Vorruhestand: Tipps + Rechte wie Sie früher in Rente gehen

Manche Arbeitnehmer können schon mit 58 in den Vorruhestand gehen. Für viele ist das ein Traum. Wer den vorzeitigen Ruhestand anstrebt, muss allerdings ein paar Punkte beachten und mit Abschlägen bei der Rente rechnen. Welche Rechte Sie bei der Vorruhestandsregelung oder bei der Altersteilzeit haben, welche Optionen Arbeitnehmer wählen können und Tipps für das Vorruhestandsgeld erhalten Sie hier…

Vorruhestand: Tipps + Rechte wie Sie früher in Rente gehen

Vorruhestand: Optionen und Rechte für Arbeitnehmer

Der reguläre Ruhestand beginnt nach Erreichen der Regelaltersgrenze. Wer früher mit der mit der Arbeit aufhört oder in Rente geht, ist demnach im Vorruhestand. Die Regelaltersgrenze wird seit 2012 schrittweise erhöht. Wer vor 1947 geboren wurde, kann schon mit 65 in Rente gehen. Für alle nach 1948 Geborenen wird das Renteneintrittsalter stufenweise auf 67 Jahre angehoben. Bis zum Jahr 2023 erhöht sich das Renteneintrittsalter um einen Monat pro Jahrgang. Ab 2024 sogar um zwei Monate, sodass manche die Rente erst ab 70 erreichen. Angesichts solcher Aussichten ist der Vorruhestand attraktiver denn je.

Vorruhestand ohne finanzielle Einbußen

Tatsächlich können einige Arbeitnehmergruppen in den Vorruhestand gehen, ohne finanzielle Einbußen zu befürchten. Dazu gehören:

  • Arbeitnehmer, die „besonders langjährig versichert“ sind: Das trifft auf Arbeitnehmer zu, die 45 Jahre lang in die Rentenkasse eingezahlt haben, beispielsweise früh die Schule verlassen haben.
  • Arbeitnehmer mit einer Erwerbsminderung, Erwerbsunfähigkeit oder Schwerbehinderung. Voraussetzung ist hier, dass der Grad der Behinderung mindestens 50 Prozent und die Mindestversicherungszeit 35 Jahre beträgt.
  • Arbeitnehmer in körperlich anstrengenden oder verantwortungsvollen Berufen: Beispielsweise im Berg- und Straßenbau, aber auch als Piloten
  • Arbeitslose Arbeitnehmer, die das 63. Lebensjahr erreicht haben und vor 1952 geboren sind.
  • Frauen ab dem 60. Lebensjahr. Voraussetzung für die vorgezogene Altersrente ist hier, dass diejenigen vor 1952 geboren sind.

Abschläge bei Vorruhestand

Wer nicht zu den oben genannten Personengruppen gehört und trotzdem vorzeitig in Rente gehen will, muss mit Abschlägen und massiven finanziellen Einbußen rechnen. In der Regel gibt es einen Abschlag von 0,3 Prozent auf die Rente für jeden Monat, den sie vor dem regulären Renteneintritt in den Ruhestand gehen. Im Jahr beläuft sich das auf ein Minus von 3,6 Prozent. Wer drei Jahre früher in Rente gehen will, muss also mit einem Minus von rund 10,8 Prozent kalkulieren. Diese Abschläge sind endgültig. Sie bleiben also bis zum Lebensende.

Weiterer Nachteil: Wer eher in Rente geht, zahlt weniger Versicherungsbeiträge ein und sammelt weniger Entgeltpunkte. Ob sich der Vorruhestand lohnt, sollten Sie also mit spitzem Bleistift durchrechnen.

Was ist der Unterschied zwischen Vorruhestand und Altersteilzeit?

Grundsätzlich gibt es drei verschiedene Optionen früher in Rente zu gehen:

1. Vorruhestandsregelung mit dem Arbeitgeber

Wer mit dem Arbeitgeber eine Vorruhestandsvereinbarung trifft, muss mit nur geringen Einbußen rechnen. Oft ist diese schon in Betriebsvereinbarungen, Tarifverträgen oder Arbeitsverträgen geregelt und soll dem Arbeitnehmer einen sanften Übergang zwischen Arbeitsleben und Renteneintritt ermöglichen. Dafür bekommt er beim vorzeitigen Ausscheiden vom Unternehmen anstelle des Gehaltes ein sogenanntes Vorruhestandsgeld gezahlt. Das beträgt mindestens 65 Prozent des letzten Bruttogehalts. Davon werden weiterhin Beiträge an die gesetzliche Rentenversicherung, Krankenversicherung und Lohnsteuer abgeführt. Das Vorruhestandsgeld endet mit dem regulären Rentenbeginn. Lediglich die Arbeitslosenversicherung wird davon nicht gezahlt, weil eine Arbeitslosigkeit wegen des Vorruhestands ausgeschlossen ist.

2. Altersteilzeit

Wer älter als 55 ist, noch mindestens drei Jahre bis zur regulären Rente hat und in den in den vergangenen fünf Jahren mindestens 1.080 Kalendertage einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgegangen ist, kann die Arbeitszeit schrittweise reduzieren. Eine weitere Möglichkeit ist das sogenannte Blockmodell. Dabei werden die restlichen Arbeitsjahre in zwei Phasen aufgeteilt: In der „Aktivphase“ wird bei reduzierten Bezügen normal weitergearbeitet. In der „Passivphase“ wird das reduzierte Gehalt bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter gezahlt, aber der Arbeitnehmer hat komplett frei. Auf Altersteilzeit besteht allerdings kein gesetzlicher Anspruch. Sie kann aber in der Betriebsvereinbarung geregelt sein.

3. Lebensarbeitszeitkonto

Beim Lebensarbeitszeitkonto richtet der Chef ein Zeitkonto ein, auf dem Arbeitnehmer Überstunden, Urlaubstage, Arbeitgeberzuschüsse, Gehaltsbestandteile, Leistungsprämien, Urlaubsgeld oder Weihnachtsgeld ansparen können. Aus diesem angesparten Guthaben lässt sich schließlich die Freistellung und der Vorruhestand finanzieren – bei entsprechendem Gehalt. Während der Ansparphase zahlen Arbeitnehmer keine Steuern oder Sozialversicherungen. Die Abzüge werden erst bei der Auszahlung des Wertguthabens fällig. Sollte es zu einer Insolvenz des Unternehmens kommen, sind Arbeitnehmer auf der sicheren Seite: Der Arbeitgeber ist verpflichtet, das Lebensarbeitszeitkonto durch entsprechende Insolvenzversicherungen, eine Bankbürgschaft oder ein Treuhandmodell abzusichern.

Vorruhestand Beamte: Sonderregelungen

Ein Vorruhestand für Beamte ist in der Regel nur bei Dienstunfähigkeit möglich. Dies ist in § 42 Absatz 1 Satz 1 Bundesbeamtengesetz (BBG) geregelt. Wenn eine schwere Erkrankung vorliegt, muss ein Amtsarzt die Dienstunfähigkeit bescheinigen. Erst dann darf der Beamte den Vorruhestand wahrnehmen. Der Impuls dazu kann auch vom Vorgesetzten ausgehen. In jedem Fall ist der Personalrat mit einzubinden.

Wann ist der vorzeitige Ruhestand möglich?

Wer den Ruhestand vorziehen will, obwohl das Renteneintrittsalter noch nicht erreicht ist, kann dies theoretisch tun, sobald die sogenannte Wartezeit erfüllt ist.

Diese Wartezeit beträgt nur fünf Jahre, in denen Versicherungsbeiträge eingezahlt werden müssen. Sofern ein Arbeitnehmer nach der Schule eine Ausbildung absolviert hat und nicht wegen Berufsunfähigkeit oder anderen Sonderfällen dauerhaft aus dem Erwerbsleben ausgeschieden ist, wird der Rentenanspruch für die Regelaltersrente praktisch immer erfüllt. Allerdings sind so früh nur marginale Rentenansprüche erworben. Zum Leben im Alter reicht das nicht.

Kann ich mit 55, 58, 60 oder 63 in Vorruhestand gehen?

Haben Sie im Laufe des Arbeitslebens genügend in die Rentenversicherung einbezahlt, ist ein Vorruhestand über die Altersteilzeitregelung mit 55 (oder später) möglich. Allerdings nicht abschlagsfrei. Die Deutsche Rentenversicherung rät dazu, den Antrag spätestens drei Monate vor Beginn des geplanten Vorruhestands zu stellen, um eine fristgerechte Rentenzahlung zu gewährleisten. Sie sollten daher schon einige Wochen zuvor klären, welche Zahlungen Sie zu erwarten haben.

Idealerweise lassen Sie sich ein halbes Jahr vor einem möglichen Vorruhestand von der Deutschen Rentenversicherung beraten. Wem ein persönlicher Termin zu umständlich ist, kann auch die kostenlose Service-Hotline unter 0800 1000 4800 anrufen.

Vorruhestandsregelung bei Personalabbau

Wird Personal abgebaut, schicken viele Unternehmen ältere Mitarbeiter in den Vorruhestand. Dies geschieht in der Regel mithilfe von Aufhebungsverträgen. Darin wird vereinbart, dass der Angestellte mindestens 65 Prozent seiner letzten Bezüge als Vorruhestandsgeld erhält. Damit sollen die Abschläge, welche der Vorruhestand bei der Rentenzahlung verursacht, abgefedert werden. Zusätzlich sind auch einmalige Abfindungen möglich.

Vorruhestand berechnen: Wie viel Geld gibt es?

Die wenigsten Arbeitnehmer gehen abschlagsfrei in den Vorruhestand. Deshalb sollten Sie sich Ihre individuelle Rentenhöhe genau berechnen lassen. Dies können Sie entweder von der deutschen Rentenversicherung vornehmen lassen oder selbst mit einer Rentenberechnung tun. Hierbei spielt vor allem der Zugangsfaktor eine Rolle. Das ist der Zeitpunkt, zu dem Sie in Rente gehen. Treten Sie zum gesetzlichen Rentenbeginn in den Ruhestand ein, liegt er bei 1,0. Die bereits erwähnten Abschläge für jedes Jahr, das Sie früher aufhören, werden von diesem Wert abgezogen und mindern somit dauerhaft Ihre Rente.

Wie lassen sich Abzüge und Rentenabschläge ausgleichen?

Eine Möglichkeit, Abschläge auszugleichen: Sie können freiwillig und vorzeitig die Beiträge zur Rentenversicherung erhöhen. Ab einem Lebensalter von 50 Jahren können sich Arbeitnehmer bei der Deutschen Rentenversicherung erkundigen, um welchen Betrag sie ihre Beiträge steigern müssen, um abschlagsfrei in den Vorruhestand gehen zu können.

Die Alternative: Sie suchen sich wieder einen Job. Klingt paradox, tatsächlich machen das aber viele. Der Hinzuverdienst zur Rente ist attraktiv. Dank dem „Flexirentengesetz“ haben Rentner die Möglichkeit, mehr als 450 Euro dazuzuverdienen. So können Sie in den Vorruhestand gehen und mögliche Einbußen durch einen Nebenjob ausgleichen. Seit 2021 können sie bis zu 46.060 Euro jährlich ohne Abzüge während der Frührente dazu verdienen. Erst beim offiziellen Rentenbeginn sinkt die Grenze deutlich ab.

Vorruhestand: Suchen Sie sich eine Aufgabe!

Nicht wenige Rentner fallen im Ruhestand in ein psychisches Loch. Daher sollten Sie sich rechtzeitig darüber Gedanken machen, was Sie mit der gewonnenen Freizeit anfangen. Ein neues Hobby zum Beispiel. Oder ein Ehrenamt.

Auch Reisen, das Erlernen einer neuen Sprache oder das Wiederauffrischen sozialer Kontakte können den Vorruhestand bereichern. Moderater Sport hält Sie zusätzlich fit und verursacht die Ausschüttung von Glückshormonen.

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[Bildnachweis: Herbstlust.de]
3. März 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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