Namibia: Land der roten Stille

Mit dem Reiseland Namibia werden sich wohl die Wenigsten befasst haben. Schade eigentlich, denn das Land bietet viel für wenig Geld. Täglich per Direktflug aus Deutschland zu erreichen, verfügt es über eine hervorragende touristische Infrastruktur, die es Reisenden bequem ermöglicht, das Land zu entdecken. Zudem gilt Namibia als sicheres Reiseland – Gewalt oder Unruhen müssen Sie also kaum befürchten. Wie Sie nach Namibia kommen und was Sie dort keinesfalls verpassen sollten…

Namibia: Land der roten Stille

Namibia: Ein erster Überblick

Namibia liegt im Südwesten Afrikas, oberhalb der Republik Südafrika. Weite Teile des Landes bestehen aus Wüste, lediglich ganz oben im Norden ist das Klima etwas feuchter.

Das Land, das ungefähr doppelt so groß ist wie Deutschland, hat eine wechselvolle Geschichte. Bevor es im Jahr 1990 unabhängig wurde, war es vor dem Ersten Weltkrieg eine Deutsche Kolonie (damals unter der Bezeichnung „Deutsch-Südwest Afrika“), danach stand es unter südafrikanischer Verwaltung. Daher ist der südafrikanische Rand neben dem Namibia-Dollar auch nach wie vor ein weiteres anerkanntes Zahlungsmittel.

Namibia profitiert neben der Haupteinnahmequelle des Tourismus vor allem von seinen Bodenschätzen. Gerade für seine Vorkommen an Diamanten ist das Land bekannt.

Neben diversen afrikanischen Sprachen ist vor allem Englisch die Hauptverkehrssprache, die jeder im Land spricht. Vereinzelt wird sogar noch Deutsch gesprochen.

Wer mit dem Mietwagen individuell unterwegs sein und sich nicht einer der zahlreichen Kleingruppen-Tourangebote anschließen möchte, sollte den Linksverkehr beachten.

Eine Reise nach Namibia: Grundlegende Informationen

Für europäische Reisende ist ein Flug nach Namibia mit dem Vorteil verbunden, dass sie keinen Jetlag in Kauf nehmen müssen – je nach Jahreszeit gibt es keine Zeitumstellung oder sie beträgt maximal eine Stunde.

Die ungefähr zehnstündige Anreise nach Namibia erfolgt bequem mittels Nachtflug direkt von Frankfurt oder Köln aus. Täglich haben Sie die Wahl zwischen den Airlines Eurowings, Condor und Air Namibia, wobei letztere den schlechtesten Ruf aller drei genannten hat. Zwar nicht in puncto Sicherheit, aber hinsichtlich Bequemlichkeit und Service.

Der internationale Flughafen liegt ungefähr 30 Kilometer außerhalb der Hauptstadt Windhoek und ist ausschließlich per Taxi oder Mietwagen zu erreichen. Wer sich ein Taxi in die Stadt bucht, sollte dies unbedingt noch innerhalb des kleinen Ankunftsterminals beim offiziellen Taxistand tun, um nicht zu viel zahlen zu müssen.

Als Reiseland gilt Namibia als wesentlich sicherer als Südafrika – allein darum, weil es viel dünner besiedelt (2,1 Millionen Einwohner) und der Lebensstandard für afrikanische Verhältnisse vergleichsweise hoch ist. Lediglich in der 300.000 Einwohner zählenden Hauptstadt Windhoek sollten Sie einige Vororte meiden, in die sich jedoch sowieso kaum Touristen hin verirren.

Das Wetter in Namibia

Grundsätzlich sind die Jahreszeiten auf der Südhalbkugel entgegengesetzt denen in Europa. Dennoch sind die Temperaturen sowohl im Sommer als auch im Winter durch die geringe Luftfeuchtigkeit erträglich.

Gerade im hohen Norden sollte man jedoch darauf achten, ob gerade Regen- oder Trockenzeit herrscht. Im restlichen Land herrscht hingegen häufig das ganze Jahr über Trockenheit.

Als die ideale Reisezeit gelten daher die Monate August bis Oktober. Die Nächte sind dann nicht mehr ganz so kalt (gerade im Süden können die Temperaturen nachts auch leicht unter den Gefrierpunkt rutschen), die Tage angenehm mit 20 bis 30 Grad.

Zudem liegt die Regensaison im Norden länger zurück, was dazu führt, dass Tierbeobachtungen besser möglich sind, da gerade im Etosha-Nationalpark die Wasserlöcher zum Versammlungsort sämtlicher Wildtiere werden und kein üppiger Pflanzenwuchs die Sicht verdeckt.

Zudem sind die Moskitos bis ganz in den hohen Norden zurückgedrängt, was die Ansteckungsgefahr mit tropischen Krankheiten noch einmal erheblich vermindert.

Gesundheit in Namibia

Reiseapotheke-Checkliste-pdfDie Gesundheitsversorgung in Namibia ist zwar nicht mit dem europäischem Niveau vergleichbar. Dennoch ist die medizinische Infrastruktur insbesondere vergliche mit anderen Afrikanischen Staaten als gut zu bewerten. Als Tourist bieten sich einem ausreichend Ärzte (einige von ihnen sprechen auch Deutsch).

Tropische Krankheiten sind in weiten Teilen des Landes nicht zu befürchten. Lediglich ganz oben im Norden im Caprivi-Streifen müssen Sie ganzjährig mit Malaria rechnen und dementsprechend eine Prophylaxe einnehmen. Im Etosha-Gebiet kann es nur in und kurz nach der Regenzeit zur Ansteckung mit Malaria kommen. Hier reicht es aber unter Umständen, wenn Sie eine Standby-Therapie mit sich führen.

Das Leitungswasser in den Städten ist absolut trinkbar. Auch in den allermeisten Ressorts, Lodges und Safari-Unterkünften können Sie das Wasser bedenkenlos trinken.

Um Ihre persönliche Reiseapotheke entsprechend auszustatten, haben wir für Sie noch einmal eine Checkliste als PDF-Datei, die sich kostenlos herunterladen können.

Übernachtungen in Namibia

Fast alle, die nach Namibia kommen, werden zunächst eine oder zwei Nächte in der Hauptstadt Windhoek zubringen. Da die Stadt wenig sehenswert ist, reicht dies auch völlig aus.

Zur ersten Orientierung im neuen Land haben wir jedoch drei Vorschläge für Sie:

  • Hilton

    Mitten im Zentrum gelegen bietet das Hilton mit Sicherheit den besten Standard in Windhoek. Das moderne Haus besticht durch den markenüblichen Standard mit grandiosem Frühstücksbuffet und Executive Lounge.

  • Windhoek Gardens Guest House

    Wer es etwas schlichter aber dennoch recht zentral mag und auf die üblichen Annehmlichkeiten wie Klimaanlage und Restaurant nicht verzichten möchte, sollte sich hier einquartieren. Jeden Abend wird hier frisches Wildfleisch gegrillt.

  • Hiltop Guesthouse

    Im Stadtteil Klein-Windhoek, fußläufig von einigen empfehlenswerten Restaurants (darunter Joes Beerhouse, wo eine große und köstliche Auswahl an frisch gegrillten heimischen Steaks wie Antilope, Strauß oder ähnliches angeboten wird), befindet sich diese kleine aber feine Privatunterkunft. Die Gastgeber lassen kein Wunsch offen – inklusive frisch zubereiteten Frühstück mit Aussicht auf der eigenen Terrasse beim Pool.

Wer das Land ausschließlich auf eigene Faust mit dem Camper bereisen möchte, findet ausreichend viele Campingplätze, die jedoch aufgrund der Größe und der Einsamkeit schon mehrere Stunden voneinander entfernt liegen können – je nach Region.

Das gleiche gilt für Lodges und Safari-Unterkünfte, die sich allerdings gerade um die Sehenswürdigkeiten herum verstärkt angesiedelt haben. Diese voll ausgestatteten und weitläufigen Häuser befinden sich meist inmitten von riesigen Ranches und bieten den Reisenden alles, was es für einen angenehmen Urlaub benötigt – inklusive Tourbuchungen und Restaurants. Sie sollten sich also darunter keinesfalls eine schäbige Absteige in improvisierten Strohhütten vorstellen.

Jedoch sollten Sie die Lodges mehrere Monate im Voraus buchen, da insbesondere um die Nationalparks Etosha und Namib-Naukluft diese schnell ausreserviert sind.

Das richtige Reisegepäck für Namibia

Reisegepaeck-Checkliste-pdfIhr Reisegepäck für Namibia sollte für unterschiedliche Aktivitäten gewappnet sein. Helle, lockere Kleidung bietet sich aufgrund der vielen Sonnenstunden an. Bedenken Sie dabei, dass die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht beträchtlich sein können. Warme Jacke und unter Umständen sogar Mütze und Handschuhe sollten also ebenfalls eingepackt werden wie ausreichend T-Shirts und Shorts.

Eine Checkliste für Ihr Reisegepäck können Sie sich hier als PDF-Datei kostenlos herunterladen und ausdrucken.

Die Sehenswürdigkeiten in Namibia

Namibia ist reich an Höhepunkten und bietet viel zu entdecken, was Sie in dieser Form wohl sonst kaum auf der Welt finden werden. Drei Orte, die kein Tourist auslassen sollte, haben wir für Sie zusammengefasst:

  • Etosha-Nationalpark

    Bis auf Wasserbüffel, Krokodil und Nilpferd finden Sie hier alle berühmten afrikanischen Tiere. Zwar ist das Befahren des Parks mit dem eigenen Mietwagen möglich, wir empfehlen dennoch eine vorgebuchte Safari, die von den meisten Lodges individuell angeboten wird.

    Zum einen, weil die Guides genau wissen, wo und zu welcher Tageszeit die Wahrscheinlichkeit besonders hoch ist, Tiere zu sehen und zum anderen, weil Sie mehr Ruhe und Zeit haben, wenn Sie nichts selbst fahren müssen. Aber Achtung: So oder so dürfen Sie das Fahrzeug nur in bestimmten abgezäunten Bereichen verlassen.

    Namibia-Reiseziel-Etosha-Nationalpark-Safari

  • Fish River Canyon

    Dieses Flusstal ist nach dem Grand Canyon der zweitgrößte Canyon der Erde. Ganz im Süden gelegen, lassen ihn leider viele Reisende aus, was durchaus schade ist, da er zu den absoluten Höhepunkten gehört.

  • Namib-Naukluft Nationalpark

    Im Namib-Naukluft-Park gibt es viel zu entdecken. Allen voran die höchsten Sanddünen der Welt im Sossusvlei-Gebiet, die Namibia den Spitznamen „Land der roten Stille“ gaben. Besonders sehenswert ist dabei das Dead Vlei, wo sich Kontraste gerade in der Morgensonne fantastische Fotomotive liefern:

    Namibia-Reiseziel-Duene-Sossusvlei-Dead-Vlei

Insider-Tipps für Namibia

  • Luderitz

    Viele bevorzugen immer noch das nördliche Swakopmund, wenn es sie an der Küste zieht, doch dieser abgelegene Ort ist mindestens genau so sehenswert. Das kleine Städtchen Luderitz an der Südwestküste (oder auf Deutsch: „Lüderitz“) ist ein guter Ausgangspunkt für Küstentouren und Robbenbeobachtungen und zeigt außerdem am besten die Spuren der deutschen Kolonialvergangenheit:

    Namibia-Reiseziel-Luderitz

  • Wenige Kilometer vor dem Ortseingang finden Sie die ehemalige deutsche Diamantengräbersiedlung Kolmannkuppe. Die letzten Häuser wurden in den 50er-Jahren aufgegeben, seither hat sich hier eine beeindruckende Geisterkulisse entwickelt. Nach und nach holt sich die Wüste das Gebiet zurück, die verlassene Stadt ist daher nicht nur für Fototouristen absolut sehenswert:

    Namibia-Reiseziel-Kolmannskuppe-Kolmanskop

  • Caprivi-Streifen

    Wer im Etosha-Park auf Wassertiere verzichten musste, findet diese im hohen Norden. Einheimische behaupten, wer Caprivi nicht gesehen habe, habe Namibia nicht gesehen. Dennoch lassen viele Reisende diese Region links liegen, da sie doch etwas abgelegen ist. Ein Fehler, wie wir finden.

    Zudem ist es von hier aus nicht mehr weit zu den weltberühmten Victoria-Falls in Sambia und Simbabwe.

[Bildnachweis: paula french, kavram, Oleg Znamenskiy, Luca Nichetti by Shutterstock.com]
31. Mai 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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