Vollmacht schreiben: Aufbau, Übersicht, Mustervorlage

Wer körperlich oder geistig nicht mehr zu hundert Prozent in der Lage ist, bestimmte Rechtsgeschäfte zu erledigen oder wem schlichtweg die Zeit dazu fehlt, kann für diese Tätigkeiten und Aufgaben eine Vollmacht schreiben. Dabei wird eine andere Person beauftragt, in Ihrem Namen gewisse Handlungen zu vollziehen. Doch wie kann man eine solche Vollmacht schreiben? Wie muss diese genau aussehen und welche Arten von Vollmachten gibt es überhaupt? Wir haben uns das Thema für Sie genauer angesehen…

Vollmacht schreiben: Aufbau, Übersicht, Mustervorlage

Definition: Was ist eine Vollmacht?

Vollmachten stellen rein rechtlich eine einseitige Willenserklärung dar, mit der eine Person (der sogenannte Vollmachtgeber) eine andere (den sogenannten Bevollmächtigten) damit beauftragt, ein Rechtsgeschäft in seinem Namen durchzuführen.

Vollmachten werden in vielerlei Bereichen vergeben, sei es privat oder geschäftlich. Das reicht von den Vollmachten, die man beim Kauf des neuen Wagens dem Händler erteilt, um beim zuständigen Amt das alte Auto abmelden zu können beziehungsweise um die neue KFZ-Zulassung vorzunehmen, über Vollmachten für die Bank oder der AOK (beziehungsweise anderer Krankenkassen) bis hin zur Prokura.

Auch wer ein Paket nicht annehmen oder abholen kann, hat die Möglichkeit, einem Nachbarn dafür eine Vollmacht auszustellen. Andere Beispiele sind, ein Arzt, der bevollmächtigt wird, bestimmte Untersuchungstermine in einem Krankenhaus für einen zu vereinbaren oder ein Verwandter, den Sie zu einer Wohnungsübergabe bevollmächtigen, wenn Sie selbst nicht vor Ort sein können.

Eine Vollmacht kann sowohl mündlich als auch schriftlich erteilt werden. Aus Gründen der Beweisführung sollte der Vollmachtgeber dem Bevollmächtigten jedoch eine Vollmacht schreiben. Dadurch werden auch Missverständnisse vermieden und der Umfang der Tätigkeiten ist klar umrissen.

Von Vollmachten ausgeschlossen sind die sogenannten höchstpersönlichen Rechtsgeschäfte, die nicht übertragbar sind und nur – wie der Begriff verdeutlicht – persönlich vorgenommen werden können. Dazu zählen zum Beispiel die Arbeitspflicht oder die Testamentserstellung.

Ebenfalls dürfen Bevollmächtigte ihre Stellung nicht ausnutzen, um für die andere Person Geschäfte mit sich selbst abzuschließen. In § 181 des Bürgerlichen Gesetzbuches wird hierzu das Selbstkontrahierungsverbot geregelt. Eine Vollmacht kann also nie dazu ausgenutzt werden, dem Vollmachtgeber vorsätzlich zu schaden.

Wie kann man eine Vollmacht schreiben?

Wer eine Vollmacht schreiben will, muss diese zunächst selbst verfassen. Dafür bedarf es jedoch bis auf wenige Ausnahmen keiner Anwesenheit eines Notars oder eines Anwalts – eine Vollmacht kann formlos und sogar handschriftlich ausgestellt werden.

Sie müssen lediglich den Bevollmächtigten deutlich benennen und die Tätigkeit(en) klar umreißen und mitunter beschreiben, die er in Ihrem Namen erledigen soll. Dies sollte so konkret wie möglich passieren.

Zudem sollte in der Vollmacht ein Zeitraum angegeben werden, wie lange diese gilt. Möchten Sie eine unbefristete Vollmacht schreiben, sollten Sie dies ebenso erwähnen, in dem Sie die „Vollmacht bis auf Widerruf“ aussprechen.

Jede schriftliche Vollmacht muss zwingend vom Vollmachtgeber unterschrieben werden. Aus Gründen der Nachvollziehbarkeit sollte sie zudem mit dem Datum und dem Ort der Ausstellung versehen sein.

Wie ist eine Vollmacht aufgebaut?

Wenn Sie sicher gehen möchten, dass Sie nichts vergessen, wenn Sie eine Vollmacht schreiben, sollten Sie nach folgender Checkliste vorgehen. Diese Bestandteile sollten in einer Vollmacht vorkommen:

  • Vor- und Zuname, Anschrift und Geburtsdatum /-ort des Vollmachtgebers sowie des Bevollmächtigten
  • Personalausweisnummer des Bevollmächtigten
  • Umfang der Vollmacht und ausführliche, genaue Nennung der Aufgaben
  • Abgrenzung und Ausschluss ausdrücklich nicht genehmigter Tätigkeiten
  • Gültigkeitsdauer
  • Datum, Ort und eigenhändige Unterschrift

Gerade bei den Aufgaben ist es wichtig, dass Sie diese nicht zu allgemein formulieren. Die meisten Probleme bei Vollmachten ergeben sich, wenn die Vollmachten nicht konkret genug beschreiben, um welche Tätigkeiten und insbesondere um welchen Geltungsbereich es sich genau handelt.

Es ist schon oft vorgekommen, dass der Bevollmächtigte davon ausgeht, mehr Kompetenzen zu haben, als ihm tatsächlich eingeräumt werden wollte. Wenn auch noch offizielle Stellen zu diesem Ergebnis kommen, kann das unter Umständen Nachteile für Sie haben. Formulieren Sie die Vollmacht daher so konkret wie möglich, legen Sie auch Ausnahmen fest und vermeiden Sie zu allgemeine Aussagen.

Vollmacht schreiben: Mustervorlage zum Download

Um solche Missverständnisse zu vermeiden haben wir für Sie eine Vorlage zum Download bereitgestellt. Dieses Muster bietet Ihnen die Möglichkeit, für unterschiedliche Tätigkeiten eine Vollmacht zu schreiben, ohne dass Sie etwas vergessen.

Zum einen haben wir für Sie eine PDF-Datei als Vorlage zum Ausdrucken und handschriftlichen Ergänzen, zum anderen aber auch ein Muster im Word-Format, das sie individuell an Ihrem Computer bearbeiten und angleichen können.

Hier geht es zum Download im PDF-Format

Hier geht es zum Download der Word-Datei

Vollmacht schreiben: Welche Vollmachten gibt es?

Im Berufsleben gibt es eine Reihe unterschiedlicher Vollmachten. Aber auch im privaten Bereich sind verschiedene Typen von Vollmachten voneinander zu unterscheiden. Die folgende Übersicht soll Ihnen einen groben Überblick vermitteln:

  • Generalvollmacht

    Eine Generalvollmacht ermöglicht es den Bevollmächtigten Ihre Belange in fast allen Bereichen zu vertreten, also sowohl finanziell als auch persönlich. Da sie so umfangreich ist, sollten Sie mit einer Ausstellung sehr zurückhaltend sein und nur Personen Ihres engsten Vertrauens mit einer solchen Vollmacht ausstatten. In seltenen Fällen werden auch gesetzlichen Betreuern seitens des Betreuuungsgerichtes solch eine Generalvollmacht ausgestellt.

  • Vorsorgevollmacht

    Bei schwerwiegenden gesundheitlichen Problem oder hohem Alter werden häufig Vorsorgevollmachten erteilt. Mit diesen kann der Bevollmächtigte im Namen des Vollmachtgebers Geschäfte vornehmen und Erklärungen abgeben. Die genaue Gestaltung und damit die konkreten Rechtsgeschäfte, die in der Vollmacht enthalten sind, können individuell unterschiedlich sein und sollten gut überlegt werden. Stellen Sie eine Vorsorgevollmacht daher besser rechtzeitig aus, solange Sie geschäftsfähig sind. Bedenken Sie: Nahe Verwandte erhalten nicht automatisch die Vorsorgevollmacht, wenn diese vorher nicht explizit geregelt wurde. Näheres erfahren Sie in unserem Artikel über die Vorsorgevollmacht.

  • Patientenverfügung

    Mit einer Patientenverfügung regeln Sie Ihre Behandlung, wenn Sie dies aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr selbst äußern können. Alle wichtigen Details und wie eine solche Vollmacht aussehen soll, können Sie zusammen mit einer Muster-Vorlage in unserem Artikel über die Patientenverfügung finden.

  • Bankvollmacht

    Wer die finanziellen Angelegenheiten und die Bankgeschäfte von einer vertrauenswürdigen Person erledigen lassen möchte, muss eine Bankvollmacht ausstellen. Diese wird meist gemeinsam direkt in der Filiale der Bank eingerichtet – hier ist besonders wichtig, dass sowohl Vollmachtgeber als auch Bevollmächtigter anwesend sind, da sich beide ausweisen müssen und die Vollmacht zudem von beiden unterschrieben werden muss. Die Bankvollmacht erlaubt den Zugriff und die Kontrolle von Konten und Schließfächern, die bei einer Bank vorhanden sind. Allerdings gibt es hier bestimmte Beschränkungen, so kann der Bevollmächtigte ein Konto nicht überziehen oder dieses auf seinen Namen überschreiben lassen.

  • Sorgerechtsverfügung

    Mit einer Sorgerechtsverfügung regeln die Eltern, wer im Falle ihres Todes die Sorge für eines oder mehrere ihrer minderjährigen Kinder übernehmen soll. Diese Vollmacht muss handschriftlich verfasst oder notariell beglaubigt sein, ist also in dieser Hinsicht mit einem Testament vergleichbar.

Die meisten dieser Vollmachten werden in der Regel erteilt, wenn eine Erkrankung des Vollmachtgebers vorliegt oder befürchtet wird, so dass dieser sich mehr selbst wichtige Dinge kümmern kann und seine Familienangehörigen damit betrauen möchte. Sie können aber auch ohne bestimmten Anlass rein als Vorsorge erstellt werden.

Vollmacht widerrufen

Eine Vollmacht zu schreiben bedeutet auch, sich darüber Gedanken zu machen, ob, wann und wie diese wieder beendet wird. Meist wird gemäß des Inhaltes eine zeitliche Befristung in die Vollmacht aufgenommen oder eine Bedingung formuliert, unter der die Vollmacht endet.

Zudem ist es bei jeder Vollmacht möglich, diese jederzeit zu widerrufen, es sei denn Sie haben ausdrücklich in der Vollmacht verfügt, dass diese unwiderruflich ist. Dies sollten Sie sich jedoch sehr gut überlegen, denn die Widerrufsmöglichkeit gibt Ihnen den Handlungsspielraum, im Falle eines Vertrauensverlustes weiterhin Herr über Ihre Angelegenheiten zu sein.

Der Widerruf einer Vollmacht sollte dabei ebenso in schriftlicher Form erfolgen wie deren Ausstellung. Sie gilt ab Empfang des Widerrufs beim Bevollmächtigten.

Zudem sollten Sie auch unbedingt im Außenverhältnis den Widerruf gegenüber Dritten deutlich machen – zum Beispiel bei einer Bankvollmacht. Auf diese Weise vermeiden Sie, dass der vormals Bevollmächtigte weiterhin in Ihrem Namen Geschäfte führen kann.

[Bildnachweis: Herbstlust.de]
13. Mai 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

Die Herbstlust-Redaktion besteht aus erfahrenen Autoren mit langjähriger Berufserfahrung. Trotz sorgfältiger Recherche erheben die Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informieren lediglich allgemein. Der vorliegende Artikel kann eine fachliche oder ärztliche Beratung nicht ersetzen.

Weiter zur Startseite