Trauer: Tipps wie Sie richtig Abschied nehmen

Abschied nehmen tut immer weh! Um so schlimmer ist es, wenn der Tod uns einen geliebten Menschen nimmt. Leider wird in unserer Gesellschaft das Sterben selten thematisiert. Selbst Eltern reden nicht gerne mit ihren Kindern dar├╝ber, so dass wir keinen nat├╝rlichen Umgang damit lernen. Treffen wir auf Trauernde, werden wir unsicher und wissen nicht so recht, was wir sagen oder tun sollen. Wir m├Âchten Ihnen darum helfen, die Trauer besser zu verstehen, m├Âchten Ihnen die Unsicherheit im Umgang mit den Hinterbliebenen nehmen und geben Ratschl├Ąge, wie Sie Trauernde begleiten k├Ânnen…

Trauer: Tipps wie Sie richtig Abschied nehmen

Ô×á Inhalt: Das erwartet Sie

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Trauer: Eine Definition

Die Trauer ist etwas ganz Nat├╝rliches: Wenn ein geliebter Mensch aus dem Leben scheidet, ist das ein einschneidendes Ereignis. Es wirft die Hinterbliebenen in ihrem ganzen Sein aus dem Gleichgewicht. Die Trauer beschreibt den Prozess, in dem sie den Verlust verarbeiten und wieder ihr inneres Gleichgewicht zur├╝ckfinden.

Was ist der Sinn von Trauer?

In unserer Gesellschaft herrscht der Ma├čstab, so zu leben als ob man ewig jung, kr├Ąftig und erfolgreich w├Ąre. Die Trauer wirkt da wenig gesellschaftsf├Ąhig. Es passt nicht ins Bild, wenn wir Schw├Ąche zeigen und ├Ąu├čern, dass ein Verlust weh tut.

So versuchen wir die Trauer in symbolische Handlungen zu verpacken: Beerdigung, Leichenschmaus, Tragen von Trauerkleidung oder Friedhofsbesuche. Das sind Rituale, die einen Moment lang helfen, weil sie uns Sicherheit geben.

Aber Trauer ist mehr: Trauer ist Psychohygiene. Wer trauert, tut seiner Seele wohl und geht aus ihr ver├Ąndert und gest├Ąrkt hervor. Die Trauer l├Ąsst jeden einzelnen wachsen und reifen.

Symptome: Wie ├Ąu├čert sich trauern?

Hinterbliebene reagieren auf verschiedene Art und Weise auf den Verlust. Das Spektrum reicht ├╝ber das blo├če Zeigen der Gef├╝hle hinaus und betrifft verschiedene Bereiche:

  • Emotionen

    Die Gef├╝hle brechen beim Trauernden durch. Er weint, schreit, ist zornig und aggressiv und dann wieder zur├╝ckgezogen, geradezu apathisch. Viele f├╝hlen sich einsam, haben aber kein Interesse an ihrer Umwelt.

  • K├Ârper

    Die Hinterbliebenen leiden an Appetitlosigkeit und verlieren aus diesem Grund Gewicht. Ihnen ist ├╝bel und sie erbrechen. Ihr Organismus reagiert mit Fr├Âsteln und Zittern. Der Kopf schmerzt.

  • Soziale Leben

    Trauernde ziehen sich oft aus ihrem sozialen Umfeld zur├╝ck, isolieren sich selber und wollen – wenn irgend m├Âglich – den Erinnerungen an den Verstorbenen ausweichen.

  • Spirituelle Leben

    Der Hinterbliebene hadert mit seinem Schicksal, bekommt Zweifel an Gott, sucht dennoch im Glauben Halt und betet viel.

Richtig trauern

Die Trauer ist ein h├Âchst intimer und individueller Prozess. Jeder Mensch trauert anders. Als Au├čenstehende sollten wir uns davor h├╝ten, trauernde Menschen zu vergleichen und dar├╝ber zu urteilen, wann denn der Prozess der Trauer abgeschlossen sei. Um die Trauer besser zu verstehen, wurden unterschiedliche Modelle entwickelt:

  • die Phasenmodelle
  • die Traueraufgaben

Wir stellen Ihnen die beiden bekanntesten Modelle vor und zeigen, wie Sie als Begleiter dem Trauernden helfen k├Ânnen.

4 Phasen der Trauer nach Verena Kast

Verena Kast, Psychologin aus der Schweiz, stellt die Trauer als einen Prozess da. Jeder Prozess hat einen klaren Anfang – hier der Verlust eines geliebten Menschen, und ein eindeutiges Ende – in diesem Fall die Neuorientierung im Leben.

Sie teilt den Trauerprozess in vier Phasen ein, die aber bei jedem Trauernden unterschiedlich lang sein k├Ânnen – Tage, Woche, Monate, manchmal sogar Jahre.

Insgesamt wird der Trauerprozess durch ihr Modell nachvollziehbar und Begleitpersonen k├Ânnen sich Hilfestellungen daraus ableiten. Sollten Probleme bei der Bew├Ąltigung der Trauer entstehen, sollten Sie unbedingt Hilfe von Psychologen oder professionellen Trauerbegleitern suchen.

  1. Nicht-Wahrhaben-Wollen

    Direkt nach dem der geliebte Mensch gestorben ist, steht der Trauernde unter Schock. Er ist verzweifelt und kann beziehungsweise will nicht glauben, dass der andere nicht mehr da ist. Er f├╝hlt sich hilflos zur├╝ckgelassen. Der Hinterbliebene will in seiner Not den Verlust nicht wahrhaben, leugnet ihn geradezu.

    Es ist nicht ungew├Âhnlich, dass der Trauernde k├Ârperlich reagiert mit…

    • ├ťbelkeit
    • Erbrechen
    • Schwitzen
    • raschen Pulsschlag
    • motorischer Unruhe

    Diese Phase kann Stunden, Tage oder sogar Wochen dauern.

    Wie Sie helfen k├Ânnen

    Der Verlust ist so ├╝berw├Ąltigend, dass der Trauernde in dieser ersten Zeit Unterst├╝tzung ben├Âtigt. Sie helfen ihm, in dem Sie ihm einfach da sind und beistehen.

    Sie k├Ânnen…

    • ihn bei Bestattung und Organisation der Trauerfeier unterst├╝tzen,
    • ihm allt├Ągliche Besorgungen abnehmen,
    • ihr Mitgef├╝hl zeigen,
    • die scheinbare Empfindungslosigkeit aushalten.

    Wichtig ist, dass Sie den Trauernden nicht bevormunden. Er darf seine Gef├╝hle so rauslassen, wie er in dem Augenblick empfindet. Das kann bedeuten, dass lange Zeit Tr├Ąnen flie├čen.

  2. Aufbrechende Emotionen

    Nun kommen alle Gef├╝hle raus: Schmerz, Wut oder sogar Zorn. Der Trauernde fragt sich, warum er leben darf, w├Ąhrend der geliebte Mensch sterben musste. Dar├╝ber entstehen zornige Gedanken gegen Gott und die Welt, aber auch Schuldgef├╝hle gegen sich selber: H├Ątte ich nicht den Tod verhindern k├Ânnen? All diese Gef├╝hle sollten nicht unterdr├╝ckt werden, damit der Schmerz besser verarbeitet wird.

    Wie Sie helfen k├Ânnen

    L├Âsen Sie sich von Ihren eigenen Einstellung. Es ist wichtig, dass Sie die Gef├╝hle des Trauernden nicht unterdr├╝cken, damit er sie auch in Ihrer Gegenwart zulassen kann. Sie k├Ânnen den Trauernden unterst├╝tzen,

    • in dem Sie einfach nur zuh├Âren,
    • in dem Sie nicht ablenken, wenn ungel├Âste Konflikte zur Sprache kommen,
    • in dem Sie nicht interpretieren oder wertend Stellung beziehen,
    • in dem Sie Ihre eigenen Geschichten f├╝r sich behalten.

    In dieser Phase ist Ihre Pr├Ąsenz und Ihre Anteilnahme an der Traurigkeit des Hinterbliebenen das Beste, was Sie geben k├Ânnen. Auch diese Phase kann Tage, Wochen oder Monate dauern.

  3. Suchen und Sich-Trennen

    Der Trauernde setzt sich nun aktiv mit dem Verstorbenen und seinem Tod auseinander. Er sucht Orte auf, an denen er gemeinsame Erlebnisse erinnern kann. Diese Erinnerungen sammelt er wie Edelsteine, sie sind ihm wertvoll, sch├Ân und zugleich sehr schmerzvoll.

    Im Stillen f├╝hrt er an diesen Pl├Ątzen ein Gespr├Ąch mit dem Verstorbenen. Er ├╝bernimmt noch einmal alte gemeinsame Gewohnheiten. All dies geh├Ârt zum bewussten Abschied nehmen. Der Hinterbliebene verarbeitet seinen Verlust.

    Durch das intensive Erleben kann noch mal eine tiefe Verzweiflung entstehen. Nicht selten bekommt der Trauernde in dunklen Zeiten suizidale Gedanken. Auch diese Phase kann Wochen, Monate oder Jahre dauern.

    Wie Sie helfen k├Ânnen

    Das Wichtigste: H├Âren Sie dem Trauernden weiterhin geduldig zu. Zensieren Sie nicht, alles muss ausgesprochen werden und das braucht Zeit. Sie k├Ânnen dem Trauernden helfen, …

    • wenn Sie die Gef├╝hle ernst nehmen, die in der Erinnerungen pl├Âtzlich wieder aufleben,
    • wenn Sie Selbstmordgedanken bei Ihrem Gegen├╝ber wahrnehmen und gegebenenfalls professionelle Hilfe anbieten,
    • wenn Sie den Trauernden nicht bedr├Ąngen, den Verlust endlich zu akzeptieren,
    • wenn Sie ersten Ans├Ątze, in denen sich der Hinterbliebene beginnt neu zu orientieren, unterst├╝tzen.
  4. Neuer Selbst- und Weltbezug

    Nach dem der Hinterbliebene seinen Schmerz rauslassen durfte, seine Wut ausgesprochen hat und auch Vorw├╝rfe machen durfte, ist der Verlust nun weitestgehend bearbeitet. Es kehrt langsam Ruhe und Frieden in die Seele des Hinterbliebenen zur├╝ck.

    Der Zur├╝ckgebliebene entwickelt langsam neue Pl├Ąne f├╝r seine Zukunft. Das Leben mit dem Verstorbenen bleibt eine wichtige Erinnerung.

    Wie Sie helfen k├Ânnen

    Auch Sie d├╝rfen sich nun zusehends aus dem Trauerprozess ausklinken. Sie k├Ânnen dennoch helfen, …

    • indem Sie akzeptieren, dass Sie nun nicht mehr gebraucht werden,
    • indem Sie es begr├╝├čen, wenn der Trauernde neue Beziehung zu anderen kn├╝pft,
    • indem Sie dennoch sensibel f├╝r eventuelle R├╝ckf├Ąlle sind.

Traueraufgaben nach J. William Worden

Die Gegner des Phasenmodells sind der Meinung, dass jeder Trauer individuell abl├Ąuft und nicht in Abschnitte eingeteilt werden kann. Nach ihrer Auffassung durchl├Ąuft der Trauernde nicht Phase f├╝r Phase, sondern bei passendem Ausl├Âser kann er in eine fr├╝here Stufe zur├╝ckfallen. Sie sprechen lieber von Aufgaben, die in einer Trauer bew├Ąltigt werden m├╝ssen.

J. William Worden hat ein Modell mit den folgenden vier Traueraufgaben entwickelt:

  1. Die Realit├Ąt des Verlustes akzeptieren

    Die Hinterbliebenen m├╝ssen akzeptieren, dass der Verstorbene nicht mehr zur├╝ckkommt. Das m├╝ssen sie sich immer und immer wieder klar machen. Bei manchen ist das Gegenteil der Fall: Sie leugnen und wollen nicht wahrhaben, dass der Betreffende nicht zur├╝ckkehrt. Sie reden oder rufen nach ihm. Andere lassen das Zimmer, seine privaten Gegenst├Ąnde unber├╝hrt, damit er es so vorfindet wie es war. Oder sie sehen sein Gesicht in anderen Personen.

  2. Den Schmerz ├╝ber den Verlust aushalten und verarbeiten

    Der Verlust ruft starke Empfindungen hervor. Es handelt sich hierbei um einen emotionalen, aber auch physischen Schmerz. Er kann so heftig sein, dass die Betroffenen ihn am liebsten verdr├Ąngen w├╝rden. Zur Verarbeitung geh├Ârt das Erleben dieses Schmerzes. Alles andere ist eine Flucht in die Empfindungslosigkeit. Darum sollten Trauernde ihn zu lassen, in der Zuversicht, dass er eines Tages ausgestanden ist.

  3. Sich an eine Umgebung ohne den geliebten Menschen anpassen

    Der Hinterbliebene wird der Verlust besonders in den Augenblicken bewusst, wenn er Aufgaben ├╝bernehmen muss, die fr├╝her der Verstorbene ├╝bernommen hat. Seine Rolle muss ausgeglichen werden. Manche Hinterbliebenen weigern sich diese Rollen zu ├╝bernehmen oder L├Âsungen f├╝r das Problem zu suchen. Die Anpassung geht noch ├╝ber die Erf├╝llung der allt├Ąglichen Aufgaben hinaus. Der Trauernde muss sein Selbstbild neu entwickeln und sich selber neue Ziele stecken.

  4. Eine neue Beziehung beginnen

    Manche Hinterbliebenen trauen sich nicht eine neue Beziehung zu beginnen. Es f├╝hlt sich f├╝r sie falsch an, als ob sie ihren Partner hintergehen w├╝rden. Sie haben Angst die Erinnerungen an ihre Frau oder ihren Mann zu vergessen oder sie sorgen sich davor, auch den neuen Lebensgef├Ąhrten wieder zu verlieren.

Empfehlung: Wie Sie am besten Trauernde begleiten

Zum Schluss noch ein paar praktische Tipps, wie Menschen bei ihrer Trauer begleiten und ihnen so helfen k├Ânnen:

  • H├Âren Sie zu: Immer wieder geduldig zuh├Âren, auch wenn das Gesagte andauernd um das selbe Thema kreist, ist das Wertvollste, was Sie jetzt tun k├Ânnen.
  • Behalten Sie Ihre eigene Trauererfahrung f├╝r sich: Jede Trauer ist anders, weil die Beziehungen zwischen Menschen unterschiedlich sind. Selbst enge Verwandte k├Ânnen im Trauerfall unterschiedlich empfinden.
  • Zeigen Sie Ihr Mitgef├╝hl durch Gesten: Eine Umarmung kann viel mehr beruhigen als Worte es oftmals verm├Âgen.
  • Lassen Sie dem Trauernden Zeit: Dr├Ąngen Sie Ihr Gegen├╝ber nicht. Es gibt keinen festen Zeitpunkt an dem eine Trauer vorbei sein muss.
  • Vergleichen und bewerten Sie die Trauer nicht: Jeder Mensch trauert anders. Deshalb vergleichen Sie den Hinterbliebenen nicht mit anderen, die auch in ihrem Leben schon Abschied von einem Menschen nehmen mussten.
  • Helfen Sie im Haushalt: Bieten Sie ruhig Ihre Hilfe f├╝r allt├Ągliche Aufgaben an. Einkauf, Putzen, Besorgungen – fragen Sie, ob Ihre Unterst├╝tzung gew├╝nscht wird.
  • Ermutigen Sie zur Selbsthilfe: Wenn Sie feststellen, dass der Trauernde noch mehr Gespr├Ąch ben├Âtigt, ermutigen Sie ihn an Selbsthilfegruppe teilzunehmen oder eine professionelle Beratung zu suchen.
[Bildnachweis: Ruslan Huzau by Shutterstock.com]
19. April 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

Die Herbstlust-Redaktion besteht aus erfahrenen Autoren mit langj├Ąhriger Berufserfahrung. Trotz sorgf├Ąltiger Recherche erheben die Artikel keinen Anspruch auf Vollst├Ąndigkeit und informieren lediglich allgemein. Der vorliegende Artikel kann eine fachliche oder ├Ąrztliche Beratung nicht ersetzen.

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