Würde: Ihre Bedeutung im Alter

Würde ist ein großes und bedeutendes Wort. Nicht umsonst steht es im Grundgesetz ganz vorne. Und auch in der Geschichte der Ethik haben sich bereits viele Denker mit der Würde des Menschen intensiv befasst. Doch was bedeutet Würde ganz konkret – gerade in einer alternden Gesellschaft? Wir haben uns den Begriff einmal genauer angesehen und zeigen durch Beispiele, welche Bedeutung die Würde in unserem Leben einnehmen sollte.

Würde: Ihre Bedeutung im Alter

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Was ist die Würde des Menschen?

„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ So steht es in Artikel eins, Absatz eins des Grundgesetzes. Durch die Platzierung ganz am Anfang wird auch die Bedeutung der Würde des Menschen klar: Sie steht über allem. Aber was heißt „Die Würde“?

Zunächst einmal stellt sie einen moralischen Wert dar – je mehr Würde eine Person besitzt, umso höher war diese seit jeher in der Gesellschaft angesehen. Dabei hat sich geschichtlich diese Würde über viele Jahrhunderte von Mensch zu Mensch zu unterschieden. Dass jeder Mensch die gleiche Würde und somit der Theorie nach die gleichen Rechte besitzt, ist relativ neu. Und ist auch heute noch längst nicht in jedem Land der Erde selbstverständlich.

Würde ist also immer vom moralischen Kompass einer Gesellschaft abhängig. Je nachdem, wie diese – in Form des Staates beziehungsweise einer vorherrschenden Glaubensrichtung – den Begriff definiert, unterscheidet sich auch der Wert und das Ansehen der einzelnen Menschen – und damit deren Würde.

Würde Definition: Ethik und Philosophie

Aber wann beginnt die Würde des Menschen? Woher kommt die Würde des Menschen? Die Ethik hat sich in diesem Zusammenhang über die Jahrhunderte stark verändert. War sie im Mittelalter noch vom Stand abhängig, in den man hineingeboren wurde, so hat sich die Würde mit der Renaissance verändert.

Zum ersten Mal war nun die Rede davon, dass jeder Mensch frei in seinem Denken, seinem Wesen und seinen Handlungen sei. Doch diese Gedanken waren zunächst nur auf die Philosophie begrenzt. Erst mit den daraus hervorgehenden Prinzipien der Aufklärung im ausgehenden 18. Jahrhundert gelangt die Würde des Einzelnen zunehmend in die Gesellschaft – und durch Revolutionen auch die Politik.

Würde wurde nun mit der freien Entfaltung gleichgesetzt. Doch die Gesellschaft blieb de facto immer noch über viele Jahre ungleich – und ist es gemäß etlichen Philosophen sogar bis heute. Der Grund liegt im Widerspruch zwischen der freien Entfaltung und der Verantwortung für die Gemeinschaft begründet. Kurz gesagt: Egoismus versus Altruismus. Oder wie Bertolt Brecht es formulierte: „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.“

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Würde: Beispiele

Dieser Widerspruch ist auch in der heutigen Generation präsent. Ganz konkret sieht man dies anhand der unterschiedlichen Interessen in der Corona-Krise:

  • Der Widerspruch zwischen Gesundheitsschutz der Vulnerablen und dem Schutz vor psychischen und pädagogischen Schädigungen der jüngeren Generation.
  • Die Frage nach dem Wert des Lebens in Zusammenhang mit wirtschaftlichen Existenznöten.
  • Die Bedeutung und die Würde der Mitarbeiter Pflegeberufe im krassen Gegensatz zu deren Entlohung.

Dies zeigt, dass die Frage der Würde nicht so einfach und im Prinzip nur individuell zu beantworten ist.

Die Würde in der Pflege

Wird ein Mensch pflegebedürftig, so ist die Frage der Würde eng mit dem Begriff der Scham verknüpft. Grundsätzlich schützt uns unsere angeborene Scham – insbesondere in Situationen, die wir nicht gewohnt sind. Und in der Pflege ist dies der Fall.

Denn bislang konnten die Pflegebedürftigen ihre Körperhygiene selbst erledigen – etwas sehr Intimes. Nun sind sie auf Hilfe angewiesen. So fühlen sie sich oft einem Teil ihrer Würde beraubt. Dies hat vor allem drei Gründe:

  • Sie fühlen sich hilflos
  • Sie sind nackt
  • Sie sind alt

Insbesondere der letzte Punkt verleiht vielen das Gefühl der Würdelosigkeit. Dies sollte zwar nicht so sein, doch unsere Gesellschaft trägt ihren Teil dazu bei: Seit jeher sind wir dazu erzogen, dass das Schönheitsideal aus Jugend und Frische besteht. Wenn wir es nicht mehr erfüllen, fühlen wir uns mitunter nicht mehr der Gesellschaft zugehörig. Selbst wenn das Grundgesetz und die moralischen Werte etwas anderes sagen.

Für Pflegekräfte und pflegende Angehörige ist dies ein wichtiger Punkt, den sie im Umgang mit den Patienten nie aus den Augen verlieren dürfen. Denn nur durch Wertschätzung, Empathie und einem sensiblen Umgang bleibt die Würde in der Pflege nicht auf der Strecke. Dazu benötigt es Zeit – die in unserem Pflegesystem leider nur allzu selten vorhanden ist.

Palliativmedizin als würdevolle Begleitung

Gerade wenn ein Patient medizinisch nicht mehr zu heilen ist, spielt eine würdevolle Begleitung auf dem letztem Weg eine große Rolle. Palliativbetreuung und Hospize spielen in diesem Zusammenhang eine wesentliche Rolle.

Denn hier wird Sterbenden nicht das Gefühl gegeben, nur auf ihr Ableben warten zu müssen. Sie werden vielmehr angenommen und es wird versucht, die verbleibende Zeit für die Patienten möglichst angenehm, würdevoll und vor allem schmerzfrei zu gestalten. Daran sind mehrere Personen beteiligt:

Würdevolles Sterben

Auch wer nicht in einem Hospiz oder einer Station der Palliativmedizin liegt, hat ein Anrecht auf ein würdevolles Sterben. Hier sind gerade die Angehörigen noch mehr gefragt, die Würde des Sterbenden zu erhalten und auf sie Rücksicht zu nehmen.

Einige Tipps, wie Sie einen Angehörigen, der im Sterben liegt, würdevoll begleiten:

  • Berühren Sie den geliebten Menschen
    Sterbende spüren, wenn jemand Vertrautes bei ihnen ist und sich um sie kümmert. Trotz langer Phasen der Bewusstseinseintrübung. Berühren und streicheln Sie den Sterbenden daher sanft, halten Sie die Hand oder legen Sie Ihre Hand auf dessen Arm beziehungsweise Schulter.
  • Sprechen Sie mit dem geliebten Menschen
    Das Gehör ist meist bis zuletzt aktiv. Daher wirkt eine bekannte Stimme äußerst beruhigend. Reden Sie mit ruhiger, sanfter und bedächtiger Stimme. In diesem Zusammenhang hat sich insbesondere das Vorlesen oder das Beten bewährt.
  • Zeigen Sie Geduld mit dem geliebten Menschen
    Will Ihnen der Sterbende noch etwas mitteilen, dann ermöglichen Sie dies. Auch wenn er verwirrt erscheinen mag oder es länger dauert, bis er sich entsprechend äußern kann.
  • Akzeptieren Sie die Gefühle des geliebten Menschen
    Der Tod ist die Vollendung des Lebens und für jeden Menschen unausweichlich. Die meisten Menschen realisieren und akzeptieren dies vor ihrem Ableben. Wenn die Stunde gekommen ist, signalisieren Sie, dass auch Sie bereit sind, Abschied zu nehmen.

Es geht also darum, sich in die Bedürfnisse sterbender Menschen einzufühlen. Nur so können Sie auch deren Würde erhalten. Dazu gehört auch, Schweigen und Ruhe aushalten zu können.

Dies gilt es übrigens auch mit ihren eigenen Kindern zu thematisieren und nicht zu tabuisiere. Nur so können diese später einmal in einer ähnlichen Situation Ihnen gegenüber ebenso würdevoll handeln.

Sterbehilfe in Zusammenhang mit der Würde

Die Frage, ob man Sterbende bei ihrem Wunsch nach einem Erlösen von ihrem Leiden unterstützen soll und ob dies würdevoll oder würdelos ist, beschäftigt Gerichte und Gesellschaft nach wie vor. Eine eindeutige Meinung zur Sterbehilfe hat sich hier noch nicht durchgesetzt – die Frage stellt sich in jedem einzelnen Fall: Wo ist die Grenze?

Länder wie die Schweiz oder Niederlande gehen mit diesem Thema traditionell eher etwas liberaler um als Deutschland.

Hilfreich ist in diesem Zusammenhang zu wissen, welche Gedanken sich die Sterbenden zu diesem Thema gemacht haben und was sie unter welchen Voraussetzungen selbst als würdevoll betrachtet haben. Eine Patientenverfügung kann hier helfen. Aber ebenso auch viele Gespräche über das Thema über Jahre hinweg.

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Kann man Ihnen die Würde nehmen?

Laut Grundgesetz steht die Würde eines Menschen an oberster Stelle. Man DARF Ihnen die Würde also gar nicht nehmen. Die Frage ist dabei jedoch, wie Sie selbst die Würde im Detail über Ihre gesetzlichen Grundrechte hinaus definieren.

Dies gilt es zunächst einmal für Sie selbst zu beantworten. Was bedeutet für Sie ein „würdevoller Umgang“ und was ist für Sie „würdelos“.

Sprechen und diskutieren Sie mit Ihren engen Freunden und Angehörigen über das Thema. Hierzu kann es keine abschließende Meinung geben. Eines ist jedoch sicher: Sich gegenseitig so anzuerkennen, wie man ist und sich in das Gegenüber hineinzuversetzen, um nachzuvollziehen, wie dessen Gefühle und Gedankengänge sind – das ist ein wesentlicher Ansatz für die Einhaltung der Würde.

Wenn Sie dies nicht nur für sich einfordern, sondern umgekehrt auch selbst praktizieren, dann kann man Ihnen nur schwer Ihre Würde nehmen. In diesem Zusammenhang ist gegenseitiger Respekt und Wertschätzung ein wesentlicher Bestandteil der Würde.

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