Superfood: Was ist dran am neuen Trend?

Superfood – der Begriff klingt verlockend. Einfach bestimmte Nahrung zu sich nehmen und schon werden Ihnen Superkräfte verliehen, so möchte man meinen.

Doch gibt es so etwas überhaupt – eine Art Zaubertrank oder -essen? Und wenn ja, welche Produkte sind das und wo bekomme ich sie her?

Wir haben das Superfood einmal genauer unter die Lupe genommen und klären, was es damit genau auf sich hat.

Superfood: Was ist dran am neuen Trend?

Was ist Superfood: Versuch einer Definition

Geht es nach der Werbung, so müsste ein bestimmter Energy-Drink, der angeblich Flügel verleihen soll, wohl am ehesten als Superfood gelten. Dass dieses Werbeversprechen jedoch nicht wortwörtlich zu nehmen ist, mögen die meisten von Ihnen allerdings schon vage geahnt haben. Dennoch scheint es Nahrung zu geben, die besser ist als alles bisher Dagewesene – das Superfood.

Dabei handelt es sich in erster Linie jedoch einmal um einen Marketingbegriff. Selbstverständlich gibt es gesunde Lebensmittel. Die gab es allerdings immer schon. Dass aus diesem Kreis noch einmal spezielle Nahrungsmittel herausragen sollen, denen wahre Zauberkräfte nachgesagt werden, ist aber neu. Dazu zählen in erster Linie Produkte, die bislang auf dem heimischen Markt unbekannt waren und nun in irgendeiner Form an die Kunden gebracht werden müssen.

So werden also wissenschaftliche Studien herangezogen, die unter Laborbedingungen oder in Tierversuchen bei der Verabreichung von hohen Dosen positive gesundheitliche Auswirkungen nachgewiesen haben sollen. Doch sowohl die Durchführung dieser Studien als auch deren Schlussfolgerungen werden von den meisten seriösen Ernährungswissenschaftlern angezweifelt.

Ohne Frage ist das sogenannte Superfood nicht ungesund. Im Vergleich zu unserem einheimischen Obst und Gemüse konnte jedoch bislang objektiv kein echter gesundheitlicher Mehrwert festgestellt werden. Dazu kommt, dass der Begriff nicht einheitlich definiert ist. So kann im Prinzip fast jedes Lebensmittel als Superfood angepriesen werden, wenn man dies nur entsprechend begründet.

Liste der Superfood-Produkte

Nichtsdestotrotz sollen an dieser Stelle die meist genannten Superfood-Produkte und deren Wirkungsweisen, die ihnen nachgesagt werden, genauer unter die Lupe genommen werden. Vielleicht findet sich ja für Sie tatsächlich das eine oder andere neue Lebensmittel, das Sie noch nicht kannten und Ihren Speiseplan bereichern kann – völlig unabhängig davon, ob es nun über Superkräfte verfügt oder nicht.

  • Acai-Beere
    Die Acai-Beere enthält Inhaltsstoffe, die auch als Antioxidantien bezeichnet werden. Diese Inhaltsstoffe sollen den Alterungsprozess verlangsamen, das Krebsrisiko senken und die Stressreaktion des Körpers positiv beeinflussen. Der Geschmack ist eher süßlich-schokoladig.
  • Goji-Beere
    Goji-Beeren wird nachgesagt, besonders viele Vitamine und Mineralstoffe zu enthalten. Daher soll angeblich bereits eine kleine Menge dieser Beeren genügen, um den Tagesbedarf eines Menschen zu decken und insbesondere dem Darm etwas Gutes zu tun. Goji-Beeren schmecken je nach Sorte und Reifegrad unterschiedlich: von süß über säuerlich bis hin zu bitter.
  • Chia-Samen
    Die mexikanischen Chia-Samen enthalten viele ungesättigte Fettsäuren sowie einen hohen Eiweißanteil. Daher werden sie oft als Schlankmacher angepriesen. Sie werden besonders häufig in Joghurt oder Quark angerührt, was diese zu einer zähen Masse werden lässt. Der Geschmack ist eher unauffällig und dem heimischer Samen nicht ganz unähnlich.
  • Kakao
    Nicht mehr ganz neu und auch keineswegs unbekannt hierzulande ist der Kakao. Neu ist jedoch, dass ihm Superkräfte nachgesagt werden. Das Superfood Kakao soll den Blutdruck senken und somit Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen.
  • Yacon-Wurzel
    Die Yacon-Wurzel, auch als „Inkawurzel“ bekannt, stammt aus dem peruanischen Anden. Ihr Inhaltsstoff Inulin soll die Produktion nützlicher Darmbakterien fördern. Das Gemüse schmeckt süßlich-fruchtig und erinnert entfernt an den Geschmack von Birnen.
  • Maca-Wurzel
    Die Maca-Wurzel – ebenfalls aus dem peruanischen Hochland – wird hierzulande meist als geriebenes Pulver angeboten, das in Flüssigkeiten aufgelöst wird. Sie soll leistungs- und potenzsteigernd wirken. Dabei ist der muffige Geschmack für unsere mitteleuropäischen Gaumen durchaus gewöhnungsbedürftig.

Abnehmen mit Superfood?

Immer wieder wird Superfood auch angepriesen, um damit gesund abnehmen zu können. Wissenschaftliche Studien, die dies belegen sollen, gibt es allerdings bislang noch nicht. Ganz im Gegenteil: Aufgrund der Marketingversprechen denken viele, die Einnahme von Superfood reiche vollkommen aus, um die Fettpolster purzeln zu lassen und nehmen daher umso unbesorgter weiter mehr Kalorien zu sich, als sie verbrennen.

Daher sei an dieser Stelle noch einmal klar darauf hingewiesen, dass die wirkungsvollste Methode ist, um Gewicht zu verlieren, eine dauerhafte Umstellung auf eine ausgewogene und kalorienarme Ernährung ist, der Verzicht auf Zucker, tierische Fette und Alkohol, sowie ein die tägliche Bewegung, beispielsweise durch Nordic Walking, Schwimmen oder Wandern.

Kritik an Superfood

Wie erwähnt sind die Vorteile von Superfood nicht hinlänglich durch ernährungswissenschaftliche Studienergebnisse bewiesen. Ohne Zweifel ist das sogenannte Superfood gesund, doch im Vergleich zu heimischem Obst und Gemüse ist kein entscheidender Vorteil festzustellen.

Die Frage, die sich bei Superfood stellt, ist daher die der Nachhaltigkeit. Superfood wird selten in Deutschland angebaut, sondern muss aus fernen Ländern hier her transportiert werden – was nicht unbedingt klimafreundlich geschieht. Zudem sind die Lebensmittel durch die teilweise niedrigeren Regularien dieser Nationen oftmals mit Schadstoffen belastet. Diese können Allergien aber auch Wechselwirkungen hervorrufen, wenn Sie regelmäßig Medikamente einnehmen.

Zudem ist Superfood meist teuer. Um ihre Wirkung über einen langen Zeitraum zu konservieren, werden sie außerdem gerne in gemahlener und konzentrierter Form als Pulver oder Tabletten zur Nahrungsergänzung angeboten. Dies erhöht den Preis noch einmal exorbitant. Außerdem besteht so die Gefahr einer schnellen Überdosierung.

Daher kommen die meisten Ernährungswissenschaftler aber auch Verbraucherschützer zu der Auffassung, dass ausgewogene Mahlzeiten mit heimischen Lebensmitteln völlig ausreichen, um sich gesund und abwechslungsreich zu ernähren.

Das sollten Sie bei Superfood beachten

Es sei Ihnen unbenommen, das sogenannte Superfood einmal auszuprobieren. Vielleicht überzeugt Sie ja der Geschmack des einen oder anderen Produktes – unabhängig davon, dass auch Superfood keine Wunderdinge vollbringen kann. Dennoch sollten Sie beim Kauf und beim Verzehr einiges beachten:

  • Betrachten Sie Superfood nicht als vollständige Mahlzeit, sondern eher als einen kleinen Bestandteil zur Abwechslung und Geschmacksbereicherung.
  • Kaufen Sie nur Superfood, von dem Sie wissen, dass es möglichst ohne Schadstoffe belastet ist. Am besten im Biomarkt oder dem Reformhaus.
  • Verzichten Sie auf Instant-Pulver oder die Einnahme von Kapseln. Superfood sollte Ihren Speiseplan bereichern aber nicht zu einer zusätzlichen Tabletteneinnahme führen.
  • Informieren Sie sich vorher über die Wechselwirkungen der exotischen Früchte und Samen mit den Arzneimitteln, die Sie einnehmen, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden.
  • Wie überall macht die Menge das Gift. Übertreiben Sie es also nicht in Ihrem Konsum des sogenannten Superfood.

Alternativen zu Superfood

Warum in die Ferne schweifen! Wir haben auch in unseren Breiten Pflanzen, die äußerst gesund ist. Diese haben zwar oft den Touch, altbacken zu sein, aber ihre Wirkungsweisen können durchaus mit dem Superfood aus fernen Ländern mithalten – wenn sie diese nicht sogar noch übertreffen. Daher hier einige Beispiele für heimisches Superfood, das Sie guten Gewissen verzehren können, ohne auf exotische Lebensmittel zurückgreifen zu müssen:

  • Heidelbeeren
    Heidelbeeren haben einen hohen Anteil an Antioxidantien. Wenn Sie also der Meinung sind, dass Sie damit gerne versuchen möchten, den Alterungsprozess zu verlangsamen, empfehlen wir Ihnen dieses gesunde Obst. Auch andere dunklen Beeren wie Brombeeren oder Holunder stehen dem übrigens in nichts nach und wachsen oft kostenlos am Weges- oder Waldrand.
  • Leinsamen
    Leinsamen besitzt die gleiche Wirkung, die auch den Chia-Samen nachgesagt wird. Zudem können Sie diese prima einsetzen, wenn Sie zum Beispiel Ihr Brot selbst backen.
  • Zwiebelgewächse
    Zwiebeln, Knoblauch, Schnittlauch oder Porree stärken mit ihren ätherischen Ölen Ihr Immunsystem. Zudem sind sie fester Bestandteil unserer Küche und überall auf den Märkten oder im Supermarkt für kleines Geld zu haben oder Sie können sie sogar selbst anbauen. Wer im Frühjahr auf Bärlauch zurückgreifen möchte, findet diesen sogar kostenlos an Waldlichtungen. Informieren Sie sich jedoch vorher genau über Geruch und Erscheinungsbild, um nicht aus Versehen die giftigen Maiglöckchen oder Herbstzeitlosen zu pflücken.
  • Kohl
    Sämtliches Kohlgemüse gilt als Lieferant für Vitamine und Nährstoffe, um gut durch den Winter zu kommen. Durch die unterschiedlichen Geschmacksrichtungen und Zubereitungsmethoden haben Sie zudem ordentlich Abwechslung auf dem Tisch, auch wenn die karge Jahreszeit nicht mehr so viel an heimischen Produkten hergibt.
  • Schlehen
    Schlehen sind oft im Spätherbst und Frühwinter an Waldrändern zu finden. Sie gleichen in ihrem Aussehen den Heidelbeeren, schmecken jedoch intensiver. Schlehen wirken durch ihre Mineralstoffe und Fruchtsäuren entzündungshemmend und regen die Verdauung an. Traditionell werden Schlehen auch zur Unterstützung von Blasen– und Nierenerkrankungen verabreicht.
  • Judasohr
    Der weit verbreitete Pilz ist vor allem in Herbst und Winter gut zu finden: Er wächst auf den Stämmen des Holunderbaums, ist reich an Magnesium, Eisen und Kalium. Diese Nährstoffe beugen vor allem der Verkalkung der Arterien vor und wirken entzündungshemmend. Zudem gibt es keine Giftpilze, die ähnlich aussehen, weshalb das Judasohr auch von Pilzlaien problemlos gefunden werden kann.
  • Giersch
    Giersch gilt immer noch als Unkraut – wächst es doch nahezu überall und ist so anspruchslos, dass es selbst große Trockenheit aushält. Doch das vermeintliche Unkraut hilft gut gegen Herzprobleme, Rheuma und Gicht. Es wird wie Spinat gekocht. Sie können Giersch aber auch in den Salat, in einer leckeren Suppe oder in einer Teemischung beigeben. Die beste Jahreszeit, um dieses regionale Superfood zu sammeln ist der Frühling und der Frühsommer.
  • Hagebutte
    Auch dieses Superfood kostet Sie keinen Cent – wächst die Hagebutte doch überall am Wegesrand. Sie ist gut für die Gelenke und reich an Vitamin C. Zudem ist sie vielseitig verwendbar. So kann man aus ihr Tee, Marmelade aber auch Topping für Fleisch oder Salate herstellen. Der Fantasie sind bei der Hagebutte nahezu keine Grenzen gesetzt.

Die Liste ließe sich noch beinahe unendlich fortführen: von Rettich über Hülsenfrüchte und Nüsse bis hin zu Brennessel, Löwenzahn, Spitzwegerich oder Sanddorn bietet unsere Natur massenhaft Superfood, das sich entweder für kleines Geld von heimischen Bauern erwerben lässt oder völlig kostenlos in Ihrer Umgebung wächst.

In dem Fall, dass Sie selbst auf die Jagd nach Superfood gehen sollten, empfiehlt es sich jedoch, nicht unbedingt in der Nähe einer Straße oder gedüngten Feldern zu sammeln und auch nur so viel zu ernten, dass die Pflanze nicht in ihrem Wachstum und ihrer Entwicklung eingeschränkt wird.

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[Bildnachweis: Alicija Neumiler by Shutterstock.com]
5. November 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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