Wandern: Raus in die Natur

Wandern zählt zur beliebtesten Freizeitbeschäftigung der Deutschen. Noch bevor gewiefte Marketingprofis begannen, „Outdoor“ als Abenteuer- und Überlebenstraining zu verkaufen, erschlossen sich die Menschen ihre Umgebung zu Fuß. Meist weil andere Fortbewegungsmittel fehlten. Heutzutage vorwiegend zur Entspannung und körperlichen Ertüchtigung. Welche Möglichkeiten zum Wandern es gibt, wo Sie am besten wandern können und was Sie zur Vorbereitung beachten sollten…

Wandern: Raus in die Natur

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Definition: Wann spricht man vom Wandern?

Als Wandern bezeichnet man das Zu-Fuß gehen in der freien Natur. Im Gegensatz zum Spazieren gehen sind die Strecken meist länger und anspruchsvoller: Wanderpfade können enger und mitunter steiler sein. Noch bevor sich jedermann mit Pferd oder Auto fortbewegen konnte, war wandern die normale Art des Reisens.

Beim nachhaltigen Reisen dient Wandern immer noch vorrangig der Fortbewegung. Gleichzeitig hat es sich in einer bewegungsarmen Gesellschaft zum Sport entwickelt und hilft bei der Entspannung.

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Wandern Ausrüstung

Das Schöne am Wandern ist, dass es dazu keiner aufwendigen Ausstattung bedarf. Zwar gibt es vielerorts atmungsaktive Funktionskleidung im Angebot, die bei längeren Touren sicher kein Nachteil ist. Streng genommen benötigen Sie aber nur ein paar Wanderschuhe.

Tipps für den Kauf von Wanderschuhen

Ihre Wanderschuhe sollten Sie sorgfältig auswählen. Denn Blasen an den Füßen können die schönste Wanderung verderben. Daher einige Tipps, worauf Sie beim Kauf achten sollten:

  • Uhrzeit
    Kaufen Sie Ihre Wanderschuhe immer nachmittags, da dann die Füße ihre maximale Ausdehnung erreicht haben.
  • Einsatzbereich
    Wählen Sie je nach Vorhaben die richtige Kategorie: Leichte Wanderhalbschuhe der Kategorie A eignen sich für Spaziergänge, Wander- und Trekkingstiefel der Kategorie B für Wege mit Unebenheiten, Bergstiefel der Kategorie C sind für unwägbares Terrain gedacht und die schweren Expeditionsstiefel der Kategorie D für extreme Gebiete wie zum Beispiel Gletscher.
  • Schaftform
    Je nach Terrain können Sie auch zwischen flacher und hoher Schaftform wählen. Je bergiger es wird, umso mehr Halt benötigen Sie.
  • Schuhgröße
    Kaufen Sie immer eine Schuhgröße größer, da Sie mit Wandersocken und bei Abstiegen zusätzlichen Platz für Ihren Fuß benötigen.
  • Sitz
    Achten Sie nicht nur auf die Länge des Schuhs, sondern bei der Passform auch auf die Breite. Der Schuh sollte stabil an Ferse und Spann sitzen, ansonsten im Zehenbereich aber genügend Raum lassen.
  • Material
    Achten Sie darauf, dass der Schuh wasserdicht aber auch atmungsaktiv ist. Materialien wie GoreTex garantieren beides.
  • Vorbereitung
    Laufen Sie die Schuhe vor einer großer Wanderung bei kleineren Spaziergängen zunächst gründlich ein.
  • Pflege
    Reinigen Sie Ihre Wanderschuhe regelmäßig. Nach jeder Wanderung sollten Sie die Schuhe bürsten und abwaschen, damit das Leder nicht trocken und brüchig wird. Schuhwachs rundet die Pflege ab. Auch das Innere sollten Sie alle paar Monate gründlich mit einer lauwarmen Seifenlauge vorsichtig reinigen.

Unsere Tipps stellen wir Ihnen zudem als Checkliste (PDF) zum kostenlosen Download zur Verfügung:

Checkliste Ausrüstung Wanderschuhe (PDF)

Wandern mit App

Manch einer will auch in der Natur nicht aufs Handy verzichten. Praktischerweise gibt es auch hier diverse Apps fürs Wandern. Und platzsparender als Wanderkarten von gigantischen Ausmaßen sind sie allemal. Die Stiftung Warentest hat sich die am häufigsten aus dem Google Play Store heruntergeladenen Apps vorgeknöpft. Getestet haben die Experten unter anderem Alltrails, Bergfex, Komoot und Outdooractive.

Google Maps eignet sich übrigens nicht, da es keine Wanderwege anzeigt. Die beiden Apps Komoot und Outdooractive schneiden mit „gut“ ab. Alltrails und Bergfex haben den Nachteil, dass der Wanderer nicht die verbleibende Wegstrecke oder Gehzeiten erkennen kann. Daher schneiden sie nur mit „befriedigend“ ab.

Unerfahrene Wanderer sollten zum einen darauf achten, dass die App über eine Offlinekarten-Funktion verfügt, denn nicht überall ist der Internetempfang gleichermaßen gut. Zum anderen sollte die Nutzung akkusparend sein, denn auch Lademöglichkeiten sind im Wald eher selten. Je nach Kartenumfang können Sie bereits für vier Euro die App nutzen, Abomodelle sind teurer. Kostenlose Angebote gibt es zwar ebenfalls, aber die ermöglichen die Nutzung nur in einem geringen Umfang.


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Wanderungen vorbereiten

Wanderungen erfordern eine bessere Planung als ein kleiner Spaziergang. Selbst wenn Sie nur einen halben Tag unterwegs sind: Je länger die Tour dauert, umso mehr sollten Sie planen. Daher einige Tipps, wie Sie eine Wanderung vorbereiten:

1. Strecke kalkulieren

Kalkulieren Sie genau die Länge der Strecke und berücksichtigen Sie dabei auch die An- und Abstiege. Als Faustformel können Sie bei ebener Strecke von einer Leistung von vier Kilometern in der Stunde ausgehen. Als Steigung sind ungefähr 300 Höhenmeter in der Stunde machbar.

2. Ausrüstung wählen

Wählen Sie die richtige Ausrüstung: Gute Wanderschuhe sind das A und O. Aber auch die Kleidung sollte bequem sein und Sie sollten darin weder schwitzen noch frieren. Regenschutz und gegebenenfalls Wanderstöcke sollten ebenfalls in Betracht gezogen werden.

3. Verpflegung mitnehmen

Packen Sie genug Proviant ein. Bedenken Sie, dass Sie beim Wandern je nach Beschaffenheit des Weges 300 bis 600 Kalorien in der Stunde verbrennen und bis zu einem halben Liter Flüssigkeit herausschwitzen. Daher sollten Sie kohlehydratreiche Lebensmittel und viel Wasser oder Tee einpacken und alle zwei Stunden rasten.

Wandern ohne Handy

Einige Daten, damit Sie sich besser orientieren können: Im Schnitt wandern die Deutschen 9 Kilometer an einem Wandertag – in einer Zeit von gut drei Stunden. Vier von fünf Wanderungen sind Urlaubswanderungen. Meist sind das dann Tageswanderungen mit dem gleichen Start- und Zielpunkt. Dabei sind die Mittelgebirge am beliebtesten. Obwohl sich in jeder Generation Wanderer finden, wandern die Älteren häufiger. Ein Drittel von Ihnen wandert mehrmals im Monat.

Im Übrigen spielen Smartphones beim Wandern eine weitaus geringere Rolle als im Alltag. Im Gegenteil: Fast die Hälfte aller Wanderer gab an, bewusst auf den kleinen digitalen Helfer verzichten zu wollen, um die Natur störungsfrei genießen zu können. Daher sind die Markierungen und Wegweiser immer noch die wichtigste Orientierungsquelle beim Wandern.


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Typische Wanderregionen

Egal, ob Sie nur die eine oder andere gemütliche Tagestouren planen oder eine längere Wanderung über mehrere Tage oder gar Wochen unternehmen möchten: Wanderwege finden sich zuhauf in den typischen Regionen, die sich aufgrund ihrer atemberaubenden Natur und Landschaft den Wanderern verschrieben haben. Einige Beispiele wo Sie wandern können – sortiert von nah nach fern:

Kaum entdeckte Fernwanderungen in Europa

Neben den bekannten und oft überlaufenen Fernwanderungen wie dem Renn-, dem Rhein- oder dem Eifelsteig gibt es sowohl in Deutschland als auch im restlichen Europa eine Reihe von Fernwanderwegen, die noch nicht so übervölkert sind. Wir haben hier einige Vorschläge für Sie, die Sie beispielsweise auch nur teilweise erwandern können:

Heidschnuckenweg in Niedersachsen

In der Lüneburger Heide zwischen Hamburg und Celle wandern Sie an Mooren, Findlingen und Feldern vorbei. Das ganze nahezu ohne Steigung. Insgesamt 223 Kilometer lassen sich so problemlos in zwei Wochen bewältigen.

Harzer Hexensteig in Niedersachsen

Durch den Harz bis auf den Brocken – diese abwechslungsreiche aber auch anspruchsvolle Wanderung beläuft sich insgesamt auf 94 Kilometer. Eine Woche werden Sie aufgrund der Steigungen daher für die komplette Strecke schon benötigen.

Märkischer Landweg in Brandenburg

217 Kilometer geht es durch die Seenlandschaft der Uckermark. Garantiert entspannt, garantiert flach. Zehn Tage sollten Sie für die Tour rechnen.

Sarek in schwedisch Lappland

Im Sommer erwandern Sie auf diesen 109 sehr anspruchsvollen Kilometern zahlreiche Gletscher und erleben eine sagenhafte Wildnis. Hütten gibt es unterwegs genug, weitere touristische Infrastruktur ist jedoch eher Mangelware. In der Woche, die Sie für die Tour brauchen, werden Sie die Natur ganz für sich haben.

Skye Trail in Schottland

Auf 128 Kilometern wandern Sie einmal quer über die Insel Skye. Die Wege sind gut ausgeschildert, Übernachtungsmöglichkeiten gibt es genug. Landschaftliche Höhepunkte auch. Mit einer Woche sollten Sie kalkulieren.

Juliana Trail in Slowenien

Die 270 Kilometer durch den Triglav-Nationalpark entlang des Bergflusses Socca bietet in zwei anspruchsvollen Wochen einen Traumausblick nach dem anderen. Da der Zugang einfach und die Übernachtungsmöglichkeiten reichlich vorhanden sind, können Sie sich auch nur auf Teilabschnitte konzentrieren.

Red Sea Mountain Trail in Ägypten

Zwar nicht mehr in Europa, dennoch gut erreichbar ist der historische Wanderweg entlang des roten Meeres. Die 170 Kilometer sind einer Woche machbar – somit dürfen Sie etwas zügiger unterwegs sein als Moses damals.

Kürzere Fernwanderungen

Wer es gerne etwas kürzer mag, dem seien diese drei traumhaften Wanderungen empfohlen. Sie alle lassen sich problemlos in zwei bis drei Tagen bewältigen, besitzen aber einen hohen landschaftlichen Reiz:

  • Der Liechtensteintrail in Liechtenstein
  • Der Hermannsdalstinden im Norden Norwegens
  • Der Causeway Coastway in Nordirland

Tipp: Hütteneinkehr bei Fernwanderungen

Wer bei langen Fernwanderungen unterwegs in Hütten einkehren und dort übernachten möchte, sollte sich vorab mit den zehn ungeschriebenen Hüttenregeln vertraut machen:

  1. Reservieren Sie vorab – gerade während der Sommermonate.
  2. Melden Sie sich nach Ankunft beim Hüttenwirt an.
  3. Tragen Sie sich ins Hüttenbuch ein, damit man Sie im Falle eines Unfalls schneller findet.
  4. Ziehen Sie sich in der Hütte die Schuhe aus.
  5. Seien Sie sparsam mit Wasser und Strom.
  6. Bleiben Sie bescheiden – gerade was ausgefallene Essens- oder Wellnesswünsche angeht.
  7. Stellen Sie sich darauf ein, dass es häufig kein Internet gibt.
  8. Respektieren Sie andere. Dazu gehört auch das Einhalten der Ruhezeiten ab 22 Uhr.
  9. Entsorgen Sie Ihren Müll anständig.
  10. Bleiben Sie freundlich und offen. Auch wenn das Wetter mal schlecht ist.

Arten des Wanderns

Es lassen sich verschiedene Wanderarten unterscheiden:

  • Bergwandern
    Hierbei geht es primär darum, hohe Gipfel zu erklimmen.
  • Fernwandern
    Beim Fernwandern oder Trekking legen Sie über mehrere Tage eine längere Strecke zurück.
  • Winterwandern
    Beim Eis- oder Winterwandern sind Sie im Schnee unterwegs.
  • Nordic Walking
    Eine sportliche Variante ist Nordic Walking. Hierbei wandern Sie mit Unterstützung von Stöcken.
  • Bildungswandern
    Durch Lehrpfade bereichern Sie zusätzlich Ihr Wissen beim Bildungswandern.
  • Pilgern
    Eine spirituelle Form des Wanderns ist das Pilgern. Hier stehen neben der Bewegung der Glaube und die Erweiterung des geistigen Horizontes im Vordergrund.
  • Nachtwandern
    Beim Nachtwandern geht es darum, ein nachhaltiges Erlebnis in der Dunkelheit zu erfahren.
  • Barfußwandern
    In speziellen Parks ist das Erfühlen und Erleben der Natur mit den Füßen wichtig.
  • Geocaching
    Eine moderne Variante der Schnitzeljagd. Sie erfordert die Orientierung mit dem Kompass und die Erfüllung bestimmter Aufgaben.

Positive Auswirkungen

All diese Formen des Wanderns haben eines gemeinsam: Sie fördern die Fitness und können so Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen. Wandern wirkt sich stärkend auf Muskeln und Knochen sowie die Atemwege und das Immunsystem aus.

Und die Bewegung in der Natur macht uns glücklich: Wir bauen Stress ab, der Körper schüttet mit Serotonin und den Dopamin zahlreiche Glückshormone beziehungsweise -botenstoffe aus. Kein Wunder also, dass das Wandern bereits schon zu Zeiten der Handwerksgesellen, die auf die Walz gingen, oder bei der Wandervogelbewegung der Jahrhundertwende beliebt war.

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[Bildnachweis: Dudarev Mikhail by Shutterstock.com]

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