TCM: Was ist dran an Akupunktur und Co?

Viele Menschen schwören auf die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM). Gilt sie doch als sanfte Alternative beziehungsweise Ergänzung zur Schulmedizin.

Doch wo kann die TCM helfen und wo liegen die Grenzen? Ist die TCM wirklich völlig frei von Nebenwirkungen?

Diese und andere Fragen haben wir einmal genauer für Sie unter die Lupe genommen.

TCM: Was ist dran an Akupunktur und Co?

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Was ist die TCM?

In der chinesisches Heilslehre spielt die Ganzheitlichkeit eine bedeutende Rolle. Es geht also nicht nur darum, eine bestimmte Stelle des Körpers zu therapieren, sondern insbesondere um die Einflüsse auf den kompletten Organismus. Dieser traditionelle Ansatz findet immer mehr Fans. So gilt bei etlichen Krankheiten die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) als eine ideale Ergänzung zu den westlich-geprägten Heilmethoden.

Das Ziel besteht dabei immer darin, ein inneres Gleichgewicht beim Patienten herzustellen – sei es bei der Behandlung von Erkrankungen, bei einer Diät oder bei der Raucherentwöhnung. Zudem wird die Heilkunde der TCM auch häufig präventiv eingesetzt.

Die Grundlage bilden dabei die chinesischen Philosophien und Prinzipien, wie zum Beispiel die des Yin und Yang, der Fünf Elemente und des Qi (ausgesprochen: „Schi“). Diese Lehren, die in vielen Fällen auf Konfuzius zurück zu führen sind, besagen, dass die Lebensenergie eines Menschen in gewissen Leitbahnen (der sogenannten Meridiane) im Körper verläuft.

Daher ist eine Erkrankung nie auf nur eine Ursache zurückzuführen, sondern betrifft immer mehrere Bereiche, da die Organe durch diese Leitbahnen miteinander verbunden sind und in Abhängigkeit zueinander stehen. Ist ein Bestandteil aus dem Gleichgewicht, betrifft dies gleich den kompletten Organismus. Traditionelle Chinesische Medizin ist also in gewisser Hinsicht ein absolut systemischer Ansatz.

Da die meisten Lehren der TCM sehr alt sind, spielt die moderne Technik darin meist keine Rolle. Wie in der westlichen Medizin steht am Beginn einer jeden Behandlung ein ausführliches Anamnesegespräch über Symptome, Lebensgewohnheiten, Vorerkrankungen, Medikation und erbliche Vorbelastungen.

Im Anschluss wird der Körper des Patienten eingehend untersucht und zwar im Gegensatz zur Schulmedizin nicht nur bezüglich der Atmung und des Pulses sondern auch in puncto Haltung und Körpersprache, Haar- und Hautbeschaffenheit, Augen, Zähne, Zunge sowie Nägeln.

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Was gehört zur TCM?

Nach einer eingehenden Untersuchung wird in der TCM eine passende Therapie eingeleitet. Dabei gibt es unterschiedliche Bestandteile, die häufig miteinander kombiniert werden. Insbesondere die fünf entscheidenden Säulen sind dabei zu nennen:

  • Akupunktur
    Mit der gezielten Anregung der Meridiane durch Stimulation mittels dünner Nadeln (Akupunktur) oder Druck (Akupressur) soll das Gleichgewicht Qi innerhalb eines Körpers wieder hergestellt und Blockaden gelöst werden. Dafür gibt es in der TCM über den ganzen Körper verteilt 365 Punkte, die je nach Erkrankung und Defizit gezielt angesprochen werden. Manchmal werden die Nadeln auch zusätzlich mit Hitze versehen um die Stimulation noch zu verstärken. Die Reize an den Nervenenden setzen bestimmte Hormone und Botenstoffe frei, die Verspannungen lösen. Patienten berichten dabei meist von einem angenehmen Kribbeln aber auch leichten Temperaturveränderungen, die aber größtenteils als entspannend wahrgenommen werden.
  • Arzneimittellehre der TCM
    In der TCM gibt es eine große Menge an Heilkräutern und -pflanzen. Zu diesen zählen beispielsweise Ginseng, Johanniskraut, Mönchspfeffer und noch viele andere, von denen wahlweise die Wurzeln, die Blätter, die Blüten und / oder die Rinde verwendet werden. Für so ziemlich jede Krankheit scheint es ein eigenes, passendes Rezept zu geben. In der originalen TCM kommen zudem noch Tierbestandteile zum Einsatz, die hierzulande aber nicht verwendet werden dürfen (meist aus Artenschutzgründen).
  • Ernährungslehre der TCM
    Ähnlich der Arzneimittellehre gibt es in der TCM auch bestimmte – nicht nur fernöstliche – Nahrungsmittel, die den Heilungsprozess beschleunigen sollen. Hierzulande sind dies meist Pflanzen wie zum Beispiel Beeren, Kräuter, Algen, Tee, Kurkuma, Nüsse und Knollengemüse aber auch Fisch, die auf den fünf Elementen Feuer (bitterer Geschmack für Herz und Darm), Wasser (salziger Geschmack für die Nieren), Erde (fruchtiger Geschmack für den Magen), Metall (scharfer Geschmack für die Lunge) und Holz (saurer Geschmack für die Leber) beruhen.
  • Tuina
    Tuina ist eine spezielle Massageform, ja man könnte fast sagen: Massagekunst. Durch Ziehen, Schieben und Reiben sollen die Meridiane aktiviert und die Selbstheilungskräfte des Körpers in Gang gesetzt werden.
  • Qi Gong
    Qi Gong wird meist in Zusammenhang mit dem chinesischen Schattenboxen Tai Chi praktiziert. Es beinhaltet ruhige und konzentrierte Bewegungsabläufe, die bisweilen sogar in eine Meditation übergehen. Dadurch werden die Muskelpartien des ganzen Körpers aktiviert und gekräftigt, sowie die Konzentration auf das Wesentliche gezielt gefördert.

Bei was kann die TCM helfen?

Zur Ergänzung oder in seltenen Fällen auch als Alternative zur Schulmedizin wird die Traditionelle Chinesische Medizin hierzulande insbesondere bei folgenden Beschwerden eingesetzt:

Gerade die Akupunktur kann bei Schmerzen innerhalb von wenigen Stunden oder gar Minuten Linderung verschaffen. Zudem gilt die TCM auch als ein wichtiger Bestandteil zur Stärkung des Immunsystems. Insbesondere die entspannende Grundhaltung fördert die bessere Abwehr von Keimen und Krankheitserregern.

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Risiken und Nebenwirkungen der TCM

Die Risiken bei der TCM halten sich in Grenzen. Bei der richtigen Dosierung und korrekter Anwendung kann es höchstens einmal vorkommen, dass Allergien gegen bestimmte Heilpflanzen oder Lebensmittel auftreten. Daher ist wichtig, dass die Bestandteile der Arznei- und Ernährungslehre nach Möglichkeit biologisch angebaut und somit schadstoffarm sind. Strenge Zertifikate bestätigen die Herkunft.

Allerdings gibt es für viele Verfahren der TCM noch keinen wissenschaftlich gesicherten Nachweis der Wirksamkeit. Lediglich die Akupunktur ist inzwischen weitgehend erforscht und eine gewisse positive Wirkung belegt. Dazu kommt, dass es bei einer Akupunktur so gut wie nie zu unerwünschten Nebenwirkungen kommt, sofern streng nach Desinfektionsschutz (zum Beispiel mit der Verwendung von Einwegnadeln) vorgegangen wird.

Da allerdings manchmal gerade bei Patienten mit einem schwachen Kreislauf oder einem niedrigen Blutdruck Schwindelanfälle vorkommen, sollte eine Akupunktur immer im Liegen durchgeführt werden. Dies ist für die Behandelten auch deutlich entspannender und damit zielführender.

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So finden Sie den geeigneten TCM-Mediziner

Bei einem TCM-Praktiker sollte es sich keinesfalls um einen Kurpfuscher oder Wunderheiler handeln. Therapeuten, die Traditionelle Chinesische Medizin praktizieren, sind in der Regel immer ausgebildete Ärzte mit einer entsprechenden Zusatzausbildung. Schließlich müssen sie genau über die Zusammenhänge und gegenseitigen Abhängigkeiten innerhalb eines Körpers Bescheid wissen.

Insbesondere bei der Zusammenstellung von Arzneimitteln ist dies von großer Bedeutung, da das Wechselspiel und die Wirkungsweisen der Inhaltsstoffe genau beachtet werden müssen. Die aufwändige Herstellung der Extrakte, Pulver oder Granulate erfordert daher viel Fachkenntnis. Deshalb ist auch von einer Selbstmedikation unbedingt abzuraten. Im besten Fall ist die Arznei unwirksam, im schlimmsten Fall ruft sie bei einer Fehl- oder Überdosierung schwere Nebenwirkungen hervor – vor allem in Zusammenhang mit anderen Medikamenten.

Die Inhaltsstoffe selbst müssen in Deutschland strengen Qualitätsanforderungen genügen, um überhaupt zugelassen zu werden. Darum sollten Sie auch keinesfalls eigenmächtig TCM-Heilpflanzen über das Internet bestellen. Abgesehen von Verunreinigungen kann es sein, dass Sie sich damit sogar strafbar machen: Zum einen, da sie gegebenenfalls gegen das Betäubungsmittel- oder Arzneimittelgesetz verstoßen und zum anderen, weil die Gefahr besteht, dass die Mittel Tier-Bestandteile enthalten, die gegen das Washingtoner Artenschutzabkommen verstoßen.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informiert Sie nur allgemein. Er kann und soll eine medizinisch-ärztliche Beratung nicht ersetzen. Vor der Einnahme eines Medikamentes lesen Sie bitte die Packungsbeilage sorgfältig durch und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

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