Vorruhestand: So gehen Sie früher in Rente

Erst mit 67 Jahren aufhören zu arbeiten? Das erscheint vielen zu lang. Früher in Rente gehen zu können, klingt für viele reizvoll. Der Vorruhestand verspricht die langersehnte Auszeit von der Arbeit. Über 100.000 Versicherte erkundigen sich im Jahr bei der Deutschen Rentenversicherung, wann es möglich ist, in Rente zu gehen. Endlich mehr Zeit für Familie, Freunde, Reisen und Hobbys – wären da nicht mögliche Einbußen. Die schrecken viele Arbeitnehmer noch davon ab, sich mit dem Thema Vorruhestand näher zu beschäftigen. Allerdings gibt es Möglichkeiten, nicht erst mit 67 Jahren in Rente zu gehen, ohne Abschläge in Kauf nehmen zu müssen. Wir geben Ihnen Tipps rund um den Vorruhestand…

Vorruhestand: So gehen Sie früher in Rente

Was bedeutet Vorruhestand und wie wird er berechnet?

Bedeutung wie wird der Vorruhestand berechnetNach einem langen, erfüllten Arbeitsleben endlich den Lebensabend genießen dürfen, darauf freuen sich viele angehenden Rentner. Mit Ruhestand ist im Allgemeinen die Zeit nach Erreichen der Regelaltersgrenze gemeint. Vorruhestand ist demnach, wer bereits vor besagter Regelaltersgrenze mit der Arbeit aufhört.

Seit einigen Jahren verschiebt sich der Ruhestand aber immer weiter nach hinten. Seit 2012 wird die Regelaltersgrenze schrittweise erhöht, um demographische Entwicklungen aufzufangen. Für Geburtsjahrgänge vor 1947 bedeutet das die Rente mit 65 Jahren. Für alle nach 1948 Geborenen wird das Renteneintrittsalter stufenweise auf 67 Jahre angehoben.

Bis zum Jahr 2023 erhöht sich das Renteneintrittsalter um einen Monat pro Jahrgang. Um zwei Monate wird das Renteneintrittsalter ab 2024 erhöht. Sofern sie nicht in den Vorruhestand gehen, haben zukünftige Rentner folgendes Renteneintrittsalter:

  • Geburtsjahr: 1947 Renteneintrittsalter: 65 Jahre und 1 Monat
  • Geburtsjahr: 1948 Renteneintrittsalter: 65 Jahre und 2 Monate
  • Geburtsjahr: 1949 Renteneintrittsalter: 65 Jahre und 3 Monate
  • Geburtsjahr: 1950 Renteneintrittsalter: 65 Jahre und 4 Monate
  • Geburtsjahr: 1951 Renteneintrittsalter: 65 Jahre und 5 Monate
  • Geburtsjahr: 1952 Renteneintrittsalter: 65 Jahre und 6 Monate
  • Geburtsjahr: 1953 Renteneintrittsalter: 65 Jahre und 7 Monate
  • Geburtsjahr: 1954 Renteneintrittsalter: 65 Jahre und 8 Monate
  • Geburtsjahr: 1955 Renteneintrittsalter: 65 Jahre und 9 Monate
  • Geburtsjahr: 1956 Renteneintrittsalter: 65 Jahre und 10 Monate
  • Geburtsjahr: 1957 Renteneintrittsalter: 65 Jahre und 11 Monate
  • Geburtsjahr: 1958 Renteneintrittsalter: 66 Jahre
  • Geburtsjahr: 1959 Renteneintrittsalter: 66 Jahre und 2 Monate
  • Geburtsjahr: 1960 Renteneintrittsalter: 66 Jahre und 4 Monate
  • Geburtsjahr: 1961 Renteneintrittsalter: 66 Jahre und 6 Monate
  • Geburtsjahr: 1962 Renteneintrittsalter: 66 Jahre und 8 Monate
  • Geburtsjahr: 1963 Renteneintrittsalter: 66 Jahre und 10 Monate
  • Geburtsjahr: 1964 Renteneintrittsalter: 67 Jahre

Vor diesem Hintergrund wird ein Vorruhestand, also ein vorgezogener Ruhestand, immer attraktiver. Das gilt vor allem für solche Berufe, in denen harte körperliche Arbeit geleistet wurde. Jedem ist klar, dass ein über 60 Jahre alter Dachdecker nicht mehr wie ein 20-Jähriger auf dem Haus herumturnen kann.

Vorruhestand ohne Abschläge möglich

Dass nicht alle Arbeitnehmergruppen ohne Unterschied gleich behandelt werden können, sieht auch der Gesetzgeber ein. Zu unterschiedlich sind die individuellen Leistungen und Bedingungen, unter denen Menschen gearbeitet haben, zu unterschiedlich auch die jeweiligen Jobs.

Unter bestimmten Voraussetzungen können daher einige Arbeitnehmergruppen in den Vorruhestand gehen, ohne finanzielle Einbußen befürchten zu müssen. Dazu gehören folgende:

  • Arbeitnehmer, die „besonders langjährig versichert“ sind: Das trifft auf Arbeitnehmer zu, die 45 Jahre lang in die Rentenkasse eingezahlt haben, beispielsweise früh die Schule verlassen haben.
  • Arbeitnehmer mit einer Erwerbsminderung, Erwerbsunfähigkeit oder Schwerbehinderung: Voraussetzung ist hier, dass es 35 Jahre Mindestversicherungszeit gibt und der Grad der Behinderung mindestens 50 Prozent beträgt.
  • Arbeitnehmer in körperlich anstrengenden oder sehr verantwortungsvollen Berufen: Beispielsweise im Berg- und Straßenbau, aber auch als Piloten
  • Arbeitslose Arbeitnehmer, die das 63. Lebensjahr erreicht haben und vor 1952 geboren sind.
  • Frauen ab dem 60. Lebensjahr: Voraussetzung für die vorgezogene Altersrente ist hier, dass diejenigen vor 1952 geboren sind.

Abschläge können zu massiven Einbußen führen

Es gibt auch die Möglichkeit, in den Vorruhestand zu gehen, wenn der ehemalige Arbeitnehmer bereit ist, Abschläge in Kauf zu nehmen. Dazu zählen beispielsweise sogenannte langjährig versicherte Arbeitnehmer mit 63 Jahren, die 35 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt haben.

Allerdings müssen die einen Abschlag von 0,3 Prozent der Rente für jeden Monat hinnehmen, den sie vor dem regulären Renteneintritt bereits im Ruhestand verbringen. Im Jahr beläuft sich das dann auf ein Minus von 3,6 Prozent. Wer drei Jahre früher in Rente gehen will, muss also mit einem Minus von 10,8 Prozent rechnen.

Und diese Abschläge sind endgültig, bleiben also bis zum Lebensende. Dazu kommt ein weiterer Nachteil: Wer eher in Rente geht, zahlt entsprechend weniger Versicherungsbeiträge ein und sammelt weniger Entgeltpunkte als möglich. Ob sich der Vorruhestand dann noch lohnt, sollte also gut überlegt sein.

Eine andere Möglichkeit ist, diese Abschläge auszugleichen. Der Vorruhestand – beispielsweise mit 63 oder 64 Jahren wäre ohne finanzielle Einbußen möglich, wenn Sie freiwillig Ihre Beiträge zur Rentenversicherung erhöhen. Arbeitnehmer können sich ab einem Lebensalter von 50 Jahren bei der Deutschen Rentenversicherung erkundigen, um wie viel mehr sie ihre Beiträge steigern müssen, um abschlagsfrei in den Vorruhestand gehen zu können.

Bedingungen für den Vorruhestand

Bedingungen für den VorruhestandWer den Ruhestand vorziehen will, obwohl das Renteneintrittsalter noch nicht erreicht ist, muss verschiedene Bedingungen erfüllen. Eine davon ist die sogenannte Wartezeit. Erst wenn die Wartezeit erfüllt ist, erwirbt eine Person überhaupt den Anspruch auf die Altersrente.

Im Normalfall wird die Wartezeit erfüllt werden, denn sie beträgt fünf Jahre, in denen die Versicherungsbeiträge eingezahlt werden. Sofern ein Arbeitnehmer also nach der Schule eine Ausbildung absolviert hat und nicht wegen Berufsunfähigkeit oder anderen Sonderfällen dauerhaft aus dem Erwerbsleben ausgeschieden ist, wird der Rentenanspruch für die Regelaltersrente erfüllt.

Verschiedene Modelle für Vorruhestandsregelungen

Nachfolgend stellen wir Ihnen einige Modelle für Vorruhestandsregelungen vor, die mit geringen oder sogar ohne finanzielle Einbußen ermöglichen, eher in Rente zu gehen:

  • Vorruhestandsregelung mit dem Arbeitgeber

    Mit nur geringen Einbußen können Arbeitnehmer in den Vorruhestand gehen, wenn es eine Vorruhestandsvereinbarung mit dem Arbeitgeber gibt. Diese ist in Betriebsvereinbarungen, Tarifverträgen oder Arbeitsverträgen festgehalten und soll dem Mitarbeiter die Möglichkeit zum sanften Übergang zwischen Arbeitsleben und Renteneintritt geben.

    Wer mit seinem Chef eine Vorruhestandsregelung vereinbart hat, kann bereits Jahre früher in den Vorruhestand gehen. Obwohl der Mitarbeiter aus dem Unternehmen ausscheidet, bekommt er vom Unternehmen wie vereinbart anstelle des Gehaltes ein sogenanntes Vorruhestandsgeld gezahlt, das mindestens 65 Prozent des letzten Gehaltes betragen muss.

    Von diesem werden weiterhin Beiträge an die gesetzliche Rentenversicherung, Krankenversicherung sowie Lohnsteuer abgeführt und es endet mit regulärem Rentenbeginn. Lediglich die Arbeitslosenversicherung wird nicht mehr gezahlt, da eine Arbeitslosigkeit aufgrund des Vorruhestands ausgeschlossen wird.

  • Arbeitszeitreduzierung mit Altersteilzeit

    Wer mit seinem Chef eine Altersteilzeit vereinbart, kann ebenfalls früher in Rente gehen. Allerdings müssen dafür diese Voraussetzungen erfüllt sein:

    • Sie sind älter als 55 Jahre.
    • Sie müssen noch wenigstens drei Jahre bis zur Rente arbeiten.
    • Sie sind in den letzten fünf Jahren mindestens 1.080 Kalendertage einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgegangen.

    Arbeitnehmer haben dann die Wahl zwischen zwei verschiedenen Modellen. Während beim Teilzeitmodell der Arbeitnehmer über einen längeren Zeitraum die Arbeitszeit schrittweise reduziert, teilt sich das Blockmodell in zwei Phasen. In Aktivphase wird bei reduzierten Bezügen normal weitergearbeitet. In der Passivphase wird weiterhin bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter das reduzierte Gehalt gezahlt, aber der Arbeitnehmer hat komplett frei.

    90 Prozent aller Arbeitnehmer entscheiden sich für dieses Blockmodell. Wichtig zu wissen: Es besteht kein gesetzlicher Anspruch auf Altersteilzeit, vielmehr ist die Möglichkeit abhängig vom jeweiligen Unternehmen. Beispielsweise bieten viele Betriebsvereinbarungen die Altersteilzeit. Einen Anspruch können Arbeitnehmer im Falle von Tarifverträgen ab dem 60. Lebensjahr haben.

  • Vorruhestand dank Lebensarbeitszeitkonto

    Eine weitere Möglichkeit zum abschlagfreien Vorruhestand ist ein Lebensarbeitszeitkonto. Das richtet Ihr Chef für Sie ein und Sie können darauf einsparen, zum Beispiel:

    • Arbeitgeberzuschüsse
    • Gehaltsbestandteile
    • Leistungsprämien
    • Überstunden oder der Vergütung der Überstunden
    • Urlaubsgeld
    • Urlaubstage
    • Weihnachtsgeld

    Aus diesem angesparten Guthaben wird dem Vorruheständler während seiner Freistellung das Gehalt weitergezahlt. Während der Ansparphase zahlen Arbeitnehmer keine Steuern oder Sozialversicherungen. Erst bei Auszahlung des Wertguthabens erfolgen diese Abzüge.

    Sollte es zu einer Insolvenz des Unternehmens kommen, sind Arbeitnehmer auf der sicheren Seite: Der Arbeitgeber ist verpflichtet, das Lebensarbeitszeitkonto durch entsprechende Insolvenzversicherungen, eine Bankbürgschaft oder ein Treuhandmodell abzusichern.

  • Hinzuverdienst während der Rente

    Eine andere Möglichkeit für viele Rentner ist der Hinzuverdienst zur Rente. Dank dem Flexirentengesetz von 2017 haben Rentner die Möglichkeit, mehr als nur auf 450 Euro dazuzuverdienen. Damit können Sie in den Vorruhestand gehen und mögliche Einbußen durch einen Nebenjob ausgleichen. Wer allerdings noch nicht die Regelaltersgrenze erreicht hat, muss bestimmte Auflagen beachten. Davon betroffen sind folgende Bezieher einer Altersrente:

    • langjährig Versicherte,
    • besonders langjährig Versicherte und
    • schwerbehinderte Menschen.

    Gehören Sie zu einer dieser Gruppen, müssen ihren Job dem Rentenversicherungsträger melden. Bis zu jährlich 6.300 Euro können Sie ohne Abzüge hinzuverdienen. Dabei ist es egal, ob Sie bis zu 525 Euro monatlich verdienen oder in einem lukrativen Job innerhalb von drei Monaten auf 6.300 Euro kommen. Sobald Sie allerdings darüber liegen, werden 40 Prozent davon auf Ihre Rente angerechnet. Lägen Sie beispielsweise 100 Euro darüber, wird Ihre Rente um 40 Euro gekürzt.

[Bildnachweis: Jacob Lund by Shutterstock.com]
3. März 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

Die Herbstlust-Redaktion besteht aus erfahrenen Autoren mit langjähriger Berufserfahrung. Trotz sorgfältiger Recherche erheben die Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informieren lediglich allgemein. Der vorliegende Artikel kann eine fachliche oder ärztliche Beratung nicht ersetzen.

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