Versöhnung: Sprüche, Tipps & Vorteile

Auf Streit folgt Versöhnung – so jedenfalls erklärt man es schon Kindern. Denn sich nicht zu vertragen kann böse Folgen haben: Menschen bleiben zerstritten, im schlimmsten Fall verstirbt der eine und Dinge bleiben ungeklärt. Damit sich Konflikte lösen lassen, muss einer dem anderen vergeben. Und das hat viele Vorteile. Welche das sind und warum es nachteilig ist, unversöhnlich zu bleiben, erklären wir hier…

Versöhnung: Sprüche, Tipps & Vorteile

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Was bedeutet Versöhnung?

Versöhnung bedeutet, dass zwei Menschen – oder Konfliktparteien – aufeinander zugehen. Sie tun dies in der Überzeugung, ihr Verhältnis zum Besseren zu wenden. Vergangene Verletzungen, Demütigungen und Schäden sollen vergeben und vergessen sein. Zumindest wollen beide Seiten einander verzeihen: Denn das ist die Grundlage für eine friedliche Zukunft.

Der Begriff Versöhnung leitet sich vom mittelhochdeutschen versühnen ab, was so viel wie „einen Streit zwischen Gegnern schlichten“ oder „Frieden zwischen sich und anderen stiften“ bedeutet. Dieser Gedanke spielt eine wichtige Rolle in der Kirche. Nach christlicher Überzeugung hat der Tod Jesu die Versöhnung mit Gott ermöglicht. Zuvor war das Verhältnis zwischen der Menschheit und Gott durch den Sündenfall gestört.

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Versöhnung nach Streit

Die goldene Regel, die garantiert immer funktioniert, gibt es leider nicht. Zu verschieden sind die Anlässe für Streit und zu unterschiedlich die Beteiligten: Im Idealfall gehen beide aufeinander zu. Das funktioniert in der Praxis aber nicht immer. Das können Sie tun, um sich nach dem Streit zu versöhnen:

1. Nehmen Sie sich Zeit

Um einen Streit zu klären, sollten Sie sich genügend Zeit nehmen. Wer ohnehin schon unter Stress steht und zwischen Tür und Angel den Konflikt lösen will, wird der Sache nicht gerecht. Die Konzentration fällt schwer und ein negativer Ausgang ist dann schon abzusehen. Deshalb kann es auch sinnvoll sein, nicht unmittelbar nach einem Streit Klärung zu wollen, sondern sich erst einmal zu beruhigen.

2. Erkennen Sie Ihren Anteil

Nie ist nur eine Seite Schuld am Konflikt. Den eigenen Anteil daran zu erkennen, ist ein wichtiger Schritt zur Aussöhnung. Überlegen Sie, wie es dazu beigetragen hat und was Sie beim nächsten Mal besser machen könnten. Ebenso gut, wenn Ihr Partner/Gegenüber Kritik an Ihnen äußert: Reflektieren Sie ernsthaft, was daran ist und ändern Sie Ihr bisheriges Verhalten. So zeigen Sie, dass es Ihnen mit einer Versöhnung ernst ist.

3. Hören Sie zu

Dieser Aspekt fällt besonders dann schwer, wenn die andere Seite unfaire Beschuldigungen vorbringt: In dem Fall wollen wir sofort ins Wort fallen. Wichtig aber, dass Sie den anderen dennoch ausreden lassen – manchmal hilft das sogar, einen zunächst falschen Eindruck geradezubiegen. Und: Sie wollen ja ebenso ausreden dürfen.

4. Formulieren Sie Ich-Botschaften

Bei Streitigkeiten neigen viele Menschen dazu, ihrem Gegenüber pauschale Aussagen und Du-Botschaften an den Kopf zu werfen: „Du bringst nie den Müll herunter!“ Oder: „Immer lässt Du Deine Sachen herumliegen!“ Solche Formulierungen sind Gift für eine Versöhnung, denn sie sind unfair treiben den anderen in die Defensive. Besser sind Ich-Botschaften: „Ich fühle mich überfordert, weil ich neben dem Job auch noch den Müll heruntertragen und aufräumen muss.“

5. Verzeihen Sie dem anderen

Zur Versöhnung gehört, das eigentliche Vergehen und böse Worte, die vielleicht im Streit gefallen sind, zu verzeihen. Das bedeutet, dass Sie Ihrem Gegenüber nicht bei nächster Gelegenheit diese Dinge vorhalten. Feiern Sie stattdessen lieber Ihre Aussprache und besiegeln Sie erneut Ihre Freundschaft oder Liebe.

Wann ist die Beziehung gescheitert?

Zu einem Streit gehören mindestens zwei, zur Versöhnung aber auch: Nicht zu retten ist die Beziehung, wenn Sie als einzige(r) das Gespräch suchen, Ihr Gegenüber sich aber verweigert. In einigen Fällen sind die Fronten auch derart verhärtet, dass das Gespräch zu keinerlei Klärung beiträgt. Wenn eine Seite jedoch nicht verzeihen kann, bleiben die Bemühungen ebenfalls fruchtlos.

In manchen Fällen mag es dann helfen, eine Auszeit von der Freundschaft zu nehmen, sie ruhen zu lassen.


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Welche Vorteile hat es, sich zu versöhnen?

Für einige mag hin und wieder ein Streit in der Beziehung das Salz in der Suppe sein. Viele Menschen verspüren jedoch ein großes Harmoniebedürfnis. Sie stresst womöglich bereits die Arbeit oder sie haben andere „Baustellen“. Da brauchen sie nicht noch zusätzliche Konflikte – sei es mit dem Partner, den Nachbarn oder den eigenen Kindern.

Und sich zu versöhnen, hat viele Vorteile:

  • Innere Ruhe

    Versöhnung verschafft Frieden und innere Ruhe. Statt sich immer wieder mit einer Sache auseinandersetzen zu müssen, kann man sie ein für alle Mal abhaken. Das ist besonders dann wichtig, wenn Sie einer Person nicht aus dem Weg gehen können (oder wollen) – etwa dem Partner, nahen Verwandten oder Kollegen.

  • Bessere Gesundheit

    Schwelende Konflikte beschäftigen sogar unterbewusst und greifen Ihr Immunsystem an. Wer nicht vergibt, hat häufiger Last mit Entzündungen und Herz-Kreislaufkrankheiten wie Bluthochdruck. Umgekehrt trägt Versöhnung dazu bei, genau solche Risiken abzuwehren. Negative gesundheitliche Folgen: Keine.

  • Positive Zukunftsorientierung

    Versöhnung bedeutet nicht zwangsläufig, dass Sie vergessen, was passiert ist. Und dennoch hilft es dabei, sich auf neue Dinge zu konzentrieren. Wer nachtragend ist, bleibt gedanklich Vergangenem verhaftet. Wer sich versöhnt, richtet den Blick in die Zukunft.

Hinzu kommt: Ungelöste Konflikte können noch weitere Kreise ziehen. Manch einer versucht, mit Alkohol oder anderen Suchtmitteln seine Unausgeglichenheit zu betäuben. Und nicht selten bekommt auch das Umfeld die eigene Unzufriedenheit zu spüren. Hier liegt dann unter Umständen neues Konfliktpotenzial.

Warum das Versöhnen schwerfällt

Oft fällt es anderen Menschen schwer, sich mit der Person zu versöhnen. Es sind vor allem zwei Gründe, die dazu beitragen:

  • Stolz
    Manch einer kann seine eigenen Fehler nicht zugeben. Das Eingeständnis käme einem derartigem Gesichtsverlust gleich, dass sie es vorziehen, darüber zu schweigen.
  • Irrtum
    Viele Menschen glauben, indem sie dem anderen entgegenkommen und die Entschuldigung annehmen, würden sie den ursprünglichen Schaden gutheißen.

Dabei geht es beim Verzeihen nicht darum, dem anderen einen Freibrief für zukünftige Vergehen zu erteilen. Es geht vielmehr darum, eigenen Frieden zu finden.

Sprüche zu Streit und Versöhnung

  • „Liebe ist nicht vom ersten Tag da. Sie wächst mit jedem Kuss, mit jeder Berührung, mit jedem Streit und mit jeder Versöhnung.“
  • Jeder ernstliche Kampf findet seine Versöhnung. Nur die Lüge, die innere Unwahrheit, ist zur ewigen Qual verdammt.“ (Friedrich Wilhelm Joseph Schelling)
  • „Es ist leichter, das letzte Wort zu haben, als den ersten Schritt zu tun.“ (Ernst Reinhardt)
  • „Ganz gleich wie beschwerlich das Gestern war, stets kannst du im Heute von Neuem beginnen.“ (Buddha)
  • „Nichts ziemt einem großen und berühmten Manne mehr als Versöhnlichkeit und Milde.“ (Marcus Tullius Cicero)
  • „Eigentlich geht es oftmals nicht ums Trennen oder Loslassen, sondern viel mehr ums Verstehen und Versöhnen.“
  • „Das Mittel gegen Unversönlichkeit ist: Fühle nie im Herzen dich beleidigt!“ (Leopold Schefer)
  • „Versöhnt man sich, so bleibt doch etwas hängen.“ (Johann Wolfgang von Goethe)
  • „Gott rechnet den Menschen ihre Sünden nicht mehr an. Das ist die herrliche Botschaft der Versöhnung.“ (2.Korinther 5,19)
  • „Eine zweite Chance bringt nur dann etwas, wenn du verstanden hast, warum es beim ersten Mal nicht geklappt hat.“
  • „Ich weiß nicht, ob jeder Streit sein muss. Aber du bist mir jede Versöhnung wert.“

Formen des Versöhnens

Streiten sich zwei Menschen, kann eine Versöhnung recht unkompliziert ablaufen: Partner oder Freunde umarmen sich wieder, Kinder geben sich die Hand. Nicht immer läuft die Konfliktlösung so einfach ab. Manchmal wurde einfach zu viel Porzellan zerschlagen. Im deutlich größeren Stil laufen Versöhnungsgesten und -bemühungen in der Politik ab: Angesichts massiver Menschenrechtsverletzungen und Völkermorde kommen hier ganze Versöhnungskommissionen zum Einsatz.

Grundgedanke der Versöhnung ist, dass derjenige, der Unrecht begangen hat, seine Schuld durch Wiedergutmachung abträgt, also Sühne tut. Auch eine Strafe und die Bitte um Vergebung kann dazu beitragen. Zur Konfliktlösung zwischen Bevölkerungsteilen oder Staaten reicht das oft nicht. Hier kommen zusätzlich Amnestie, Schuldenerlass oder Reparationszahlungen zum Tragen.


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[Bildnachweis: Krakenimages.com by Shutterstock.com]

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