Verhinderungspflege: Definition, Voraussetzung, Dauer

Viele Angehörige übernehmen – falls dies möglich ist – die Pflege, beispielsweise der eigenen Eltern. Ist dies für einen gewissen Zeitraum nicht möglich, kann die sogenannte Verhinderungspflege in Anspruch genommen werden. So ermöglicht die Verhinderungspflege Auszeiten für pflegende Angehörige. Doch sind damit immer auch Fragen und Unsicherheiten verbunden – schließlich möchte man die eigenen Angehörigen weiterhin gut versorgt wissen. Wie lange kann beispielsweise eine Verhinderungspflege in Anspruch genommen werden und bis zu welcher Höhe können Leistungen für Verhinderungspflege von der Pflegekasse übernommen werden? Hier erhalten Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen und alle Informationen, die Sie zur Verhinderungspflege wissen sollten…

Verhinderungspflege: Definition, Voraussetzung, Dauer

Definition: Was ist Verhinderungspflege?

Wenn von der Pflege Alter oder pflegebedürftiger Menschen gesprochen wird, können damit zunächst viele unterschiedliche Formen gemeint sind. So kann die Altenpflege beispielsweise stationär oder teilstationär in einem Alten- oder Pflegeheim stattfinden oder als häusliche Pflege in den eigenen vier Wänden der zu betreuenden Person erfolgen. Noch einmal wird dann unterschieden, ob Angehörige, Freunde oder Bekannte die Pflege übernehmen oder ob diese durch einen ambulanten Pflegedienst übernommen wird.

Die Verhinderungspflege kann im letzten Fall relevant werden. Findet die Pflege in der Regel durch Angehörige oder andere private Pflegepersonen statt, kann es verschiedene Gründe und Situationen geben, warum dieser der Betreuung nicht nachkommen können.

  • Die Pflegeperson wird selbst krank und kann deshalb keine Pflege leisten.
  • Die Pflegeperson verreist in den Urlaub und ist für eine gewisse Zeit nicht vor Ort.
  • Die Pflegeperson ist aus anderen privaten Gründen verhindert…
    • Ein Termin, der wahrgenommen wird.
    • Berufliche Gründe.
    • Weiterbildungen oder Informationen zur Pflege.
    • Wunsch nach einer Auszeit und eigener Erholung.

Der genaue Grund spielt letztlich für die Verhinderungspflege keine Rolle. Es ist nicht zwingend erforderlich, dass dieser für den Antrag auf angegeben wird.

Die Verhinderungspflege kann immer dann in Anspruch genommen werden, wenn angemeldete, private Pflegepersonen, die ansonsten die Pflege und Betreuung einer Person übernehmen, für einen vorübergehenden Zeitraum verhindert sind. Es wird deshalb auch von Ersatzpflege, Urlaubsvertretung oder Krankheitsvertretung gesprochen.

In der Verhinderungspflege wird die Pflege von einer anderen Person übernommen und die Pflegeversicherung kann Kosten übernehmen, die dadurch verursacht werden.

Den Antrag für Verhinderungspflege stellen Sie bei Ihrer zuständigen Pflegekasse. Es empfiehlt sich ein Vorgespräch, um noch einmal die genauen Bedingungen, Leistungen und die Dauer der Verhinderungspflege zu besprechen. Es ist aber auch möglich, einen Antrag auf Verhinderungspflege rückwirkend zu stellen.

Wer übernimmt die Verhinderungspflege?

Es gibt keine genauen Vorgaben, wer die Verhinderungspflege übernehmen muss – letztlich können Sie sich als pflegender Angehöriger somit zwischen verschiedenen Optionen entscheiden. Wichtig ist dabei natürlich immer, dass die benötigte Pflege und Betreuung auch innerhalb der Verhinderungspflege sichergestellt und über den gesamten Zeitraum gewährleistet ist. Bei der Auswahl sollten Sie sich somit überlegen, ob die Person, die Sie mit der Aufgabe betrauen, auch dafür qualifiziert ist.

Ausschlaggebend ist deshalb auch die Art der Pflege, die benötigt wird. Während es für einfache Pflegeaufgaben wenig Vorkenntnisse braucht, können für andere Bereiche professionelle Pflegekräfte benötigt werden.

Häufig werden deshalb für die Verhinderungspflege ambulante Pflegedienste beauftragt. Diese kann für die Zeit der Verhinderungspflege einen Mitarbeiter zur Verfügung stellen, der sich um die zu pflegende Person kümmert und alle notwendigen Pflegemaßnahmen übernimmt.

Eine Verhinderungspflege muss aber nicht zwangsläufig über eine professionellen Pflegedienst erfolgen, auch wenn dies in der Praxis eine gern genutzte Option ist. So können beispielsweise auch andere Familienangehörige für die Verhinderungspflege einspringen. Ein simples Beispiel: Ist im Normalfall der Sohn für die Pflege der Eltern verantwortlich, kann für die Zeit, in der dieser verreist ist, die Tochter die Verhinderungspflege übernehmen.

Gleiches gilt für Freunde oder Bekannte, die sich bereit erklären, die Verhinderungspflege zu übernehmen.

Voraussetzungen für Anspruch auf Verhinderungspflege

Durch die Verhinderungspflege sollen pflegende Privatpersonen – also insbesondere die Angehörigen, die diese Aufgabe oftmals übernehmen – entlastet werden. Dank der Möglichkeit, die eine Verhinderungspflege bietet, haben sie eine größere Flexibilität und auch eine Absicherung, wenn sie selbst der Pflege nicht nachkommen können.

Allerdings gibt es einige Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit ein Anspruch auf Verhinderungspflege und die damit verbundene Kostenübernahme durch die Pflegekasse bestehen kann. Diese sind:

  • Private, nicht erwerbsmäßige Pflege

    Eine Verhinderungspflege kann nur in Anspruch genommen werden, wenn die bisherige Pflege durch eine private, nicht erwerbsmäßige Pflegeperson erfolgt ist. Das umfasst vor allem Angehörige, aber auch Freunde, Bekannte, Nachbarn oder Ehrenamtliche, die sich um eine zu pflegende Person kümmern. Wird die Pflege bereits erwerbsmäßig, etwa durch einen ambulanten Pflegedienst, erbracht, ist keine Verhinderungspflege möglich.

  • Pflegegrad

    Im Jahr 2017 wurde das bisherige System der Pflegestufen durch die neueren Pflegegrade ersetz. Diese sind auch für die Verhinderungspflege relevant: Erst ab Pflegegrad 2 kann ein Anspruch auf Verhinderungspflege bestehen, wird nur ein Pflegegrad 1 festgestellt, wird keine Verhinderungspflege gewährt.

  • Bisherige Pflegedauer

    Verhinderungspflege kann nicht sofort zu Beginn der Pflege beantragt werden. Es muss zuvor bereits mindestens sechs Monate lang eine Pflege durch die private Pflegeperson stattgefunden haben.

Leistungen: So hoch ist die Verhinderungspflege

In der Verhinderungspflege werden Kosten durch die Pflegekasse übernommen. Allerdings sind die Leistungen begrenzt, es werden also nicht unbegrenzt Maßnahmen bezahlt und Kosten übernommen. Grundsätzlich gilt dabei: Die Pflegekasse übernimmt Kosten der Verhinderungspflege bis zu einem Höchstbetrag von 1.612 Euro pro Kalenderjahr.

Anders als bei Pflegegeld und Pflegesachleistungen ist der Pflegegrad für die maximale Höhe der Leistungen in der Verhinderungspflege zunächst irrelevant. Ab einem Pflegegrad von 2 kann ein Höchstbetrag von 1.612 Euro jährlich übernommen werden, dies gilt für alle Pflegegrade von 2 bis 5.

Dieser maximale Satz in der Verhinderungspflege gilt jedoch nur, wenn die Ersatzpflege durch Personen übernommen wird, die mit der pflegebedürftigen Person nicht bis zum zweiten Grad verwandt oder verschwägert sind und nicht in einer häuslichen Gemeinschaft mit dieser Wohnen. Er greift also beispielsweise für ambulante Pflegedienste, aber auch Freunde, Bekannte und entferntere Verwandte ab dem dritten Verwandtschaftsgrad.

Übernimmt ein naher Angehöriger oder eine Person aus der häuslichen Gemeinschaft die Verhinderungspflege, beschränken sich die Leistungen der Pflegekasse grundsätzlich auf das 1,5fache des Pflegegeldes. Hier spielt der Pflegegrad dann also doch eine Rolle. In Pflegegrad 3 gibt es beispielsweise 545 Euro Pflegegeld – für die Verhinderungspflege bedeutet dies, dass der Betrag grundsätzlich 817,50 Euro nicht überschreiten darf.

Auch in diesem Fall der Verhinderungspflege können die Leistungen jedoch aufgestockt werden, wenn der Ersatz-Pflegeperson nachweislich notwendige Aufwendungen und Kosten entstehen. Dabei kann es sich beispielsweise um Fahrtkosten oder Verdienstausfall handeln, um der Verhinderungspflege nachzukommen. Ist dies gegeben, kann der 1,5fache Betrag des Pflegegeldes bis auf die Maximalleistung von 1.612 Euro aufgestockt werden.

Zusätzlich kann der Betrag für die Verhinderungspflege mit einem Teil der Leistungsbeträge für Kurzzeitpflege verrechnet werden. Konkret bedeutet das: Hat der Pflegebedürftige im Kalenderjahr noch keine Kurzzeitpflege in Anspruch genommen, können 50 % des Betrags für die Kurzzeitpflege auf die Verhinderungspflege angerechnet werden.

Daraus resultiert ein neuer Maximalbetrag von bis zu 2.418 Euro (1.612 Euro plus 806 Euro) für die Verhinderungspflege.

Maximale Dauer der Verhinderungspflege

Wichtig zu beachten ist: Die Verhinderungspflege ist als Ersatz für einen vorübergehenden und kurzfristigen Ausfall der vorhandenen Pflege durch eine Privatperson gedacht. Es ist keine Dauerlösung, sondern eine Hilfe bei vorübergehenden Verhinderung.

Die maximale Dauer für eine Verhinderungspflege beträgt sechs Wochen, also 42 Tage im Kalenderjahr. Diese müssen nicht am Stück genommen werden, sondern können in kleinen Teilen genutzt werden.

Sie können Wochen, Tage oder auch nur stundenweise Verhinderungspflege in Anspruch nehmen. So können Sie die Verhinderungspflege bestmöglich an Ihre persönliche Situation anpassen.

Sind Sie für zwei Wochen verreist, können Sie am Stück zwei Wochen Verhinderungspflege beantragen – können Sie nur an einem Vormittag nicht der Pflege nachkommen, können Sie beispielsweise für 4 Stunden einen ambulanten Pflegedienst nutzen und dies als Verhinderungspflege bei der Pflegekasse melden.

[Bildnachweis: Halfpoint by Shutterstock.com]
12. Mai 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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