝ber eine Person sind eigentlich interessant? Wenn Sie Ihre Datensammlung strukturieren, sollten Sie sich vorher genau ├╝berlegen, welche Fakten Sie in Erfahrung bringen wollen.

Neben dem reinen Stammbaum, also der Abstammung, k├Ânnen auch weitere Informationen bei der Ahnenforschung von Bedeutung sein:

  • Geburt
  • Wohnort(e)
  • Taufe
  • Kommunion oder Konfirmation
  • Beruf
  • Hochzeit
  • Geburt eigener Kinder
  • Tod
  • Besondere Ereignisse/Lebensumst├Ąnde
  • Lebenseinstellung
  • Fotos

Familiengeschichte: Quellen f├╝r die Ahnenforschung

Das wohl wichtigste Fundament der Familienforschung ist das Kirchenbuch. Fr├╝her – ungef├Ąhr bis zum Jahr 1870 – wurden von dem Pfarrer Verzeichnisse ├╝ber Taufen, Trauungen und Todesf├Ąllen in chronologischer Reihenfolge angelegt.

Mit ein bisschen Gl├╝ck findet man noch weitere Informationen ├╝ber die gesuchten Personen und die Familiengeschichte. Zum Beispiel wo die Familienangeh├Ârigen wohnten und welchen Beruf sie hatten.

├ťbrigens: Die Namen unehelicher Kinder, die getauft wurden, wurden von dem Pfarrer anders ins Kirchenbuch eingetragen. Ihre Namen standen auf dem Kopf.

Das Sch├Âne ist, dass die Aufzeichnungen in Kirchenb├╝chern nicht abh├Ąngig waren von Stand oder Geschlecht des Einzelnen. Die Wahrscheinlichkeit etwas ├╝ber gesuchte Vorfahren zu finden, steigt damit.

Probleme k├Ânnen Sie dennoch damit haben, die Kirchenb├╝cher zu lesen: Sie wurden in alter Schreibschrift geschrieben und in katholischen Kirchenb├╝chern sogar in Latein.

Im Internet gibt es einige Optionen diese Kirchenb├╝cher einzusehen, da sie digitalisiert wurden. Die Kirchenb├╝cher sind wertvoll, da sie als ├Âffentliche Urkunden aus fr├╝heren Jahrhunderten gelten.

Es gibt sogar Archive, die man besuchen kann und bei denen man Suchanfragen stellen kann. Das Land Nordrhein-Westfalen hat beispielsweise ein Personenstandsarchiv des Landesarchivs, welches vor allem mit Zweitschriften gef├╝llt ist, in denen geforscht werden kann.

Ungef├Ąhr seit dem Jahr 1870 werden diese Art von ├Âffentlichen Registern im Standesamt gef├╝hrt. Auch hier kann man, sofern eine m├Âgliche Verwandtschaft nachgewiesen werden kann, nachfragen und forschen.

Das Internet als Quelle

Das Internet als QuelleDurch das Internet gibt es heute viele weitere Informationsquellen. Quellen, die auch f├╝r die Ahnenforschung und den Stammbaum interessant sein k├Ânnen. Einige dieser Seiten bieten sogar kostenfreie Hilfe an, andere sind jedoch kostenpflichtig.

Wir haben zwei kostenfreie Online-Quellen aus dem deutschen Raum ausprobiert, die wir empfehlen k├Ânnen:

  • Verein Computergenealogie (meta.genealogy.net)

    Dieser Verein hat die wohl im deutschen Raum gr├Â├čte kostenfreie Seite entwickelt. Sie greift auf verschiedene Datenbanken zur├╝ck. Man muss nur den Nachnamen und einen Ort angeben und bekommt m├Âgliche Angaben zu einer Person. GenWiki ist auch ein Mitmach-Projekt des Vereins. Ziel ist, Informationen aus allen Bereichen der genealogischen Forschung (so hei├čt die Ahnenforschung im Fachjargon) zusammenzutragen und frei zug├Ąnglich zu pr├Ąsentieren.

  • Archion (archion.de)

    Hierbei handelt es sich um ein kostenfreies Archiv der Evangelischen Kirchen in Deutschland. Hier wurden viele Daten aus den Kirchenb├╝chern digitalisiert. Ziel der Betreiber ist, ├╝ber ein eigenes Internetportal Kirchenb├╝cher und andere biografische Quellen online zur Verf├╝gung zu stellen.

Stammbaum Aufbau: So l├Ąsst sich die Familienhistorie gestalten

Talent und Kreativit├Ąt sind unterschiedlich verteilt: Der eine zeichnet seinen Stammbaum lieber mit dem Bleistift auf Papier. Andere gestalten ihn mit einem Grafikprogramm am Computer.

Vielleicht geh├Âren Sie zu den K├╝nstlern, die Freude daran haben, selber ein Poster zu zeichnen und zu gestalten, dass sie ihren Nachfahren als Andenken hinterlassen k├Ânnen.

Dann suchen Sie sich ein sch├Ânen gro├čen Bogen Papier, am besten in DIN A3. Dann haben Sie ausreichend Platz. Greifen Sie zun├Ąchst zum Bleistift (der l├Ąsst sich besser radieren und korrigieren), zeichnen Sie sich einen Umriss vor und bearbeiten Sie die Linien hinterher mit Tusche. Die Gestaltung darf durchaus individuell sein. Im Internet lassen sich dazu ├╝brigens viele gute Ideen finden.

Vorlage f├╝r einen Stammbaum

Es reicht aber auch eine schlichte Grafik – Rechtecke, die mit Strichen verbunden sind. In die rechteckigen Felder k├Ânnen Sie die Namen Ihrer Vorfahren eintragen. Die Gr├Â├če l├Ąsst sich digital einfach variieren, so dass Sie auch Fotos und weitere Daten einf├╝gen k├Ânnen.

Wenn Ihnen das zu schwer f├Ąllt, k├Ânnen Sie sich aber auch eine sch├Âne Vorlage besorgen. Wir bieten Ihnen hier ebenfalls eine solche Vorlage an, die Sie mit Ihren Erkenntnissen f├╝llen k├Ânnen.

Stammbaum Aufbau Grafik Ahnenforschung Herkunft Eltern

Stammbaum zeichnen: Das Kekule-System

Stammbaum zeichnen: Das Kekule-SystemEine weitere Alternative einen Stammbaum zu anzulegen und aufzubauen, ist das sogenannte Kekule-System.

Das Kekule-System ist ein Nummerierungssystem, mit dessen Hilfe von dem sogenannten Probanden ausgehend (also dem Ursprung der Familie) Vater und Mutter durch die Generationen hinweg nummeriert werden. Das macht die Ahnenforschung ├╝bersichtlicher.

Die Nummerierung funktioniert ganz einfach:

  • Der Proband erh├Ąlt unabh├Ąngig vom Geschlecht die Nummer 1.
  • Sein Vater erh├Ąlt den doppelten Wert – also 2, die Mutter den doppelten Wert plus 1, also 3.
  • Die Gro├čeltern bekommen dem Wert 4 (Gro├čvater) und 5 (Gro├čmutter) auf der v├Ąterlichen Seite und den Wert 6 (Gro├čvater) und 7 (Gro├čmutter) auf der m├╝tterlichen Seite.

Entsprechend haben also alle m├Ąnnlichen Vorfahren gerade und alle weiblichen ungerade Zahlen.

Die Nummerierung nach dem Kekule-System sieht dann zum Beispiel so aus:

Stammbaum Kekule System Nummerierung Grafik Beispiel

Der Nutzen der Ahnenforschung

Schon die obige Anleitung zum Erstellen und Zeichnen eines Stammbaums zeigt, dass Ahnenforschung recht zeitintensiv werden kann. Wer einen Stammbaum anlegt, muss viel Geduld und Zeit mitbringen: Ahnenforschung ├Ąhnelt eher einem Mosaik oder Puzzle, das in vielen kleinen Teilen zusammengef├╝gt wird.

Das kann ein netter Zeitvertreib sein. Vielen stellt sich dabei aber auch – zurecht – die Frage nach dem Nutzen.

In erster Linie werden Sie dabei Erkenntnisse ├╝ber die Familienverh├Ąltnisse gewinnen, Zusammenh├Ąnge aufdecken, die auch f├╝r Ihre Enkel und Urenkel von Bedeutung sein k├Ânnen:

  • Woher komme ich?
  • Welche Geschichte hat meine Familie?
  • Wer geh├Ârte alles dazu?
  • Gibt es ein Muster in unserer Familiengeschichte?

Die Antworten auf diese Fragen k├Ânnen vielen Menschen Orientierung geben. Vielleicht sind sie aber auch Ansporn eben bestimmte (negative) Muster zu durchbrechen und es anders, besser zu machen als die Ahnen.

Nicht zuletzt erweitern Sie durch den Stammbaum aber auch Ihr eigenes soziales Umfeld. Je nach dem wie gro├č Ihr pers├Ânlicher Ehrgeiz ist, werden Sie sehr wahrscheinlich Kontakt zu Ihnen bislang unbekannten Menschen bekommen. Entfernten Angeh├Ârigen, einem vergessenen Familienzweig, sowas.

Oder zu anderen Ahnenforschern und Stammbaum-Liebhabern, die Sie bei Ihrer Recherche mit wertvollen Tipps unterst├╝tzen k├Ânnen.

Dabei k├Ânnen viele ebenso interessante wie aufschlussreiche Kontakte entstehen. Und mit ein bisschen Gl├╝ck bringt das entfernte Verwandte sogar wieder n├Ąher…

[Bildnachweis: Sentavio by Shutterstock.com]
9. Januar 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

Die Herbstlust-Redaktion besteht aus erfahrenen Autoren mit langj├Ąhriger Berufserfahrung. Trotz sorgf├Ąltiger Recherche erheben die Artikel keinen Anspruch auf Vollst├Ąndigkeit und informieren lediglich allgemein. Der vorliegende Artikel kann eine fachliche oder ├Ąrztliche Beratung nicht ersetzen.

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