Tanzen: So sehr hält es Ihren Körper und Geist fit

Ein guter Tänzer erntet häufig bewundernde Blicke. Wer es schafft, sich elegant und rhythmisch zur Musik zu bewegen, dem wird auch gerne Erfolg in anderen Bereichen nachgesagt. Doch Sie müssen kein Naturtalent sein und das Ziel haben, Profitänzer zu werden – Tanzen lernen kann jeder. Und es lohnt sich: Wer regelmäßig tanzt, hält sich nicht nur fit – Tanzen macht außerdem intelligenter

Tanzen: So sehr hält es Ihren Körper und Geist fit

Warum Sie Tanzen lernen sollten

So mancher Tanzmuffel mag bei dem Gedanken mit den Augen rollen: Tanzen lernen im Alter und das obwohl man sich doch das bisherige Leben lang als Bewegungslegastheniker entpuppt hat. Doch es geht nicht darum, möglichst perfekt auszusehen. Tanzen kann ganz andere Vorteile haben. Es vereint körperliche Aktivität mit sozialer, emotionaler und musikalischer Interaktion sowie kognitiven Herausforderungen:

  • Emotionale Stärkung

    Musik ist Emotion – das ist eine Binsenweisheit. Es ist inzwischen vielfach erwiesen, dass Musik in der Lage ist, unsere Gefühlswelt zu beeinflussen. Dies gilt insbesondere dann, wenn wir mit einer bestimmten Melodie oder einem bekannten Stück eine positive Erinnerung verbinden.

    Allein die ersten Takte einer Musiktitels, den wir in einer glücklichen Situation gehört haben, lässt somit nicht nur die entsprechenden Bilder vor dem inneren Auge wieder präsent werden, vielmehr werden in Sekundenbruchteilen auch Glückshormone ausgeschüttet, die uns in die emotionale Stimmung zurückführen können.

    Die Bewegung des Tanzes verstärkt diese positiven Gefühle noch weiter, da wir sie auf diese Weise besser ausleben und somit noch intensiver fühlen können.

  • Soziales Miteinander

    Zum Tanzen lernen ist mindestens eine weitere Person nötig. Doch anders als bei Tennis oder Golf kommt man sich nahe und hat die Gelegenheit, sich besser kennen zu lernen.

    Dies betrifft nicht nur die gegenseitige körperliche Bewegung. Auch für ein persönliches Gespräch ist ein Tanz förderlich. Und durch die gemeinsame Interaktion zur Musik entsteht ein Gefühl der Zusammengehörigkeit. Zudem lernen die Tänzer auch andere Tanzpaare kennen und tauschen sich aus.

    Viele Tänze gelten auch als gesellschaftliches Erlebnis, da sie darauf angelegt sind, dass sie nur in Gruppen funktionieren. Der amerikanische Square Dance oder die Quadrille bei einem Ball sind das beste Beispiel dafür. Die Interaktion zwischen den Tänzern fördert so den Blick und die Empathie für die anderen Teilnehmer der Tanzgruppe.

  • Körperliche Fitness

    Bewegung ist nie verkehrt, solange sie nicht exzessiv betrieben wird. Das Schöne am Tanzen ist dabei, dass es nur wenig Kondition benötigt, um daran Freude zu haben. Daher ist es sogar in hohem Alter noch möglich, Tanzen zu lernen.

    Zudem ist der zeitliche Aufwand nicht zwangsläufig hoch: Neurowissenschaftler um Hubert Dinse von der Ruhr-Universität Bochum (RUB) testeten vor einiger Zeit ein speziell für Senioren entwickeltes Tanzprogramm. Die zwischen 60- und 94-Jährigen tanzten anschließend sechs Monate lang, aber nur einmal pro Woche und nur eine Stunde lang.

    Resultat: Nach dem halben Jahr waren sie körperlich erheblich fitter als zuvor. Dabei ging es nicht um Hochleistungssport, sondern um normale Tänze wie Foxtrott oder Walzer.

  • Geistige Fitness

    Erstaunlicherweise macht Tanzen aber nicht nur körperlich fitter. Gemäß der erwähnten Studie verbesserten die Senioren außerdem ihre Reaktionsfähigkeit, die Aufmerksamkeit und andere kognitiven Fähigkeiten.

    Nach einer Langzeitstudie des Albert Einstein College of Medicine in New York, bei der Wissenschaftler mehrere Senioren um die 75 Jahrein gemäß ihren körperlichen Aktivitäten vergleichen, wirkt Tanzen sogar erheblich besser auf die Intelligenz als andere Sportarten wie Laufen, Tennis spielen, Golfen, Schwimmen, Radfahren, Tanzen, Spazieren gehen, Radfahren oder Kraftsport. Nahezu keine der körperlichen Aktivitäten wirkte sich nennenswert positiv auf die mentale Leistungskraft aus – außer dem Tanzen.

    Die Studie verglich zudem andere kognitive Leistungen wie Bücher lesen oder schreiben, Puzzeln, Karten- oder Instrumente spielen mit dem Tanzen. Das Ergebnis war verblüffend: Regelmäßiges Lesen konnte das Risiko der Demenz um 35 Prozent senken; Senioren, die vier Tage in der Woche Kreuzworträtsel lösten, senkten ihr Demenzrisiko um stolze 47 Prozent gegenüber jenen, die nur einmal die Woche puzzelten.

    Tanzen lernen aber toppte das alles: Es senkte die Wahrscheinlichkeit der schrumpfenden Geisteskraft um ganze 76 Prozent!

Welche Tänze Sie erlernen können

Die Auswahl an Tänzen ist riesig. Es gibt weit über hundert Arten, seinen Körper zu Musik rhythmisch zu bewegen. Wer Tanzen lernen will, hat also die Qual der Wahl.

So ist von langsam bis schnell und von eng bis locker, von Paar bis Gruppe für jeden Geschmack etwas dabei. Eine kleine Auswahl zur Ideenfindung – jenseits der üblichen Standardtänze um Foxtrott und Walzer in alphabetischer Reihenfolge:

  • Bolero
  • Boogie-Woogie
  • Bourrée
  • Calypso
  • Cha-Cha-Cha
  • Charleston
  • Csárdás
  • Flamenco
  • Gavotte
  • Hornpipe
  • Jive
  • Lambada
  • Mambo
  • Paso doble
  • Polka
  • Rock’n’Roll
  • Rumba
  • Salsa
  • Samba
  • Sirtaki
  • Tango
  • Tarantella
  • Twist

Dazu kommen etliche weitere regionale Volkstänze. Gerade in Deutschland sind diese weit verbreitet, wie zum Beispiel der Rheinländer oder der Schuhplattler – je nachdem, wo Sie wohnen.

Tanzen lernen: Ein guter Schutz vor Demenz

Wie bereits erwähnt, trägt Tanzen lernen dazu bei, Demenz vorzubeugen. Dazu muss man kurz erklären, wie diese entsteht:

Bei der Demenz gehen die Verbindungen zwischen den Synapsen im Gehirn verloren. Diese neuronalen Pfade entstehen jedes Mal, wenn wir etwas neues lernen und verfestigen sich über Jahre und Jahrzehnte. Diejenigen Pfade, die häufig verwendet werden, werden größer. Man könnte sie mit Straßen vergleichen, die immer breiter ausgebaut werden. Bei einer Demenz werden diese allerdings brüchig. Zwar sucht das Gehirn zunächst noch nach Umleitungen, doch auch dies dauert zunehmend länger.

Je komplexer das neuronale Netzwerk ist, also je zahlreicher die alternativen Verbindungen, umso unwahrscheinlicher ist es, dass der Zugang zum ursprünglichen Wissen verloren geht. Die Stärkung dieses Netzwerks geschieht insbesondere durch das Nachdenken über komplexe und neue Vorgänge.

Und genau an der Stelle kommt das Tanzen lernen ins Spiel: Während die meisten Sportarten, wie Schwimmen oder Golfen, überwiegend bereits gelernte Bewegungsabläufe abrufen und diese allenfalls verfeinern, fördert Tanzen zahlreiche kognitive Prozesse. Vor allem aber wird die Fähigkeit verbessert, neue Entscheidungen zu treffen.

Denn wer mit einem Partner tanzt, muss…

  • blitzschnell auf dessen Bewegungen reagieren,
  • gleichzeitig die eigenen mit dem Rhythmus abgleichen und
  • je nachdem neue Bewegungen, wie etwa eine Drehung oder einen Ausfallschritt, planen und choreographieren.

Das alles muss in Sekundenbruchteilen ablaufen. Und vor allem: jedes Mal anders. Denn der Tanz soll schließlich spontan aussehen und nicht wie abgespult!

Daher haben Freistil-Paartänze den größten Effekt auf die Entwicklung der Intelligenz – also jene Tanzstile ohne festen Bewegungsablauf wie Swing, Foxtrott und lateinamerikanische Tänze.

Ein weiterer Vorteil dieser Tänze ist, dass sie sowohl das Führen wie auch das Geführt-werden beinalten. Dies hat zur Folge, dass sich die Anzahl der dafür notwendigen Entscheidungen erhöht.

Eine Frau, die geführt wird, ist daher keinesfalls geistig passiv, sondern höchst aktiv: Sie muss die Bewegungen ihres Partners interpretieren und darauf gekonnt reagieren. Auf diese Weise ist gewährleistet, dass das geistige Training umso stärker ausfällt, je häufiger sie an dem Abend ihren Tanzpartner wechselt.

Diese Regel gilt selbstverständlich ebenso für Männer. Auch sie, so die Forscher, sollten ihre Tanzpartnerinnen öfter wechseln, ihren Führungsstil verändern und sich in abwechslungsreichen Abläufen üben. Je öfter, desto besser unterstützt das Tanzen lernen die Entwicklung des Gehirns.

Anlässe zum Tanzen

Wer Tanzen kann, möchte selbst verständlich nicht nur in den eigenen vier Wänden üben. Außerhalb der Tanzschule gibt es etliche Anlässe, um sein Können unter Beweis zu stellen und Gleichgesinnte treffen zu können:

  • Bälle
  • Tanztees
  • Hochzeiten
  • Geburtstagsfeiern
  • Jubiläen
  • Öffentliche Tanztreffs
  • Firmenfeiern
  • Themenabende in Clubs

Mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, ist gerade auf Feierlichkeiten, bei denen man kaum jemanden kennt, mit Hilfe des Tanzens oftmals einfacher. Wer sich im Small-Talk und im Ansprechen von Fremden schwer tut, findet mit dem Tanz ein geeignetes Mittel. Tanzen lernen ist also auch ein gesellschaftlicher Katalysator.

[Bildnachweis: Pixel-Shot by Shutterstock.com]
4. Februar 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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