Tee: Gesunder Alleskönner oder überbewertet?

Tee gilt als gesundes Allheilmittel. Ein paar getrocknete Pflanzen in heißem Wasser sollen vielen Krankheiten vorbeugen und schmecken tut es obendrein.

Doch was davon ist Wahrheit, was Mythos? Wieviel Tee sollte man trinken und welchen genau? Was bewirkt Tee in unserem Körper? Und wie wird Tee zubereitet?

Wir beleuchten dieses Jahrtausende alte Getränk genauer und beantworten alle wichtigen Fragen rund um Tee.

Tee: Gesunder Alleskönner oder überbewertet?

Definition: Was zählt als Tee und was nicht?

Umgangssprachlich könnte man annehmen, dass fast jedes Heiß- oder Kaltgetränk, das nicht dem Kaffee zuzuordnen ist, als Tee bezeichnet wird: Da gibt es Eistee, Mate-Tee und selbst ein extrem alkoholhaltiger Cocktail trägt den Tee im Namen: der Long-Island-Ice-Tea. Und das obwohl diese Mixtur nun wirklich gar nichts mit einem klassischen Tee gemein hat.

Denn Tee ist nicht gleich Tee. Als Tee wird ursprünglich nur der heiße Aufguss der Teepflanze bezeichnet. Genau genommen stammt echter Tee von den Blättern und Blattknospen der Camellia Sinensis. Sie kommt ursprünglich aus China und kann bis zu 140 Jahre alt werden.

Der Sage nach erfand um 2700 vor Christus ein chinesischer Kaiser durch einen Zufall den Tee. Nach einer langen Reise kochte er sein Wasser aus Hygienegründen ab. Zufällig flog das getrocknete Blatt eines Strauches in seine Tasse. Der Kaiser bemerkte die Verfärbung und den Duft des Wassers und beschloss, es zu probieren – die angebliche Geburtsstunde des Tees.

Wie immer bei Sagen gibt es wahre Anteile an der Geschichte – ob aber der Kaiser tatsächlich sein eigenes Getränk zubereitete und die Pflanze daraufhin kultivierte, wird ein Geheimnis bleiben.

Fakt ist, dass um 450 nach Christus das Trinken von Tee unter buddhistischen Mönchen so üblich war, dass sie es als konzentrationsförderndes Genuss- und Heilmittel in der Bevölkerung verbreiteten.

Durch die Kultivierung der Pflanzen existieren eine Reihe von Varianten, die in ganz Asien verbreitet sind, darunter auch die Camellia Assamica, die vornehmlich in Indien vorkommt. Aus der Teepflanze wurden im Laufe der Zeit zudem verschiedene Sorten hergestellt, die sich in ihrer Herstellung unterscheiden. Je nachdem, ob und wie die Blätter geröstet, gedämpft oder fermentiert werden, entsteht:

  • Schwarzer Tee
  • Grüner Tee
  • Weißer Tee
  • Oolong Tee
  • Gelber Tee
  • Pu-Erh Tee

In der Nachbehandlung dieser Teesorten entstehen dann weitere Unterteilungen nach Geschmacksrichtungen. Hier sind der Fantasie der Teehersteller fast keine Grenzen gesetzt.

Neben dem Tee aus der Teepflanze gibt es noch eine Reihe von weiteren Getränken, die als Tee bezeichnet werden. So sind in diesem Zusammenhang vor allem die Kräuter- und Früchteaufgüsse zu nennen, die umgangssprachlich auch als „Kräutertee“ oder „Früchtetee“ bezeichnet werden.

Obwohl sie keinen echten Tees darstellen, sollen sie der Vollständigkeit halber auch hier Erwähnung finden. Bekannt und beliebt sind in diesem Zusammenhang insbesondere:

  • Hagebuttentee
  • Pfefferminztee
  • Hibiskustee
  • Kamillentee
  • Früchteteemischungen
  • Fencheltee
  • Tee aus Zitronengras
  • Rooibustee
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Wirkungsweisen von Tee auf den Körper

Tee gilt als gesund. Allerdings gilt es genau zu differenzieren. Denn es kommt zum einen darauf an, welchen Tee Sie zu sich nehmen, wieviel Sie trinken und wie ihn zubereiten.

Allen echten und unechten Teesorten gemein ist, dass er die Flüssigkeitsspeicher des Körpers auffüllt. Dies unterstützt die Gehirndurchblutung und sorgt für eine bessere Gedächtnisleistung. Hier hat sich besonders grüner Tee hervorgetan.

Einigen Tee-Zubereitungen – wie zum Beispiel der Aufguss aus der südamerikanischen Mate-Pflanze – wird zudem eine Unterdrückung des Hungergefühls zugeschrieben. Sie können also beim Abnehmen helfen – selbstverständlich nur, wenn sie den Tee ohne Zucker zu sich nehmen.

Zudem löst Tee weitere Prozesse im Körper aus:

  • Anregung
    Echter Tee hat – ebenso wie Mate – Koffein. Früher wurde der Stoff auch „Teein“ genannt. Obwohl Tee sogar mehr Koffein enthält als Kaffee, wird dies nur etwa einem Drittel herausgelöst. Dies liegt daran, dass dieser Prozess länger dauert als beim gemahlenen Kaffee und ein Tee meist nur wenige Minuten zieht, damit sich nicht Stoffe lösen, die dem Koffein entgegen wirken. Dafür wirkt das Koffein aus dem Tee anders als Kaffee, da es langsamer abgegeben wird und somit gleichmäßiger und länger anhaltend belebt (was insbesondere für weißen Tee gilt). Damit ist man zwar morgens nicht ganz so schnell wach wie durch starken Kaffee, gleichzeitig ist Tee herzschonender.
  • Magen-Darm-Trakt
    Die Gerbsäure im Tee hilft erwiesenermaßen gut gegen Blähungen und hat eine antibakterielle und entzündungshemmende Wirkung, die Infektionen des Magen-Darm-Trakts und Bauchschmerzen vorbeugen kann. Auch etliche Kräutertees wie der Kamillentee, der Fencheltee oder der Melissentee wirken sich positiv auf diese Körperregion aus. Sogar auf Pfefferminztee können Magen-Darm-Geplagte zurückgreifen. Seine ätherischen entspannen und regenerieren die Schleimhäute.
  • Nervensystem
    Viele Kräutertees, aber auch echter Tee, haben durch ihre ätherischen Öle eine angenehme Wirkung auf das Nervensystem. Nicht umsonst werden diese Tees auch in der Aromatherapie eingesetzt. Zudem bewirken Tee-Rituale und -Zeremonien, dass der Teetrinker zur Ruhe kommt und sich eine Auszeit vom womöglich stressigen Alltag nimmt.
  • Herz-Kreislauf-Sytem
    Die sogenannten Flavonoide sind natürliche Farbstoffe, die insbesondere im grünen Tee zu finden sind. Sie binden freie Radikale im Körper, die unseren Stoffwechsel belasten. Außerdem können Kohlenhydrate so leichter in Muskelmasse anstatt in Fett umgewandelt werden und belasten daher unser Herz-Kreislauf-System nicht so stark. Ferner erweitern diese Flavonoide die Blutgefäße, was den Blutdruck senkt. Die Blutdrucksenkung wird jedoch durch das enthaltene Koffein in der Regel wieder konterkariert.
  • Immunsystem
    Flavonoide wirken außerdem antibakteriell und antiviral. Auf diese Weise wird unser Immunsystem entlastet. Weitere Aromastoffe wie die Polyphenole aber auch diverse Vitamine unterstützen diesen Prozess darüber hinaus. Sogar einen positiven Einfluss dieser Bestandteile auf das Krebsrisiko wurde schon nachgewiesen.

Viele dieser Wirkungsweisen sind noch nicht bis ins letzte erforscht, daher ist es unklar, wie groß der Nutzen von Tee tatsächlich ist. Fakt ist, dass Tee zwar positive Effekte im Körper auslöst, jedoch eine gesunde und ausgewogene Ernährung keinesfalls ersetzen kann.

Dennoch spricht nichts dagegen, täglich ungefähr einen halben bis einen Liter Tee zu sich zu nehmen. Mehr sollte es jedoch nicht unbedingt sein. Allerdings ist es dabei wichtig, genau darauf zu achten, dass es sich um ein Naturprodukt ohne chemische Zusatzstoffe handelt. Kräutertees sollten außerdem mit kochendem Wasser übergossen werden, um Keime und andere gefährliche Stoffe abzutöten.

Da echter Tee anregend wirkt und Koffein enthält, sollte er ab dem Nachmittag nicht mehr getrunken werden, um Schlafstörungen zu vermeiden. Dass man Tee nur lange genug ziehen lassen muss, damit er einschläfernd wirkt, ist ein Mythos – das Koffein wirkt dann lediglich weniger stark.

Info: Teeverbrauch

Pro Jahr trinken die Deutschen laut Statista knapp 30 Liter echten Tee pro Kopf. Mehr als 70 Prozent davon sind Schwarztee, gefolgt vom grünen Tee mit einem Anteil von gut 20 Prozent. Dazu kommen etwa 50 Liter Früchte- und Kräutertee. Damit trinken mehr als Drittel der Deutschen täglich mindestens eine Tasse Tee.

Weltweit werden knapp fünf Millionen Tonnen Tee pro Jahr produziert. Das macht Tee nach Wasser zum beliebtestes Getränk überhaupt.

Inzwischen wird mit Tee ungefähr 565,5 Millionen Euro Umsatz gemacht – Tendenz steigend. Prognosen sehen das Marktvolumen für Tee im Jahr 2025 bei 776,6 Millionen Euro.

Damit ist Tee längst nicht das Nischengetränk, für das es manche halten, sondern ein enormer Wirtschaftsfaktor auf dem Welthandel.

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Spezielle Arzneitees

Nicht nur Früchtetee hat Vitamine und gilt als Heiltee. Gerade bestimmte Kräutertees haben sich in vielen Jahrtausenden auch als Arzneitees bewährt. Einige Beispiel fernab von dem allseits bekannten Kamillentee:

  • Lavendel-, Baldrian- oder Melissentee gelten als ideale Tees bei Einschlafstörungen, da sie eine beruhigende Wirkung haben. Zwar wirken sie nicht unmittelbar sondern etwas zeitverzögert, dann jedoch zuverlässig.
  • Anis-Fenchel-Kümmel-Tee gilt als zuverlässiger Arzneitee bei Bauchschmerzen und Blähungen.
  • Jasmin-Tee wirkt gut gegen Magengrummeln und erhöhten Blutzuckerspiegel.
  • Löwenzahn- oder Artischockentee helfen bei der Fettverbrennung und unterstützen die Galle bei ihrer Tätigkeit.
  • Wermut-, Kalmus-, Angelika- und Bitterorangentee helfen der Leber, sich schneller zu regenerieren.

Diese Tees sind jedoch immer nur zur Vorbeugung und Unterstützung gedacht. Bei starken Beschwerden können sie nie als vollständiger Ersatz einer ärztlichen Therapie fungieren. Wer über dauerhafte Beschwerden klagt, sollte auf jeden Fall seinen Hausarzt zu Rate ziehen.

Tipp: Die richtige Zubereitung von Tee

Kräuter- und Früchtetee werden mit kochendem Wasser übergossen und je nach Packungsangabe und persönlicher Vorliebe unterschiedlich lang ziehen gelassen.

Um echten Tee gibt es jedoch etliche Rituale und Anweisungen, um ihn richtig zuzubereiten. Gerade die Asiaten, aber auch die Engländer oder die Ostfriesen, zelebrieren dabei ihre Teezeit.

Die Teezubereitung folgt dabei unabhängig von regionalen Besonderheiten folgenden Grundregeln:

  1. Das Wasser sollte ungefähr 70 Grad betragen. Tee aus der Teepflanze wird nie mit kochendem Wasser zubereitet.
  2. Die losen Teeblätter sollten genügend Platz zur Entfaltung haben. Welches Sieb Sie dabei verwenden, bleibt Ihrer persönlichen Vorliebe überlassen. Echte Teekenner raten jedoch von fertigen Teebeuteln aus Qualitäts- und Geschmacksgründen ab.
  3. Je nach Teesorte sollte der Tee zwischen zwei und vier Minuten ziehen – weißer und grüner Tee dabei eher kürzer, Schwarztee etwas länger. Dann wird das Koffein gelöst. Zieht er länger, schwächt sich die anregende Wirkung wieder ab und der Tee wird außerdem bitter.
  4. Der Tee sollte anschließend etwas abkühlen. Zu heiße Getränke schädigen mitunter die Schleimhäute in der Speiseröhre und begünstigen dort Entzündungen. Als Faustregel gilt: Sie sollten die Tasse bequem und angenehm anfassen können.
  5. In manchen Kulturen gilt Tee mit Milch als unbedingte Pflicht, in anderen beinahe als Sakrileg. Im Endeffekt bleibt dies Ihnen überlassen. Ohne Milch hat eine Tasse Tee keine Kalorien und ist somit ein Genuss ohne Reue. Auf Zucker sollten Sie ferner Ihrer Gesundheit zu Liebe völlig verzichten. Probieren Sie lieber mildere und lieblichere Teesorten, wenn Ihnen der Geschmack des Tees zu bitter ist.

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