Veränderungen: So stellen Sie sich ihnen

Veränderungen sind Bestandteil unseres Lebens. Trotzdem fürchten wir uns häufig davor, möchten stattdessen lieber an Bewährtem festhalten.

Doch Veränderungen bieten auch immer Chancen und Möglichkeiten zur Weiterentwicklung. Wir beleuchten, warum vielen Menschen der Umgang mit Veränderungen so schwer fällt und zeigen Ihnen, wie Sie positiv damit fertig werden können.

Veränderungen: So stellen Sie sich ihnen

Warum sind Veränderungen so schwer?

Wir Menschen lieben es bequem. Das betrifft auch unseren Tages- und in gewisser Hinsicht unseren Lebensablauf. Ist dieser stets gleich und von festen Ritualen geprägt, fühlen wir uns sicher – so langweilig dies auch bisweilen erscheinen mag.

Doch andererseits: Wo wäre die Menschheit ohne Veränderungen? Ohne Entwicklungen? Einige sprechen salopp davon, dass wir in diesem Fall noch auf Bäumen leben würden. Doch dieser Gedanke, dass Veränderungen in der Geschichte zu wichtigen Prozessen geführt haben, ist für viele zu abstrakt für ihr persönliches Leben.

Die Kinder ziehen in eine andere Stadt und besuchen uns kaum noch, unsere körperliche Kraft lässt nach und wir wirken verwundbarer, die Vergesslichkeit nimmt zu, wir vermissen eine Aufgabe im Ruhestand und sind unzufrieden oder unser Partner will sich womöglich gar scheiden lassen – all dies sind Beispiele für Veränderungen, denen wir im Alter ausgesetzt sein können und die wir zunächst als wenig positiv betrachten.

Wenn wir solchen Veränderungen unfreiwillig gegenüber stehen, reagieren wir häufig ähnlich:

  1. Wir verneinen die Situation, weil nicht sein kann, was in unseren Augen nicht sein darf.
  2. Wir wehren uns gegen die Veränderung, weil wir nicht willens sind, eine neue Situation einfach so anzunehmen.
  3. Wir geraten in eine Krise, sobald wir merken, dass sich die Veränderung nicht anwenden lässt.
  4. Wir beginnen erst nach und nach uns mit der neuen Situation zu arrangieren und erkunden die neuen Möglichkeiten, wenn uns gar nichts anderes mehr übrig bleibt.
  5. Wir finden schließlich einen Weg, die neue Situation zu akzeptieren, haben aber dann bereits eine schwierige Zeit der Umstellung hinter uns gebracht.

Falls wir selbst eine Veränderung anstreben, beginnen wir meist bei Phase vier. Doch der eigene Antrieb dazu ist selten. Meist zeigt er sich erst dann, wenn unsere persönliche Situation so ausweglos erscheint, dass wir keinesfalls mehr an ihr festhalten möchten.

Doch warum erst dann? Ist es nicht sinnvoller, jeden Tag aufs Neue kleine Veränderungen anzustreben und auszuprobieren? Das mag so sein. Doch dafür, dass wir Veränderungen meiden und so lange es geht negieren, gibt es Gründe:

  • Wir haben Angst vor dem Unbekannten.
    In uns liegt der Trieb, unsere Art erhalten zu wollen. Auf bekannten Wegen hat das bislang gut funktioniert. Verlassen wir diese Pfade, wissen wir nicht, ob dies weiterhin so möglich sein wird. Diese Urangst, die tief in unserem Stammhirn verankert ist, lähmt uns auch im Alltag, selbst wenn zum Beispiel der Eintritt in den Ruhestand als Veränderung kaum unsere Arterhaltung gefährden dürfte. Aber es ist eine neue, unbekannte Situation, an die wir uns erst gewöhnen müssen.
  • Wir fühlen uns unseres Einflusses beraubt.
    Viele Veränderungen können wir nicht oder nur sehr bedingt steuern: die Digitalisierung, die zunehmende Schnelllebigkeit der Gesellschaft, der Klimawandel, eine Pandemie. Aber auch Veränderungen im kleinen Rahmen geschehen meist gegen unseren Willen: eine Entlassung, der Tod eines geliebten Menschen, eine Erkrankung, eine Scheidung. Wir fühlen uns hilflos und ausgeliefert. Und weil negative Ereignisse besser im Gedächtnis bleiben als positive oder neutrale, assoziieren wir Veränderungen automatisch mit etwas Schlechtem.
  • Wir streben nach Sicherheit.
    Wir lieben es, wenn wir den Eindruck haben, dass wir alles im Griff hätten. Rituale vermitteln uns diese vermeintliche Sicherheit. Doch sobald wir merken, dass alle Pläne, die wir im Leben haben, mit einem Mal Makulatur werden, sind wir dieses Sicherheitsgefühls beraubt. Die Unsicherheit der Zukunft auszuhalten, fällt uns schwer.

Was ist gut an Veränderungen?

Veränderungen sind nicht grundsätzlich gut oder schlecht. Das können sie auch gar nicht sein. So wie jede Medaille zwei Seiten hat, bringt auch jede Veränderung Chancen und Risiken mit sich. Doch aufgrund unserer Urängste (aber auch der gesellschaftlichen Erziehung) haben wir meistens nur den Blick auf die Gefahren.

Darum ist es wichtig, unsere Perspektive ganz gezielt auch auf die Möglichkeiten zu richten, die jede Veränderung sowohl kurz- aber insbesondere langfristig mit sich bringt. Denn fragen Sie sich selbst: Was hilft mir jetzt für meine Zukunft am meisten – das Hadern oder das Akzeptieren der neuen Situation? Es geht darum, zu ergründen, welche Chancen sich nun bieten. Dies geht zum Beispiel mit folgenden Fragen:

  • Welche neuen Freiheiten habe ich nun?
  • Was von dem, was ich schon immer wollte, kann ich nun besser umsetzen?
  • Welche neuen Bekanntschaften bringt die Veränderung mit sich?
  • Was sind meine (neuen) Lebensziele? Wie kann ich diese verwirklichen?
  • Wofür bin ich dankbar und was kann ich daraus für die veränderte Situation herleiten?
  • Wie habe ich bislang in meinem Leben Veränderungen gut bewältigt?
  • Wie werde ich wohl in einem Jahr auf die jetzige Situation zurückblicken?
  • Wer kann mich in der momentanen Lage unterstützen? Wen kann ich um Hilfe bitten?
  • Wie sind andere Menschen in meiner Umgebung mit Veränderungen umgegangen? Was hat ihnen geholfen?

So können Sie mit Veränderungen besser fertig werden

Der Wechsel der Perspektive auf die Chancen einer neuen Situation und die obigen Fragen können schon stark dabei helfen, mit Veränderungen besser fertig zu werden. Doch bislang bewegen wir uns damit noch rein auf der rationalen Ebene. Um wirklich dauerhaft einen neuen Lebensabschnitt annehmen zu können, gibt es noch weitere hilfreiche Tipps:

  • Lassen Sie Ihre Emotionen zu. Verdrängen Sie Ihre Wut, Ihre Angst und Ihre Trauer nicht. Sie sollten sich zwar nicht ausschließlich darauf konzentrieren, aber sie andererseits auch nicht unter den Teppich kehren.
  • Gönnen Sie sich eine Auszeit. Tiefgreifende Veränderungen benötigen Zeit und Ruhe, um sie zu verarbeiten – das geht nicht von Jetzt auf Gleich. Ein räumlicher und gedanklicher Abstand kann bei diesem Prozess helfen.
  • Öffnen Sie sich innerlich. Fokussieren Sie sich nicht ausschließlich auf die Veränderung, sondern üben Sie sich in Gelassenheit. Meditation oder Entspannungsübungen können Ihnen dabei helfen.
  • Eine Veränderung betrifft selten das komplette Leben. Es gibt nach wie vor noch Sicherheiten, die Sie dabei unterstützen, das Neue besser zu akzeptieren: Hobbys, Familie, Freunde
  • Lassen Sie Ihre Träume zu. Schöne Gedankenspiele und Fantasie geben uns Hoffnung. Tun Sie diese Phasen daher nicht als unrealistisch ab.

Warum der ausschließlich negative Blick auf Veränderungen schadet

Wer stets seinen Blick nur auf das Negative legt, die eine Veränderung mit sich bringen könnte, tut sich und seiner Umwelt keinen Gefallen. Denn das ständige Schwarzsehen ist nicht nur ansteckend und verbreitet eine negative Stimmung, sondern macht dadurch auch auf Dauer einsam. Niemand will es gerne mit einem schlecht gelaunten Menschen zu tun haben. Die Folge ist ein Teufelskreis, denn die Welt wird nun als noch schlechter betrachtet – der Schwarzseher fühlt sich bestätigt.

Dabei sind die Dinge oft nicht so schlimm, wie sie auf den ersten Blick erscheinen. Doch der ausschließlich negative Blick verhindert Ihre Kreativität, das Beste aus der Situation zu machen. Sie bleiben gewissermaßen zwischen Phase zwei und Phase drei im oben erwähnten Veränderungsprozess stecken.

Doch Sie können diese negative Gedankenspirale durchbrechen:

  • Umgeben Sie sich mit Menschen, die Sie glücklich machen und die Ihnen ein Lächeln auf das Gesicht zaubern können.
  • Machen Sie sich bewusst, was Sie im Leben bereits alles Positive erreicht haben und wozu Sie bereits fähig waren.
  • Vergessen Sie das Streben nach Perfektion und erfreuen Sie sich daran, dass die Zukunft noch nicht geschrieben ist und Sie daran mitwirken und sich ausprobieren können.
  • Versuchen Sie es mit schwarzem Humor. Dies schafft Distanz und offenbart oftmals die Absurdität der negativen Gedanken.

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1. November 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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