Zecken: Was Sie über die Parasiten wissen müssen

Über Zecken werden immer noch viele Horrorgeschichten und Unwahrheiten erzählt. Fakt ist: Zecken können gefährliche Krankheiten übertragen und das passiert hierzulande nicht selten.

Da Zecken in Deutschland sehr häufig vorkommen, gilt es, im wahrsten Sinne des Wortes ein besonderes Augenmerk auf sie richten und sich entsprechend zu schützen.

Was Sie dabei beachten müssen, welche Krankheiten die kleinen Blutsauger übertragen und wie Sie diesen vorbeugen können…

Zecken: Was Sie über die Parasiten wissen müssen

Definition: Was sind Zecken?

Zecken gehören zur Gattung der Spinnentiere. Sie sind je nach Entwicklungsstadium zwischen einem und mehreren Millimetern groß – haben sie sich mit Blut vollgesogen, sogar bis zu einem Zentimeter.

Für ihre Entwicklung und die Fortpflanzung benötigen Zecken in ihrem Leben mehrere Blutmahlzeiten, die sich gerne bei kleinen Säugetieren wie Mäusen aber auch bei Haustieren oder beim Menschen holen. Dort bevorzugen sie die warmen und feuchten Körperstellen mit einer dünnen Hautschicht wie zum Beispiel die Achselhöhlen, die Kniegelenke oder den Intimbereich.

Haben sie sich in diesen Körperbereichen niedergelassen, stechen sie mit ihrem Saugapparat in die Haut und trinken über mehrere Stunden Blut aus den kleinen Äderchen unter der Haut. Widerhaken an diesem Mundwerkzeug verhindern, dass die Zecken abgeschüttelt werden können.

Daher spricht man korrekterweise von einem Zeckenstich und nicht von einem Zeckenbiss, wie umgangssprachlich gerne formuliert wird.

In Deutschland kommen verschiedene Arten von Zecken vor, wobei der sogenannte Gemeine Holzbock am weitesten verbreitet ist. In letzten Jahren wurde jedoch immer wieder von neuen Zeckenarten wie zum Beispiel der Hyalomma berichtet, die auch tropische Krankheiten übertragen kann und deutlich aktiver und größer ist, als die bislang bekannten Arten.

Die Hyalomma ist noch nicht sehr verbreitet, jedoch findet sie hier ideale Lebensbedingungen, weswegen Wissenschaftler und Ärzte es als durchaus realistisch betrachten, dass sie sich weiter ausbreitet.

Zecken sind wahre Überlebenskünstler. Sie können bis zu drei Wochen unter Wasser existieren, ertragen bis zu 13 Grad unter Null und sogar eine Runde in der Waschmaschine bei 40 Grad. Zudem kommen sie – je nach Art – bis zu fünf Jahre ohne Blutmahlzeit aus.

Die idealen Bedingungen finden die Zecken bei einer Luftfeuchtigkeit ab 80 Prozent, weswegen sie nach einem Sommerregen auch besonders aktiv sind. Direkte und dauerhafte Sonneneinstrahlung meiden sie, schattigere Plätze sind den Zecken lieber.

Zudem sind Zecken bereits ab fünf Grad aktiv und hungrig – also auch in milden Wintern.

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Krankheitsübertragung durch Zecken

Zwar können Zecken diverse Krankheiten übertragen, für den Menschen sind jedoch vor allem zwei relevant und gefährlich:

  • Borreliose
  • Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Borreliose ist eine bakterielle Erkrankung (verursacht von den sogenannten Borrelien), FSME eine Viruserkrankung. Beide Erreger werden von Mäusen, Vögeln und anderen Kleintieren über die Zecken auf den Menschen übertragen.

Beide Krankheiten können das menschliche Gehirn und das Nervensystem befallen und dort schwere und langwierige Schädigungen anrichten. Während sich der FSME-Erreger vor allem im Speichel der Zecken befindet und somit kurz nach Beginn des Stichs übertragen werden kann, überleben die Borrelien im Darm der Zecke und werden erst viele Stunden später auf den Menschen übertragen.

Je früher also eine Zecke entdeckt und entfernt wird, umso geringer ist die Gefahr einer Ansteckung mit Borreliose.

FSME

Nach einer Infizierung mit FSME kann es nach einer bis vier Wochen zu einer Erkrankung kommen. Jedoch verlaufen über 90 Prozent aller Infektionen entweder harmlos und heilen nach spätestens zwei Wochen von alleine wieder ab oder sind gar komplett symptomfrei.

In einigen Fällen kann FSME allerdings durchaus heftig und mitunter gar chronisch verlaufen. In einem Prozent der Fälle führt eine Erkrankung sogar zum Tod.

Zwar lässt sich mittels Blutuntersuchung die Krankheit inzwischen gut nachweisen, ein wirksames Mittel gegen die Erkrankung gibt es allerdings bislang nicht – es können nur die Symptome und Schmerzen gelindert werden.

Grundsätzlich gilt, dass das Risiko eines schweren Verlaufs mit zunehmendem Alter signifikant ansteigt.

Borreliose

Borreliose hingegen tritt in verschiedenen Phasen auf. Zunächst zeigt sie sich nach wenigen Tagen mit einer ungefähr handgroßen, roten Stelle um die Einstichstelle – der sogenannten Wanderröte. Diese Rötung grenzt hat klare Grenzen und zeigt häufig sogar eine weiße Stelle in der Mitte. Sie juckt oder schmerzt jedoch nicht und verschwindet nach einigen Tagen wieder.

Nicht zu verwechseln ist die Wanderröte mit der normalen, kleinen Rötung direkt nach dem Stich, der dem eines Mückenstichs ähnelt und eine völlig normale Reaktion des Körpers ist. Ein Arzt erkennt den Unterschied auf den ersten Blick.

In der zweiten Phase der Borreliose treten oftmals grippeähnliche Symptome auf, aber mitunter auch erste Lähmungserscheinungen. Auch innere Organe wie das Herz können in Mitleidenschaft gezogen werden.

Monate oder Jahre später tritt die dritte und schwerste Phase der Borreliose auf: Gelenke entzünden sich, die Haut nimmt Schaden und das Nervensystem wird angegriffen, so dass dies im schlimmsten Fall zu einer teilweisen oder kompletten Lähmung des Betroffenen führen kann.

Wird die Borreliose rechtzeitig erkannt, kann sie mit Antibiotika erfolgreich behandelt werden. Im fortgeschrittenen Stadium ist eine Behandlung jedoch kaum noch möglich.

Info: Diese Gebiete sind vor allem von Zecken betroffen

Das Risiko von einer Zecke gestochen zu werden, herrscht in ganz Deutschland. Meist zwischen März und Oktober, aber auch in milden Wintern sitzen Zecken auf Grashalmen oder Büschen bis zu einem Meter Höhe und warten darauf, abgestreift zu werden. Gerne halten sie sich jedoch auch im Laub auf – gerade im Herbst.

Dass sich Zecken von Bäumen auf ihre wehrlosen Opfer herabfallen lassen, gehört also immer noch zu den Mythen und Unwahrheiten, die sich hartnäckig halten. Zwar bevorzugen die Parasiten Waldgebiete, kommen jedoch auch in Parks und Gärten vor.

Die jungen Zecken, die sogenannten Nymphen, sind dabei besonders gefährlich, da sie so winzig sind und oft erst bemerkt werden, wenn sie sich bereits vollgesogen haben und sich wieder von ihrem Wirt abfallen lassen.

Die Verbreitung der Blutsauger ist in Europa ungefähr ähnlich, jedoch nicht die der Erreger. FSME kommt dabei besonders oft in Tschechien aber auch in Süddeutschland vor – jedoch gelten auch hier maximal fünf Prozent der Zecken als infiziert.

Anders sieht es mit der Verbreitung von Borreliose aus. Hier können je nach Gebiet bis zu einem Drittel aller Zecken den Erreger in sich tragen.

Da jedoch wie erwähnt eine Übertragung erst viele Stunden nach Beginn des Stichs wahrscheinlich ist, beläuft sich die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung auf drei bis sechs Prozent. Und auch nur bei ungefähr einem Prozent der Infizierten tritt eine Erkrankung auf.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass das Risiko einer schweren FSME-Erkrankung statistisch gesehen bei durchschnittlich jedem 150. Zeckenbiss auftritt, das einer einer Borreliose bei jedem 40. – in Süddeutschland sogar bei jedem 15.

Trotz dieser vergleichsweise beruhigenden Zahlen sollten Sie das Risiko keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen.

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Tipp: Zeckenstichen vorbeugen

Wer sich häufig in der Natur aufhält, ist auch einem erhöhten Risiko ausgesetzt, von einer Zecke gestochen zu werden. Dazu müssen Sie nicht in abgelegenen Waldgebieten campen – es reicht schon, wenn Sie ein Haustier haben, das die Parasiten in die Wohnung bringt.

Daher gilt: Suchen Sie sich und Ihre Tiere nach einem Aufenthalt im Freien jedes Mal gründlich nach Zecken ab. Die kleinen Blutsauger stechen nicht sofort zu, sondern brauchen einige Zeit, bis sie auf dem Körper zu einer geeigneten Einstichstelle gekrabbelt sind.

Außerdem können Sie die Wahrscheinlichkeit, von Zecke befallen zu werden, mit diesem Tipps weiter minimieren:

  • Ziehen sich eine lange Hose an, wenn Sie durchs hohe Gras laufen. Am besten ist es, die Hosenbeine für diese Zeit in die Socken zu stopfen.
  • Helle Kleidung ermöglicht es Ihnen, Zecken schneller zu entdecken.
  • Benutzen Sie Insektenschutzmittel. Icaridin und DEET schützen nicht nur vor Moskitos, sondern auch bis zu drei Stunden vor Zecken.

Zudem sollten Sie über eine Impfung gegen FSME nachdenken. Wer in einem Risikogebiet, also beispielsweise in Bayern oder Baden-Württemberg wohnt, sollte diese gut verträgliche Impfung vornehmen – am besten im Winter, da der Impfschutz einige Wochen benötigt, um wirksam zu werden.

Gegen Borreliose gibt es allerdings keine Impfung, daher sollten auch geimpfte Personen weiterhin vorsichtig sein und nicht sorglos durch das Gras streifen.

Nach einem Stich: So entfernen Sie Zecken richtig

Hat man eine Zecke am Körper entdeckt die nicht mehr krabbelt sondern sich bereits festgekrallt hat, so sollten Sie diese umgehend entfernen.

In diesem Zusammenhang existieren die meisten Irrtümer: Weder hat die Zecke ein Gewinde, nach der man sie in einer bestimmten Richtung rausschrauben muss, noch sollten Sie den Parasiten mit Öl oder Klebstoff abtöten oder sie quetschen. In diesem Fall gerät die Zecke nämlich in Panik und erbricht ihren kompletten Magen- und Darminhalt inklusive aller Erreger in Ihr Blut.

So geht es richtig:

  1. Nehmen Sie eine Zeckenzange, eine Zeckenkarte oder eine Pinzette zur Hand. Notfalls genügen auch spitze Fingernägel.
  2. Ziehen Sie die Zecke sanft und gerade heraus ohne sie zu quetschen.
  3. Desinfizieren Sie die Einstichstelle.
  4. Überzeugen Sie sich durch genaues Hinsehen, ob die Zecke komplett entfernt ist. Befinden sich noch Reste in der Einstichstelle, sollten diese von einem Arzt entfernt werden.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informiert Sie nur allgemein. Er kann und soll eine medizinisch-ärztliche Beratung nicht ersetzen. Vor der Einnahme eines Medikamentes lesen Sie bitte die Packungsbeilage sorgfältig durch und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

[Bildnachweis: KPixMining by Shutterstock.com]

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