Tollwut: Ansteckung, Symptome, Impfung

Bei Reisen in ferne Länder spielen verschiedene Krankheiten eine Rolle, die in Deutschland als ausgerottet gelten. Eine davon ist die Tollwut. Sie wird von Tieren übertragen und verläuft tödlich, sofern nicht umgehende Sofortmaßnahmen ergriffen werden. Doch man kann der Tollwut vorbeugen: mit einer Impfung. Alle Hintergründe und Tipps zur Erkrankung Tollwut…

Tollwut: Ansteckung, Symptome, Impfung

Definition: Was ist Tollwut?

Tollwut ist eine gefährliche Krankheit, die bei gleichwarmen Tieren vorkommt und von diesen auch auf den Menschen übertragen werden kann. Die medizinische Bezeichnung lautet Rabies, was sich vom lateinischen Verb rabere herleitet, was soviel bedeutet wie „toben“ oder „wüten“. Daher wurde die Tollwut früher auch als „Wutkrankheit“ oder „Hundswut“ bezeichnet.

Typische Träger der Tollwut-Viren (sogenannte Lyssaviren) sind Hunde, Katzen, Füchse, Waschbären aber auch Frettchen oder Dachse. Wenn sich der Erreger erst einmal in seinem Wirt ausgebreitet hat, verursacht er eine Entzündung des Gehirns, die in nahezu allen Fällen tödlich endet.

In Deutschland gilt die Tollwut als ausgerottet, doch das stimmt streng genommen nicht ganz. Sie kommt zwar noch vereinzelt bei Fledermäusen vor, die sowieso aufgrund ihrer Konstitution häufig Viren übertragen ohne selbst von Symptomen betroffen zu sein, was aber aufgrund ihres mangelnden Kontaktes zum Menschen kein Problem darstellt. Die einzige Ausnahme betrifft höchstens Höhlenkundler.

Ansteckung mit Tollwut

In den meisten Industrieländern, in denen Tollwut noch nicht ausgerottet ist, findet sich das Erreger-Virus eher bei Waldtieren. Da diese eher selten direkt mit den Menschen in Kontakt kommen, ist eine Gefahr der Ansteckung lediglich über den Umweg über Haustiere vereinzelt möglich.

Anders sieht es in vielen asiatischen, afrikanischen oder lateinamerikanischen Ländern aus, wo es traditionell viele wilde oder streunende Tiere gibt, die nahe bei den Menschen leben. Gerade Hunde gelten hier als Krankheitsverbreiter.

Durch Kratz- oder Bissverletzungen überträgt sich das Virus auf dem Menschen. Es muss also in die Blutbahn gelangen – ein einfacher Kontakt, etwa durch Streicheln, reicht zwar für eine Infektion nicht aus, dennoch sollte man vor fremden Tieren grundsätzlich Abstand halten.

Insbesondere Bisse (auch durch die Kleidung!) sind sehr gefährlich, da das Tier die meisten Viren im Speichel trägt. Aufgrund der Tatsache, dass ein tollwütiges Tier auf den ersten Blick häufig sehr zutraulich wirkt, sollte kein direkter Kontakt zu ihnen gesucht werden, sondern möglichst Abstand gehalten werden: Auch ein Schlecken an einer offenen Hautstelle kann schon für eine Infektion ausreichen. Ebenso sollten Sie das Berühren von Tierkadavern vermeiden.

Eine Übertragung von Mensch zu Mensch durch eine Tröpfcheninfektion wie Husten oder Niesen oder eine Schmierinfektion ist hingegen absolut ausgeschlossen. Die an Tollwut erkrankte Person kann das Virus theoretisch allerdings ebenso weitergeben wie ein Tier, was aber in der Praxis so gut wie nie vorkommt.

Wo kommt Tollwut vor?

Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass weltweit fast 60.000 Menschen an Tollwut sterben, davon die meisten in Asien (60 Prozent) und Afrika (36 Prozent). Die Dunkelziffer könnte jedoch noch um ein Vielfaches über diesen Schätzungen liegen.

Indien hält dabei mit 35 Prozent aller weltweiten Todesopfer den traurigen Rekord, was zu großen Teilen an den vielen streunenden Hunden festgemacht wird. Gerade Welpen gelten in diesem Zusammenhang als besonders gefährlich.

Auch Kenia gilt es sehr gefährdet. Dies soll jedoch nicht heißen, dass man in anderen Ländern vor der Tollwut sicher ist. In den USA gelten Waschbären als ein großer Infektionsherd, in Osteuropa sind es Marder oder Füchse. Wer mit Haustieren unterwegs ist, sollte zusätzlich vorsichtig sein und diese auf jeden Fall impfen lassen.

Daher sollten Sie sich vor Ihrer Reise unbedingt darüber informieren, ob im entsprechenden Land eine Tollwut-Gefahr herrscht.

Symptome und Verlauf von Tollwut

Wer sich mit Tollwut infiziert hat, merkt dies nicht sofort. Der Virus braucht ungefähr zwei bis acht Wochen bis er den Körper so befallen hat, dass dieser erste Symptome einer Erkrankung aufzeigt. Es wurde sogar schon von Fällen berichtet, bei denen die Inkubationszeit sogar einige Jahre betrug, was jedoch der Ausnahmefall ist.

Grundsätzlich kann man als Faustregel festhalten, dass die Inkubationszeit von Tollwut umso länger ist, je weiter die Eintrittsstelle vom Gehirn entfernt ist. Wenn sich der Erreger dort ausgebreitet hat, verläuft die Krankheit in drei Stadien:

  1. Prodromalstadium

    Wer sich mit Tollwut infiziert hat, durchläuft zunächst eine Phase, in der es zu eher unspezifischem Unwohlsein kommt: Übelkeit, Durchfall und Erbrechen sowie Kopf-, Bauch und Gliederschmerzen in Kombination mit Fieber und selten auch Husten deuten zunächst eher auf eine Magen-Darm-Verstimmung oder eine Grippeerkrankung hin.

    Diese Symptome werden jedoch zunehmend stärker statt schwächer, zudem schmerzt oder juckt die Bissstelle.

  2. Exzitationsstadium

    Die zweite Phase der Tollwut gilt als akutes neurologisches Stadium. Gehirn und Nervensystem werden angegriffen, was sich zunächst darin äußert, dass die Patienten eine Angst und Abscheu vor Wasser und anderen Getränken entwickeln, da sich beim Schlucken die Muskulatur schmerzhaft verkrampft. Viele Erkrankte schlucken noch nicht einmal ihren Speichel, weswegen er oftmals aus dem Mund fließt.

    Zudem verändern sich die Persönlichkeits- und Gemütszustände der betroffenen Personen, die entweder apathisch oder aggressiv werden – oftmals auch im Wechsel.

  3. Paralysestadium

    In der finalen Phase der Krankheit treten erste Lähmungserscheinungen auf, die mit der Zeit immer stärker werden. Der Patient fällt ins Koma und stirbt schlussendlich an Atemlähmung.

Sobald die Tollwut ausgebrochen ist, kann sie nicht mehr gestoppt werden und endet innerhalb weniger Tage in aller Regel tödlich. Zwar gibt es vereinzelt immer wieder Menschen, die die Krankheit überleben, dies jedoch zu dem Preis, dass sie bleibende und schwere neuronale Schäden davon tragen.

Diagnose und Behandlung von Tollwut

Nach einem Tierbiss im Ausland sollte sicherheitshalber unbedingt immer sofort ein Arzt aufgesucht werden. Es empfiehlt sich zwar als Maßnahme zur ersten Hilfe, die Wunde so schnell wie möglich gründlich zu säubern und zu desinfizieren. Dies sollte zunächst mit Wasser und Seifen geschehen, anschließend mit Desinfektionsmittel oder Jod. Dies erspart Ihnen allerdings nicht den Arztbesuch.

Falls Sie nicht geimpft sind, wird Ihnen der Arzt zunächst fertige Antikörper, sogenannte Immunglobuline injizieren, in der Hoffnung, dass dies noch rechtzeitig geschieht um einen Ausbruch der Krankheit zu verhindern. Außerdem werden abgetötete Viren verabreicht, um die Immunabwehr des Körpers zu aktivieren.

Ist die Tollwut erst einmal ausgebrochen, können nur noch die Symptome gelindert werden.

Zusätzlich versucht der Arzt nach den Sofortmaßnahmen zu analysieren, ob der Erreger in Ihrem Körper zu finden ist. Dies geschieht mit unterschiedlichen Methoden:

  • RNA-Analyse des Speichels
  • Hornhautanalyse des Auges
  • Blutuntersuchung
  • Untersuchung der Wunde

Leider ergeben alle Untersuchungsmethoden keine absolut sichere Diagnose. Eine Tollwut kann beim Menschen erst mit hundertprozentiger Sicherheit nach dessen Tod bestätigt werden.

Besser geeignet wäre theoretisch eine Untersuchung des möglicherweise infizierten Tieres um ein sicheres Ergebnis zu erhalten. Handelt es sich jedoch um ein streunendes Wildtier, wird diesem jedoch eher selten habhaft zu werden sein, wovon im Übrigen auch ausdrücklich abzuraten ist.

Tollwut: Mit einer Impfung vorsorgen

Da die Tollwut im Falle einer Erkrankung tödlich verläuft, empfiehlt es sich, eine Impfung durchführen zu lassen. Diese kann auf zwei Arten geschehen:

  • Vorbeugend
  • Nachträglich

Wer weiß, dass er in ein Tollwut-Gebiet reist, sollte sich sicherheitshalber und prophylaktisch dazu entschließen, sich gegen den Erreger impfen zu lassen. Dabei werden Ihnen tote beziehungsweise stark abgeschwächte Tollwut-Viren injiziert, damit der Körper entsprechende Antikörper entwickeln kann. Diese Impfung erfolgt in drei Etappen: sieben beziehungsweise 21 Tage nach der ersten Impfung erfolgen die zweite und die dritte. Ungefähr weitere zwei Wochen später hat der Körper dann einen zuverlässigen Schutz aufgebaut.

Wer lieber ein Risiko eingehen möchte, kann auch darauf vertrauen, dass er im Urlaubsland zeitnah (also wenige Stunden danach) zu einem Tierkontakt einen Arzt findet, der eine nachträgliche Impfung durchführt. Dies funktioniert dann wie oben beschrieben mittels den zwei akuten Maßnahmen. Insgesamt müssen jedoch bei einer nachträglichen Impfungen fünf Verabreichungen erfolgen.

Daher ist eine vorbeugende Impfung unbedingt zu empfehlen. Diese wird in aller Regel auch gut vertragen, von leichter Abgeschlagenheit und einer Reizung der Injektionsstelle einmal abgesehen. Für die Impfung sollten Sie mit Kosten um die 70 Euro rechnen. Ihr Tropenmediziner berät Sie diesbezüglich gerne.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informiert Sie nur allgemein. Er kann und soll eine medizinisch-ärztliche Beratung nicht ersetzen. Vor der Einnahme eines Medikamentes lesen Sie bitte die Packungsbeilage sorgfältig durch und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

[Bildnachweis: Markik by Shutterstock.com]
15. April 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

Die Herbstlust-Redaktion besteht aus erfahrenen Autoren mit langjähriger Berufserfahrung. Trotz sorgfältiger Recherche erheben die Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informieren lediglich allgemein. Der vorliegende Artikel kann eine fachliche oder ärztliche Beratung nicht ersetzen.

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