Essen auf Rädern: Vorteile, Speiseplan, Preise, Zuschüsse

Herr Schmitz öffnet die Dose Linsensuppe. Schon zum zweiten Mal diese Woche. Eigentlich mag er Eintöpfe, aber diese kann er nicht mehr riechen. Abwechslung müsste auf den Speiseplan. Kochen kann er aber nicht. Außerdem schränkt ihn seine Krankheit ein. Die Alternative: Essen auf Rädern. Den Mahlzeitendienst gibt es inzwischen in zahlreichen deutschen Städten. Mit unterschiedlichen Speiseplänen, Preisen und Lieferoptionen. Wie Sie den richtigen Lieferdienst für Ihr Essen auf Rädern finden und auswählen. PLUS: Eine kostenlose Checkliste für die optimale Auswahl…

Essen auf Rädern: Vorteile, Speiseplan, Preise, Zuschüsse

Definition: Was bedeutet Essen auf Rädern?

Essen auf Rädern ist ein gängiger Begriff für Mahlzeiten, die fertig zubereitet sind und regelmäßig direkt bis an die Wohnungstür geliefert werden. Bei Bedarf kommen die Damen und Herren vom Lieferdienst sogar bis in die Wohnung.

Bekannt ist das Essen auf Rädern auch unter anderen Synonymen und Namen:

  • Mahlzeitendienst
  • Menüservice
  • Essenbringdienst
  • Catering

Die Geschichte von Essen auf Rädern

Die Geschichte von Essen auf RädernAlles begann vor 80 Jahren in England. Britische Frauen des Women’s Voluntary Service lieferten im kalten Dezember 1943 Essen an pflegebedürftige und alte Mitbürger aus.

In den USA beschloss der Kongress den Older Americans Act im Sommer 1965. Viele Wohlfahrtsorganisationen entstanden daraufhin, die unter anderem einen Lieferdienst für Mahlzeiten übernahmen. Meals on Wheels wurde eine landesweit bekannte Institution.

In den Sechzigerjahren kam Essen auf Rädern nach Deutschland. In Berlin-Kreuzberg wurden Rentner erstmals mit preiswerten warmen Mahlzeiten versorgt.

Der Krefelder Verein für Haus- und Krankenpflege zog schnell nach. Auch hier wurden Anfang der Sechzigerjahre Mahlzeiten zu Bedürftigen gebracht. Bald schon waren es 200 Essen, die täglich in einer Großküche produziert und ausgeliefert wurden.

Heute gibt es Essen auf Rädern in ganz Deutschland.

Vorteile: Welche Gründe sprechen für den Mahlzeitendienst?

Vielfältige Gründe und Vorteile sprechen dafür, dass Sie Ihr Essen beim Mahlzeitendienst bestellen sollten:

  • Entlastung

    Wenn Sie überlastet sind, sich nicht mehr täglich Essen zubereiten möchten und kochen wollen, werden Sie durch Essen auf Rädern entlastet. Sie müssen sich nicht mehr selber auf den Weg machen, Lebensmittel einkaufen, nach Hause tragen und zubereiten.

  • Erkrankung

    Vielleicht sind Sie schon länger erkrankt, und es fehlen Ihnen die feinmotorischen Fähigkeiten, um zu kochen. Das scharfe Messer liegt gefährlich in Ihrer Hand. Sie fühlen sich beim Schneiden überfordert. Oder Sie haben Angst, dass Sie vergessen, den Herd auszustellen. Was auch immer der Grund sein mag, warum Sie nicht mehr selber kochen: Essen auf Rädern kann Ihnen diese Arbeit abnehmen.

  • Unterstützung für pflegende Angehörige

    Auch stark beanspruchte pflegende Angehörige profitieren vom Mahlzeitendienst. In der Zeit, in der Sie kochen müssten, können Sie andere Aufgaben erledigen. Oder Sie haben einfach mal Zeit für sich selber und schöpfen Kraft.

  • Gesunde Ernährung

    Für den Laien ist es gar nicht so einfach, eine spezielle Kostempfehlung einzuhalten. Wenn Sie sich salzarm ernähren müssen, Ihr Gewicht reduzieren sollen, eine Allergie haben oder mit einer Diabetes leben müssen, kann das Essen auf Rädern eine auf Ihre Bedürfnisse abgestimmte Ernährung liefern.

Nachteile: Welche Gründe sprechen gegen einen Lieferdienst?

So praktisch Essen auf Rädern ist, die Nachteile möchten wir Ihnen auch nicht verschweigen:

  • Kosten

    Grundsätzlich ist es teurer, wenn Sie sich das Essen liefern lassen. Preiswerter ist es, wenn Sie für sich selber kochen.

  • Massenherstellung

    Das Auge isst mit, heißt es. Das Essen auf Rädern sieht allerdings nicht immer appetitlich aus. Schließlich kommt es aus einer Großküche. Auch der Geschmack kann darunter leiden.

  • Schlechte Nährwerte

    Stichproben in Studien haben leider auch ergeben, dass die Nährwerte nicht immer ausgewogen sind. Die Speisen können zu viel Salz enthalten oder zu fettig sein.

  • Verpackung

    Auch die Verpackung ist ein Problem. Insbesondere bei Aluminiumschalen wurde ein hoher Aluminiumgehalt im Essen gemessen.

  • Mangelnde Frische

    Viele Anbieter kochen die Mahlzeiten selten selber, sondern nutzen Menüs, die in Fabriken hergestellt und dann tiefgekühlt wurden. Durch die Tiefkühlung können sie leichter transportiert werden. Die Anbieter tauen sie kurz vor der Auslieferung auf. Dem Kunden wird auf diese Weise oft tiefgefrorenes und dann erhitztes Essen angeboten. Sie sollten darum genau nachfragen, wo das Essen gekocht wurde. Der Hinweis des Anbieters, dass sie regionale angebaute Lebensmittel nutzen, reicht nicht.

Wer liefert Essen auf Rädern?

Essen auf Rädern wird von unterschiedlichen Diensten angeboten: Dahinter stehen Wohlfahrtsverbände, Hilfsorganisationen oder Privatunternehmen. Der Lieferdienst ist vor allem für Menschen gedacht, die hilfsbedürftig sind und nicht mehr selbständig ihre Mahlzeiten zubereiten können.

Oft sind das ältere Mitmenschen. Gerne nehmen auch Menschen mit Behinderung diese Hilfe in Anspruch.

Wie findet man Anbieter für den Mahlzeitendienst?

Bestimmt gibt es einige Anbieter bei Ihnen vor Ort, wie oft schon eine einfache Recherche im Internet zeigt. Geben Sie einfach in Ihrer Suchmaschine den Name Ihrer Stadt und „Essen auf Rädern“ ein. Danach werden Ihnen viele Angebote gezeigt.

Klicken Sie sich durch, und wählen Sie aus. Wollen Sie wissen, welche Erfahrungen andere mit dem Mahlzeitendienst gemacht haben, dann fragen Sie im Seniorenbüro in Ihrer Heimatstadt nach. Oder wenden Sie sich an die Beratungsstellen der Wohlfahrtsverbände und Kirchengemeinden.

Checkliste: Worauf sollte ich bei meiner Auswahl achten?

Checkliste: Worauf sollte ich bei meiner Auswahl achten?Wir haben für Sie eine kostenlose Checkliste zusammengestellt, die Ihnen helfen soll, zwischen den verschiedenen Anbietern optimal auszuwählen:

  • Preis: Was ist alles im Preis enthalten? Bezahlen Sie nur die Mahlzeit und kostet die Lieferung extra? Sind Lieferungen am Wochenende oder Feiertag eventuell teurer?
  • Produktqualität: Wie frisch sind die Produkte? Wird das Essen auf Rädern ohne Konservierungsstoffe zubereitet? Wird auf Geschmacksverstärker und Farbstoffe verzichtet? Wie wird die Mahlzeit zu Ihnen nach Hause geliefert? Gibt es saisonale Gerichte, mit Lebensmitteln aus der Region?
  • Abwechslungsreiches Angebot: Gibt es neben den Fleischgerichten auch Fischgerichte und vegetarische Gerichte? Stehen frische Lebensmittel wie Salat, Rohkost oder Obst zur Auswahl?
  • Nährwerte: Werden auf den Speisekarten detaillierte Nährwertangaben gemacht? Denn wer sich ausgewogen ernähren will, sollte auch auf die Zusammensetzung achten.
  • Probeessen: Dürfen Sie an mehreren Tagen das Essen einmal testen? Oder verpflichten Sie sich direkt für eine längere Zeit?
  • Spezielle Menüs: In wiefern kann das Essen auf Ihre Bedürfnisse ausgerichtet werden? Nimmt der Service zum Beispiel auf Laktoseintoleranz, Diabetes oder salzarme Ernährung Rücksicht?
  • Menüplan für den Monat: Wie lang kann man den Menüplan vorher einsehen? Einen Monat oder eine Woche? Wie abwechslungsreich können Sie daraus Ihr Essen auswählen?
  • Nachhaltigkeit: Was für Geschirr wird verwendet? Einweg- oder Mehrweggeschirr? Wie viel Müll entsteht bei der Lieferung?
  • Lagerung: Können die Mahlzeiten auch mal eingefroren werden?
  • Flexibilität: Inwiefern können Sie bei Ihre Bestellung variieren? Können Sie zwischen kleinen und großen Portionen auswählen? Kann man von einem auf den anderen Tag seine Mahlzeit abbestellen?
  • Kündigungsfrist: Wie lang ist die Laufzeit? Wie schnell kann man das Essen wieder abbestellen?

Essen auf Rädern Speiseplan: Was gibt es zu essen?

Am besten studieren Sie selber in Ruhe die Angebote der Lieferdienste. Es gibt ganz normale Hauptmahlzeiten, zum Beispiel…

  • Kassler, Salzkartoffeln und Sauerkraut
  • Gulasch mit Spätzle
  • Wirsingeintopf
  • Kartoffelsuppe

Manche Lieferdienste nehmen auch auf besondere Bedürfnisse Rücksicht. Bei ihnen gibt es zum Beispiel auch…

  • vegetarische Gerichte
  • laktose- oder glutenfreie Mahlzeiten für Menschen mit Unverträglichkeiten oder Allergien
  • spezielle Kost für Diabetiker
  • salzarme Nahrung
  • fettfreie und zuckerreduzierte Speisen für Menschen, die ihr Gewicht reduzieren möchten
  • pürierte Kost für Kunden mit Schluckbeschwerden

Meistens werden potenzielle Kunden erst beraten, damit Sie Ihr Menü richtig zusammenstellen. Abwechslungsreich wird Ihr Speiseplan, indem Sie aus dem Plan auswählen und entscheiden, wann und wie sie beliefert werden möchten.

Einige Lieferdienste haben auch einen kleinen Getränkeservice und liefern zum Beispiel noch eine Flasche Mineralwasser mit.

Die zwei Arten des Essens auf Rädern

Sie können zwischen zwei Varianten des Menüservices unterscheiden:

  1. Tägliche Lieferung eines warmen Mittagessens.
  2. Wöchentliche Lieferung von tiefgekühlten Mahlzeiten, die zu Hause aufgewärmt werden.

Innerhalb des Menüs gibt es meist mehrere Auswahlmöglichkeiten. Oft gibt es Zusatzangebote, die wahlweise angeboten werden beispielsweise Vorsuppen, Salate, Desserts oder Kuchen.

Vorteile der Tiefkühlauslieferung

  • Sie können selber entscheiden, welches Menü Sie an welchem Tag essen möchten.
  • Ihr Essen wird nicht stundenlang warm gehalten, bevor es Ihr Zuhause erreichte. Die Qualität bleibt durch die Tiefkühlung besser erhalten.
  • Auch Lieferdienst spart Geld, wenn er Sie nicht täglich beliefert. Das spart Kosten und ist ein Preisvorteil, der oft an Sie weiter gegeben wird.

Vorteile der Heißauslieferung

  • Sie haben täglich Kontakt zu einem Menschen, wenn es auch nur der Lieferant ist. Und ihm wird auffallen, wenn Sie einmal nicht die Tür öffnen – zum Beispiel bei einem Unfall.
  • Die Zubereitungszeit, das Erhitzen in Mikrowelle oder Backofen fällt weg. Sie essen kein aufgewärmtes Essen.
  • Der Lieferant kann Ihnen helfen, wenn es Ihnen schwer fällt, eine Menüschale zu öffnen.

Verpackung: Wie wird die Mahlzeit verpackt?

Verpackung: Wie wird die Mahlzeit verpackt?Nachhaltigkeit wird bei einigen Lieferdiensten immer mehr zum Thema. Die Mahlzeiten werden unterschiedlich verpackt. So gibt es zum Beispiel…

  • Thermomehrwegbehälter
  • Aluschalen
  • Kunststoffschalen
  • Porzellangeschirr

Wenn Sie eine ökologisch einwandfreie Lieferung bevorzugen, erkundigen Sie sich idealerweise vorher, wie die Speisen angeliefert werden.

Preis: Was kostet das gelieferte Essen?

Die Preise für das Essen der Lieferdienste variieren teils enorm: Die Preise sind zum einen abhängig von der Region, in der Sie leben. Aber natürlich auch vom angelieferten Essen selbst: Eine tiefgefrorene Hauptmahlzeit kann bei 3,50 Euro beginnen. Heiße Spezialkosten sind meistens teurer und liegen um die 10 Euro.

Auch, ob die Anlieferung extra kostet, variiert: Oft sind die Kosten hierfür im Preis enthalten, Lieferungen an Wochenenden und Feiertagen können extra kosten. Lassen Sie sich darum unbedingt vorab eine genaue Aufstellung über die anfallenden Kosten geben.

Essen auf Rädern Zuschuss: Wann und wie erhält man ihn?

Grundsätzlich müssen Sie als Kunde Ihr Essen selber bezahlen. Zuschuss gibt es nur bei einem sogenannten Mehrbedarf nach dem Sozialgesetzbuch (§30 Absatz 5 , SGB XII ):

Für Kranke, Genesende, behinderte Menschen oder von einer Krankheit oder von einer Behinderung bedrohte Menschen, die einer kostenaufwändigen Ernährung bedürfen, wird ein Mehrbedarf in angemessener Höhe anerkannt.

Was bedeutet das?

Laut Gesetz müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein, damit Ihnen ein Zuschuss gewährt wird:

  • Sie leiden unter einer schweren Krankheit.
  • Sie genesen nach einer schweren Erkrankung oder Operation.
  • Sie haben eine Behinderung.
  • Sie sind von einer Behinderung bedroht.
  • Sie brauchen eine aufwändigere Ernährung, die mehr kostet, aber Sie können sich diese Mehrkosten für diese Ernährung nicht leisten. Es soll damit einer Mangelernährung vorgebeugt werden.

Nur wenn Sie zu dem oben genannten Personenkreis gehören und eine kostenaufwändigere Ernährung benötigen, die Sie sich finanziell nicht leisten können, besteht für Sie die Möglichkeit Zuschüsse für die Mehrkosten zu bekommen.

In diesem Fall müssen Sie sich an das Sozialamt Ihrer Stadt oder Gemeinde wenden. Es entscheidet über Ihren Antrag. Jeder Fall wird individuell geprüft.

Oft bekommen diejenigen Zuschüsse, die selber schon Empfänger von Sozialhilfeleistungen sind. Also Menschen, die schon in der Grundsicherung leben. Im Einzelfall bekommen auch Personen mit einem niedrigen Einkommen eine finanzielle Unterstützung für ihr Essen auf Rädern.

In jedem Bundesland wird hierüber unterschiedlich entscheiden. Fragen Sie unbedingt bei Ihrem Sozialamt nach: Wer nicht fragt, bekommt auch keine Hilfe.

Kostenlose Vorlage (Musterbrief) für das Sozialamt

Kostenlose Vorlage (Musterbrief) für das SozialamtDamit Sie einfacher an die Antragsformulare kommen, haben wir Ihnen einen Brief an das Sozialamt formuliert, den Sie sich hier kostenlos als Word-Dokument und PDF herunterladen können:

[Bildnachweis: Tricky_Shark by Shutterstock.com]
16. Dezember 2019 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

Die Herbstlust-Redaktion besteht aus erfahrenen Autoren mit langjähriger Berufserfahrung. Trotz sorgfältiger Recherche erheben die Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informieren lediglich allgemein. Der vorliegende Artikel kann eine fachliche oder ärztliche Beratung nicht ersetzen.

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