Typhus: Verbreitung, Symptome, Impfung

Typhus ist weltweit verbreitet. Für die meisten Menschen in westlichen Industrienationen handelt es sich hauptsächlich um eine Reisekrankheit. Das liegt daran, dass es vor allem in Ländern mit schlechten hygienischen Bedingungen gehäuft vorkommt. Für Reisende in bestimmte Gebiete heißt es daher aufzupassen. Denn unbehandelt kann Typhus sehr gefährlich werden. Dem Robert-Koch-Institut zufolge erkranken zwischen elf und 21 Millionen Menschen daran jährlich, etwa 161.000 Menschen überleben den Typhus nicht. Was Sie über die Verbreitung wissen müssen, die Symptome und wie Sie sich schützen können…

Typhus: Verbreitung, Symptome, Impfung

Definition: Was ist Typhus?

Der Begriff Typhus stammt aus dem Griechischen typhos und heißt übersetzt so viel wie Dunst, Nebel, Rauch oder Dampf. Er wird auch im übertragenen Sinne interpretiert, also dass bei Typhus die Sinne umnebelt sind.

Zurückzuführen ist diese Übersetzung auf die Symptome der Krankheit, die sich unter anderem in Benommenheit zeigen. Bei Typhus handelt es sich wie bei Cholera um eine Durchfallerkrankung.

Im Gegensatz zur Cholera ist allerdings nicht das Bakterium Vibrio cholerae, sondern ein anderes für die Erkrankung ursächlich. Ist von Typhus die Rede, ist meist Typhus abdominalis gemeint, auch als Bauchtyphus bekannt. Dieser wird durch das Bakterium Salmonella Typhi verursacht.

Der hingegen deutlich schwächer verlaufende Paratyphus wird vom Salmonella Paratyphi ausgelöst. Hierbei handelt es sich um eine Infektionskrankheit, die ähnlich wie der Typhus verläuft, aber dennoch von Ärzten unterschieden wird.

Hauptsächlich trifft die Krankheit Kinder im Alter zwischen fünf und zwölf Jahren. Sind Menschen in westlichen Industrienationen davon betroffen, dann haben sie sich meist in Urlaubsorten damit angesteckt. Tropische Länder, aber auch die Türkei, Indien, Bangladesch oder Pakistan verzeichnen hohe Erkrankungszahlen.

Typhus ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz meldepflichtig. Er tritt vor allem dort auf, wo die hygienischen Bedingungen schlecht sind:

  • Afrika
  • Südamerika
  • Südostasien

Wichtiger Hinweis

Nicht immer gibt es im Ausland vor Ort deutschsprachige Ärzte. Um Verwechslungen vorzubeugen, sollten Sie wissen, dass die deutsche Bezeichnung Typhus im Englischen anders verwendet wird. Gemeint ist damit das klassische Fleckfieber.

Die beiden Typhuserkrankungen Typhus abdominalis und Paratyphus werden im Englischen als typhoid fever beziehungsweise als paratyphoid fever bezeichnet.

Ursache und Übertragung der Erkrankung

Auslöser sowohl für Typhus als auch für Paratyphus sind Salmonellen. In seltenen Fällen kommen Fliegen oder Haustiere (Rinder) als Übertragungsweg infrage. Meist geschieht die Übertragung durch sogenannte Schmierinfektionen.

Der einzige Wirt für den Typhuserreger ist jedoch der Mensch. Durch mangelhafte Trennung von Trink- und Abwasser geraten Erreger vom Wasser zum Menschen und vom Menschen durch Urin- und Stuhlausscheidung wieder ins Wasser. In zwei bis fünf Prozent aller Fälle scheiden Infizierte auch nach überstandener Typhuserkrankung den Erreger aus.

Sie sind symptomfrei, scheiden aber noch sechs Monate später – in manchen Fällen sogar lebenslang – die Bakterien aus. Ursächlich dafür ist meist eine chronische Besiedlung des Darms oder der Gallenblase. Diese Dauerausscheider sind somit ebenfalls eine Infektionsquelle.

Die Zusammenhänge zwischen einer gut geregelten Kanalisation und aufbereitetem Trinkwasser erkannte man erst um die vorletzte Jahrhundertwende. Noch 1901 kam es in Gelsenkirchen zu einer Typhusepidemie, und auch heute sind Epidemien dort möglich, wo viele Menschen dem Erreger ausgesetzt sind und sich das Bakterium im Wasser verbreiten kann.

Der Hauptübertragungsweg von Typhus sind Lebensmittel. Betroffen sind Früchte und Gemüse, die mit kontaminiertem Wasser gewaschen oder zubereitet wurden. Auch der Einsatz von Fäkalien als Dünger stellt ein Risiko dar. Schalentiere, die aus mit Abwasser verunreinigten Regionen stammen.

Die Inkubationszeit beträgt bei…

  • Bauchtyphus (Typhus abdominalis) zwischen ein und zwei Wochen, allerdings sind erhebliche Schwankungen von zwischen drei und 60 Tagen möglich.
  • Paratyphus zwischen einem und zehn Tagen.

Symptome und Krankheitsverlauf von Typhus

Der klassische Krankheitsverlauf von Typhus lässt sich in vier Stadien abbilden:

  • Stadium prodromale

    Die Beschwerden sind noch unspezifisch; Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen, Halsschmerzen und Husten können auftreten.

  • Stadium incrementi

    Die Beschwerden werden charakteristisch und die Erkrankten leiden anfangs unter Verstopfung (Obstipation). Es folgen Appetitlosigkeit, zügiger Anstieg der Körpertemperatur auf 39 bis 41 Grad Celsius, allgemeines Krankheitsgefühl und Benommenheit.

  • Stadium acmes

    Für die nächsten drei Wochen haben die Erkrankten Fieber um die 40 Grad Celsius, keinen erhöhten Puls und schwerstes Krankheitsgefüh. Es kann zu einer Milzvergrößerung kommen. Am Oberkörper und der Bauchhaut tauchen sogenannte Roseolen auf, ein rötlicher Fleckenausschlag. Die Zunge ist grau-weiß belegt, Ränder und Zungenspitze belagfrei und gerötet (Typhuszunge). In der zweiten oder dritten Krankheitswoche treten erst die für Typhus typischen erbsenbreiähnlichen Durchfälle auf.

  • Stadium decrementi

    Diese Phase setzt nach drei bis vier Wochen ein. Es kommt zu stufenweisen Fieberabfall und Abnahme der Beschwerden. Je nach Krankheitsverlauf kann die dritte Phase frei von Durchfällen sein; stattdessen treten sie erst im fortgeschrittenen Stadium auf.

In der Folge kann es zu etlichen weiteren Komplikationen kommen:

  • Darmblutungen und Darmdurchbruch
  • Milzruptur
  • Entzündungen bei Hirnhaut, Herzmuskel, Bauchfell, Bauchspeicheldrüse, Gallenblase und Knochen
  • Thrombosen in den Becken- und Beinvenen
  • Embolien in der Lunge und anderen Organen

Feststellung und Therapie von Typhus

Da die Symptome zu Beginn recht unspezifisch sind, kann bei Typhus zunächst ein grippaler Infekt oder – bei Reisenden aus TropengebietenMalaria angenommen werden.

Der Nachweis für Typhus wird zumeist über eine Blutkultur (Anzeichen für Entzündung, geringe Anzahl an weißen Blutkörperchen, keine eosinophilen Blutkörperchen) erbracht. Proben aus Harn, Galle oder Stuhl sind selten, zumal Stuhlproben in den ersten Krankheitswoche noch unauffällig sind.

Die gute Nachricht: Die Sterblichkeitsrate liegt unter einem Prozent. Sowohl Typhus als auch Paratyphus lassen sich sehr gut behandeln, wenn sie frühzeitig erkannt werden. Wie bei jeder Erkrankung mit Durchfall ist es wichtig, den hohen Flüssigkeitsverlust schnellstmöglich auszugleichen.

Zum Einsatz kommen Medikamente mit Ciprofloxacin (nur für Erwachsene geeignet), Ceftriaxon, Cotrimoxazol und Amoxicillin. Diese Antibiotika sind meist gut verträglich und können als Tabletten genommen werden. Bei schwerem Krankheitsverlauf (der durchaus typisch ist) erfolgt die Behandlung im Krankenhaus unter Gabe besagter Antibiotika in Form einer Infusion.

Stellt sich ein Patient als Dauerausscheider heraus, kann die Entfernung der Gallenblase eine Option sein, da sich das Bakterium hier oft festsetzt. Aber auch sie werden zunächst mit Antibiotika behandelt.

Der durchschlagende Erfolg von Antibiotika zeigt, wie wichtig es ist, durch vernünftige Gabe und Einnahme weitere Resistenzen zu verhindern. Ohne Antibiotika kann Typhus tödlich enden; vor der Entdeckung starben zwischen zehn und zwanzig Prozent aller Betroffenen.

So können Sie Typhus vermeiden

Um eine Typhuserkrankung zu vermeiden, sind vor allem entsprechende Hygienemaßnahmen unerlässlich. Das schließt die Vermeidung von Leitungswasser in betroffenen Gebieten mit ein, ebenso eine gute Lebensmittel- und Küchenhygiene.

Für Nahrungsmittel gilt ein alter Tipp:

Peel it, cook it, or forget it!
Zu Deutsch: Schäle es, koche es oder vergiss es!

Nur so können Sie vermeiden, Erreger noch weiter zu verteilen und deren Vermehrung zu unterstützen.

So schützen Sie sich:

  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände mit Seife und vermeiden Sie den Kontakt mit den Schleimhäuten.
  • Verwenden Sie nur abgekochtes Wasser zum Trinken und Zähneputzen oder Trinkwasser.
  • Verzichten Sie auf Eiswürfel im Getränk.
  • Verzichten Sie auf Eis und rohe Speisen wie Salat, ungeschältes Obst (auch Fruchtsäfte!) oder Meeresfrüchte.
  • Vermeiden Sie das Baden in öffentlichen Schwimmbädern oder Flüssen.

Neben der Vorbeugung durch Hygienemaßnahmen besteht die Möglichkeit, sich gegen Typhus impfen zu lassen, dies gilt besonders bei Reisen in schwer betroffene Gebiete wie Entwicklungsländer und/oder Gebieten nach Katastrophen. Besonders dringend empfiehlt das Robert-Koch-Institut eine Impfung, weil sich in etlichen Endemiegebieten massive Antibiotikaresistenzen beobachten lassen.

Die Impfung gegen Typhus kann oral mit einem Lebendimpfstoff als magensaftresistente Kapsel oder als einmalige Injektion erfolgen. Impfschutz besteht dann bis zu drei Jahre.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informiert Sie nur allgemein. Er kann und soll eine medizinisch-ärztliche Beratung nicht ersetzen. Vor der Einnahme eines Medikamentes lesen Sie bitte die Packungsbeilage sorgfältig durch und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

[Bildnachweis: Kateryna Kon by Shutterstock.com]
28. Mai 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

Die Herbstlust-Redaktion besteht aus erfahrenen Autoren mit langjähriger Berufserfahrung. Trotz sorgfältiger Recherche erheben die Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informieren lediglich allgemein. Der vorliegende Artikel kann eine fachliche oder ärztliche Beratung nicht ersetzen.

Weiter zur Startseite