Zucker: Das süße Gift

Zucker ist ein Geschmacksverstärker und macht Lebensmittel süß und lecker. Doch Zucker kann unserem Körper auch schaden und sogar süchtig machen.

Warum Zucker ein Problem in unserer Gesellschaft ist, in welchen Lebensmitteln überall versteckter Zucker enthalten ist und welche Alternativen es gibt, erfahren Sie hier…

Zucker: Das süße Gift

Darum ist Zucker ein Problem

Zucker ist nicht per se ein Problem. Wie bei allem, was wir zu uns nehmen, macht die Menge das Gift.

Allerdings hat die Industrie in den vergangenen Jahrzehnten den Zucker als billiges Konservierungsmittel und Geschmacksverstärker entdeckt. Insofern beinhalten viele verarbeitete Lebensmittel versteckten Zucker – und das nicht zu knapp.

Doch warum spricht unser Körper so stark auf Zucker an? Warum meldet er nicht, wenn er genug davon hat?

Das hat verschiedene Ursachen: Zum einen empfinden wir Zucker als Belohnung – das liegt nicht nur an der Erziehung, wo Schokolade oder andere Süßigkeiten oft dazu verwendet werden, eine Leistung des Kindes wert zu schätzen. Schuld ist vielmehr die menschliche Muttermilch, die erheblich süßer ist als so manche Tiermilch.

Außerdem rührt unsere Liebe nach Süßem aus unseren Genen, die sich seit der Steinzeit kaum verändert haben. Damals waren süße Früchte und somit auch lebenswichtige Vitamine Mangelware. Wenn unsere Vorfahren dann auf eine solche Quelle gestoßen sind, wurde gesammelt und gegessen, als ob es kein Morgen gäbe.

Beides führt dazu, dass der menschliche Körper sehr gerne Zucker aufnimmt und als Energiequelle für schlechte Zeiten speichert. Da es allerdings in unserer westlichen Industriegesellschaft solche schlechten Zeiten kaum noch gibt, werden die Reserven größer und größer: Zucker wird in Fettspeicher umgewandelt und wir nehmen zu.

Dabei brauchen wir herkömmlichen Haushaltszucker, also Saccharose, im Prinzip gar nicht. Der Bestandteil Glukose (also Traubenzucker), der unser Gehirn und unsere Muskeln mit Energie versorgt, kann ebenso aus Gemüse, Getreide, Kartoffeln, Fleisch oder Früchten gewonnen werden. Zucker ist also für unser Überleben völlig überflüssig, ja er kann uns mit der Zeit sogar krank machen.

Dennoch verzehren wir im Schnitt fast fünfzig Kilogramm Zucker jährlich. Ein Großteil davon unbewusst. Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat untersucht, dass knapp 90 Prozent der verarbeiteten Lebensmittel, die in den Supermarktregalen stehen, versteckten Zucker enthalten – ein Großteil davon in nicht unerheblichen Mengen.

Und damit das so bleibt, investiert die Lebensmittelindustrie jährlich Milliarden in Marketing, um weiterhin auf den billigen Zusatzstoff Zucker zurückgreifen zu dürfen.

Zuckerhaltige Speisen

Dass Schokolade, Kuchen, Softdrinks oder Gummibärchen viel zu viel Zucker enthalten, versteht sich von selbst. Diese Produkte kaufen wir ja auch aus genau diesem Grund: Weil der süße Geschmack unser Belohnungssystem im Gehirn auslöst und wir uns damit gut fühlen.

Doch auch andere verpackte Lebensmittel, von denen wir es gar nicht denken, enthalten Zucker. Dabei gehören sie gar nicht zu den klassischen Süßigkeiten. Hier einige Beispiele, deren Zuckergehalt in Anzahl von Würfelzuckerstückchen angegeben ist, um es deutlicher zu machen:

  • Kaffeegetränke
    Fertig gemischte Kaffeegetränke aus dem Supermarkt oder von einer bekannten Kaffeehauskette enthalten bis zu 20 Würfel Zucker pro Portion.
  • Babybrei
    Vermeintlich gesunder Babybrei enthält bis zu sieben Würfel Zucker pro Gläschen. Das ist für so einen kleinen Körper ungefähr zehnmal so viel wie die empfohlene Tagesdosis.
  • Tomatensauce
    Fertige Tomatensauce enthalten ebenfalls eine Menge versteckten Zucker. Mehr als elf Würfel stecken in einem kleinen Glas. Ketchup sogar noch erheblich mehr.
  • Joghurt
    Fertige Fruchtjoghurts – selbst sogenannte Light-Produkte – enthalten mindestens vier Zuckerwürfel pro Becher. Kaufen Sie also besser Naturjoghurt und mischen sich Ihre frischen Früchte selbst hinein.
  • Frühstückscerealien
    Was uns als gesunder Start in den Tag angepriesen wird, enthält ungefähr zehn Stück Zucker – pro Portion wohlgemerkt, nicht pro Packung.
  • Wurst
    Selbst verpackte Wurst enthält Zucker: In einer kleinen Salami finden sich durchschnittlich zwei Stück Zucker.
  • Tiefkühlkost
    Fertigkost aus der Dose oder aus dem Tiefkühler ist ebenfalls mit Zucker versetzt, wenn es sich nicht um unbehandeltes Gemüse oder Fleisch handelt. Eine Tiefkühlpizza enthält zum Beispiel vier Würfel Zucker.
  • Brot
    Selbst in einem kleinen Laib Brot stecken drei bis fünf Würfel Zucker – je nach Rezeptur.
  • Smoothies
    Wer denkt, er tut seinem Körper mit Fruchtsmoothies etwas Gutes und Gesundes, der irrt: Bis zu sieben Stück Zucker wurden in einem kleinem Fläschchen nachgewiesen.
  • Schokocreme
    Zum Abschluss dieser kleinen Beispielliste präsentieren wir den absoluten Zuckerkönig: Schokocreme. Fast zwei Drittel eines Glases besteht nur aus Zucker und nichts anderem.

Meiden Sie also Fertigprodukte so gut es geht. Kochen Sie frisch und ausgewogen mit regionalen Lebensmitteln – am besten vom Markt. Tipps für eine ausgewogene und gesunde Ernährung finden Sie zudem in unserem entsprechenden Artikel.

Info: Das stellt zu viel Zucker in unserem Körper an

Zucker gibt uns Energie. Und das sehr schnell. Doch ebenso schnell, wie er unseren Blutzuckerspiegel in die Höhe treibt, senkt er ihn auch wieder ab. Die Folge: Wir haben erneut Appetit und Heißhungerattacken.

Dieses Spielchen kann bis hin zu einer Sucht führen. Ja, Zucker kann tatsächlich abhängig machen. Wenn wir ständig Appetit nach Süßem verspüren ohne wirklich Hunger zu haben, spricht man von Zuckersucht.

Außerdem verursacht zu viel Zucker langfristig noch weitere Krankheiten:

Nehmen wir Zucker zu uns, wird er im Körper aufgespalten: In Glukose und Fructose. Glukose wird vom Blut in das Gehirn und die Muskeln weitertransportiert und dort sofort verbrannt. Was nicht benötigt wird, wird mit Hilfe des Hormons Insulin in Fett umgewandelt und eingelagert.

Fructose wird in der Leber verarbeitet. Im Gegensatz zu Glukose wirkt sich dieser Bestandteil daher kaum auf den Blutzuckerspiegel aus. Stattdessen wird er in der Leber eingelagert – ebenfalls als Fett.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt daher, pro Tag nicht mehr als 25 Gramm Zucker zu sich zu nehmen. Das sind vier Würfel beziehungsweise sechs flache Teelöffel.

Fakten zu Zucker

Einige Hintergründe zu unserem Zucker, die Sie vielleicht noch nicht wussten:

  • Zucker wird hauptsächlich in den Tropen aus Zuckerrohr oder in gemäßigten Breiten aus der Zuckerrübe gewonnen. Auch der sogenannte braune Rohrzucker besteht also komplett aus Saccharose und ist keineswegs gesünder. Im Gegenteil: Oft wird er industriell sogar nachgefärbt.
  • Hundert Gramm Zucker enthalten 400 Kalorien. Vitamine sucht man darin allerdings vergeblich, auch wenn er ursprünglich von einer Pflanze stammt.
  • Die größten Zuckerproduzenten sind Brasilien, Indien und Thailand. Die ältesten Zuckerfunde wurden bereits 8000 Jahre vor Christus nachgewiesen – und zwar im Pazifikraum.
  • Bis 1840 der Böhme Jacob Christoph Rad eine Möglichkeit zur Raffinerie von Zucker erfand, war Zucker sehr wertvoll und wurde sogar als Heilmittel eingesetzt. Erst durch die industrielle Revolution wurde Zucker nach und nach zu einem Lebensmittel für die Massen.

Tipp: Andere Bezeichnungen für Zucker

Wer genau auf die Rückseiten der Packungen im Supermarkt schaut, wird inzwischen immer seltener die Bezeichnung „Zucker“ finden. Der schlechte Ruf ist einfach zu dominant geworden. Aber es finden sich ähnliche Bezeichnungen für Zucker oder Zuckerverbindungen, hinter denen sich im Endeffekt nichts anderes als Saccarose verbirgt:

  • Glukose-Fruktose-Sirup
  • Dextrose
  • Fruchtsüße
  • Gerstenmalzextrakt
  • Sucrose
  • Molkepulver
  • Isoglukose
  • Laktose
  • Maltose
  • Malzextrakt
  • Ahornsirup
  • Maissirup

Auch sogenannte Zuckeralternativen wie Agavendicksaft, Kokosblütenzucker oder Birnendicksaft bestehen fast ausschließlich aus Saccharose.

Alternativen zu Zucker

Künstliche Süßstoffe haben in den letzten Jahrzehnten zunehmend den Markt erobert. Allerdings ist noch kein Produkt auf den Markt gekommen, dass die geschmacklichen Eigenschaften und die Möglichkeiten der Verarbeitung von Zucker komplett ersetzen kann.

Zudem löschen die meisten dieser Ersatzstoffe nicht unser Verlangen nach Süßem, weswegen wir nur noch mehr konsumieren. Dennoch haben sich Zuckerersatzstoffe wie Saccharin, Xylit oder Erythrit in vielen Diätprodukten durchgesetzt.

Dazu zählt auch (das eigentlich natürliche aber industriell weiterverarbeitete) Stevia. Diese Pflanze ist erheblich süßer als Haushaltszucker, hat jedoch keine Kalorien und schont auch die Zähne. Dennoch ist der Geschmack nicht mit dem von Zucker vergleichbar.

Daher empfehlen Ernährungswissenschaftler anstatt dieser künstlichen zuckerähnlichen Stoffe, besser die Ernährung komplett umzustellen. Beeren, aber auch alte Apfelsorten (also nicht der hochgezüchtete und übersüßte Pink Lady aus dem Supermarkt) bieten eine gesunde Alternative für unser Verlangen nach Süßem. Eine Ausnahme bilden Bananen und Trauben, die in erheblichem Maße Fruchtzucker enthalten.

Zwar müssen Sie nicht radikal für alle Zeiten auf Süßigkeiten verzichten, aber eben deutlicher sparsamer damit sein. Ein sukzessives Reduzieren von zuckerhaltigen Lebensmitteln und Getränken vermindert die Gefahr von Krankheiten und lässt Sie länger gesund und fit bleiben. Das Führen eines Ernährungsprotokolls kann dabei helfen.

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[Bildnachweis: margouillat photo by Shutterstock.com]
13. August 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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